Shlomo Helbrans

israelischer antizionistischer Rabbiner und Gründer der jüdischen Sekte Lev Tahor From Wikipedia, the free encyclopedia

Shlomo Erez Helbrans, auch Erez Shlomo Elbarnes (hebräisch שלמה הלברנץ; * 5. November 1962 in Kiryat HaYovel, Jerusalem; gestorben 7. Juli 2017 in Chiapas, Mexiko), war ein israelischer antizionistischer religiöser Führer innerhalb des ultraorthodoxen Judentums. Er war der Gründer und Oberrabbiner der Sekte Lev Tahor, in der u. a. systematisch Kindesmissbrauch praktiziert wurde.[1]

Leben

Helbrans stammte aus dem Jerusalemer Stadtteil Kiryat HaYovel und wurde als Sohn der säkularisierten Juden Pinhas und Yocheved Elbarnes geboren. 1975 begann er, sich für religiöse Fragen zu interessieren und an einer Jeschiwa in Jerusalem den Talmud zu studieren. 1988 war Helbrans Teil der Arachim-Bewegung, die jüdische Religion für säkulare Juden predigte und befürwortet. Nach einigen Jahren gründete er die unabhängige Jeschiwa Lev Tahor. 1990 verlegte Helbrans seine Gemeinde in die USA, was seiner Ansicht nach auf seine antizionistischen Ansichten zurückzuführen war. Er eröffnete eine kleine Jeschiwa in Brooklyn, in der er jungen Studenten jüdischen Unterricht erteilte.[2]

1994 wurde Helbrans beschuldigt, dem 13-jährigen jüdischen Jungen Shay Fima (auch Shay Reuven) geholfen zu haben, sich vor seiner Mutter zu verstecken, die ihn für seine Bar Mitzwa zum Studium in die Jeschiwa gebracht hatte. Der darauffolgende religiöse Konflikt führte dazu, dass Fima emotional an Helbrans gebunden wurde, der jegliche Beteiligung am Verschwinden des Jungen bestritt. Helbrans wurde kurzzeitig verhaftet, aber mutmaßlich aus politischen Gründen freigelassen, da der örtliche Staatsanwalt (District Attorney) vor den Wahlen nicht mit der ultraorthodoxen jüdischen Gemeinde von New York in einen Konflikt geraten wollte.[3] Zwei Jahre später wurde Helbrans erneut verhaftet, nachdem er in Zusammenhang mit dem Federal Bureau of Investigation während eines abgehörten Gesprächs mit dem Vater sich in Widersprüche verwickelt hatte.

Während des Prozesses nahm Shay Fima als Zeuge Stellung; er bestritt die Beteiligung von Helbrans vollständig und gab an, er sei vor seiner Mutter geflohen, die ihn geschlagen habe. Helbrans wurde für schuldig befunden, verurteilt[4] und ursprünglich zu vier bis zwölf Jahren Gefängnis verurteilt. Ein Berufungsgericht reduzierte im Juni 1996 die Haftstrafe auf zwei bis sechs Jahre. Drei Tage später wurde Helbrans in ein Arbeitsprogramm mit Lockerungen des Vollzuges aufgenommen.[5] Nach Protesten wurde Helbrans Freigang revidiert, da er seinen ständigen Aufenthaltsstatus verlor und nicht in den USA arbeiten durfte.[6]

Im November 1996 verdichtete sich der Verdacht, dass die Regierung unter Gouverneur George Pataki Helbrans ungerechtfertigte Vorzüge gewährte, zumal der State Parole Board entschied, ihn nach zwei Jahren Gefängnis freizulassen.[5][7] Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis leitete Helbrans eine Jeschiwa in Monsey, New York.[5] Nach einem weiteren Statusverlust im Jahr 2000 wurde Helbrans nach Israel abgeschoben, wo er wegen verschiedener Anschuldigungen von Familienmitgliedern der Lev Tahor Gemeinde verurteilt werden sollte. Helbrans floh nach Kanada, wo er behauptete, er würde aufgrund seiner religiösen und politischen Überzeugungen in Israel verfolgt. 2003 wurde ihm der Flüchtlingsstatus verliehen.[8] Einige Mitglieder seiner Gemeinde flohen nach Guatemala.[2]

Am 7. Juli 2017 wurde Helbrans ertrunken in einem Fluss im mexikanischen Bundesstaat Chiapas gefunden. Sein Körper wurde am Freitagnachmittag von Rettungskräften aus dem Fluss gezogen, nachdem er während der Tevila, einer rituellen Waschung vor dem Sabbat, von der starken Strömung mitgerissen worden war.[9] Er wurde 54 Jahre alt.

Lev Tahor

Die 200-köpfige Gemeinde von Lev Tahor (deutsch: „reines Herz“) wird von anderen jüdischen Gruppen als extrem und radikal angesehen. Die israelische Tageszeitung Haaretz betitelt die Gemeinde als „jüdische Taliban“ und „Taliban-Sekte“.[2] Die Gruppe hat Anhänger in Israel, insbesondere in der Stadt Bet Schemesch, in Europa, den USA, Kanada und Guatemala.[10] Der ebenfalls wegen Kindesmissbrauchs zu 24 Jahren Haft verurteilte Rabbiner Eliur Chen hatte auf der Flucht vor den Behörden Zuflucht in der Lev Tahor-Gemeinde gefunden.[11]

Einzelnachweise

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