Schloss Barby

Gebäude in Barby (Sachsen-Anhalt), heute Grundbucharchiv From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Schloss Barby ist eine barocke Schlossanlage in Barby, einer Stadt im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt, deren Ursprünge auf eine Grenzburg des 10. Jahrhunderts zurückgehen und die seit dem 17. Jahrhundert als Residenz diente. Vom 18. bis ins 20. Jahrhundert wurde sie als Bildungseinrichtung genutzt und beherbergt seit 1979 das Grundbucharchiv von Sachsen-Anhalt.

Schloss Barby im Luftbild von Westen. 2021.

Geschichte

Schloss Barby nach 1873, Sammlung Duncker.
Schloss Barby 1960. BArch.

Die Anfänge des Schlosses gehen bis in das 10. Jahrhundert zurück. In einer Urkunde von König Otto I. aus dem Jahr 961, mit der er seiner Schwester Mathilde, Äbtissin von Quedlinburg, Barby schenkte, wird erstmals eine Grenzburg in dem Ort erwähnt. Die Quedlinburger Äbtissin belehnte die Barbyer Herrschaft mit der Burg.

Als das Barbyer Grafengeschlecht 1659 ausstarb, ging das Lehen an Herzog August von Sachsen-Weißenfels; dessen Sohn Herzog Heinrich von Sachsen-Weißenfels ließ 1687 die alte Burg abtragen und an ihrer Stelle bis 1715 einen repräsentativen dreiflügligen Neubau im barocken Stil nach Plänen des kurfürstlich-brandenburgischen Oberbaudirektors Johann Arnold Nering errichten. 1737 fiel der Südflügel des Schlosses einem Brand zum Opfer und wurde nicht wieder aufgebaut.

Als 1746 das Herzogsgeschlecht Sachsen-Weißenfels ausstarb, pachtete die Evangelische Brüder-Unität das Schloss vom kursächsischen Staat und nutzte es bis 1808 u. a. als Sitz der Kirchenleitung und theologisches Seminar sowie als Internat für ein bereits 1739 einst in Marienborn gegründetes Pädagogium.[1] Diese Schuleinrichtung wurde dann wieder nach Niesky zurückverlegt.[2]

Während der Zeit des französisch beherrschten Königreichs Westphalen ging das Schloss in dessen Besitz über und diente zeitweise als Lazarett. Infolge des Wiener Kongresses fiel Barby samt Schloss 1815 an den preußischen Staat und war Sitz einer sechstausend Morgen großen Domäne. Das Schloss wurde damals teils als Amtshaus bezeichnet respektive genutzt. Das Schloss fand zunächst durch die Großpächter- und Zuckerfabrikantenfamilie[3] Dietze Nutzung, teils als Getreidelager. Bis 1830 galt der kgl. sächsische Kammer-Kommissions-Rat Johann Gottfried Dietze als Domänenpächter.[4] Ab 1855 wurde der Bau wiederum durch preußischen Staat übernommen und in ihm ein Lehrerseminar eingerichtet. 1917 wurde das Schloss erneut durch einen Brand beschädigt. In den 1920er Jahren war im Schloss die Herzog-Heinrich-Schule untergebracht.[5]

Die Familie Dietze nutzte den umgebauten Marstall am Schloss als Wohnsitz und erweiterten diesen 1868 durch einen Nordanbau. Die Domäne bewirtschaftete mit Adolf von Dietze-Barby[6] die nächste Dietze-Generation. Adolf von Dietze galt als persönlicher Freund Bismarcks. Dietze empfing in Barby mehrfach den späteren Kaiser Wilhelm II. und Helmuth Graf von Moltke, wenn diese bei Jagden in der Region weilten.[7] Die Flächen in Barby wurden namentlich etwas umgegliedert. Es gab ein 557-ha-Rittergut der Familie von Dietze und die Barbyer (Provinz)-Domänen Zeitz und Monplasier, welche von ihnen gepachtet wurden.[8] Zudem gab es am Ort ein 300 ha Gut namens Klosterhof, ebenso im Besitz der Familie von Dietze. Letzter Domänenpächter und Rittergutsbesitzer[9] bis 1945 in Barby war Leutnant d. T. Adolf von Dietze (1889–1969).

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs beschlagnahmte die sowjetische Besatzungsmacht das Gebäude und nutzte es als Kaserne. Von 1959 bis 1979 war es Aufnahmelager für Umsiedler oder Rückkehrer aus der Bundesrepublik und Wohnheim für ausländische Gastarbeiter. 1979 wurde das Schloss zum Grundbucharchiv, zunächst für die gesamte DDR, später für Sachsen-Anhalt. Auf das Archiv wurde am 25. April 1993 ein Brandanschlag verübt, bei dem 400 laufende Meter Akten beschädigt wurden.

Das Schloss stellt sich nach der Sanierung von 2006 als eine langgestreckte zweigeschossige Anlage dar. Sie ist mit einem hohen ausgebauten Mansardenwalmdach gedeckt. Der dreieinhalbgeschossige Mittelbau ist mit Pilastern gegliedert und mit einem Dreiecksgiebel versehen. Ein Balkon ruht in Höhe des ersten Obergeschosses auf vier Säulen. Abgeschlossen wird der Mittelbau durch ein geschwungenes Mansarddach.

Literatur

  • Alexander Duncker (Hrsg.): Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der Preußischen Monarchie nebst den Königlichen Familien-, Haus-Fideicommiss- und Schatull-Gütern in naturgetreuen, künstlerisch ausgeführten, farbigen Darstellungen nebst begleitendem Text. Band 13, Selbstverlag, Berlin 1873/1874, Blatt 723.
  • Georg-Dehio-Nachfolge/Dehio-Vereinigung e.V. (Hrsg.): Handbuch der Deutschen KunstdenkmälerSachsen-Anhalt. I. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2002, ISBN 3-422-03069-7, S. 80.
Commons: Schloss Barby – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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