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St. Maria, Mutter der Sieben Schmerzen (Bethen)

Kirchengebäude in Bethen From Wikipedia, the free encyclopedia

St. Maria, Mutter der Sieben Schmerzen ist eine 1929 geweihte Wallfahrtskirche in Bethen, einem Ortsteil von Cloppenburg in Niedersachsen. Sie ist Teil eines Komplexes, zu dem auch die Gnadenkapelle von 1669, die neugotische Antoniuskapelle sowie Pilgergebäude gehören. Die Kirche ist eine Pfarrkirche der Gemeinde St. Marien in Bethen[1] und Umgebung.

Wallfahrtsbasilika St. Maria

Geschichte

Eine Bether Wallfahrt wurde erstmals am 3. Juli 1448 urkundlich erwähnt. Das hier verehrte Gnadenbild der Muttergottes mit dem toten Sohn (Pietà) wird kunstgeschichtlich auf das Ende des 14. Jahrhunderts datiert. Die Legende erzählt, es sei auf der Soeste flussaufwärts schwimmend von Landleuten entdeckt, geborgen und auf ein Pferdefuhrwerk geladen worden. An der Stelle der heutigen Gnadenkapelle hätten die Pferde sich gesträubt, und dies sei als Zeichen verstanden worden, hier ein Heiligtum zu errichten.[2]

Im Jahr 1544 wurde die Gegend protestantisch und die Wallfahrten ließen nach. Im Zuge der Gegenreformation wurde Bethen 1613 wieder katholisch. Da jedoch bald der Dreißigjährige Krieg wütete, wurden die Wallfahrten nicht wieder aufgenommen. In den Wirren des Krieges wurde sogar die Kapelle zerstört.

Erst 1669 wurde die durch den Drosten des Amtes Cloppenburg, Carl Othmar von Grothaus[2] wiederaufgebaute Gnadenkapelle durch Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen feierlich geweiht und unter den Schutz der Gottesmutter und des Heiligen Antonius gestellt. Ein Jahr später kam es dann zu der ersten Mariä-Geburts-Prozession, die durch Bischof Christoph Bernhard eingeführt wurde.

Von der Mitte des 17. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts erlebte die Wallfahrt eine Hochblüte. Danach kam es zu einem Rückgang der Prozessionen. Lediglich die Cloppenburger Prozession am Fest Mariä Geburt und die Fronleichnamsprozession blieben bestehen. Mit dem Ersten Weltkrieg begann eine Wiederbelebung der Wallfahrt, da viele Frauen und Kinder dort für ihre Angehörigen an der Front beteten.

Die Mutter der Sieben Schmerzen ist heute Wallfahrtsziel für die Gemeinden des Oldenburger Landes, aber es kommen auch viele Pilger aus weiter entfernten Gemeinden zum Gnadenbild der Schmerzhaften Muttergottes. Im Jahre 2021 kamen – trotz der Corona-Pandemie – fast 100.000 Pilger zur Schmerzensmutter in Bethen.[3]

Es ist die nördlichste Marienwallfahrtsstätte Deutschlands. In Europa liegen nur Warfhuizen in den Niederlanden, Heiligelinde im ehemaligen Ostpreußen sowie das Tor der Morgenröte bei Wilna in Litauen nördlicher.

Antoniuskapelle

Außenaltar und Antoniuskapelle

Neben der Gnadenkapelle wurde 1858 die Antoniuskapelle erbaut. Der neugotische Zentralbau mit sechseckigem Grundriss und Kreuzrippengewölbe stammt von Johann Bernhard Hensen. In der Kapelle befindet sich eine Antoniusfigur aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.[4]

Basilika

Innenraum der Wallfahrtsbasilika

Nach dem Ersten Weltkrieg begann man 1922 den Bau einer großen neobarocken Wallfahrtskirche nach älteren Plänen von Wilhelm Sunder-Plaßmann aus Münster zu errichten; die Weihe fand 1929 statt.[5]

Die Kirche ist ein barockisierender Ziegelbau über kreuzförmigem Grundriss mit Krypta. Ihre Fassaden zeigen rotziegelsichtige Wände mit Gliederung durch aufgeputzte weiße Lisenen.[5] Die Westseite ist mit einem geschweiften Schildgiebel ausgezeichnet. Die Kirche sollte auch als Gedenkstätte für die im Ersten Weltkrieg gefallenen katholischen Soldaten des Oldenburger Landes dienen, worauf die Inschrift im Tympanon über dem Portal deutet.[5]

Im Innern zeigt die Apsis eine Darstellung des Gnadenstuhls. Der alte Hauptaltar aus Marmor wurde nach dem II. Vatikanischen Konzil durch Clemens Dierkes umgestaltet. In der Frontseite ist ein kostbares Reliquiar mit Reliquien der heiligen Venustus, Grata, Maria Goretti, Papst Pius X. und Bonifatius eingelassen.

1977 wurde die Wallfahrtskirche durch Papst Paul VI. zur päpstlichen Basilica minor erhoben. In der Krypta befindet sich seit 2007 ein künstlerisch gestaltetes Reliquiar des seliggesprochenen Kardinals Clemens August Graf von Galen, der aus dem Oldenburger Münsterland stammte und, wie auch am hinterlassenen Primizkelch ersichtlich, eng mit dem Ort verbunden war.

Die Orgelbaufirma Hermann Eule (Bautzen) baute 2025 eine neue Orgel für die Basilika. Das Instrument verfügt über 31 Register und fünf Extensionen mit insgesamt ca. 2000 Pfeifen auf zwei Manualen und Pedal.[6]

I Hauptwerk C–a3

1.Salicional16′
2.Principal08′
3.Marienflöte08′
4.Viola di Gamba08′
5.Erzähler08′
6.Octave04′
7.Spitzflöte04′
8.Quinte02 2⁄3′
9.Superoctave02′
10.Mixtur IV02′
11.Cornett II–IV02 2⁄3′
12.Physharmonika 016′
13.Trompete08′
Physharmonika08′ Ext.
II Schwellwerk C–a3
14.Lieblich Gedackt16′
15.Geigenprincipal08′
16.Flauto traverso08′
Gedackt08′ Ext.
17.Viola d’amour08′
18.Unda maris (ab c0)08′
19.Fugara04′
20.Flauto amabile04′
21.Nassat02 2⁄3′
22.Waldflöte02′
23.Terz01 3⁄5′
24.Quinte01 1⁄3′
25.Progressio III–IV02′
26.Cor anglais16′
27.Oboe08′
Pedalwerk C–f1
28.Violonbass16′
29.Subbass16′
30.Principalbass 008′
Cello08′ Ext.
Bordun08′ Ext.
Octavbass04′ Ext.
31.Posaune16′

Gedenkstätte

In der Krypta der Wallfahrtskirche befindet sich eine Gedenkstätte für die Opfer der beiden Weltkriege aus den katholischen Gemeinden des Oldenburger Landes. An den Wänden der Krypta stehen auf Marmortafeln 3.672 Namen von Gefallenen und Vermissten des Ersten Weltkriegs, geordnet nach Kirchengemeinden und Bauerschaften.

Für den Zweiten Weltkrieg liegt in der Krypta seit 1972 ein gedrucktes Gedenkbuch aus. Dieses ist untergliedert in neun Dekanate (Cloppenburg, Damme, Delmenhorst, Friesoythe, Löningen, Oldenburg, Vechta, Wesermarsch und Wilhelmshaven), denen die damaligen Kirchengemeinden zugeordnet sind. Insgesamt sind 10.244 Namen von Gefallenen und Vermissten aufgeführt, in der Regel mit dem Geburts- und dem Todesjahr. Neben den Soldaten sind auch zivile Kriegsopfer genannt.

Literatur

Einzelnachweise

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