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St. Johannes Evangelist (Ursberg)

im Kern romanische dreischiffige Pfeilerbasilika mit Dreiapsidenschluss um 1225/30, Umbau Mitte 15. Jahrhundert, barockisiert nach Brand 1667-70 und von Joseph Dossenberger 1775-78; From Wikipedia, the free encyclopedia

Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Johannes Evangelist und Petrus ist eine ehemalige Stiftskirche des Prämonstratenserordens in Ursberg, einer Gemeinde im bayerisch-schwäbischen Landkreis Günzburg.

St. Johannes Evangelist in Ursberg Turm und Westfassade

Geschichte

Klosterhof mit ehem. Klosterkirche und angrenzenden Gebäuden Welt-Icon

Ein erster Kirchenbau aus der Gründungszeit des Klosters wurde nach einem Brand 1142 wieder hergestellt. Unter den Pröpsten Burchard und Konrad von Lichtenau erfolgte ein Neubau, der etwa 1224 begonnen und 1230 geweiht wurde. Die neu entstandene Basilika besaß drei Schiffe und vermutlich drei Apsiden. Im 15. Jahrhundert wurden diese in polygonaler Form erneuert.

Nach einem Brand im Dreißigjährigen Krieg waren die Kirche und das Kloster völlig zerstört. Der Wiederaufbau unter Verwendung der romanischen Gemäuer erfolgte von 1666 bis 1674.[1] Als Baumeister beauftragte der Abt Matthäus Hochenrieder den Oberrohrer Maurermeister Christoph Weigel. Es wurden eine Vorhalle angebaut und das Mittelschiff erhöht. 1622 wurde das achteckige Oktogon des Turmes aufgesetzt, die Zwiebel kam erst 1654 hinzu.

Nach Fertigstellung der Kirche erfolgte, ebenfalls unter Christoph Weigel, der Wiederaufbau des Klosters.[2] Propst Wilhelm III. Schöllhorn ließ 1776 Kirche und Kloster durch den Wettenhauser Stiftsbaumeister Joseph Dossenberger den Jüngeren im Stil des späten Rokoko umgestalten. In dieser Zeit entstanden auch die Deckenfresken von Jakob Fröschle und Konrad Huber. Nach der Säkularisation blieb die Stiftskirche als Pfarrkirche erhalten.

Ausstattung

Kreuzigungsgruppe um 1250

Die Stukkaturen und Fresken schuf Jakob Fröschle 1776, die drei Deckenbilder im Nebenchor malte Konrad Huber 1794. Der Hochaltar von Johann Wagner und Johann Pflaum stammt von 1733, das Altarblatt von Konrad Huber von 1794 zeigt die Himmelfahrt Mariens.[3] Die seitlichen Figuren stellen die Kirchenpatrone Petrus und Johannes und der Ordensgründer Augustinus und Norbert sowie der Verkündigung Mariens dar. Die zwei kleinen Seitenaltäre von 1778 zeigen links den Hl. Franziskus und rechts den Hl. Johannes.

Die Altäre im Seitenschiff entstanden um 1775 mit einem Aufbau von 1689 werden von den Seitenfiguren flankiert, links der Hl. Wolfgang und der Hl. Ägidius, rechts der Hl. Sebastian und der Hl. Rochus, in den Auszügen die Hl. Katharina und der Hl. Stephanus. Das Chorgestühl ist von 1686.[4] Die Kanzel kam 1777 hinzu. Erwähnenswert ist auch das romanische Kreuz aus dem ersten Drittel des 13. Jahrhunderts mit den Assistenzfiguren der heiligen Gottesmutter und des Evangelisten Johannes.[5] Seit 2003 hängt es im Chor.

Orgeln

Hauptorgel

Hauptorgel

Die Hauptorgel wurde 1776 von dem Orgelbauer Johann Nepomuk Holzhey gebaut. Das Instrument hat 26 Register auf zwei Manualen und Pedal.[6] 1999 wurde das Werk von Johannes Klais Orgelbau restauriert.

I Hauptwerk C–f3
1. Principal 8′
2. Gamba 8′
3. Quintadena 8′
4. Onda maris 8′
5. Coppel 8′
6. Flautravers 8′
7. Octav 4′
8. Flöten 4′
9. Sexquialtera 3′
10. Naßart 3′
11. Superoctav 2′
12. Mixtur V 2′
13. Fagott / Huboe 8′
II Positiv C–f3
14. Waldflauten 8′
15. Gedect 8′
16. Principal 4′
17. Flöten 4′
18. Cornet III 223
19. Schalmey 8′
Pedal C–a0
20. Prästant 16′
21. Subbass 16′
22. Octav Bass 8′
23. Violoncell 8′
24. Mixtur Bass V 4′
25. Bompard 16′
26. Trompeta 8′
Chororgel

Chororgel

Die Kirche erhielt 1778 eine kleinere Chororgel, die ebenfalls von Holzhey erbaut wurde. Das Instrument stand im Chorraum auf der nördlichen Seite. Der elegante Rokoko-Prospekt erhielt auf der gegenüberliegenden Seite ein Pendant. Das Schleifladeninstrument besaß 11 Register, verteilt auf einem Manual und Pedal. 1905 wurde der Spieltisch entfernt, 1925 das Spiel- und Pfeifenwerk. Heute sind nur noch die beiden Prospekte erhalten. Zur Disposition sind keine Aufzeichnungen vorhanden. In Anlehnung an weitere Werke Holzheys könnte sie wie folgt dispositioniert gewesen sein:[7]

I Hauptwerk C–f3
1. Coppel 8′
2. Flöte 8′
3. Gamba 8′
4. Principal 4′
5. Flöte 4′
6. Octav 2′
7. Sesquialter
8. Mixtur 1′
Pedal C–a0
9. Subbaß 16′
10. Octavbass 8′
11. Violonbaß 8′

Grabplatten

  • Propst Konrad von Lichtenau († 1240)
  • Heinrich von Rain († 1378)
  • Hans von Freyberg († 1483)
  • Abt Georg Lechler († 1575)
  • Abt Thomas Mang († 1569)
  • Abt Jakob Miller († 1595)

Geläut

Der Turm verfügt über vier historische Glocken:[8][9]

Nr.
 
Name
(Widmung)
Gussjahr
 
Gießer
 
Masse
(kg, ca.)
Schlagton
(HT-1/16)
1Große Glocke1653Honoratus u. Claudius Rosier & Johannes Denorge, Lothringen1250
2Zwölferin1736Johannes Weber, Augsburg600fis¹
3Elferin1764Philipp Abraham Brandmaier, Augsburg250
4Kleine Glocke1750Johann Baptista Maderhofer, Augsburg225cis²

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

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