Santa Marta (Venedig)
Gebäude in Venedig, ehemalige Kirche
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Geschichte


Initiator für die Gründung und Patron des Klosters war die Patrizierfamilie Salamon oder Salomon. Deren ältester Angehöriger erhielt das Privileg, nach der Wahl die Äbtissin des Klosters einzusetzen. Diese schenkte der Familie jedes Jahr am Feiertag des Titularheiligen eine Seidenrose, als öffentlich sichtbare Tributleistung an die Familie.
Nach Flaminio Corner hingegen, ging die Initiative auf die erste Äbtissin namens Giacomina Scorpioni zurück.[1] Nach ihm lebte sie in der Pfarrgemeinde San Niccolò, wo sie zur Gründung eines Hospizes für die Kranken unter den Armen ihrer Gemeinde beitrug. Daraufhin wurde sie von den Adligen Marco Sanudo und Filippo Salomone unterstützt. Sie wünschte, eine Kirche und ein Hospiz zu gründen, das dem Apostel Andreas und der Mutter Gottes geweiht werden sollte. Damit trat sie 1315 vor Accursio Preposito aus Pistoia und Giacomo Albertini, den Bischof von Castello. Sie selbst wollte erste Priorin auf Lebenszeit werden, erst dann sollte Filippo Salomone das Recht der Wahl zufallen. Die Bewohner des Hospizes sollten dafür täglich für das Seelenheil der ersten Wohltäter Marco Sanudo und Filippo Salomone beten. Den Grundstein legte Giovanni Zane († 1331), Bischof von Caorle.
Doch nun kam es zu derartigen Verzögerungen, dass 1316 Exkommunikationsdrohungen aufkamen. Inzwischen hatte sich die Priorin zudem entschieden, ein Nonnenkloster zu errichten, kein Hospiz mehr. Die Priester der Pfarrei luden die Gründerin vor den Generalvikar. Sie taten dies nicht nur, weil die Priorin ihrer Auffassung nach kein Recht dazu hatte, und weil die Bedingungen des bereits unterzeichneten Vertrags damit außer Kraft gesetzt würden. Zum Zeitpunkt der Vereinbarung war Giacomina Scorpioni (wie sie behaupteten) an das Ordensgelübde des Klosters San Mauro di Burano gebunden, die ihr eine solche vertragliche Bindung verboten. Der Generalvikar entschied zugunsten Scorpionis und der Klostergründung. Die eigentliche Klostergründung sollte sie aber beim zuständigen Bischof erbitten. Am 13. Juni 1318 erhielt sie die bischöfliche Erlaubnis gegen jährliche Gabe einer libbra di cera, eines Pfundes Wachs.[2]
Am 1. Juli 1319 wurde Giacomina Scorpioni, Gründerin und Patronin des von ihr gegründeten Klosters der Heiligen Andreas und der Martha, als Äbtissin, der heiligen Margareta Trivisan, Benediktinerin in San Lorenzo di Ammiana, vorgestellt; und so nahmen die dort eingeführten Nonnen die dort geltende Regula Benedicti an. Am 30. Oktober wurde Scorpioni offiziell als Äbtissin eingesetzt. Der Patriarch von Grado befreite das Kloster 1328 von der Aufsicht durch die Pfarrgemeinde. Doch nun kam es zum Streit um die Rechte der Familie Salomone gegenüber dem Kloster, der erst 1339 und 1340 geschlichtet werden konnte. Das Kloster wurde bald nur noch nach der heiligen Martha genannt.
1446 bis 1448 begann man, die inzwischen baufällige Kirche zu ersetzen. Diese sollte nicht nur das Gelände der alten Kirche, sondern auch den nahegelegenen Friedhof umfassen. Dazu wurde 1445 erlaubt, die angrenzenden Lagunengebiete mit Erde zu verfüllen und damit Land zu gewinnen. Doch nun forderte die Gemeinde San Nicolò erneut, dass die Nonnen ihre Sakramente von dort zu empfangen hätten. Der ungeduldige Vikar Antonio Saraceo widersprach 1467 den Forderungen der Pfarrkirche und verlangte, dass diese Entscheidung, wohl zur steten Erinnerung, in deren Kapitular eingetragen werden sollte. Er wurde später Bischof und ließ dem Kloster bedeutende Reliquien zukommen. Eine Reliquie der hl. Martha ließ der berühmte Reisende Ambrogio Contarini dem Kloster überantworten.
Unter dem Patriarchen von Venedig, Antonio Contarini, kam es zu Streitigkeiten um die Klosterreform, die er auch in Santa Marta durchsetzen wollte. Diese Reformen von 1519 sollten die Verweltlichung der Klöster umkehren. Sie zielten dabei auf die Unterstellung unter strenge Observanz und die Durchsetzung der Klausur. Contarini ließ das Kloster teilen. Nun versammelten sich in einem Teil die bisherigen Konventualinnen, im anderen Teil zogen fünf Observantinnen aus dem Kloster San Giuseppe ein, die der Regel des Augustinus folgten. Eine von ihnen wurde durch den Patriarchen als Koadjutorin der Abtei der Konventualinnen eingesetzt. Er übertrug ihr zudem die Schlüssel und die gesamte Leitung des Klosters. Im August 1521 protestierten die betroffenen Klöster, die sich der Reform nicht fügen wollten, gemeinsam. Diese waren neben Santa Marta die Klöster San Zaccaria und Santa Maria della Celestia. Gemeinsam mit Familienangehörigen wandten sie sich gegen das staatliche und kirchliche Vorgehen. Schließlich bedrohte der Patriarch jeden mit der Exkommunikation, der es wagte, weiterhin Widerstand gegen sein Vorgehen zu leisten. Am 17. September 1521 wurde unter Leitung von drei Adligen das Institut der „Provveditori sopra i Monasteri“ eingerichtet, womit die Nonnenklöster, ohne dies explizit im Titel auszudrücken, unter staatliche Aufsicht kamen. 1525 kam es zu handfesten Auseinandersetzungen, so dass der Rat der Zehn sich zum Eingreifen veranlasst sah. Die Nonnen und ihre Angehörigen protestierten beim Dogen Leonardo Loredan, doch dieser lehnte es ab, sich einzumischen. Die Nonnen riefen den Papst an, und läuteten den ganzen Tag die Glocken, als dieser am 27. Juni 1519 die zwangsweise Einquartierung der Observantinnen gegen den Willen der anderen Nonnen untersagte. Doge, Senat und Rat der Zehn jedoch lehnten das päpstliche Breve ab, so dass die Teilung der Klöster durchgesetzt wurde.
Erst Clemens VII. entschied, dass diejenigen Nonnen, die im seit jeher benediktinischen Kloster der Regel des hl. Augustinus angehörten, dieser weiterhin folgen durften, und auch ihren Habit mussten sie nicht ablegen. Am 27. April 1533 folgte auf die letzte Äbtissin der Konventualen, Nicolosa Pisani, die erste der Observantinnen, nämlich Cecilia Lameri.


Unter Napoleon wurden zahlreiche Pfarrkirchen entweiht und Klöster aufgelöst, so dass Santa Marta nach und nach verfiel. Im November 1805 verließen die Nonnen das Kloster und kamen in Santa Giustina unter. Mit Dekret vom 28. November 1806 übernahm die Armee den Komplex. Zu Cicognas Zeit, also 1817, als der das Gebiet aufsuchte, diente das Kloster als Strohlager. Der Boden war noch intakt, er konnte die Inschriften kopieren. Bereits 1818 waren die lapidi verkauft. Die von Giambatista Lambranzi gestaltete Decke zog sich durch das gesamte einschiffige Bauwerk. Auch berichtet Cicogna von Werken von Pietro Ricchi, Odoardo Fialetti und Antonio Zanchi sowie von Andrea Visentino (S. 103). Der Campanile wurde bis auf die Höhe der Kirche zurückgebaut.[3]
Schließlich wurde dort ein neuer Hafen gebaut, dazu der Autoterminal an der Piazzale Roma, ebenso wie die Stazione marittima, ein Nebenbahnhof. Die einschiffige Kirche, nunmehr inmitten von Lagerhäusern, Nutzbauten und Parkplätzen, wurde, im Gegensatz zu anderen Kirchengebäuden, nicht abgerissen.
In den frühen 2000er Jahren wurde sie im Gegenteil restauriert – der Innenraum den neuen Bedürfnissen angepasst – und dient heute für Konferenzen und Ausstellungen. Die giebelförmige, schmucklose Ziegelfassade ist nur durch ein kleines rechteckiges Portal geöffnet. Die rechte Seite, die auf einen Parkplatz blickt, befindet sich ein zweites Portal in einem steinumfassten Rahmen und ein einzelnes Fenster mit spitzem Bogen. Dahinter, in der Mitte, befinden sich zwei weitere Rundbogenfenster.
Literatur
- Emmanuele Antonio Cicogna: Delle Inscrizioni Veneziane, Bd. 5, Giuseppe Picotti, Venedig 1842, S. 99–151/152 (38 Inschriften). (digitalisiert beim Münchener Digitalisierungszentrum)
- Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 506–511. (Digitalisat)
