St. Erasmus (Wernau)
Kirchengebäude in Wernau
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Die Pfarrkirche St. Erasmus ist die ehemalige Hauptkirche der römisch-katholischen Kirchengemeinde St. Erasmus im vormaligen Pfarrdorf Pfauhausen,[1] das heute in Wernau (Neckar) aufgegangen ist, und ein Wahrzeichen dieser Stadt.

Heute ist sie eine der beiden Pfarrkirchen der katholischen Gesamtkirchengemeinde Wernau.[2]
Kirchenpatron ist der Bischof und Märtyrer Erasmus von Antiochia, einer der vierzehn Nothelfer. Sie ist die einzige Erasmus-Pfarrkirche in ganz Württemberg und eine der wenigen im ehemaligen Bistum Konstanz. Das Erasmuspatrozinium der Kirche wird erstmalig 1428 erwähnt.[3]
Die verbliebenen mittelalterlichen, 1882 teilweise neugotisch renovierten Bauteile der alten Kirche sind wichtige bauhistorische und ortsgeschichtliche Zeugnisse für Wernau.[4]
Vorgängerbauten
Die Gründung der St. Erasmus-Kirche als Wehrkirche geht in das Hochmittelalter zurück. Sie erfolgte in unmittelbarer Nachbarschaft zur Burg des Ortsadels, die gegenüber auf dem benachbarten Hügel lag. Aus dieser Zeit hat sich der Turm mit seinen romanischen Stilelementen (Biforien) erhalten. Ihre Lage auf einem flachen Sporn zwischen Neckar und Bodenbach bot günstige Voraussetzungen für eine Wehranlage, von deren Mantelmauer nur die einst als Basis dienende Futtermauer stellvertretend erhalten geblieben ist. Diese stützte zum Graben der gegenüberliegenden Burg hin ab.[5]
Beim Kirchenschiff handelte sich ursprünglich um eine romanische Saalkirche, wie sie beispielsweise in der Alten Pfarrkirche von Hedelfingen, die aus derselben Epoche stammt, noch erhalten ist. Auf alten Abbildungen lässt sich noch das romanische Doppelfenster unterhalb der Empore erkennen, das bis zum Teilabriss der Kirche in den 1960er Jahren erhalten war.
- Alte Ansicht des Pfarrdorfes Pfauhausen von Andreas Kieser mit Kirche und Schloss der Herren von Wernau (1683)
- Postkarte von 1908 mit St. Erasmuskirche im Bauzustand nach der Erweiterung im Jahre 1882
- Ensemble Pfarrkirche St. Erasmus mit Schloss Pfauhausen (2025)
- Bauzustand um 1930, alter Turm, romanisches Längsschiff, neugotisches Querschiff, gotischer Chor
Pfarrei- und Baugeschichte
Pfarrkirche Pfauhausen
Patronat der Hochschlitz von Hausen und Inkorporation in das Stift Heilig Kreuz
Die früheste gesicherte Erwähnung der Pfarrei und damit der Pfarrkirche ist im Liber decimationis aus dem Jahre 1275 überliefert.[6] Allerdings wird in einer Urkunde, die aus der Regierungszeit des Bischofs Eberhard II. von Konstanz stammt und um das Jahr 1263 datiert wird, ein Pfarr-Rektor von Hausen (rectori ecclesie in Husen) erwähnt. Dieses Hausen wird als Pfauhausen vermutet, welches wohl ursprünglich mit dem naheliegenden Wendlingen und seiner Pfarrkirche St. Eusebius (et ecclesiam vestram et ecclesiam in Wendelingen) eine Pfarrei bildete.[7] Diese gehörte zum Ruralkapitel Owen (später Kirchheim)[8] im Archidiakonat Reutlingen oder „auf der Alp“[9] und stand ab dem Spätmittelalter in enger Verbindung zum Ortsadel von Pfauhausen. So ist im Jahre 1306 ein Wolfram von Hochschlitz als Patronatsherr der Kirche zu Pfauhausen genannt. Ebenso diente das Gotteshaus als Grablege dieser Familie wie die Chronik aus dem Jahre 1494 berichtet, dass unter einem Stein einer von Hochschlitz begraben liege, „welches Wappen gar alt ist“. Bedeutendster Vertreter aus dieser Familie ist der Bischof von Augsburg Walther II. von Hochschlitz, der aus Pfauhausen stammte.
1363 wurde der Widdumhof, der Kirchensatz und die Kirche von einem Kuno von Münchingen an das Kollegiatstift Heilig Kreuz (Stuttgart) verkauft[10], dem es schließlich im Jahre 1421 durch Bischof Otto von Hachberg inkorporiert wurde[11]. Im Jahre 1414 erfolgte die Stiftung eines Frühmessbenefiziums[12] St. Marien,[13] das 1804 der Pfarrkirche inkorporiert wurde.[14] Diese Urkunde ist deshalb von Bedeutung, weil in ihr die drei Zelgen der Markung Pfauhausen aufgeführt sind. Noch Mitte des 15. Jahrhunderts muss am Burggraben das der Kirche zugehörige Pfarrhaus gestanden haben.[15]
Verkauf der Kirche mit Patronat an die Herren von Wernau (1486)
Im Jahre 1486 unter Propst Ludwig Vergenhans, einem der engsten Berater Graf Eberhards im Bart, veräußerte das Stift den Besitz um 1000 Pfund Heller an die Brüder Wilhelm, württembergischer Hofrichter und Hofmeister der Gattin Eberhards Barbara Gonzaga[16], und dem Edelknecht Ludwig († 1498) aus dem Geschlecht derer von Wernau.[17] Diese hatten bereits nach 1474 die gegenüberliegende Burg mit Dorf und allen Rechten erworben, so dass für die folgenden zwei Jahrhunderte die Geschichte von Kirche und Gemeinde eng mit dieser Familie verbunden war. Von letzterem, dem Neffen Fürstabts Pilgrims II. von Wernau und Vetters Johannes I. von Wernau[18][19], berichtet die Chronik, „ward ... die Kürch zue Pfauhausen gebessert und zum Teil gemalt“. Aus dieser Zeit datiert die erhaltene spätgotische Mondsichelmadonna, die der Ulmer Schule zugeschrieben wird.
1591 berichtet der Chronist Valentin Salomon von Fulda, dass er „hinden an der Althar Tafeln acht knieender Manß- und Weibsbilder auf- und abgezeichnet“ habe.[20] Mit den Herren von Wernau als Orts- und Patronatsherren der Kirche, die als kaisertreue Reichsritter beim katholischen Glauben blieben, ging die Reformation an Pfauhausen mit seiner Pfarrkirche ebenso wie an den anderen Besitzungen in Unterboihingen und am oberen Neckar vorüber.[21]
Einen Eindruck vom Bauzustand des Ensembles mit Schloss vor dem Dreißigjährigen Krieg liefert die Darstellung auf der Karte des Kirchheimer Forsts von Georg Gadner aus dem Jahre 1589.[22] Sie zeigt den Turm mit dem für diese Zeit typischen Turmhelm auf einem quadratischen Obergeschoss.
Übergang durch Erbschaft an die Familie Rotenhan (1696)
Nach dem Tod des letzten männlichen Nachkommen, Johann Georgs von Wernau, im Jahre 1696 fiel der Ort mit Kirche und Schloss durch die Heirat seiner Nichte Maria Elisabeth von Wernau an Joachim Ignatius von Rotenhan. Dessen Sohn Karl Alexander von Rotenhan, fürstbischöflich bambergischer Oberhofmeister, beabsichtigte allerdings einen Verkauf der Güter am mittleren Neckar. Aus dieser Zeit stammt der noch erhaltene barocke Taufstein von 1766.
Verkauf an das Hochstift Speyer (1769)
So kaufte im Jahr 1769 der verwandte Fürstbischof Kardinal Franz von Hutten die katholischen Herrschaften Neuhausen und Pfauhausen[23], wodurch der Ort mitsamt der Kirche und Schlossanlage in den Besitz des Hochstifts Speyer gelangte.
Bistum Rottenburg Stuttgart im Königreich Württemberg (1821)
Nachdem Übergang des Ortes Pfauhausen an Württemberg durch einen Staatsvertrag mit Baden im Jahre 1806 gelangte die katholische Pfarrei in das 1821 neu gegründete Bistum Rottenburg-Stuttgart. Eine Ansicht der Kirche im Bauzustand vor der Erweiterung im Jahre 1882 aus östlicher Richtung findet man auf dem Landschaftsgemälde „Pfarrdorf Pfauhausen am Neckar Fluße“ von Carl Ebert aus dem Jahre 1847.[13]
Erweiterung der Kirche und Ausgestaltung im neugotischen Stil (1882)
Im späten 19. Jahrhundert entstand unter Einbeziehung des Turms der ursprünglichen Wehrkirche sowie des Längsschiffs aus romanischer Zeit und des gotischen Chores, mit dem die Kirche bei einem früheren Umbau (wohl vor 1472 unter Hans von Wernau[20]) nach Osten erweitert worden war, eine neue Kirche, die im Wesentlichen im neugotischen Stil gestaltet wurde. Ein Gedenkstein am alten Turm erinnert an die für 29.000 Mark durch den Werkmeister Eduard Conrad Batzill[24] aus Neuhausen durchgeführte Erweiterung und Renovierung „im Jahre des Heils 1882“.[25]
Umgestaltung des Innenraumes (1937–1941)
Im Jahre 1937 wurden die neugotischen Altaraufbauten entfernt. Die Wände hinter den Seitenaltären erhielten Fresken mit zahlreichen Heiligenbildern von E. P. Zimmermann. In den Chor – die heutige Sakramentskapelle – kamen kunstvolle Farbglasfenster von Wilhelm Geyer.[26]
Neubau der Kirche unter Einbeziehung von Turm und Chor der Vorgängerkirche (1960–1963)
Die heutige Kirche wurde am 1. September 1963 von Bischof Carl Joseph Leiprecht geweiht[27]. Sie wurde vom Architekt Josef Denzinger entworfen und unter Leitung von Architekt Alfons Denzinger erbaut. Turm und Chorraum der Vorgängerkirche wurden dabei unter Auflage des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg in den Neubau integriert.[28]
Im Bautypus einer Hallenkirche ist die Kirche in eine für die 60er Jahre typischen Beton-Skelettbauweise errichtet worden. Das Kirchenschiff, das quer zur geosteten alten Kirche eingefügt wurde, ist eine von farbigem Licht durchflutete hohe Halle, die Platz für 400 Personen bietet mit einem 32 m hohen Turm an der Südostseite und einem Chorraum mit Sakristei an der südwestlichen Ecke. Das Hauptportal an der Nordseite ermöglicht den Zugang zu Kirche, der ehemalige Hauptzugang erfolgte über das Westportal und die Vorhalle im Untergeschoss des alten Turms. In seiner Größe damals einzigartig war der Hochaltar aus Travertin, mit einem Gewicht von ca. 9,5 Tonnen. In ihm ruhten eingemauert die Reliquien der heiligen Prosperus und Donatus.[29]
in den Jahren 1990/91 erfolgten Planungen für eine Renovierung durch das Architekturbüro Perlia, Schliebitz und Schwarz aus Stuttgart. Durchgeführt wurde hiervon aber nur die Außensanierung und der Einbau der neuen Sakristei in den ehemaligen westlichen Seitenchor.
Umgestaltung des Innenraums (2006)
Bei der letzten Innenrenovierung im Jahre 2006 wurde der Altarraum durch das Architekturbüro von Gerold Reutter entsprechend den Vorgaben des Zweiten Vatikanischen Konzils umgestaltet.[30][31][32] Während dieser Zeit diente der Saal unter der Kirche als „Baustellenkirche“. Die Weihe des neuen Altars erfolgte durch Weihbischof Johannes Kreidler am 1. Adventsonntag, den 3. Dezember 2006.[33]
Zukunft der Kirche nach 2030
Im Rahmen des Projekte „Räume für eine Kirche der Zukunft“, das von der Diözese Rottenburg-Stuttgart aufgesetzt wurde, wird die Kirche nach 2030 einem neuen Verwendungszweck zugeführt.[34] Die Kirche St. Erasmus soll als sogenannte „Depotkirche“ unter anderem zur Aufbewahrung von Reliquien und religiösen Kunstschätzen erhalten werden.[35][36]
Alter Turm
Im alten Turm sind drei Stilrichtungen harmonisch miteinander verbunden. Das Bauwerk ist ein viergeschossiger Turm in Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderung und Wasserschlägen.
Der untere Teil des romanischen Wehrturms besteht aus zwei Geschossen. Zur ebenen Erde erstreckt sich die sogenannte Turmhalle in Form eines eingewölbten Raumes. Der frühere Eingang zur alten Kirche in Form eines Stabwerkportals mit seinem gotischen Bogen wurde erst in späterer Zeit eingebaut. Das obere Stockwerk ist jeweils auf der West- und Nordseite mit Biforien versehen. Deren Mittelsäulen tragen das für die Spätromanik typische Würfelkapitell. Auf der Südseite ist das entsprechende Fenster mit einem gotischen Spitzbogen ergänzt, die Mittelsäule existiert nicht mehr. Darunter weist der Turm in zwei Ebenen Schießscharten, letztlich in Form von Schlüssellochscharte auf.
Darauf wurde ein achteckiges spätgotisches Stockwerk als Glockenstuhl gesetzt. Krönender Abschluss ist eine barocke Glockenhaube aus dem 17. Jahrhundert, die das Patriarchenkreuz trägt.
Gedenkort im alten Turm
Am Fuß des Turmes, wo der frühere Eingang zur Pfarrkirche war, ist in der Vorhalle ein Ort des Gedenkens eingerichtet. Im ehemaligen gotischen Türbogen zur Kirche steht eine Pietà. An den Wänden rechts und links sind hölzerne Gedenktafeln für die Toten des Ersten und Zweiten Weltkrieges angebracht.[37] Eine Besonderheit sind die schlichten Holztafeln mit den Namen der Gefallenen und Vermissten aus dem Zweiten Weltkrieg. Sie wurden von Gemeindemitgliedern während des Krieges in Laubsägearbeit gefertigt.
- Alter Turm mit Stilelementen aus drei Epochen
- Eingang zur alten Kirche mit Gedenkstein von 1882
- Pietà bei der Gefallenengedenkstätte
- Gotischer Chor, Ostseite
- Gotischer Chor, Westseite
- Grabstein des Pfarrers Joseph Erasmus Schmid an der Nordseite des alten Turmes
Innenraum und Einrichtung
Sakramentskapelle
Als Sakramentskapelle dient der Chorraum der alten Pfarrkirche. Er ist mit seinen gotischen Spitzbögen und den barocken Epitaphen der Familie von Wernau der älteste Teil des Kirchenraumes. Als typisch spätgotischer Polygonalchor aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts ist er ebenso wie der alte Turm in Bruchsteinmauerwerk ausgeführt. Die vier erhaltenen Strebepfeilern aus Sandstein stützen das Bauwerk nach außen hin ab. Innen bildet das Rippengewölbe den Abschluss des Raumes nach oben. Der Tabernakel, der 1960 vom Wernauer Bildhauer Paul Köhler mit dem Motiv der Brotvermehrung gestaltet wurde, ist auf dem Altar der früheren Kirche aufgesetzt. Links neben dem ehemaligen Eingang zur alten Sakristei befindet sich ein Epitaph eine unbekannten Jesuitenpaters aus dem 17. Jahrhundert.[38]
Epitaphe der Familie Wernau
In die nördliche Seitenwand des Chores sind drei noch erhaltene Epitaphe der Familie von Wernau aus den Jahren 1658 bis 1663 eingelassen. Zentral das Grabmal von Anna Elisabeth von Wernau, einer geborenen Freiin von Freyberg und Eisenberg, der Frau von Veit Wolf von Wernau († 1672). Links und rechts daneben kleinere Epitaphe zweier ihre im Kindesalter verstorbenen Söhne Franz und Franz Rudolf. Sie zeigen neben den Wappen derer von Wernau und Freyberg die von Weichs und Rechberg.
- Epitaph Franz Rudolph von Wernau, gest. 5. November 1658
- Epitaph der Anna Elisabeth von Wernau , geb. Freiin von Freyberg und Eisenberg, Wappen: Freyberg-Rechberg, Huntbiß-Eisendorff
- Epitaph Anna Elisabeth von Wernau, gest. 2. Dezember 1663, Detail mit Allianzwappen
- Epitaph Franz von Wernau, gestorben 16. Januar 1655
- Grabmal eines Jesuitenpaters, auf dem Schildchen A. D. 1611 H+K
Glasfenster der Sakramentskapelle
Zeithistorischer Bezug
Die drei Hauptfenster (jeweils ca. 530 × 80 cm, Antikglas/Blei/Schwarzlot) stammen vom Künstler Wilhelm Geyer (1900–1968), einem der bedeutendsten Erneuerer und Wegbereiter christlich-religiöser Kunst des 20. Jahrhunderts.[39] Ein viertes Fenster für das Fenster auf der Nordseite blieb unvollendet.[40] Seine Werke galten den Nationalsozialisten als „entartet“.
Während der Zeit seines Berufsverbots war er auf Unterstützung durch kirchliche Kreise angewiesen und fand so auch Zuflucht und Unterschlupf beim Pfarrer in St. Erasmus.[40] Im Kriegsjahr 1941 schuf Geyer – angeregt und gefördert durch den damaligen Gemeindepfarrer Ernst Hofmann und dessen Eltern – diese Glaskunstfenster. Das von Pfarrer und Künstler in lebhaftem Austausch erarbeitete Bildprogramm mit dem Thema „Der Menschensohn“[41] zeigt zentrale Motive der Heilsgeschichte und bezeugt Jesus Christus, den Erlöser.[42] Durch diese Stiftung war der im Jahre 1940 von der Gestapo verhaftet und misshandelte und danach aus seiner Pfarrgemeinde verbannte Pfarrer „auf eine originelle Weise doch immer in seiner Kirche präsent“.[43][44]
Beschreibung der Fenster
| linkes Chorfenster[39] | zentrales Chorfenster | rechtes Chorfenster | |
|---|---|---|---|
| Spitzbogen | Morgenstern
über dem Wasserbogen |
Taukreuz
mit Sonne und Mond |
Christusmonogramm |
| oben | Erscheinung des Herrn vor den drei Weisen; (Mt 2,1–11 EU) | Majestas Domini: Christus als Pantokrator in der Mandorla umgeben von Engeln mit Posaunen | Heimfahrt des Kyrios in sein Reich beim Vater; Apg 1,10f EU |
| Mitte | Bezeugung des Herrn nach der Taufe vor Johannes dem Täufer; Joh 1,32 EU | Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes unterm Kreuz sowie den beiden Schächern | Christus und die Emmaus-Jünger; Lk 24,35 EU |
| unten | Verklärung des Herrn auf dem Berge vor Petrus, Jakobus und Johannes im Beisein von Mose und Elija; | Geißelung, Ecce homo und Kreuztragung | Auferstehung des Herrn, vor den Engeln auf dem weggewälzten Stein und in der Grabkammer; |
| Fuß des Bildes | Widmung unterhalb des Passionsbildes mit Geißelung und Verurteilung durch Pilatus:[43]
„Stiftung der Pfarreltern und des Pfarrers im Exil Dr. Ernst Hofmann 1941“ |
Neubau von 1960–1963
Orgel

26 Stufen führen zur Orgelempore. 1984 konnte die schon 1824 erwähnte Orgel durch eine neue zweimanualige Orgel mit 2146 Pfeifen aus der Werkstatt von Peter Plum in Marbach am Neckar ersetzt werden.[29] Am Martinstag 1984 wurde diese durch Weihbischof Anton Herre im Beisein von Peter Alexander Stadtmüller (an der Orgel) geweiht.[45]
In der Mitte der Chorwand hängt das Kreuz, aufgesetzt auf den Grundstein von 1960. Im Zuge der Renovierung im Jahre 2006 wurde der ehemalige Opferaltar an der Chorwand abgebaut und aus seinem Stein ein neuer kleinerer Altar und das Ambo sowie der neue Weihwasserstein im Eingangsbereich in der gleichen ursprünglichen Formensprache gestaltet. Links vom Altar steht der historische Taufstein von 1766 mit der Osterkerze.
Altäre in den Seitenschiffen
Im linken Seitenschiff befindet sich mit einer spätgotischen Mondsichelmadonna aus dem 15. Jahrhundert das älteste Kunstwerk der Pfarrkirche, das dem Umfeld einer Werkstatt der Familie Syrlin zugeschrieben wird. Der Altar im rechten Seitenschiff ist dem heiligen Josef geweiht und ist mit einer Figur des Heiligen mit Jesuskind aus der Mitte des 17. Jahrhunderts ausgestattet. Diese Figur stammt vermutlich aus einem barocken Altar, der im Jahre 1663 in Auftrag gegeben wurde.[46]
- Spätgotische Mondsichelmadonna, der Syrlinschule zugeschrieben
- Barocker Taufstein von 1766
- Hl. Josef mit Christuskind, um 1680
- Erinnerungstafel an Pfarrer Eugen Schneider, Erbauer der neuen Erasmus-Kirche
Heiligenfiguren im Hauptschiff
An den linken Säulen des Hauptschiffes finden sich Figuren der Heiligen Erasmus, Franziskus, Antonius und Sebastian aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, die aus der neugotischen Ausstattung der Vorgängerkirche erhalten sind.
Kirchenfenster
Die westliche Fensterfront mit seinen fünf Langhausfenstern ist das Werk des Stuttgarter Künstlers Otto Habel (1922–1996) und stellt Motive der Heilsgeschichte (Vertreibung aus dem Paradies und apokalyptische Verheißung mit Darstellung Maria vom Siege, Opfer des Abraham, Verkündigung, Bergpredigt und wundersame Brotvermehrung, Einsetzung des Abendmahls) dar.[20]
Kreuzweg
Ebenso entwarf der Künstler einen Kreuzweg mit 14 Stationen in Mosaiktechnik aus Schiefer-, Gold- und Silberplättchen.[47] Nach Habels Vorlage wurde er von der Mayer’schen Hofkunstanstalt in München gefertigt.[29]
Glocken
Alle heutigen Glocken der Kirche stammen aus dem 20. Jahrhundert. Die früheren Glocken im Glockenstuhl das alten Turmes wurden zu Kriegszwecken eingeschmolzen, zuerst im Dreißigjährigen Krieg, später im Zweiten Weltkrieg.
Eines der schönsten und größten Glockengeläute in der Diözese Rottenburg-Stuttgart verdankt die Pfarrkirche ihrem Erbauer und langjährigen Seelsorger Pfarrer Eugen Schneider, der seinerzeit Glockensachverständiger der Diözese war.[48] 1952 goss die Glockengießerei Kurtz aus Stuttgart sechs Glocken für St. Erasmus, und 1963 kamen noch die zwei größten von Bachert aus Heilbronn hinzu. Somit erklingen nun samstags um 17 Uhr zum Sonntag-Einläuten und an hohen Festtagen acht Glocken.[49] Jede Glocke trägt einen Namen und einen Segensspruch.
Daten der Glocken:
- Glocke: „Einheit im Glauben“, B°, Gewicht: 3323 kg, gegossen 1963 von Bachert in Heilbronn
- Glocke: „Dreifaltigkeit“, des′, Gewicht: 2008 kg, gegossen 1963 von Bachert in Heilbronn
- Glocke: „Hl. Josef“, es′, Gewicht: ca. 1300 kg, gegossen 1952 von Heinrich Kurtz in Stuttgart
- Glocke: „Christkönig“, ges′, Gewicht: ca. 800 kg, gegossen: 1952 von Heinrich Kurtz in Stuttgart
- Glocke: „Mariä Himmelfahrt“, as′, Gewicht: 544 kg, gegossen 1952 von Heinrich Kurtz in Stuttgart
- Glocke: „Hl. Erasmus“, b′, Gewicht: 392 kg, gegossen 1952 von Heinrich Kurtz in Stuttgart
- Glocke: „Erzengel Michael“/Totenglocke, des″, Gewicht: ca. 300 kg, gegossen 1952 von Heinrich Kurtz in Stuttgart
- Glocke: „Franz von Assisi“, es″, Gewicht ca. 250 kg, gegossen 1952 von Heinrich Kurtz in Stuttgart
Tonfolge: B° des′ es′ ges′ as′ b′ des″ es″
Die Dreifaltigkeitsglocke wurde anlässlich des Neubaus von der damaligen Gemeinde Wernau (Neckar) gestiftet.[29]
Zur jeder Viertelstunde ertönt der Westminsterschlag.[50]
Umgebung
Friedhof um die Kirche
Eine weitere Besonderheit ist der Friedhof rings um die Kirche.[51] An der Nordwestecke der Friedhofsmauer zum Pfauhausener Schloss gelegen sind zwei Steintafeln mit den Namen der Gefallenen aus dem Ersten Weltkrieg eingelassen.[52] Zudem ist die Grabstätte zweier auswärtiger Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg erhalten.[53]
Links vom alten Turm ist der Grabstein von Joseph Erasmus Schmid erhalten, Träger der Goldenen Civil-Verdienstmedaille, der aus Bregenz stammte und von 1812 bis 1847 Pfarrer in St. Erasmus war.[54] Als Vertreter einer aufgeklärten Generation katholischer Geistlicher war er ein Kritiker barocker Frömmigkeitsformen wie der Glaubensbruderschaften, die er als nicht mehr zeitgemäß verurteilte. Er sorgte für die Verbreitung aufgeklärter christlicher Literatur im Sinne seines ehemaligen Amtskollegen Benedikt Maria von Werkmeister aus der benachbarten Kirchengemeinde St. Magnus in Steinbach.[55]
Rechts neben dem alten Turm steht das Grabmal der Pfarreltern von Pfarrer Hofmann, das vom Bildhauer Karl Rieber geschaffen wurde.[56] Dieser war wie Hofmann dem Freundeskreis um Wilhelm Geyer verbunden und wurde wie dieser während des Nationalsozialismus verdächtigt, Verbindung zur Weißen Rose zu haben.[57]
Schloss Pfauhausen
Gemeinsam mit dem Schloss Pfauhausen und seinen Vorgängerbauten bildet die St. Erasmuskirche ein Ensemble, das im Laufe der Jahrhunderte zahlreichen baulichen Veränderungen beider Gebäude unterworfen war. Noch heute aber zeugt es von der historischen Bedeutung des Kirchen- und Burgberges[58] über dem aus dem Zeit der fränkischen Landnahme entstandenen Ortes Pfauhausen.
Klassizistisches Pfarrhaus aus dem Jahre 1832
Nachdem die Pfarrer von St. Erasmus bis zum Teilabriss in einem Flügel des Pfauhausener Schlosses gewohnt hatten, und durch die Säkularisation im Jahre 1803 die kirchlichen Güter und Vermögen vom Staat eingezogen waren, fielen die Baulasten schließlich dem Königreich Württemberg zu. Dies um so mehr, als das das Königliche Kameralamt das alte Pfarrhaus bzw. den Bauplatz verkauft hatte. Am 23. Oktober 1832 stattete Pfarrer Erasmus Schmid, dessen Grabmal neben dem alten Turm erhalten ist, „unterthänigst gehorsamst Euer Königl. Hochpreißlichen Finanzkammer zu Ludwigsburg als 20 jähriger Pfarrer zu Pfauhausen den wärmsten Herzensdank ab für den zu schönen Pfarrhausbau“.[20] Das heute unter Denkmalschutz stehende klassizistische Pfarrhaus[59] im Kameralamtsstil wurde auf den Fundamenten des nördlichen Flügel des Pfauhausener Schlosses erbaut.[60] Im Pfarrhaus ist heute unter anderem das Pfarrbüro St. Erasmus untergebracht.[61]

Pfarrscheuer aus dem Jahre 1832
Ebenso errichtete der Württembergische Staat gegenüber dem Pfarrhaus eine Pfarrscheuer mit Stallung, nachdem die alte mit dem ehemaligen Pfarrhaus abgerissenen worden war.[62] Die als Teil des Pfarrhofes in Sachgesamtheit mit dem Pfarrhaus unter Denkmalschutz stehende Pfarrscheuer[59] wurde in den Jahren bis 1981 in weitestgehend ehrenamtlicher Arbeit von Gemeindemitgliedern als Gemeindehaus restauriert.[63] Im Februar 1983 zeichnete der damalige baden-württembergische Innenminister Roman Herzog die „Arbeitsgemeinschaft Pfarrscheuer“ als eine vorbildliche Kommunale Bürgeraktion aus.[64] Seither dient sie neben dem Erasmus-Saal unter der Kirche als Gemeindehaus der Kirchengemeinde[65] und ist Treffpunkt für die Katholische junge Gemeinde St. Erasmus.[66][67] Im Pfarrhof findet alle zwei Jahre das Gemeindefest nach der Fronleichnamsprozession statt.[68]
Literatur
- Anton Denzinger: Wernau Neckar, Werden und Wachsen, eine Chronik, von der Gemeinde Wernau (Neckar) herausgegeben zur Stadterhebung, 1968
- Anton Denzinger, Diether Hauber: Wernau 700 Jahre Pfauhausen + Steinbach, Kirchheim unter Teck, 1976, herausgegeben von der Stadt Wernau (Neckar)
- Diether Hauber, Peter Balle jun., Anton Denzinger, Ferdinand Schaller: Wernau (Neckar) – Alte Ansichten von Pfauhausen und Steinbach, Kirchheim unter Teck, 1982, Herausgeber: Dr. Claus Gottlieb
- Ferdinand Schaller: Pfauhausen und Steinbach: Wernau am Neckar in alten Tagen. Sutton Verlag, Erfurt 2009, ISBN 978-3-86680-344-2.
- Michael Baumann: Wernau am Neckar, 1938–1988 aus der Reihe Archivbilder, Sutton Verlag, Erfurt 2010, ISBN 978-3-86680-648-1.
- Steffen Seischab: Zwischen Kreuz und Hakenkreuz: die Gemeinden Pfauhausen, Steinbach, Wernau am Neckar im Nationalsozialismus, Stadt Wernau (Neckar) 2023, ISBN 3-933235-32-4.