Santa Maria della Concezione (Venedig)
From Wikipedia, the free encyclopedia
Santa Maria della Concezione, auch Chiesa delle Cappuccine di Castello oder einfach Le Capucine genannt, war eine bis 1810 bestehende Kirche nebst Kapuzinerinnenkonvent im Osten des venezianischen Sestiere Castello, die 1675 fertiggestellt bzw. eingerichtet wurden. Sie befanden sich unmittelbar nördlich gegenüber der Kirche S. Antonio.

Geschichte

Der Konvent entstand 1668 auf Initiative des Senators Francesco Vendramin († 1672). Dort sollten junge Patrizierinnen aus armen Verhältnissen unterrichtet werden. Mit der Gründung wurde die Kapuzinerin Lucia Ferrari (1603–1682) aus Reggio nell’Emilia betraut. Sie hatte bereits ähnliche Einrichtungen in Guastalla, Mantua und Treviso gegründet. Ferrari kehrte aus Guastalla mit Paola Maria Gridonia Malatesta (1630–1708) zurück, die ihr als Vikarin zur Seite stand und nach ihrem Tod ihre Nachfolge als Oberin antrat. Sie zogen in den eigens erworbenen Palast und erhielten vom Patriarchen Gianfranco Morosini (1644–1678 im Amt) die Erlaubnis, dort ein Oratorium einzurichten.
Zunächst lebten dort nur fünf Ordensschwestern und fünf Zöglinge. Um ihre Existenz zu sichern, wies der Senator dem Kloster eine ewige Rente zu, die zur Versorgung von neun Ordensschwestern und fünfzehn Zöglingen ausreichte. Er bot jeder Frau eine Mitgift von 1000 Dukaten, wenn sie das Gelübde ablegte oder heiratete. Nach Vendramins Tod erhielten die Frauen die Erlaubnis, eine Kirche innerhalb des Hauses zu errichten, die 1675 fertiggestellt wurde. Nach dem Tod der Ferrari folgte ihr 1682 Paola Malatesta bis zu ihrem eigenen Tod im Jahr 1708 als Oberin nach.
Unter Napoleon, der zahlreiche geistliche Institutionen auflösen und zusammenlegen ließ, wurde die Kirche nebst Konvent geschlossen und von 1809 bis 1810 abgerissen, genauso wie die benachbarten Kirchen San Domenico, San Nicolò und Sant’Antonio. Die Nonnen mussten nach Ognissanti umziehen. Der Osten der Stadt sollte nach Plänen von Gian Antonio Selva komplett umstrukturiert werden, wozu auch öffentlich zugängliche Gartenanlagen vorgesehen waren,[1] die Giardini napoleonici oder della Biennale.
Literatur
- Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, n. 114, S. 77. (Digitalisat)
- Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 110–112. (Digitalisat)
- Johann C. Maier: Beschreibung von Venedig, Teil I, Christian Gottlieb Hertel, Frankfurt/Leipzig 1787, S. 50 f. („Die Cappuccinnerinnin zu Castello“). (Digitalisat)