Schwangerschaftsphobie
Form der Angststörung
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Die Schwangerschaftsphobie oder auch Tokophobie (altgriechisch τόκος tókos „Geburt, Nachkommen“, „Schwangerschaft“; altgriechisch φόβος phóbos „Flucht; Furcht, Schrecken“) ist eine spezifische Angststörung und bezeichnet die pathologische Angst vor dem Eintreten einer Schwangerschaft oder auch vor einer Geburt. Früher wurde diese Schwangerschaftsangst[1] auch als Gravidophobie (lateinisch Gravidität = Schwangerschaft)[2] oder gelegentlich als Parturiphobie (lateinisch partus = Geburt aus Sicht der Mutter) bezeichnet.
| Klassifikation nach ICD-10 | |
|---|---|
| F40.2 | Spezifische (isolierte) Phobien |
| F45.2 | Schwangerschaftsphobie, Schwangerschaftsangst |
| ICD-10 online (WHO-Version 2019) | |
Eine „krankhafte Angst vor Niederkunft und Geburt“ [heißt auch] Maieusiophobie[3] oder Maeeusiophobia („Metus obstetricandi, die Scheu, künstliche Entbindungen zu machen“, vom Altgriechischen maieia = maeeia = maeas = die Hebamme, ή μαιεια, e maieia = Ars obstetricia = die Hebammenkunst und Maeeusis = der Vorgang der Geburt).[4] Selten findet sich (besonders in Fremdsprachen; englisch: lockiophobia) der Begriff „Lochiophobie“ im Sinne einer Angst vor dem Wochenbett oder vor dem Wochenfluss (Lochien; λοχος, lochos, ist sowohl das Kindbett wie auch die Kindbetterin;[5] λοχια, λοχεῖα, lochia = ‚Kindbettreinigung‘ [nach Hippokrates von Kos][6]).
Angst der Frauen
Die Tokophobie wurde erstmals von Katarina Hofberg in einer Studie im Jahre 2000 in Großbritannien untersucht. Demnach gaben 13 % der nicht schwangeren Frauen an, eine Schwangerschaft aufgrund von Angst zu vermeiden oder zu verschieben. Frauen mit Tokophobie würden oft besonders gründlich verhüten, sich häufiger sterilisieren lassen und auch ihre Partner häufiger zur Sterilisation drängen. Es käme auch vor, dass die Angst zu einem Schwangerschaftsabbruch führe. Die Studie kommt außerdem zu dem Schluss, dass 7 % aller Kaiserschnitte nur wegen der Angst vor der Geburt durchgeführt werden.
Man unterscheidet zwischen der primären (lebenslangen) und der sekundären (nach einer traumatischen Erfahrung) Tokophobie. Bei der primären Phobie spielt die Angst vor den Schmerzen bei einer Geburt nur vordergründig eine Rolle. Vielmehr richten sich die Befürchtungen der betroffenen Personen auf vermeintlich unfähige Ärzte oder Hebammen oder auf die Befürchtung, ein behindertes Kind zur Welt zu bringen. Auch besteht eine Angst, den Anforderungen als Mutter generell nicht gewachsen zu sein. Bei der sekundären wurde meist eine schon erfolgte Geburt als traumatisch erlebt.
Postpartale Stimmungskrisen können als Folge einer Geburt auftreten und eine Tokophobie begünstigen. Besonders die Geburt eines toten Kindes oder die Diagnose einer schweren Fehlbildung können Auslöser sein. Aber auch Zangengeburten und nicht geplante Kaiserschnitte, ebenso wie Partnerschaftskonflikte, erhöhen das Risiko.
Die Angst vor einer Geburt wird oft von den Müttern auf ihre Töchter übertragen. Über Generationen kommt es so zu einer Art „psychologischer Vererbung“. Dies ist noch ausgeprägter, wenn in der Familie auch eine negative Haltung zur Sexualität vorhanden ist. So spielt bei etwa 12 % der betroffenen Frauen sexueller Missbrauch eine ursächliche Rolle.
Die Tokophobie kann mit einer Psychotherapie behandelt werden.
Angst der Männer
Auch Männer können Schwangerschaftsängste (in Bezug auf ihre Partnerin) entwickeln.[7] Hier ist außerdem an die Furcht von Männern vor einer unbeabsichtigten Elternschaft beziehungsweise an ihre Angst vor ungewollter Fortpflanzung zu denken.[8] Zu denken ist auch an das Männerkindbett und an ein Couvade-Syndrom.
Geschichte
Siehe auch
Literatur
- Katarina Hofberg, Ian Fraser Brockington: Tokophobia: an unreasoning dread of childbirth. A series of 26 cases. In: British Journal of Psychiatry (2000), S. 83–85.
- Anette Kersting: Geburt als psychisches Trauma – Spezifisch gefährdete Frauen frühzeitig erkennen. In: NeuroTransmitter. Springer-Verlag, Sonderheft Nr. 2 (2003), S. 16 ff.
- Katarina Hofberg, Margaret R. Ward: Fear of pregnancy and childbirth. In: Postgraduate Medical Journal. (2003), S. 505–510.
- Claudia Maria Klier: Mutterglück und Mutterleid: Diagnose und Therapie der postpartalen Depression. Facultas Verlag, Wien 2001, S. 11.