Sarah Dickenson
englisch-britische Gewerkschafterin und feministische Aktivistin
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Sarah Dickenson, geborene Welsh (* 28. März 1868 in Hulme, Manchester; † 26. Dezember 1954 in Rusholme, Manchester), war eine englisch-britische Gewerkschafterin und feministische Aktivistin.[1]
Leben
Dickenson war das zweite von fünf Kindern des Schotten John Welsh, Emailleur und Kutschenlackierer, und seiner Frau Jane Ferguson. Mit elf Jahren verließ sie die Schule, um bis 1895 in Howarths Mill, einer Baumwollspinnerei in Salford zu arbeiten, wo sie mit der Gewerkschaftsbewegung in Kontakt kam.
Im Jahr 1895 wurde sie zur gemeinsamen Organisationssekretärin des neu gegründeten Manchester and Salford Women’s Trade Union Council (WTUC) ernannt. Im selben Jahr gab sie ihre Stelle in der Fabrik auf und widmete sich zunächst dem WTUC und einer weiteren neuen lokalen Organisation, der Federation of Women Workers, deren Sekretärin sie ab etwa 1904 war. 1889 wurde sie zudem Sekretärin einer kleinen Gewerkschaft, der Manchester and Salford Association of Machine, Electrical, and Other Women Workers.
1896 heiratete sie William Roger Dickenson, einen Eisenemailleur, der eine eigene Fahrradwerkstatt hatte. Das Paar hatte keine Kinder.
Um 1900 trat Dickenson der North of England Society for Women's Suffrage (NESWS) bei, einer Organisation, die mit der National Union of Women’s Suffrage Societies (NUWSS) verbunden war. Sie war Mitglied des Vorstands, hielt zahlreiche Vorträge zum Thema Frauenwahlrecht und spielte eine führende Rolle bei der Förderung einer Petition von Fabrikarbeiterinnen, die sie 1901 gemeinsam mit rund 30.000 Unterschriften dem Parlament vorlegte. Der WTUC konnte sich nicht darauf einigen, ob er die Frauenwahlrechtsbewegung aktiv unterstützen sollte. 1903 war Dickenson eine der führenden Gründerinnen des rivalisierenden Lancashire and Cheshire Women Textile and Other Workers’ Representation Committee, das sich von Anfang an für das Frauenwahlrecht einsetzte. Im folgenden Jahr trat sie aus dem WTUC aus und schloss sich stattdessen dem neuen Manchester and Salford Women's Trades and Labour Council an.
Bis 1905 war Dickenson frustriert über die Neigung der NESWS, sich eher mit Gruppen der Mittelschicht als mit der Arbeiterbewegung zu beschäftigen, und sie trat zusammen mit Christabel Pankhurst und mehreren anderen führenden Mitgliedern aus und gründete stattdessen die National Industrial and Professional Women’s Suffrage Society. Dickenson war Mitglied des Exekutivkomitees. Sie war auch in der NUWSS aktiv und arbeitete manchmal als bezahlte Organisatorin für die Gruppe. Dickenson arbeitete mit Mary Macarthur zusammen, um 1907 eine Konferenz der National Union of Women Workers in Manchester zu organisieren. Auf der Konferenz argumentierte sie, dass Frauen zunächst ihre eigenen Gewerkschaften gründen sollten und erst, wenn die Gewerkschaften der Männer bereit wären, sie aufzunehmen, in Frauenabteilungen dieser Organisationen überwechseln sollten.
Dickenson lehnte den Ersten Weltkrieg ab und war Delegierte der Internationalen Frauenfriedenskonferenz in Den Haag, obwohl sie aufgrund der Kriegsbeschränkungen nicht dorthin reisen konnte. Sie setzte sich auch für eine Anhebung des staatlichen Höchstlohns für Frauen während des Krieges ein, was 1915 erreicht werden konnte. 1918 fusionierten die WLTC und die WTUC zum Manchester and Salford Trades Council, und ab 1920 war Dickenson Sekretärin der Frauengruppe dieses Rates. 1930 zog sie sich weitgehend aus der Gewerkschaftsbewegung zurück und war bis 1939 als Friedensrichterin tätig.
1931 wurde sie zum Member of the Order of the British Empire ernannt.
Literatur
- Serena Kelly: Dickenson [née Welsh], Sarah (1868–1954). In: H. C. G. Matthew und Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography. Oxford 23. September 2004, doi:10.1093/ref:odnb/47858.
- Dickenson, Sarah. In: J. Bellamy und J. Saville (Hrsg.): Dictionary of Labour Biography. Band VI. Macmillan, London 1982, S. 101–105.