St. Johann Baptist (Krefeld)
Kirchengebäude in Krefeld
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St. Johann Baptist ist eine römisch-katholische Nebenpfarrkirche am Johannesplatz 1 im Südbezirk von Krefeld. Sie zählt zur Pfarre Maria Frieden/Krefeld im Bistum Aachen, steht unter dem Patrozinium des hl. Johannes des Täufers und wurde 1892–1894 nach Plänen von Joseph Kleesattel erbaut.

Geschichte
Ursprünglich gehörte der Süden Krefelds zur Pfarre St. Stephan. 1884 beschloss der Kirchenvorstand von St. Stephan die Einrichtung eines neuen Seelsorgebezirkes südlich der Bahnstrecke Krefeld–Rheydt, zugleich war auch bereits die Errichtung einer neuen Kirche angedacht, da St. Stephan die stetig anwachsende Zahl an Gläubigen nicht mehr fassen konnte. In diesem neuen Seelsorgebereich bestand bereits eine kleine Johanneskapelle. Die Erben Rohr schenkten der Pfarre ein geeignetes Grundstück zum Bau einer Kirche.
Anfang der 1890er Jahre wurde ein kleiner Architektenwettberwerb für den Kirchenneubau ausgelobt. So reichten die Architekten Julius Busch, Caspar Clemens Pickel, Heinrich Wiethase und Joseph Kleesattel ihre Entwürfe ein. Der Entwurf von Joseph Kleesattel ging als Gewinner hervor und wurde schließlich mit dem Neubau beauftragt.
1892 begannen schließlich die Bauarbeiten, die Grundsteinlegung fand am 24. Juni 1892 statt. Bereits nach zweijähriger Bauzeit war die heutige Kirche fertiggestellt und wurde am 10. Oktober 1894 vom damaligen Weihbischof in Köln Hermann Joseph Schmitz geweiht. Krefeld gehörte zur damaligen Zeit zum Erzbistum Köln, seit 1930 zum Bistum Aachen. Der Kirchturm ist mit 97 Metern der höchste des Bistums.[1][2][3]
Zum 10. August 1897 wurde St. Johann Baptist von der Mutterpfarre St. Stephan getrennt und zur eigenständigen Pfarrei erhoben, erster Pfarrer wurde Kaspar Thywissen. Da in der Folgezeit auch die Pfarre St. Johann Baptist stark anwuchs, folgte mit der Errichtung und Pfarrerhebung von St. Antonius 1910/1923 eine weitere Abtrennung.
1937 erfolgte eine Sanierung des Glockenturms. Im Zweiten Weltkrieg wurde St. Johann Baptist bei Bombenangriffen im Juni 1943, am 11. Januar 1945 und 24. Februar 1945 schwer beschädigt. Insbesondere die Dächer und die Fenster inkl. Maßwerk wurden stark beschädigt bzw. ganz zerstört. Diese Schäden konnten bis 1947 behoben werden. Seitdem war St. Johann Baptist wieder vollständig nutzbar.
Am 22. Mai 1969 stürzte der aus der Bauzeit stammende Baldachin über dem Hochaltar ein, der anschließend vollständig angetragen wurde. Der neugotische Hochaltar wurde dabei ebenfalls zerstört. 1970–1971 erfolgte eine Außensanierung unter der Leitung des Architekten Karl Otto Lüfkens, 1979–1981 folgte eine umfassende Innensanierung.[4]
Im November 2005 wurde die neu eingerichtete Sakramentskapelle am Osteingang von Bischof Heinrich Mussinghoff geweiht.
Zum 1. Januar 2010 wurde die Pfarre St. Johann Baptist aufgehoben und mit anderen aufgehobenen Pfarren zur Großpfarre Maria Frieden fusioniert. Seitdem ist St. Johann Baptist keine Pfarrkirche mehr, sondern eine Nebenpfarrkirche.
Anfang 2025 hat der Förderverein St. Johann Baptist die Kirche für einen Euro übernommen und verpflichtete sich, sie zu sanieren und sie wieder für Gottesdienste öffnen. Seit der 2. Jahreshälfte 2025 ist die Kirche wieder geöffnet und wird für Gottesdienste genutzt.[5]
Baubeschreibung
St. Johann Baptist ist eine dreischiffige Basilika aus Backstein in Formen der Neugotik mit vorgebautem, viergeschossigem und 97 Meter hohem Glockenturm im Westen, dessen oberstes Geschoss vom Quadrat in ein Achteck übergeht. Das Langhaus ist dreischiffig und vierjochig, daran schließt sich das breite Querschiff an. Der Hauptchor ist zweijochig und fünfseitig geschlossen, die Seitenchöre schließen ebenfalls fünfseitig. Über der Vierung erhebt sich ein schlanker Dachreiter. Die Fenster besitzen alle zwei- bis vierbahniges Maßwerk, der Innenraum wird durch Kreuzrippengewölbe überwölbt. Die gesamte Kirche hat eine Grundfläche von 1.720 m².
Ausstattung
Im Innenraum hat sich ein Großteil der bauzeitlichen neugotischen Ausstattung erhalten. Dazu zählen das Retabel des Josefsaltars (1912 angefertigt von Jakob und Johannes ten Elsen), die drei Altarmensen des Hochaltars und der Seitenaltäre sowie der Taufstein (1894 von Jakob und Johannes ten Elsen nach Entwurf von Joseph Kleesattel angefertigt), die Kanzel (1899 von Jakob und Johannes ten Elsen in Zusammenarbeit mit Ferdinand Langenberg angefertigt), die Beichtstühle und die Kommunionbank (1899 von Jakob und Johannes ten Elsen angefertigt), sämtliche Kirchenbänke und die Beleuchtung durch Leuchter aus Schmiedeeisen der Firma Jungbluth von 1912.
Deutlich älter ist das Retabel des Hochaltares, ein spätgotischer Flügelaltar aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts, er wurde 1895 aus dem Nachlass des Frankfurter Dompfarrers Ernst Franz August Münzenberger angekauft. Der Marienaltar ist ebenfalls ein spätgotischer Flügelaltar aus Ende des 15. Jahrhunderts. Weiterhin befinden sich noch mit der Figurengruppe der Krönung Mariens aus dem 15. Jahrhundert, einer Marienfigur des 15. Jahrhunderts und einer Pietà aus ca. 1480 weitere bedeutende spätgotische Ausstattunsstücke in der Kirche.
Der Volksaltar und der Ambo wurden 1980 nach Enwurf von Karl Otto Lüfkens angefertigt.[6]
Die Buntglasfenster der Marienkapelle schuf Johannes Beeck um 1960, die Fenster der Taufkapelle sind Werke von Johannes Richtstätter aus dem Jahr 1959. Die restlichen Fenster besitzen noch eine Notverglasung aus der direkten Nachkriegszeit.[7]
Orgel
Die 42 Register umfassende Orgel ist ein Werk der Orgelbauwerkstatt Romanus Seifert & Sohn aus den Jahren 1947, die 2000 durch die Erbauerfirma saniert und von ursprünglich 29 Registern mit III Manualen und Pedal auf 42 Registern mit IV Manualen und Pedal erweitert wurde. Da der alte Spieltisch nicht mehr passte, erhielt die Orgel den 1957 durch Seifert erbauten Spieltisch der Orgel von St. Matthias (Berlin).[8]
Die Spiel- und Registertraktur ist elektropneumatisch. Das Instrument hat folgende Disposition:
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- Koppeln: I/II, III/II, IV/II, III/I, IV/I, IV/III, I/P, II/P, III/P, IV/P; Suboktavkoppel IV/II.
- Handregister, 3 freie Kombinationen, Pedalkombination, Organo Pleno, Tutti, Koppeln aus Walze, Koppeln ab, Manual 16’ ab, Schweller, Crescendowalze, Walze ab, Einzelabsteller für Zungen und Mixturen, Generalzugenabsteller
Glocken
Das Glockengeläut im Glockenturm besteht aus fünf Stahlglocken des Bochumer Vereins für Gusstahlfabrikation aus dem Jahr 1946; die sechste, bronzene Schutzengelglocke blieb als einzige Glocke eines sechsstimmigen Geläuts erhalten, das Karl Otto in der Glockengießerei Otto in Bremen-Hemelingen 1926 gegossen hatte. Sie läutet nicht zusammen mit den anderen Glocken. Diese erklingen nach dem Läutemotiv Ad te levavi animam meam[9]
| Glocke | Durchmesser | Gewicht ≈ | Schlagton (HT-1⁄16) | Inschrift* |
|---|---|---|---|---|
| 1 | 1748 mm | 2250 kg | cis′ −4 | BEREITET DEN WEG DES HERRN* |
| 2 | 1493 mm | 1340 kg | e′ −9 | MIR GESCHEHE NACH DEINEM WILLEN* |
| 3 | 1334 mm | 950 kg | fis′ −4 | FRIEDE SEI IHR ERST GELÄUTE* |
| 4 | 1185 mm | 680 kg | g′ −9 | WER IST WIE GOTT ?* |
| 5 | 1000 mm | 400 kg | h′ −5 | HAB ACHT AUF IHN UND HOR AUF SEINE STIMME* |
| 6 | 555 mm | 117 kg | fis′′ −3 | + HL. SCHUTZENGEL + 1926 + ER HAT SEINEN ENGELN DEINETWEGEN BEFOHLEN, + DASS SIE DICH BESCHÜTZEN AUF ALLEN DEINEN WEGEN. + |
* Auf allen fünf Gussstahlglocken steht zusätzlich: BOCHUMER VEREIN 1946
Pfarrer
Weblinks
- Beschreibung auf der Internetseite der Pfarrgemeinde Maria Frieden
- Internetseite des Fördervereins mit weiterführenden Informationen zur Kirche