Seitō

japanische Literaturzeitschrift von Frauen für Frauen From Wikipedia, the free encyclopedia

Seitō (japanisch 青鞜, „Blaustrumpf“) war eine monatlich erscheinende, japanische Literaturzeitschrift von Frauen für Frauen und die erste ihrer Art. Die Zeitschrift erschien in 52 Ausgaben von 1911 bis September 1916 und wurde von der „Blaustrumpf-Gesellschaft“ (青鞜社, Seitō-sha) herausgegeben. Die „Blaustrumpf-Gesellschaft“ wurde von den fünf Frauen: Hiratsuka Raichō, Yasumochi Yoshiko, Nakano Hatsuko, Mozume Kazuko und Kiuchi Teiko nach dem Vorbild der gleichnamigen englischen Gesellschaft im 18. Jahrhundert gegründet.[1] Die Chefredakteurinnen waren Hiratsuka Raichō und Itō Noe. Zielsetzung der Zeitschrift war es, das Selbstbewusstsein von Frauen durch Bildung und Literatur zu stärken und eine gesellschaftliche Gleichstellung der Geschlechter einzufordern. Die Zeitschrift veröffentlichte eine Vielzahl kontroverser Beiträge namhafter Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Insbesondere die Gründerinnen wurden in der Presse oft angefeindet. Die Seitō war sehr einflussreich für den japanischen Feminismus.

Titelseite der ersten Ausgabe, 1911

Prolog

Die Gründung der Seitō fällt in eine Zeit nie da gewesener Umbrüche in Japan, die in der Meiji-Restauration ihren Anfang nahmen. Nach rund 200 Jahren der Abschließung öffnete sich Japan wieder für die Außenwelt. Damit ging die Erkenntnis einher, dass Japan in nahezu allen Lebensbereichen gegenüber dem Westen in Rückstand geraten war.[2] Der Wunsch, diesen Rückstand aufzuholen, führte zu allumfassenden und tiefgreifenden Reformen und Änderungen. In einer Zeit, in der nichts zu bleiben schien, wie es einmal war, gewann schnell der Eindruck Oberhand Japan verliere damit auch seine Identität. Aus dieser gesellschaftlichen Stimmung heraus formierte sich unter den Schlagworten Kokutai und Yamato-damashii eine konservative und nationalistische Gegenbewegung.[3] Die Folge war u. a. eine Stärkung des Tennō und seine Stilisierung zum „Vater der Nation“. Die Rückbesinnung auf die „alten Werte“ führte in einer Zeit des Aufbruchs auch zu merklichen Einschränkungen insbesondere für Frauen. Frauen sahen sich konfrontiert mit Forderungen, die ihre Rolle auf Haushalt und Familie mit dem Ehemann und Vater als Oberhaupt begrenzen wollten. Diese Anforderung fand Ausdruck in dem Schlagwort von der „guten Ehefrau und klugen Mutter“ (良妻賢母, Ryōsai Kembo), dass an den Grundsatz Danson Johi erinnerte.[4]

Die Forderungen nach der Gleichstellung der Frau und dem aktiven Wahlrecht, die bereits in Australien, Amerika, London und Deutschland erhoben worden waren, fanden auch in Japan Anklang. 1900 wurde das „Ordnungs- und Polizeigesetz“ (治安警察法, Chian Keisatsuhō) beschlossen, um solche politischen und gesellschaftlichen Bewegungen unter Kontrolle zu halten. Es verbot insbesondere Frauen jede politische Aktivität.[4] 1924 stand zudem die Verabschiedung des „allgemeinen Wahlrechts“ (普通選挙法) bevor, das im März 1925 beschlossen wurde, dass aber nur Männer ab 25 Jahren zur Wahl zuließ.

Gründung und Wirken

Blaustrumpf-Gesellschaft, 1912

In dieses Spannungsfeld fällt die Gründung der „Blaustrumpf-Gesellschaft“ und ihres Literaturmagazins, das im September 1911 erstmals mit einer Auflage von 1000 Exemplaren erschien. Das Titelbild der ersten Ausgabe entwarf Takamura Chieko. Chefredakteurin Hiratsuka war Absolventin der kürzlich erst gegründeten Japanischen Frauenuniversität. Sie schrieb unter dem Pseudonym Raiteu und eröffnete die Erstausgabe mit den Worten „Der Ursprung der Frau war die Sonne“ (元始女性は太陽であった, vermutlich eine Anspielung auf Amaterasu), symbolisch gestaltet auf der Titelseite.[1]

Die Neujahrsausgabe von 1912 warf mit einem „Nachtrag zu Nora“ (附録ノラ) mit Bezug zu einer Aufführung von Ibsens Nora oder Ein Puppenheim die Frauenfrage auf. Die Themen des Literaturmagazins spiegelten auch die unangepasste Lebensführung der beteiligten Frauen wider, wofür sie Kritik ernteten. Die Beiträge der Seitō setzten dieser Kritik an vermeintlich „leichten Mädchen“, die in Wilder Ehe lebten, das Bild einer „neuen, aufgewachten Frau“ entgegen. Im selben Jahr wurde der Roman Tegami (手紙, Brief), der von einem Ehebruch handelt und von Araki Ikuko (1888–1943) stammt, zensiert und mit einem Veröffentlichungsverbot belegt. Da Araki auch in der Seitō aktiv war, musste sich die Redaktion nicht das letzte Mal nach neuen Räumlichkeiten umsehen. Eine Kampagne großer Zeitungen gegen das Bild von der „neuen Frau“ die gesellschaftlichen und politischen Druck erzeugte, begann. Frauen, die mit der Zeitschrift in Verbindung standen, durften beispielsweise nicht mehr an der ersten von Tsuda Umeko gegründeten Privatschule für Mädchen, der Joshi Eigaku Juku (女子英学塾), aus der später die Universität Tsukuba entstand, teilnehmen. Die Seitō schlug mit ihrer zweiten Ausgabe 1913 über die neue Frau und die Frauenfrage mit Beiträgen von Iwano Hōmei, Abe Jirō, Baba Kochō und Sugimura Sojinkan zurück.[1] Ein Beitrag der linken Frauenrechtsaktivistin Fukuda Hideko war daraufhin Anlass für ein Verkaufsverbot der Ausgabe.

1915 übergab Hiratsuka die Redaktionsleitung an die Anarchistin Itō Noe.[1] Der Ton wurde provokanter; thematisch befasste sich die Seitō nun mit gesellschaftlichen Fragen, wie arrangierter Heirat (Omiai), Ehebruch, der Prostitution, der Abtreibung und anderen Fragen mehr.[1] Eine Abhandlung von Harada Satsuki führte 1915 zum Verkaufsverbot der Seitō.[1]

Mitglieder und Mitwirkende

Das Magazin hatte mehr als 110 Mitglieder und Mitwirkende. Mitglieder und Fördermitglieder zahlten 30 Sen (1 Sen entsprach einem 1/100 Yen) im Monat.

Mitglieder

  • Hasegawa Shigure
  • Katō Kazuko
  • Koganei Kimiko
  • Kunikida Haruko
  • Mori Shigeko
  • Okada Yachiyo
  • Yosano Akiko
  • Akune Toshiko
  • Aoki Jōko
  • Araki Ikuko
  • Asano Tomo
  • Chino Masako
  • Harada Satsuki
  • Hayase Chitose
  • Itō Noe
  • Iwabuchi Yuri
  • Iwano Kiyoko
  • Kanzaki Tsuneko
  • Katano Tama
  • Katō Midori
  • Kobayashi Katsu
  • Ogasawara Sada
  • Omura Kayoko
  • Makino Kimie
  • Mikajima Yoshi
  • Mizuno Senko
  • Hanayo Ikuta
  • Yaeko Nogami
  • Ogasawara Sada
  • Ōjima Kikuko
  • Okamoto Kanoko
  • Otake Masako
  • Tahara Yūko
  • Tamura Toshiko
  • Tozawa Hatsuko
  • Sakamoto Makoto
  • Sakuma Tokiko
  • Shibata Kayo
  • Sugimoto Masao
  • Ueda Kimiko
  • Yamamoto Ryūko

Beiträge

Literatur

Commons: Seitō – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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