Simone Bergmans
belgische Kunsthistorikerin, Musikwissenschaftlerin und Schriftstellerin
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Simone Bergmans (geboren am 7. Dezember 1892 in Gent; gestorben am 25. Oktober 1976 in Sint-Lambrechts-Woluwe) war eine belgische Kunsthistorikerin, Musikwissenschaftlerin und Schriftstellerin.
Leben
Bergmans war das zweite Kind des Bibliothekars, Kunst- und Musikwissenschaftlers Paul Bergmans und dessen Frau Louisa (geborene Claes). Ihr Bruder Jacques Bergmans (1891–1959) war als Freilichtmaler aktiv. Ab 1920 war sie am neu gegründeten Höheren Institut für Kunstgeschichte und Archäologie (niederländisch Hoger Instituut voor Kunst en Oudheidkunde [H.I.K.O.]) tätig. Als erste Frau schloss sie 1923 an der Universität Gent nach drei Jahren ein Studium der Kunstgeschichte ab und wurde zwei Jahre später promoviert. Sie gewann ab 1913 während ihres Studiums am Konservatorium Gent mehrere Preise in Klavier- und Kammermusik, Harmonielehre, Musiktheorie, Kontrapunkt und Fuge. Wie ihr Vater und ihr Großvater Charles Bergmans besaß sie ein ausgeprägtes musikalisches Talent. Ihr Großvater Frans Cleas war Brauer, Kaufmann und Rentier sowie wohlhabender Kunstliebhaber. Von 1921 bis 1937 unterrichtete sie französische Rhetorik am Athénée de Jeunes Filles (Königliches Lyzeum für Mädchen) und etwas später Kunst- und Musikgeschichte an der École des Hautes Étude sowie nach dem Tod ihres Vaters Musikgeschichte an der Universität Gent.
Da sie jedoch an einer chronischen Entzündung des Hüftgelenks (Coxitis) litt, wurde sie 1937 beurlaubt und musste 1939 aus gesundheitlichen Gründen ihre angestrebte musikalische Laufbahn als Konzertpianistin und ihre akademische Karriere beenden. Sie verbrachte einen Großteil ihres Lebens in einem Gipskorsett und erteilte noch mehrere Jahre lang Privatunterricht. Trotz ihrer gesundheitlichen Einschränkungen hatte Bergmans in den 1930er und 1940er Jahren zahlreiche Studienreisen unternommen. So hielt sie sich für längere Zeit in Italien auf, erwarb in Venedig ein Diplom in Kunstpädagogik und arbeitete mit einem Stipendium des belgischen Staates an der Vatikanischen Bibliothek in Rom. Bergmans bereiste auch Frankreich, die Niederlande, war am Courtauld Institute of Art in London tätig und studierte in Wien die Geschichte des 15. Jahrhunderts und in Salzburg Musikwissenschaft. Ab 1953 wohnte sie in Knokke und zog 1962 nach Brüssel.[1]
Als Schriftstellerin veröffentlichte sie ab 1928 Studien zur Kunstgeschichte, Kunstkritiken, kunsthistorische Monografien, französischsprachige Novellen und Romane, schrieb Artikel für Kunst- und Musikzeitschriften wie die Revue Belige de Philologie et d’Histoire sowie biografische Beiträge für die Biographie Nationale de Belgique und das Allgemeine Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. 1941 erhielt Bergmans für ihren Roman Moi… ce Malade von der Académie royale de langue et de littérature françaises de Belgique eine Auszeichnung. Sie befasste sich unter anderem mit Jan van Amstel, Sandro Botticelli, Denys Calvaert, Rembrandt van Rijn und anderen Malern. Bergmans kunsthistorische Expertise wurde im In- und Ausland geschätzt. Neben der älteren Kunst galt ihr besonderes Interesse den Genter Künstlern. Sie verfasste Monografien über die mit ihr befreundete Malerin Cécile Cauterman und zu Gustave Den Duyts. Bergmans war Mitglied der Königlichen Archäologischen Akademie Belgiens (niederländisch Koninklijke Academie voor Oudheidkunde van België) und von 1965 bis 1966 deren Präsidentin.[2] 1975 stiftete sie innerhalb der Archäologischen Akademie einen nach ihr benannten Preis.[3]
Schriften (Auswahl)
- Denis Calvart – Antwerpsche schilder, stichter der Bologneesche School der XVIe eeuw. In: Onze Kunst. Geïllustreerd maandschrift voor beeldende en decoratieve kunsten. Jahrgang 24, 1928, S. 202–218 (niederländisch, dbnl.org).
- Catalogue critique des oeuvres du peintre Denis Calvart. Lamertin, Brüssel 1931.
- The Miniatures of Levina Teerling. In: Burlington magazine for connoisseurs. Mai 1934, Band 64, Nr. 374, S. 232–236, JSTOR:865738.
- Deux portraits de Pieter Pieters par son père Pieter Aertsen. In: Oud-Holland. 1936, Band 53, S. 152–159 (brill.com).
- Les Peintres de la vie profonde : Cécile Cauterman et Rainer Maria Rilke. Les editions Apollo, Brüssel 1943.
- Rencontres: musique et littérature – des éléments constitutifs au XVI siècle. Mit einem Vorwort von Charles Van den Borren, Brüssel 1943.
- Le patrimoine secret. 1947.
- Le collier d’épines. 1948.
- Faligan. 1950.
- La peinture ancienne, ses mystères, ses secrets. 1952.
- Jan Van Amstel, dit Jean de Hollande. In: Revue belge d’Archéologie et d’Histoire de l’Art. Band 26, 1957, S. 25–36.
- Sébastien. Brüssel 1958.
- Le problème du Monogrammiste de Brunswick. In: Königliche Museen der Schönen Künste (Hrsg.): Bulletin. 1965, S. 143–162 (fine-arts-museum.be PDF).
- Un fragment peint du Pèlerinage des Épileptiques a Molenbeek-Saint-Jean, oeuvre perdu de Pierre Bruegel l’Ancien. In: Revue Belge d’archéologie et d’histoire de l’art. Belgisch tijdschrift voor oudheidkunde en kunstgeschiedenis. 1974, S. 41–57.
Literatur
- Daniël Van Ryssel: Vergeten Gentse Schrijvers. Simone Bergmans (Gent 1892 – Sint-Lambrechts-Woluwe 1976). In: Ghendtsche Tydinghen. Band 37, Nr. 6, doi:10.21825/gt.v37i6.5723, S. 399–401 (openjournals.ugent.be PDF).
Weblinks
- Frank Cotman: Simone Bergmans ugent.be
- Tine Demoor: Bergmans, Simone. In: Lexicon Literair Gent (literairgent.be)