St. Galler Soldatendenkmal

Kriegerdenkmal in St. Gallen, Schweiz From Wikipedia, the free encyclopedia

Das St. Galler Soldatendenkmal steht im Kantonsschulpark in St. Gallen und erinnert an die Soldaten der Schweizer Armee aus dem Kanton St. Gallen, die während des Ersten und Zweiten Weltkriegs im Aktivdienst gestorben sind. Es wurde von August Wanner entworfen, von Wilhelm Meier ausgeführt und 1921 eingeweiht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Inschrift erweitert.

Das St. Galler Soldatendenkmal (2023)

Geschichte

Auch wenn die Schweiz nicht in direkte Kriegshandlungen involviert war, starben zwischen 1914 und 1919 2105 Schweizer Soldaten im Aktivdienst,[1] 225 davon stammten aus dem Kanton St. Gallen. Die meisten erlagen der Spanischen Grippe.[2]

Die Initiative zur öffentlichen Ehrung der toten Soldaten ging von Vertretern sankt-gallischer Offiziers- und Unteroffiziersvereine aus,[3] die sich im Frühjahr 1920 mit Spendenaufrufen an die Öffentlichkeit wandten. Einerseits sollten in den kantonalen Waffenplätzen Wil, Rapperswil, Walenstadt und St. Gallen Gedenktafeln mit den Namen der gestorbenen Soldaten, andererseits in der Kantonshauptstadt auch ein «in Material und künstlerischer Gestaltung würdiger Denkstein» errichtet werden. Als möglichen Aufstellungsort von letzterem wurden der Klosterhof, der Gallusplatz und der Kantonsschulplatz erwogen. Zum künstlerischen Wettbewerb waren nur Bildhauer und Architekten zugelassen, die im Kanton wohnhaft oder heimatberechtigt waren oder St. Galler Truppeneinheiten angehörten.[4] Das Komitee entschied sich für den Entwurf von August Wanner, der seit 1916 an der Gewerbeschule St. Gallen unterrichtete.[3][5] Die Spendensammlung für die Gedenktafeln und das Denkmal wurde noch Ende 1920 abgeschlossen und ergab eine Summe von 40'380 Franken.[6] Die oberen Gemeinden des Seebezirks lehnten eine Beteiligung daran ab und veranstalteten stattdessen eine eigene Sammlung für einen gemeinnützigen Zweck. Die von ihnen zusammengetragenen 7000 Franken verwendeten sie 1921 zur Stiftung eines Freibetts im Spital in Uznach, das sie ebenfalls «Soldatendenkmal» nannten.[7][8]

August Wanners Entwurf wurde 1921 von Wilhelm Meier ausgeführt.[9]

Das St. Galler Soldatendenkmal wurde am 25. Juli 1921 im Beisein von Veteranen und rund 500 Angehörigen der Verstorbenen eingeweiht. Oberstleutnant Heitz übergab das Denkmal im Namen des Initiativkomitees. Albert Mächler, der im Regierungsrat dem Polizei- und Militärdepartement vorstand, nahm es dankend in Empfang. Am anschliessenden Festbankett in der Tonhalle sprachen Oberstkorpskommandant Hermann Steinbuch, Stadtammann Eduard Scherrer und der Fourier Wildhaber als Vertreter der Unteroffiziere.[5]

Beschreibung

Das Soldatendenkmal steht im Park bei der Kantonsschule am Burggraben und sollte so auch den Gymnasiasten als Vorbild dienen und sie zu «treuen Staatsbürgern» erziehen.[10][9]

Auf dem etwa 1,5 Meter hohen Postament steht folgende Inschrift:

DEN IM AKTIVDIENST 1914–1919
GESTORBENEN ST. GALLISCHEN
WEHRMÄNNERN
UND IHREN KAMERADEN
DES AKTIVDIENSTES 1939–1945

Die letzten beiden Zeilen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg hinzugefügt.[3]

Die Skulptur des sterbenden Soldaten

Die darauf liegende Skulptur eines zusammensinkenden, sterbenden Soldaten wurde aus Würenloser Muschelkalk gehauen.[5] Johannes Huber beschrieb sie folgendermassen:

«Der Oberkörper des Mannes wirkt müde, der Rücken ist stark durchgebogen, die Wirbelsäule zieht sich tief eingekerbt narbenförmig zwischen Gesäss und Nacken empor. Eingesunken ist die Brust, Kopf und Kinn sind gesenkt, seine Augen hat der Soldat geschlossen. Mit seinem kraftvoll angespannten rechten Arm stützt er sich seitlich ab, sein linker Unterarm ist schlaff quer über die Lenden gelegt. Sein linkes Bein hat der Mann angezogen, sein abgekipptes rechtes Bein ist angewinkelt.»

Johannes Huber

Gemäss Huber zeigt sich darin ein Kontrast zwischen «Wehrwille und Verletzlichkeit, Kraft und Schwäche, Vitalität und Ermattung» und «Lebenswunsch und Todesschatten». Das Urbild, auf das die Skulptur zurückgehe, sei die antike Statue Sterbender Gallier.[9] Matthias Weishaupt konstatierte einen «staatlich-autoritären Totenkult», der sich ikonographisch an den «Denkmälern für den unbekannten Soldaten» in Frankreich und Deutschland orientiere.[11]

Wie auch bei den Soldatendenkmälern in Olten, Langenthal, Bellinzona (Tessiner Soldatendenkmal), Liestal, Lyss und Solothurn ist der Soldat nackt dargestellt (er trägt nur einen Stahlhelm). Gemäss Georg Kreis solle damit ausgedrückt werden, dass es sich um Tote handelt, die Nacktheit wirke aber, «wenn man nicht (mehr) zur Gefühlsgemeinde gehört, eher komisch».[12]

Weitere Gedenkstätten im Kanton

Soldatendenkmal an der Wiler Allee

Das St. Galler Soldatendenkmal gedenkt der Verstorbenen kollektiv und enthält keine Namenslisten. Diese wurden stattdessen in den Waffenplätzen des Kantons errichtet:

  • In Wil wurde am 2. Oktober 1921 eine Stele mit den Namen der verstorbenen Soldaten des Korpssammelplatzes Wil eingeweiht. Sie befindet sich oberhalb des Bahnhofplatzes, beim Alleeschulhaus.[13.1][14][9.1]
  • In Walenstadt wurde am 9. Oktober 1921 die Brunnenskulptur eines wachenden Soldaten eingeweiht. Unter den Arkaden des Rathauses ist eine Gedenktafel angebracht.[13.2] Der Brunnen wurde bereits 1920 errichtet und ist somit das früheste Soldatendenkmal des Ersten Weltkriegs auf St. Galler Boden.[9.2]
  • In Rapperswil wurde am 12. April 1924 beim Eingang zum Schloss eine Gedenktafel für die verstorbenen Soldaten aus dem Linthgebiet eingeweiht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde diese zunächst mit einer weiteren Tafel ergänzt. 1954 wurden beide durch eine neue Tafel ersetzt.[13][9.3]

Siehe auch

Literatur

  • St. Galler Soldatendenkmal. In: Der Bund. Erstes Blatt. Band 72, Nr. 313, 27. Juli 1921, S. 3 (online).
  • Matthias Weishaupt: Sankt-gallische Geschichtskultur. Historisierende Sinnsuche im 19. und 20. Jahrhundert. In: Sankt-Galler Geschichte. Band 8, 2003, S. 227–253, hier 236–238.
  • Johannes Huber: Der Krieg und seine Denkmäler. Ehren- und Erinnerungszeichen in St. Gallen, Wil, Rapperswil, Walenstadt, Herisau und Appenzell für die während des Ersten Weltkriegs verstorbenen Soldaten. In: Historischer Verein des Kantons St. Gallen (Hrsg.): 1914 – 1918/1919. Die Ostschweiz und der Grosse Krieg. St. Gallen 2014, doi:10.5169/seals-946176, S. 16–27.
  • Skulptur für den Aktivdienst im Ersten und Zweiten Weltkrieg, St. Gallen, Kantonsschulpark. In: Schweizer Armee (Hrsg.): Inventar der Armee- und Kriegsdenkmäler der Schweiz: St. Gallen. 2025, S. 26 (PDF; 3,0 MB).
Commons: Soldatendenkmal St. Gallen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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