Seehausen (Altmark)

Stadtgemeinde und ehemalige Hansestadt im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt, Deutschland From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Hansestadt Seehausen (Altmark)[2] ist eine Stadt im Landkreis Stendal in der Region Altmark in Sachsen-Anhalt. Die Landstadt ist Sitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde.

Schnelle Fakten Wappen, Deutschlandkarte ...
Wappen Deutschlandkarte
Seehausen (Altmark)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Seehausen (Altmark) hervorgehoben
Basisdaten
Koordinaten: 52° 53′ N, 11° 45′ O
Bundesland:Sachsen-Anhalt
Landkreis: Stendal
Verbandsgemeinde: Seehausen (Altmark)
Höhe: 23 m ü. NHN
Fläche: 107,01 km²
Einwohner: 4554 (31. Dez. 2024)[1]
Bevölkerungsdichte: 43 Einwohner je km²
Postleitzahl: 39615
Vorwahlen: 039386, 039397
Kfz-Kennzeichen: SDL, HV, OBG
Gemeindeschlüssel: 15 0 90 520
Adresse der Verbandsverwaltung: Große Brüderstraße 1
39615 Seehausen (Altmark)
Website: www.seehausen-altmark.de
Bürgermeister: Detlef Neumann
Lage der Stadt Seehausen (Altmark) im Landkreis Stendal
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Geographie

Lage

Die Stadt liegt am Aland, der die Altmärker Höhe von der Wische, einer flachen Landschaft an der Elbe, trennt. Bis Seehausen heißt der Fluss Biese.[3]

Stadtgliederung

Die Hansestadt Seehausen (Altmark) ist in 15 Ortsteile gegliedert[4] zu denen kleinere Ansiedlungen (Wohnplätze) gehören:[5][3]

Geschichte

Hauptstraße (Große Brüderstraße)
Beustertor

Funde lassen vermuten, dass das Gebiet um Seehausen seit der Jungsteinzeit besiedelt ist. Die Verleihung der Stadtrechte erfolgte 1151 durch Albrecht dem Bären, der neben der schon ansässigen slawischen Bevölkerung holländische Siedler zur weiteren Eindeichung des Gebiets ansiedelte.[6] Der Name der Stadt leitet sich nicht von einem See in Stadtnähe ab. Wahrscheinlicher ist, dass der Name auf den Grafen von Sidag zurückgeht, dem das Gebiet als Lehen gegeben war. Bischof Wigbert erwähnt 1009 eine Siedlung mit dem Namen Sidageshusen am heutigen Ort von Seehausen. Seehausen war von 1358 bis 1488 Mitglied der Hanse.

Als mittelalterliche Stadt verfügte Seehausen über eine Stadtbefestigung. Reste der Stadtmauer und eines von fünf Stadttoren, das Beustertor, sind noch heute erhalten. Auch gab es mehrere Kirchen im Stadtgebiet, von denen einige zu Hospitälern gehörten. Im Dreißigjährigen Krieg war auch die Altmark und damit Seehausen von den Auseinandersetzungen betroffen. So wurden für den Bau der Schwedenschanze bei Werben Baumaterialien requiriert und eine Vorstadt dafür abgebrochen.

Die Stadt war von 1569 bis 1721 von Hexenverfolgungen betroffen. In 25 Hexenprozessen gab es 14 Hinrichtungen, eine Frau starb an den Folgen der Folter, eine Frau beging in der Haft Selbstmord.[7]

In den 1840er Jahren bildete sich in Seehausen die größte jüdische Gemeinde der Altmark. Sie richtete 1860 eine Synagoge ein, gab diese aber 1900 wieder auf. Im Zusammenhang mit dem Novemberpogrom 1938 wurde der 1828 angelegte nahegelegene Jüdische Friedhof Am Schillerhain von Nationalsozialisten zerstört.[8]

1849 wurde Seehausen durch die Bahnstrecke Magdeburg–Wittenberge an das entstehende Eisenbahnnetz angeschlossen und erhielt auch einen eigenen Bahnhof (heute Haltepunkt), damals noch etwas außerhalb der Stadt. Im Jahr 1865 wurde das neu erbaute Gymnasium eröffnet.

Seehausen liegt am westlichen Rand der Wische, eines ehemaligen Überflutungsgebietes der Elbe. So war die Stadt auch mehrfach in ihrer Geschichte von Deichbrüchen und Überflutungen betroffen, so auch 1909, als der Deich bei Kannenberg brach.

Seehausen stand ab dem 12. April 1945 unter US-amerikanischer, vom 1. bis 30. Juni 1945 unter britischer und ab dem 1. Juli 1945 unter sowjetischer Besatzung.[9]

Seehausen gehörte bis 1952 zum Kreis Osterburg in der preußischen Provinz Sachsen (von 1945 bis 1952 im Land Sachsen-Anhalt) und wurde dann im Zuge der Verwaltungsreform in der DDR zur Kreisstadt des Kreises Seehausen im neu gegründeten Bezirk Magdeburg. Der Kreis Seehausen wurde 1965 aufgelöst und Seehausen wieder in den Kreis Osterburg eingegliedert, in dem die Stadt bis 1994 lag (ab 1990 im Land Sachsen-Anhalt). Seit der Kreisreform 1994 ist Seehausen Teil des Landkreises Stendal.

Eingemeindungen

Am 1. Februar 1974 wurde Behrend eingemeindet.[10]

Durch einen Gebietsänderungsvertrag beschlossen die Gemeinderäte der Gemeinden Beuster (am 8. Juni 2009), Geestgottberg (am 9. Juni 2009), Losenrade (am 22. Juni 2009) und der Hansestadt Seehausen (Altmark) (am 29. Juni 2009), dass ihre Gemeinden aufgelöst und zu einer neuen Gemeinde mit dem Namen Hansestadt Seehausen (Altmark) vereinigt werden. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2010 in Kraft.[11] Am 1. September 2010 wurde abschließend Schönberg eingemeindet.[12]

Bevölkerung

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Jahr Einwohner
15670420
16080370
16530124
17301.044
17501.340
17701.539
17901.820
Jahr Einwohner
18011.996
18182.283
18483.095
18713.917
18853.788
18953.803
19053.565
Jahr Einwohner
19254.195
19394.594
19464.951
19645.267
19715.259
19815.318
Jahr Einwohner
19905.021
20054.252
20105.329
20155.033
20204.817
Jahr Einwohner
20214.808
20224.672
20234.594
20244.554
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1567–1718: (nur Anzahl der Bürger)[13], 1730–1981:[14][15], ab 1990: Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt)[16], ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Der Anstieg der Einwohnerzahl zwischen 2005 und 2010 ist auf Eingemeindungen zurückzuführen.

Politik

Stadtrat

Der Stadtrat von Seehausen besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Stadt aus 16 Mitgliedern und dem Bürgermeister.[17] Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 60,5 % zu folgendem Ergebnis:[18]

Weitere Informationen Partei / Wählergruppe, Stimmenanteil 2019 ...
Partei / WählergruppeStimmenanteil
2019[19]
Sitze
2019
Stimmenanteil
2024
Sitze
2024
Unabhängige Wählergemeinschaft Seehausen26,8 %432,0 %5
Unabhängige Wählergemeinschaft Beuster-Geestgottberg-Losenrade-Schönberg27,4 %427,6 %5
Die Linke06,7 %118,3 %3
CDU12,8 %217,6 %2
SPD02,6 %
Bündnis 90/Die Grünen03,7 %101,9 %
Einzelbewerber Walter Fiedler19,8 %1
FDP02,7 %1
Insgesamt100 %14100 %15
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Bei der Wahl 2019 entfielen auf den Einzelbewerber Fiedler drei Sitze, von denen zwei unbesetzt blieben.

Bei der Wahl 2024 entfielen auf die CDU drei Sitze, von denen einer unbesetzt bleibt, weil die Partei nur zwei Kandidaten nominiert hatte.

Bürgermeister

Rathaus
  • 1994–2012: Ewald Duffe (parteilos)
  • seit 2013: Detlef Neumann (Unabhängige Wählergemeinschaft Seehausen)

Duffe wurde bei der Bürgermeisterwahl am 29. November 2009 in seinem Amt bestätigt.[20] Er verstarb am 17. November 2012.[21]

Neumann wurde bei der Bürgermeisterwahl am 17. Februar 2013 mit 77,6 % der gültigen Stimmen zu seinem Nachfolger gewählt.[22] Er wurde bei der Bürgermeisterwahl am 10. November 2019 mit 69,3 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt.[23] Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.[24]

Wappen

Das Wappen wurde am 28. April 1995 durch das Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt.

Wappen von Seehausen
Wappen von Seehausen
Blasonierung: „In Silber ein golden bewehrter roter Adler mit ausgeschlagener Zunge, die Fänge begleitet von je einem grünen Seeblatt.“[4]
Wappenbegründung: Das Wappen mit dem märkischen Adler entstand etwa im 13. Jahrhundert. Auf einer Urkunde von 1353 trägt der Adler goldene Brustspangen mit Kleeblattenden. Die Bedeutung der Seeblätter ist nicht klar, da es in Stadtnähe keinen See gab (erst 1975/77 entstand durch Ausbaggerung für den Elbbrückenbau bei Wittenberge ein Baggersee im Norden der Stadt). Vielleicht waren die Lage der Stadt am Urstromtal der Elbe und die häufigen Überflutungen durch Hochwasser in den vergangenen Jahrhunderten der Grund für die Aufnahme der Seeblätter.

Flagge

Die Flagge wurde am 8. Februar 2000 durch das Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt.

Die Flagge ist Rot – Weiß – Rot (1:4:1) gestreift (Hissflagge: Streifen von oben nach unten; Querflagge: Streifen von rechts nach links verlaufend) mit dem aufgelegten Wappen der Stadt.[4]

Städtepartnerschaft

Sehenswürdigkeiten

Kirche St. Petri
Salzkirche
Stadtmauer

Die in der Stadt befindlichen Kulturdenkmale sind in der Liste der Kulturdenkmale in Seehausen (Altmark) eingetragen, die Bodendenkmale in der Liste der Bodendenkmale in Seehausen (Altmark).

Kirchen

Gedenkstätten

  • Gedenkstein von 1988 zur Erinnerung an den zerstörten Jüdischen Friedhof
  • Ehrenmal für die Opfer des Faschismus Am Schillerhain
  • Gedenktafel am Kreiskrankenhaus „Albert Steinert“ für den Arzt Albert Steinert, der 1945 mit der weißen Fahne den Beschuss der Stadt durch US-Truppen verhindern wollte und deswegen von einem Wehrmachtsmajor ermordet wurde

Film

Der DEFA-Spielfilm Jadup und Boel (Regie: Rainer Simon) mit Kurt Böwe und Katrin Knappe in den Titelrollen wurde 1980 in Seehausen gedreht und noch vor der Premiere verboten. Erstmals aufgeführt wurde die Produktion am 12. Mai 1988.[27][28]

Wirtschaft und Infrastruktur

Unternehmen

Von 1900 bis 1989 zählte die Konservenfabrik Seehausen zu den örtlichen Unternehmen.

Größter industrieller Arbeitgeber in Seehausen ist heute die Graepel-STUV GmbH, die Blechprofilroste fertigt. Der Betrieb wurde bereits 1949 als Maschinenausleihstation (MAS) gegründet und 1952 zur Maschinen-Traktoren-Station (MTS) erweitert. 1973 in LIA (Landtechnische Industrieanlagen) umbenannt, begann der Betrieb mit der Fertigung industrieller Stallanlagen. In dieser Zeit wurde die Verzinkerei gebaut. 1990 firmierte der Betrieb abermals um, und zwar in „Stalltechnik und Verzinkung GmbH“ (kurz STUV). 1991 wurde die STUV als 100-prozentige Tochter der Friedrich Graepel AG Löningen übernommen und 1996 in Graepel-STUV GmbH umbenannt.

Die Konsumgenossenschaft Seehausen/Altmark eG ist ein regionaler Nahversorger an 14 Standorten in der Altmark.

Verkehr

Der Haltepunkt Seehausen (Altm) liegt an der Bahnstrecke Magdeburg–Stendal–Wittenberge. Im Stundentakt hält die Linie S1 der S-Bahn Mittelelbe.

Der Landesbus 200 verkehrt von Seehausen über Arendsee nach Salzwedel.[29]

Durch das Gebiet von Seehausen verläuft die internationale EuroVelo-Route Iron Curtain Trail (EV13), die als Kulturroute des Europarats entlang der ehemaligen Blockgrenze führt zu den bedeutendsten Fernradwegen in Europa zählt. Hinzukommen die nationale D-Route D10 Elberadweg und regionale Radrouten, wie der Altmarkrundkurs oder der Vierländer-Grenzradweg. Als Teil des Landkreises Stendal verfügt Seehausen über ein Radverkehrs-Knotenpunktnetz und nimmt am LADEpünktchen-Netzwerk, einem Ladenetzwerk für Elektrofahrräder teil.[30]

Bildung

Das ehemalige Winckelmann-Gymnasium gehört seit 2008 wegen der gesunkenen Schülerzahlen zum Osterburger Gymnasium. Es wurde 1864/1865 errichtet und liegt vor dem ehemaligen Vieh- oder Schultor. Von 1743 bis 1748 wirkte Johann Joachim Winckelmann, Altertumsforscher und Lehrer, als Konrektor an der Seehäuser Lateinschule. Weiterhin gibt es eine Sekundarschule und eine Grundschule.

Sport

Seehausen gehört zu den Altmärkischen Wandernestern, die im Altmärkischen Wanderverein organisiert sind.[31]

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

  • 1995: Albert Steinert (1886–1945), Arzt in Seehausen, wegen seines Einsatzes gegen die Zerstörung der Stadt 1945 hingerichtet
  • 2012: Ewald Duffe (1947–2012), langjähriger Bürgermeister der Stadt[32]

Söhne und Töchter der Stadt

Minna Nanitz

Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen

Literatur

  • Paul Kanut Schäfer: Der Arzt von Seehausen, in: Die Stunde Null. Tatsachenberichte über Erlebnisse aus den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges, Berlin 1966, S. 22. - Die Geschichte wurde von Kurt Menke in der DDR-Reihe k.a.p. - Band 8, Arzt im Niemandsland, Verlag Kultur und Fortschritt Berlin, 1966 mit veränderten Namen, aber in memoriam Dr. Steinert aufgegriffen.
  • Heinzgeorg Oette, Ludwig Schumann: „Sachsen-Anhalt“, 1. Auflage 2016, Trescher Verlag, Berlin, ISBN 978-3-89794-325-4, S. 333.
  • Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil XII) – Band 2 – L–Z. In: Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. BWV Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-3743-4, S. 2060 ff.
  • Gottfried Daume: Bilder aus Seehausens Vergangenheit: ortsgeschichtliche Skizzen aus der Altmark. Heft 1 und 2. 2. Auflage: 1925, Seehausen, DNB 560415648, Heft 3. Die eiserne Zeit in Seehausen i. Altmark 1806–1815, Seehausen 1914
  • Kurt Maaß: Chronik Seehausen. Stadt Seehausen (Altmark), Seehausen (Altmark) 2001, DNB 96475956X.
  • Martin Zeiller: Seehusen. In: Matthäus Merian (Hrsg.): Topographia Electoratus Brandenburgici et Ducatus Pomeraniae (= Topographia Germaniae. Band 13). 1. Auflage. Matthaeus Merians Erben, Frankfurt am Main 1652, S. 93–94 (Volltext [Wikisource]).
Commons: Seehausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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