Sebastian Ostritsch
deutscher Philosoph, Autor, Publizist und Literaturwissenschaftler
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Sebastian Ostritsch (* 1983 in Heidenheim an der Brenz)[1] ist ein deutscher Philosoph, Autor, Publizist und Literaturwissenschaftler.[2] Er lehrt als Privatdozent an der Universität Heidelberg.[3]
Leben
Nach dem Abschluss eines Studiums der Philosophie und vergleichenden Literaturwissenschaft an den Universitäten Stuttgart und Paris erhielt er 2013 für seine Dissertation über Hegels Rechtsphilosophie als Metaethik seine Promotion an der Universität Bonn. Danach betätigte er sich in Forschung und Lehre am Institut für Philosophie der Universität Stuttgart.[2] Als Publizist veröffentlichte er Texte für Die Welt,[4][5][6] die Neue Zürcher Zeitung,[7] Corrigenda und ist seit Januar 2024 Redakteur der katholischen Wochenzeitung Die Tagespost.[8]
Positionen
Ostritsch ist römisch-katholisch und vertritt in seinen Publikationen konservative Ansichten unter anderem über Fragen der Ethik, Familienpolitik und Sexualmoral. So ist er zum Beispiel gegen das Anbringen von Regenbogenflaggen der LGBTQ-Bewegung an Kirchen, da dies seiner Auffassung nach im Widerspruch zur kirchlichen Lehre über Ehe und Sexualität steht. Zudem lehnt er Abtreibungen ab und spricht sich gegen ein Recht auf Selbsttötung aus. Er betont die Verantwortung des Staates, seine Bürger vor möglichen negativen Folgen einer seiner Ansicht nach „unkontrollierten Massenmigration“ zu schützen. Nach seiner Überzeugung kann die gemeinsame europäische Kultur nur durch eine Erneuerung des christlichen Glaubens, der in weiten Teilen Deutschlands unter massivem Bedeutungsverlust leidet, bewahrt werden. Er stimmte dem US-Vizepräsidenten JD Vance zu, der unter Berufung auf das christliche Konzept des Ordo amoris erklärt hatte, man solle der Reihenfolge nach zuerst seine Familie lieben und dann den „Rest der Welt“. Papst Franziskus hatte dieses Verständnis daraufhin zurückgewiesen. Ostritsch lobte den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán für dessen Familienpolitik und nahm mehrfach an Veranstaltungen von der ungarischen Regierung nahestehenden Organisationen teil. Ostritsch selbst ordnete sich 2022 der Priesterbruderschaft St. Petrus zu. 2022 wurde er in der tageszeitung (taz) als „rechter Scharfmacher“ bezeichnet.[9] Ende 2025 veröffentlichte er einen Text auf der Internetseite des eng mit der Priesterbruderschaft St. Pius X. verbundenen Vereins „Certamen“.[10][11]
Rezeption
Der Kulturjournalist der Süddeutschen Zeitung, Gustav Seibt, nannte Ostritsch „ein[en] talentierte[n] Autor, was er mit einem Buch zu Hegels 250. Geburtstag unter Beweis gestellt hat. ‚Hegel. Der Weltphilosoph‘ erschien bei Propyläen und ist für Anfänger derzeit die beste Adresse, um ins unmäßig komplexe Werk des nicht immer transparent schreibenden deutschen Idealisten hineinzufinden.“[12]
Kontroverse um Vortragsabsage an der Hochschule für Philosophie München
Ein im November 2025 angekündigter Vortrag an der vom Jesuitenorden geleiteten Hochschule für Philosophie (HFPH) in München wurde nach Protest von Studenten sowie Vorwürfen des Fundamentalismus und Rechtsextremismus gegen Ostritsch durch die Hochschulleitung abgesagt. Darüber wurde im Rahmen der Debatte um Cancel Culture kontrovers diskutiert.[13][14][15][11][16] Die Chefredakteurin der Tagespost, Franziska Harter, schrieb die erste Meldung: „,Tagespost‘-Redakteur von Universität gecancelt“. In einem Kommentar warf sie der HFPH später vor, dem „wissenschaftsfeindlichen Druck“ eines „studentischen Mobs“ nachzugeben. Als erster griff der Würzburger Historiker Peter Hoeres auf X die Ausladung auf. Der österreichische Rechtsradikale Martin Sellner kommentierte diese auf X mit „unglaublich“.[11] Ostritsch gab der Neuen Zürcher Zeitung und der Zeitung Junge Freiheit Interviews zum Thema.[17][18][11][19] Der Zeit-Redakteur Alexander Cammann schrieb in der Zeit, Ostritsch habe das „eher klassische Profil eines klugen Rechtsintellektuellen, der Leben in die Bude bringt, weil er viele provoziert“. Er sei ein „katholischer Denker mit weit verbreiteten katholischen Positionen“.[20] Der Fundamentaltheologe Magnus Striet wies hingegen darauf hin, dass nun Kreise „eine Gefährdung des Prinzips der Wissenschaftsfreiheit durch die Ausladung von Ostritsch an[prangern], die alles andere als dafür bekannt sind, das Prinzip einer freien Wissenschaftskultur hochzuhalten, in der einzig und allein die argumentative Kraft von Gründen zählt“. Auf dem „gesamten gesellschaftlichen Feld“ lasse sich mittlerweile die Tendenz „Geschlossene Gesellschaft agiert gegen geschlossene Gesellschaft“ beobachten.[21] Ostritsch hielt den Vortrag über das Buch Serpentinen zu den darin behandelten Gottesbeweisen schließlich kurzfristig organisiert an einer anderen Stelle doch noch in München.[22]
Schriften (Auswahl)
- Hegels Rechtsphilosophie als Metaethik. Mentis-Verlag, Münster 2014, ISBN 978-3-89785-230-3.
- (mit Andreas Luckner) Existenz. De Gruyter, Berlin/Boston 2018, ISBN 978-3-11-027241-3.
- (als Mitherausgeber) Philosophie des Computerspiels : Theorie – Praxis – Ästhetik. J. B. Metzler, Heidelberg/Berlin 2018, ISBN 978-3-476-04569-0.
- (als Mitherausgeber) Welt und Unendlichkeit : Ein deutsch-ungarischer Dialog in memoriam László Tengelyi. Karl Alber, Freiburg i. Br. 2018, ISBN 978-3-495-81376-8.
- (als Mitherausgeber) Philosophie der Existenz: Aktuelle Beiträge von der Ontologie bis zur Ethik. J.-B.-Metzlersche Verlagsbuchhandlung und Carl-Ernst-Poeschel-Verlag, 2019, ISBN 978-3-476-04880-6.
- Zeit – Sprache – Gott. W. Kohlhammer, Stuttgart 2019, ISBN 978-3-17-034988-9.
- Hegel. Der Welt-Philosoph. Propyläen Verlag, Berlin 2020, ISBN 978-3-549-10015-8.
- Hegel zum 250sten. Neues aus der Forschung. In: Philosophische Rundschau. 68 Nr. 4, 2021, S. 317–366.
- Ewigkeit und das Leiden an der Zeit. Verlag Editiones Scholasticae, Neunkirchen-Seelscheid 2024, ISBN 978-3-86838-286-0.
- Let’s Play oder Game Over? Eine Ethik des Computerspiels. Dtv Verlagsgesellschaft, München 2024, ISBN 978-3-423-26353-5.
- Serpentinen. Die Gottesbeweise des Thomas von Aquin nach dem Zeitalter der Aufklärung. Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2025, ISBN 978-3-7518-6514-2; Rezension von Michael Köhler[23]
Weblinks
- Persönliche Website von Sebastian Ostritsch
- Kurzbiografie und Rezensionen zu Werken von Sebastian Ostritsch bei Perlentaucher
- Sebastian Ostritsch auf der Website des Herder Verlags
- Sebastian Ostritsch Autorenseite von Die Tagespost
- Sebastian Ostritsch Autorenseite des Corrigenda-Magazins
- Sebastian Ostritsch Autorenseite von Verlag Matthes & Seitz Berlin