San Maurizio (Venedig)

profaniertes Kirchengebäude in Venedig, Italien From Wikipedia, the free encyclopedia

San Maurizio ist eine profanierte, nach legendenhafter Überlieferung aus dem 7. Jahrhundert stammende Kirche im Sestiere San Marco am gleichnamigen Campo in Venedig. Das heutige Gebäude stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert. Im Gebäude befindet sich das Museo della Musica. San Maurizio gilt als „das bedeutendste Beispiel eines von französischer sog. ‚Revolutionsarchitektur‘ beeinflußten Klassizismus in Venedig“ (Jan-Christoph Rößler).

Blick nordwärts über den Campo Richtung Kirche San Maurizio, im Hintergrund der Campanile von Santo Stefano
Historisches Spinett – Eines der zahlreichen barocken Musikinstrumente im Museum der Musik, das in der Kirche San Maurizio untergebracht ist
Hauptaltar mit Martyrium des hl. Mauritius, Blick in die Kuppel, Musikinstrumente

Geschichte

Die Kirche soll im Jahr 699[1] unter dem Namen San Lazzaro entstanden sein. Sie wurde unter einem neuen Namen und bereits als Pfarrkirche wieder aufgebaut, nachdem sie 1105 durch einen Brand vollständig zerstört worden war. Einige Chroniken führen dies auf die Familien Candiano und Sanudo zurück.[2]

Völlig umgebaut wurde das neue Gebäude von 1495 abermals[3] und 1590 geweiht. Bei diesem Neubau wurde das Gebäude so gedreht, dass die Apsis nunmehr nach Osten wies und die Fassade auf den Campo. Unter den zahlreichen Scuole, die zur Pfarrei gehörten, ist die Scuola degli Albanesi hervorzuheben, deren Gebäude 1489 fertiggestellt wurde und das neben der Kirche steht. Wie Cesare Augusto Levi vermerkt, wurde die Kirche noch 1796 bis 1806 renoviert, also als die Stadt bereits französisch war.

Auf Befehl Napoleons wurde San Maurizio 1806 abgerissen und unmittelbar danach, nämlich ab 1807, nach dem Vorbild der Kirche San Geminiano wieder aufgebaut. Letztere, unmittelbar am Markusplatz gelegen, wurde gleichfalls abgerissen. Die genaue Zuordnung des ursprünglichen Entwurfs für den Neubau ist umstritten. Einen Anteil hatte jedenfalls der Amateurarchitekt Pietro Antonio Zaguri, der aber bald durch Giannantonio Selva in Zusammenarbeit mit Antonio Diedo ersetzt wurde. Diedo war für die nach Selvas Tod fertiggestellte Fassade verantwortlich. Die Kirche wurde 1817 als Filialkirche der Pfarrei Santo Stefano wiedereröffnet und 1818 erneut geweiht. Heute birgt sie ein Museum für barocke Musik. Geweiht wurde die Kirche am 4. Mai 1820 durch den späteren Patriarchen Giacomo Monico (1827–1851).[4]

Literatur

  • Alvise Zorzi: Venezia scomparsa, Electa, 1972, S. 334.
  • Maria Francesca Tiepolo (Hrsg.): Domenico prete di San Maurizio, notaio in Venezia (1309–1316), Venedig 1970.
  • Giandomenico Romanelli: Venezia Ottocento, Venedig 1977, S. 67.
  • Jan-Christoph Rößler: San Maurizio, Kirchen in Venedig
  • Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 207 f. (Digitalisat)
Commons: San Maurizio – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

Related Articles

Wikiwand AI