St. Dorothea, Wenzel und Stanislaus (Breslau)

Kirchengebäude in Polen From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Kirche St. Dorothea, Wenzel und Stanislaus, kurz auch St. Dorothea oder Dorotheenkirche genannt, ist ein gotisches, römisch-katholisches Gotteshaus an der Ulica Świdnicka (deutsch bis 1945 Schweidnitzer Straße) im Breslauer Stadtbezirk Stare Miasto (Altstadt).

Gesamtansicht der Kirche

Geschichte

Papst Innozenz VI. und Kaiser Karl IV. Fresko von Andrea da Firenze, um 1365, Santa Maria Novella, Florenz
Die Schweidnitzer Straße um 1906 mit der Kirche St. Dorothea, Wenzel und Stanislaus im Hintergrund links

Kirche und Kloster (Augustiner, Franziskaner, Jesuiten)

Nach den beiden verheerenden Großbränden der Jahre 1342 und 1344 ließ König Karl I., von Böhmen (der spätere Kaiser Karl IV.) im Zuge des Wiederaufbaus der damals unter böhmischer Hoheit stehenden Stadt jenseits der Ohle im Süden Breslaus einen neuen Stadtteil anlegen. Im Jahr 1351 unterzeichnete er eine 1354 von Papst Innozenz VI. bestätigte Stiftungsurkunde für ein dort zu gründendes Kloster und eine Kirche. Als Kirchenpatrone bestimmte er den böhmischen Landesheiligen Wenzel, den heiligen Stanislaus von Krakau und die heilige Dorothea von Cäsarea. Im Volk setzte sich bald die Bezeichnung Dorotheenkirche durch[1].

Das Kloster und die Kirche wurden zunächst vom Augustinerorden genutzt. 1530 zogen die Mönche aus, nachdem sie sich etwa seit 1523 der Lehre Martin Luthers und der Reformation angeschlossen hatten. Vorher hatten sich einige der Mönche am Kirchengut bereichert. Für wenige Jahre übernahmen Franziskaner aus dem Jakobskloster die Gebäude, weil sie ihr Kloster den Prämonstratensern des Stifts St. Vinzenz überlassen hatten. Wegen der Umbrüche, denen die Klöster durch die Reformation unterworfen waren, lebten dort zuletzt nur noch zwei Franziskaner. Der letzte von ihnen, Pater Martin Bonengel, übergab am 20. Oktober 1534 das Gebäude und die Schlüssel der Stadt, die es daraufhin als Lagerhalle nutzte.[2] In den darauffolgenden Jahren wurde versucht, ein Jesuitenkolleg in der Kirche einzurichten, was aufgrund von Personalmangel aber scheiterte.

Minoritenkloster (1612–1810) und Pfarrkirche

Am 12. November 1612 schenkte Kaiser Matthias „kraft kaiserlicher Machtvollkommenheit“ die Kirche und die Klostergebäude den Minoriten (Ordo fratrum minorum conventualium ‚Orden der konventualen Minderbrüder‘), die 1517 aus einer Teilung des Franziskanerordens hervorgegangen war. Die Minoriten vertreten in der Armuts- und Eigentumsfrage gegenüber den „observanten“ Franziskanern eine weniger strenge Haltung. Das Gotteshaus in Breslau bezogen sie im Februar 1615. Sie gründeten im Kloster ein Studienhaus für den Ordensnachwuchs mit einer großen Bibliothek, in dem wegen seines guten Rufs auch Nicht-Minoriten an den Vorlesungen zu Philosophie, Kirchenrecht und Moraltheologie teilnahmen. 1734 setzte das Provinzkapitel der Böhmischen Minoritenprovinz in Prag fest, dass der Konvent in Breslau höchstens 44 Mitglieder haben dürfe, und zwar 26 Priester, 10 Studenten und acht Laienbrüder. Als 1767 die Innenstadt von Breslau neu in vier Seelsorgebezirke aufgeteilt wurde, kam einer der Bezirke zur Dorotheenkirche, und die Minoriten übernahmen die Seelsorge. Bereits seit 1754 betreuten sie im Auftrag des Bischofs die Pfarrei Rothsürben und im Auftrag des Johanniter-Komturs Graf von Falkenhayn die Kommende Corpus Christi in Breslau.

1810 kam es zur Säkularisation und Schließung des Klosters, in dem noch sieben Patres und ein Laienbruder lebten. Die Kirche blieb Pfarrkirche.[3]

Die Klosteranlage wurde 1817 vom königlichen Inquisitorat bezogen. 1852 wurden die Gebäude abgerissen. Heute steht hier das Hotel Monopol.

Während der Schlacht um Breslau in der Endphase des Zweiten Weltkriegs im Frühjahr 1945 wurde die Kirche nur leicht beschädigt. Zuletzt gehörten 7400 Mitglieder zur Gemeinde. Letzter deutscher Pfarrer war Alfons Härtel.

Heute ist die Kirche Pfarrkirche der Pfarrei Św. Stanisława, św. Doroty i św. Wacława (Hl. Stanislaus, hl. Dorothea und hl. Wenzel).

Architektur und Ausstattung

Blick ins Innere
Hölzerne Darstellung einer Figur mit goldener Kleidung; sie trägt den blutüberströmten Leichnam Christis im Schoß
Hölzerne Christusdarstellung aus der Dorotheenkirche, um 1360 (Nationalmuseum Breslau)

Das als Klosterkirche errichtete Backsteingebäude stammt aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Im Jahr 1381 war der einschiffige Chor vollendet, 1401 das dreischiffige Langhaus. Die Gesamtlänge beträgt 83 m. Die Herz-Jesu-Kapelle kam 1680 hinzu.

Die Bausubstanz des Gebäudes hat im Laufe der Jahrhunderte gelitten. Es wurde mehrmals beschädigt, stand jahrzehntelang leer oder war, zweckentfremdet, dem Verfall preisgegeben, wurde jedoch immer wieder hergestellt. 1448 stürzte ein Teil der Kirche ein.[4] Die ab 1534 leerstehende Klosteranlage mit Kirche wurde bis 1610, als sie an die Minoriten überging, vom Breslauer Stadtrat als Arsenal genutzt und 1686 durch einen großen Brand zerstört[5]. Im Siebenjährigen Krieg diente die wieder aufgebaute Kirche als Gefangenenlager[6] und war nach der Säkularisation Teil des in den Klostergebäuden untergebrachten preußischen Untersuchungsgefängnises.

Das Innere der Kirche wurde im Laufe des nach dem großen Brand von 1686 noch im selben Jahr begonnenen Wiederaufbaus im Stil des Barock umgestaltet und ausgeschmückt. Der barocke Hochaltar aus dem Jahr 1710 zeigt Bilder der heiligen Dorothea und die Vision des heiligen Franziskus. Außerdem befinden sich in der Kirche zwei Holzskulpturen aus dem Jahr 1700. Sie stellen Johannes den Täufer und den Evangelisten Johannes dar. Beide stammen vermutlich vom Bildhauer Georg Leonhard Weber aus Schweidnitz. Das hölzerne Chorgestühl stellt Bilder aus dem Leben des heiligen Franziskus dar. Das Grabdenkmal des Freiherrn Gottfried von Spätgen stammt aus dem Jahr 1753 und wurde vom Bildhauer Franz Joseph Mangoldt im Stil des Rokoko entworfen.

Literatur

Einzelnachweise

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