Seven Sisters (Ölkonzerne)
sieben Ölkonzerne, die den globalen Ölmarkt beherrschten
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Als „Seven Sisters“ (sieben Schwestern) wurden nach dem Zweiten Weltkrieg sieben Ölkonzerne bezeichnet, die in den 1950er, 1960er und 1970er Jahren (zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts) den globalen Ölmarkt beherrschten. Die Bezeichnung dieser Gruppe an Unternehmen der Erdölindustrie soll auf den italienischen ENI-Manager Enrico Mattei zurückgehen, welcher die Gruppe in den 1950er Jahren in seinen Reden als „le sette sorelle“ erwähnte.[1][2] Die Ursprünge der Gruppe gehen jedoch auf das geheime Achnacarry-Abkommen von 1928 zurück.

Weitere umgangssprachliche Bezeichnungen für die Gruppe sind „Big Oil“ oder „Majors“, welche auch heute noch genutzt werden, jedoch für andere Unternehmenskonstellationen.
Erdölkonzerne Seven Sisters

Zu der Gruppe der „Seven Sisters“ zählte man die folgenden international-agierenden Erdölunternehmen. Einige der US-Unternehmen gingen aus der 1911 aufgespaltenen Standard Oil von John D. Rockefeller hervor.
- Standard Oil of New Jersey – später mit Humble Oil und dann Mobil Oil zu ExxonMobil zusammengeschlossen (Handelsname in einigen Ländern, auch Deutschland: Esso[5]).
- Royal Dutch Shell (firmiert heute als Shell), ein Zusammenschluss von Royal Dutch und der britischen Shell Group
- Anglo-Persian Oil Company (APOC) – kurz darauf die Anglo-Iranian Oil Company (AIOC), dann British Petroleum (BP) und BP Amoco nach der Übernahme von Amoco (früher Standard Oil of Indiana). Inzwischen tritt das Unternehmen nur noch unter dem Kürzel BP auf.
- Standard Oil Company of New York (Socony) – Später Mobil Oil bzw. zu ExxonMobil fusioniert
- Standard Oil of California (Socal) – Daraus entstand Chevron, dann, durch Zusammenschluss mit Texaco, ChevronTexaco. Inzwischen wurde der Name „Texaco“ wieder abgelegt und das Unternehmen firmiert wieder als Chevron (mit Hauptsitz ab 2024 in Houston, davor Kalifornien)
- Gulf Oil – Gulf wurde 1984 zerschlagen, der größte Teil ging an Chevron, Teile an BP und Cumberland Farms.
- Texaco – schloss sich mit Chevron zusammen.
Eine weitere Gruppe und Bezeichnung von US-amerikanischen Unternehmen waren die „Top Eight“, d. h. ohne BP, dafür mit Standard Oil Indiana (Amoco, später Amoco BP) und Arco. Zu den „Lesser Majors“ zählte man Getty, Phillips, Signal[6], Union, Continental, Sun, Amerada Hess, Cities Service und Marathon. Zu den „Leading Independents“ die Firmen Compagnie Française des Pétroles (CFP), aus der das Unternehmen TotalEnergies hervorging, Continental, Marathon, Amerada Hess und Occidental.
Hinterlassenschaft
Die Struktur der „Seven Sisters“ hat sich durch Veränderungen am Ölmarkt und geopolitischer Veränderungen – hier sind die Ölpreiskrisen der 1970er und die Gründung der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) zu nennen[7] – für immer verändert.
Von den ursprünglichen „Seven Sisters“ sind damit heute noch vier – ExxonMobil, Chevron, Shell und BP – übrig geblieben. Sie werden zusammen mit der französischen TotalEnergies (ehemals die Compagnie Française des Pétroles (CFP)), teilweise auch der italienischen Eni und ConocoPhillips (seit der Abspaltung von Phillips 66 nur noch im Upstream-Geschäft), auch als die „Supermajors“ bezeichnet, also die „Supergroßen“.
Außerdem kamen Ende des 20. Jahrhunderts viele neue, staatliche Erdölorganisationen auf, z. B. die Sinopec und China National Petroleum Corporation (CNPC) u. a. Auch die Sowjetunion hat nach ihrem Zerfall Anfang der 1990er bzw. mit dem Ende des Kalten Kriegs einige Umbrüche bzw. Transformation der Erdöl- und Erdgasindustrie durchlebt.[8][9]
Siehe auch
- National Petroleum Council (NPC)
- World Energy Council (WEC)
Literatur
- Gilbert H. Montague: The Rise and Progress of the Standard Oil Company. Harper & Brothers, New York 1904 (englisch, archive.org).
- George Sell: The Petroleum Industry. Oxford University Press, Oxford 1963 (englisch, archive.org).
- Anthony Sampson: The Seven Sisters: The Great Oil Companies and the World they Made. Hodder and Stoughton, London 1975, ISBN 978-0-340-19427-0 (englisch, archive.org).
- Conoco. The First One Hundred Years. Building on the Past for the Future. Dell Publishing, New York 1975 (englisch, archive.org).
- R. W. Ferrier, A. Fursenko (Hrsg.): Oil In The World Economy. Routledge, 1989, ISBN 978-1-317-23496-8, doi:10.4324/9781315626420.
- Matthew Yeomans: Oil: Anatomy of an Industry. The New Press, New York, NY 2004, ISBN 978-1-56584-885-6 (englisch, archive.org).
- Dokumentation: The Secret of the Seven Sisters[10], eine 4-teilige englischsprachige Dokumentation, c. 190 Minuten, von Al Jazeera aus dem Jahr 2013 (Verfügbar bei YouTube)
- Jeff Colgan: Partial Hegemony: Oil Politics and International Order. Oxford University Press, New York 2021, ISBN 978-0-19-754641-3 (englisch, oup.com).