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St. Paulus Lutheran Church (San Francisco)

Kirchengebäude in den Vereinigten Staaten From Wikipedia, the free encyclopedia

Die St. Paulus Lutheran Church war eine evangelisch-lutherische Kirche in San Francisco. Das von 1892 bis 1894 von Julius Krafft errichtete neogotische Kirchengebäude ist im National Register of Historic Places gelistet und wurde am 5. November 1995 bei einem Brand zerstört. Ihre Kirchengemeinde, die der Sierra-Pazifik-Synode innerhalb der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika angehört, nutzt seitdem verschiedene Räume. Auf dem Gelände der Kirche wurde ein Wohngebäude errichtet.

Schnelle Fakten Basisdaten, Baugeschichte ...
St. Paulus Lutheran Church
Die Pauluskirche vor dem Brand
Die Pauluskirche vor dem Brand
Basisdaten
Konfession evangelisch-lutherisch (ELCA)
Ort San Francisco, Vereinigte Staaten
Synode Sierra-Pazifik
Widmung St. Paulus
Baugeschichte
Architekt Julius Krafft
Baubeginn7. September 1892
Abbruch 5. November 1995
Baubeschreibung
Einweihung 11. Februar 1894
Baustil Neogotik
Koordinaten 37° 46′ 55,9″ N, 122° 25′ 25,3″ W
St. Paulus Lutheran Church
National Register of Historic Places
Lage San Francisco, Kalifornien
NRHP-Nummer82002251
Ins NRHP aufgenommen 11. Februar 1982
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Gebäude

St. Paulus befand sich in der 999 Eddy Street an der Ecke zur Gough Street im Stadtteil Western Addition. Sie lag damit nur einen Block von der römisch-katholischen Cathedral of Saint Mary of the Assumption und der evangelisch-lutherischen St. Mark’s Church entfernt. Die Kirche war im neogotischen Stil aus Mammutbaumholz (carpenter gothic) errichtet und hatte einen kruziformen Grundriss. Gerahmt wurde sie von drei Kirchtürmen, von denen zwei die nördliche Hauptfassade säumten und ein dritter an der südwestlichen Ecke der Kirche stand. Die Türme waren unterschiedlich hoch, der größte erreichte eine Höhe von 55 Metern. Die Dächer der Türme und des Kirchenschiffs waren mit Schieferplatten gedeckt.[1]

Die Hauptfassade orientierte sich gestalterisch an der Kathedrale von Chartres und wies eine große Fensterrose über drei von Spitzbögen überspannten Doppeltüren auf. In beiden Transepten befanden sich weitere Fensterrosen. Der Chorraum wurde von drei großen Buntglasfenstern ausgeleuchtet. Auch an den übrigen Kirchenfenstern befanden sich Glasmalereien. Unter dem eigentlichen Kirchenraum befanden sich im Souterrain ein großer Gemeindesaal, eine Küche und einige weitere Räume. Der Kirchenraum selbst war etwa 15 Meter hoch und die Decke mit Zedernholz ausgekleidet.[1]

Geschichte

Die Gemeinde der St.-Paulus-Kirche wurde am 15. Mai 1867 von Pfarrer Jacob Bühler gegründet. Bühler war zuvor Pfarrer der St.-Markus-Kirche gewesen, hatte die Gemeinde aber nach Kontroversen um die Mitgliedschaft in Freimaurerlogen verlassen. St. Paulus war dabei auch die erste Gemeinde der Missouri-Synode an der Westküste. Weil die Gemeinde in den nächsten Jahren stark wuchs, musste sie mehrfach umziehen, fand sich aber letztlich in der 25 Mission Street im Mission District wieder. 1872 wurde eine Gemeindeschule eingerichtet. Die große Gemeinde entsandte ab 1879 regelmäßig Geistliche in Missionsgemeinden und galt darum als Mutterkirche der Missouri-Synode an der Westküste.[2] Bühler selbst und seine beiden unmittelbaren Nachfolger waren Präsides des Kalifornien-Distrikts der Missouri-Synode.[1] Nachdem die Gemeinde weiter gewachsen war, kaufte sie Baugrund an der Eddy Street und begann 1892 mit dem Bau ihrer neuen Kirche. Als Architekt war Julius Krafft ausgewählt worden. Zwei Jahre später konnte der Kirchbau feierlich eingeweiht werden. Die Baukosten beliefen sich auf insgesamt 65.000 Dollar.[2]

Das Erdbeben von San Francisco 1906 traf die Kirche kaum, sie sollte jedoch durch die Feuerwehr gesprengt werden, um die anschließenden Feuer einzudämmen. Pfarrer Bernthaler konnte dies jedoch verhindern. Im Nachgang des Erdbebens wurde St. Paulus wie viele weitere Kirchen durch das Rote Kreuz als Lazarett und Notunterkunft genutzt. Ab 1920 fanden auch englischsprachige Gottesdienste in der zuvor ausschließlich deutschamerikanischen Gemeinde statt. Bereits 1936 überwog die englische Sprache in der Verwaltung der Kirche. Nach einem Feuer im größten Kirchturm 1940 musste die Kirche aufwendig für 50.000 Dollar saniert werden. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wurde vor allem die Gemeindeschule ausgebaut.[2]

Nachdem es in den 1970er-Jahren innerhalb der Missouri-Synode zu Kontroversen um das Concordia-Seminar gekommen war, schloss sich St. Paulus dem liberalen Flügel der Kirche an, der 1976 die Synode verließ und die Vereinigung Evangelisch-Lutherischer Kirchen bildete. Diese ging 1987 in der heutigen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika auf. 1990 wurde die Gemeindeschule nach 118 Jahren geschlossen, nachdem ihr Unterhalt zu teuer geworden war. Im selben Jahr war St. Paulus Schauplatz der Ordination von drei offen homosexuellen Geistlichen, die aus Protest gegen die diskriminierende Ordinationsordnung entgegen dem Kirchenrecht der ELCA stattfand. Die beiden Kirchengemeinden, die die Ordinierten berufen hatten, wurden dafür aus der ELCA ausgeschlossen, St. Paulus hatte jedoch keine Konsequenzen zu tragen.[2]

Das Gelände von St. Paulus im Jahr 2012

Am 5. November 1995 brach ein Feuer in der Kirche aus, das diese völlig zerstörte. Die Gemeinde nutzte erst bis 2007 ihre ehemalige Gemeindeschule, verkaufte diese dann und bestand ohne eigene Räume fort. Die alte Gemeindeschule wurde später von der afrikanisch-orthodoxen St. John Coltrane Church genutzt. Seit 2022 hat die Gemeinde erneut eigene Räumlichkeiten in der Polk Street im Stadtteil Polk Gulch. Auf dem Gelände der ursprünglichen Kirche befindet sich mittlerweile ein Wohngebäude, nachdem mehrere andere Projekte gescheitert waren und die Fläche zwischenzeitlich als Gemeinschaftsgarten genutzt worden war.[2]

Im Jahr 2024 gehörten der Gemeinde 63 getaufte Mitglieder an.[3] Anlässlich des 150. Jubiläums ihres Bestehens schüttete die Gemeinde 300.000 Dollar an die ELCA und andere kirchliche und diakonische Zwecke aus.[4]

Trivia

Die St.-Paulus-Kirche ist im Hintergrund von Alfred Hitchcocks Film Vertigo – Aus dem Reich der Toten zu sehen.

Commons: St. Paulus Lutheran Church – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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