Wikiwand AI

Sieglinde Hamacher

deutsche Filmemacherin From Wikipedia, the free encyclopedia

Sieglinde Hamacher (* 11. Juli 1936 als Sieglinde Rüger in Dresden; † 18. Dezember 2020 bei Stuttgart)[1] war eine erfolgreiche deutsche Animationsfilmregisseurin der DEFA.

Leben und Werk

Ausbildungen und erste Animationsfilmtätigkeiten

Sieglinde Rüger wollte nach dem Abitur zunächst Bühnenbildnerin werden. Nach einer Ablehnung an der Dresdner Kunstakademie begann sie 1954 ein Volontariat bei einem Bühnenbildner der Landesbühnen Sachsen. Nach einem Jahr wechselte sie dann ans Staatstheater Dresden. Parallel besuchte sie Malkurse an der Volkshochschule Dresden bei dem bekannten Grafiker Jürgen Böttcher (Strawalde), an dem auch der später bekannte Maler A. R. Penck teilnahm.[2]

Ab 1956 war Sieglinde Rüger beim DEFA-Studio für Trickfilme in Dresden als Phasenzeichnerin beschäftigt. Dort war sie an mehreren Animationsfilmen von Christl Wiemer beteiligt, außerdem wirkte sie bei Lothar Barke und Otto Sacher mit. Dort lernte sie auch den Kirchenmaler Will Hamacher (1917–1974) kennen, der ihr Ehemann wurde, und mit dem sie ab 1970 mehrere Animationsfilme realisierte.[3]

Animationsfilmregisseurin

Nach dessen Tod 1974 leitete sie über 30 Animationskurzfilme selber, von denen die meisten für Erwachsene gestaltet waren und die meist in Vorprogrammen von Kinofilmen liefen. Ihre Produktionen waren unkonventionell, einige konnten durch ihre parabelhafte Gestaltung auch Missstände in der DDR beschreiben. Bei Der Schafswolf und Ein friedlicher Tag musste sie kleinere Änderungen vornehmen (abgemilderter Schluss bzw. Filmtiteländerung), Kontraste erhielt 1982 wegen einer zu experimentellen Gestaltung keine Kinozulassung und konnte erst 1990 öffentlich gezeigt werden.[4] Ihr erfolgreichster Film wurde Die Lösung über einen unangepassten kleinen Vogel, der auf dem Leipziger Dokumentarfilmfestival einen Preis gewann und bis in die Gegenwart bei verschiedenen Filmveranstaltungen gezeigt wird.

Ehrenamtliche Tätigkeiten und Ehrungen

Ab 1990 konnte Sieglinde Hamacher nach der Abwicklung des DEFA-Studios für Trickfilme keine eigenen Filmprojekte mehr machen, was sie einen sehr hässlichen Abschluss nannte.[5] Sie gestaltete seitdem viele Jahre die kulturpolitische Gremienarbeit Sachsens aktiv mit. Sieglinde Hamacher war 1990 Gründungsmitglied und danach stellvertretende Vorsitzende des Filmverbands Sachsen, 1991 ebenfalls Gründungsmitglied der Sächsischen Landesmedienanstalt, sie arbeitete außerdem im sächsischen Kultursenat sowie im Vergabeausschuss der Mitteldeutschen Medienförderung mit.[6] Sie schrieb auch Rezensionen zu neuen Filmproduktionen.

Werkschauen ihrer wichtigsten Produktionen gab es 2001 beim Leipziger Dokumentarfilmfestival, 2021 beim Filmfest Dresden und 2025 im Berliner Kino Krokodil durch die DEFA-Stiftung.[7]

Würdigungen

Die Medienwissenschaftlerin Tanja Tröger schrieb 2021 nach ihrem Tode

„(...) Filme wie Die Lösung über einen Vogel, der sich durch sein keckes Aufbegehren von der gehorsamen Masse abhebt, oder der die Sinnhaftigkeit der Lohnarbeit hinterfragende Lebensbedürfnis oder Arbeit macht Spaß sind noch heute gültige Werke, in denen sich viele Zuschauer wiederfanden und -finden. (...) Mit ihren klugen, pointierten Parabeln eckte sie an – nicht nur einmal.“[8]

Die Regisseurin und Filmpublizistin Marion Rasche erinnerte sich

„Natürlich war sie gebildet und kunstsinnig. Aber sie war auch dazu fähig, immer wieder eine völlig ungewöhnliche Sicht auf die Dinge des Lebens und der Kunst einzubringen oder auch etwas völlig Kompliziertes radikal und volkstümlich zu vereinfachen. Langweilig war es mit ihr nie.“[9]

Der Filmkritiker Ralf Schenk charakterisierte 2021 ihre Arbeiten

„Ihr schwebten freche Parabeln vor, ästhetisch eigenwillige Allegorien, wie sie ihr in Jugoslawien, der Tschechoslowakei und Polen begegnet waren.“[3]

Filmografie (Auswahl)

Mit Will Hamacher

  • 1970: Selbstversorger
  • 1971: Vater als Casanova
  • 1972: Physikalische Grundlagen, Dokumentarfilm
  • 1972: Glimmröhre als Anzeige und Zählröhre sowie Stabilisationsröhre, Dokumentarfilm
  • 1972: Relais- und Schaltröhren, Dokumentarfilm
  • 1973: Statistische Qualitätskontrolle III Grundzüge der Variablenprüfung
  • 1974: Vater und die Nachbarn
  • 1974: Vater und der Bumerang

Alleinige Regie

  • 1975: Vater als Heimwerker
  • 1976: Hand und Koüf Kopf
  • 1977: Freundschaft – Drushba
  • 1977: Der Spazierritt
  • 1977: Mann und Esel (Dokumentarfilm?)
  • 1977: Familienplanung (Dokumentarfilm?)
  • 1979: Partnerschaft
  • 1979: Attentat
  • 1980: Investition
  • 1980: In Praxi
  • 1980: Die Rettung
  • 1980: Vorsicht
  • 1980: Walzer
  • 1980: Das Glück des Falkners
  • 1981: Ein Käfig
  • 1982: Kontraste (nicht zugelassen, erst 1990 gezeigt)
  • 1982: Die Tür
  • 1983: Die Schraube
  • 1984: Der Schafswolf
  • 1985: Ein friedlicher Tag
  • 1986: Die Wahrheit um den Froschkönig
  • 1986: Die Reise
  • 1987: Bolero
  • 1987: Party
  • 1988: Sisyphos
  • 1988: Die Lösung
  • 1989: Gemäldegalerie
  • 1989: Lebensbedürfnis oder Arbeit macht Spaß
  • 1990: Kafkas Traum
  • 1990: Okkupation
  • 1991: Rapport

Auszeichnungen

Literatur

Einzelnachweise

Related Articles

Timelines

Top Qs

Fact Checks