Sebetralstat
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Sebetralstat ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Enzymhemmer. Unter dem Namen Ekterly (Hersteller: Kalvista Pharmaceuticals) wurde er 2025 zugelassen zur Behandlung des hereditären Angioödems (HAE), einer seltenen Erbkrankheit, die zu episodischen Flüssigkeitseinlagerungen und Schwellungen (Ödemen) der Unterhaut führt, die lebensbedrohlich sein können.
Die Anwendung erfolgt oral (Einnahme).
| Strukturformel | ||||||||||||||||
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| Allgemeines | ||||||||||||||||
| Freiname | Sebetralstat[1] | |||||||||||||||
| Andere Namen |
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| Summenformel | C26H26FN5O | |||||||||||||||
| Externe Identifikatoren/Datenbanken | ||||||||||||||||
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| Arzneistoffangaben | ||||||||||||||||
| ATC-Code | ||||||||||||||||
| Wirkstoffklasse |
Antiödematosa, Ödemprotektiva | |||||||||||||||
| Wirkmechanismus |
Kallikrein-Inhibition | |||||||||||||||
| Eigenschaften | ||||||||||||||||
| Molare Masse | 491,52 g·mol−1 | |||||||||||||||
| Aggregatzustand |
fest[2] | |||||||||||||||
| Dichte |
1,29 g·cm−3[3] | |||||||||||||||
| Sicherheitshinweise | ||||||||||||||||
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| Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). | ||||||||||||||||
| Pharmakologische Daten[4] | |
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| Verabreichungsweg | Oral (Einnahme) |
| Plasmaeiweißbindung | 77 % |
| Maximaler Plasmaspiegel | nach 1 Stunde |
| Halbwertszeit | 3,7 Stunden (Mittelwert) |
| Metabolisierung | Hepatisch, vorwiegend Cytochrom P450 3A4 |
| Ausscheidung | Fäzes |
Eigenschaften
Sebetralstat ist ein weißes bis cremefarbenes kristallines, leicht hygroskopisches Pulver. Der Wirkstoff ist in sauren Medien gut, bei höheren pH-Werten hingegen wenig löslich. Er ist in die BCS-Klasse IV eingestuft.[2]
Sebetralstat zeigt Polymorphismus und kann in verschieden hydratisierten Formen auftreten.[2] Das Molekül ist nicht chiral.[2]
Wirkungsmechanismus
Sebetralstat hemmt kompetitiv und reversibel das Plasmakallikrein, eine Serinprotease, die Vorläufer von Gewebshormonen in ihre aktive Form überführt. Dadurch wird die Spaltung des hochmolekularen Kininogens und die anschließende Bildung von Bradykinin gehemmt. Das Fortschreiten einer HAE-Attacke, die mit erhöhter Gefäßpermeabilität und Ödembildung einhergeht, wird gebremst. Zudem hemmt Sebetralstat die Aktivierung des positiven Rückkopplungsmechanismus im Kallikrein-Kinin-System.[4]
Medizinische Verwendung
Anwendungsgebiet
Sebetralstat ist angezeigt zur symptomatischen Behandlung von akuten Attacken eines hereditären Angioödems bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren.[4]
Nebenwirkungen und Anwendungsbeschränkungen
Die häufigste Nebenwirkung waren leichte bis mittelschwere Kopfschmerzen.[4] Erfahrungen zur Anwendung in der Schwangerschaft liegen nicht vor, jedoch wurde in tierexperimentellen Studien eine Reproduktionstoxizität gezeigt. Während der Behandlung und für einen Zeitraum von 24 Stunden nach der letzten Dosis müssen Frauen eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden.[4]
Klinische Prüfung
Die Zulassung basiert auf den Ergebnissen der Phase-3-Studie KONFIDENT. Sie zeigen, dass Sebetralstat im Vergleich zu Placebo eine signifikant schnellere Linderung der Symptome und eine Verringerung der Schwere der Attacken bewirkte.[5]
Sonstiges
Nach dem für die Vorbeugung zugelassenen Berotralstat ist Sebetralstat der erste Wirkstoff für die orale Akuttherapie von HAE-Attacken.
In den USA wurde Sebetralstat im Juli 2025 zugelassen,[6] in der EU im September 2025.[7]