Samuel ben Isaak
jüdischer Kommentator und Prediger
From Wikipedia, the free encyclopedia
Rabbi Samuel ben Isaac de Uçeda oder Schmuel de Uzeda, (hebräisch שמואל אוזידא, geboren 1545 in Safed; gestorben 1604) war ein jüdischer Kommentator und Prediger. Sein Name „Uçeda“ leitet sich von der Stadt Uceda im Erzbistum Toledo ab; was auf sephardische Wurzeln seiner Familie hindeutet. Er war ein Schüler von Isaac Luria und Chaim Vital, bei denen er die Kabbala studierte. Er war mit Rabbi Moses Cordovero befreundet. Samuel ben Isaak wurde Rabbiner und Prediger in Safed und später in Konstantinopel.
Leben und Wirken
Samuel ben Isaak de Uçeda wirkte im 16. Jahrhundert vor allem als Prediger, Talmudist und Bibelkommentator in Safed und später in Konstantinopel. In seiner Lehr- und Auslegungstätigkeit verband er klassische rabbinische Tradition mit kabbalistischen Deutungen seiner Zeit, wodurch er sich als bedeutender Vermittler zwischen Ethik, Exegese und mystischer Lehre etablierte. Seine Schriften, insbesondere der Kommentar zu Pirke Avot, fanden weite Verbreitung und trugen nachhaltig zu seinem Einfluss innerhalb der jüdischen Gelehrsamkeit bei.
Im Alter von etwa vierzig Jahren gründete er in Safed eine Jeschiwa, in der, der Talmud und die Kabbala gelehrt wurden. Die Jeschiwa wurde von der Familie Nasi aus Konstantinopel[1] unterstützt. Samuel ben Isaaka war auch einige Zeit als Kaufmann in Aleppo tätig. Als 1597 die finanziellen Mittel der Jeschiwa erschöpft waren, ging er nach Konstantinopel, um Gelder zu beschaffen. Dort wurde er von dem Philanthropen und Gelehrten Solomon ben Abraham Algazi[2] unterstützt.[3]
Die ursprünglich auf Hebräisch verfassten Schriften Samuel ben Isaacs de Uçeda liegen teils in frühneuzeitlichen Drucken, teils in handschriftlicher Überlieferung vor. Zu seinen bekanntesten gedruckten Werken zählt der Midrasch Schmuel, ein Kommentar zu den „Sprüchen der Väter“ (Pirke Avot), der erstmals 1569 in Venedig erschien und 1579 in einer dritten Auflage mit Korrekturen von Moses Alpalas[4] neu aufgelegt wurde. Ebenfalls zu seinen Lebzeiten wurde im Jahr 1600 Lechem Dimʿah („Brot der Tränen“), ein Kommentar zur Klageliederrolle, gedruckt.
Weitere Kommentare, darunter Igeret Schmuel zum Buch Rut sowie ein Kommentar zum Buch Esther, wurden erst in der Neuzeit veröffentlicht. Daneben sind mehrere umfangreiche handschriftliche Werke erhalten, die seine Tätigkeit als Prediger und Bibelausleger dokumentieren.[5]
Werke (Auswahl)

- אִגֶּרֶת שְׁמוּאֵל (Iggeret Šemuʾel, „Brief Samuels“), Kommentar und Superkommentar zum Buch Rut. Erstveröffentlichung 1557; später gemeinsam mit dem biblischen Text und dem Kommentar Raschis gedruckt (Kuru Çeşme 1597; Amsterdam 1712; Żółkiew 1800).
- לֶחֶם דִּמְעָה (Leḥem Dimʿah, „Brot der Tränen“), Kommentar zu den Klageliedern (Echa), zusammen mit dem Bibeltext und dem Kommentar Raschis (Venedig 1600; Amsterdam 1710, 1715).
- מִדְרַשׁ שְׁמוּאֵל (Midraš Šemuʾel, „Midrasch Samuels“), Ausführlicher Kommentar zu Pirkei Avot (Sprüche der Väter), erstmals gedruckt in Venedig 1579; weitere Ausgaben u. a. in Krakau (1594), Venedig (1585, 1597) und Frankfurt am Main (1713). Dieses Werk gilt als Uçedas Hauptwerk und enthält zahlreiche Bezüge zu Kommentaren zeitgenössischer und früherer Gelehrter, darunter Jonah Gerondi, Meïr Abulafia, Samuel ben Meïr, Menaḥem Meʾiri, Moses Almosnino und andere, die zur Zeit der Abfassung noch handschriftlich vorlagen.
- מִדְרַשׁ שְׁמוּאֵל עַל הַתּוֹרָה (Midraš Šemuʾel ʿal ha-Tora, „Midrasch Samuel zur Tora“), Kommentar zur Tora, zusammengestellt aus handschriftlichen Texten des Autors; erstmals veröffentlicht in New York 2015