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Stadtpfarrkirche Mariä Heimsuchung (Meersburg)

Kirchengebäude in Meersburg, Deutschland From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Stadtpfarrkirche Mariä Heimsuchung ist ein römisch-katholisches Kirchengebäude in Meersburg am Bodensee. Die Kirche befindet sich im Norden der Altstadt, an der Stettener Straße. Zusammen mit der Pfarrei St. Martin in Seefelden und mit St. Jodokus in Immenstaad bildet die Pfarrei die Seelsorgeeinheit Meersburg im Dekanat Linzgau (Region Bodensee/Hohenzollern) im Erzbistum Freiburg. Ihr sind die Wallfahrtskirche Maria zum Berge Karmel in Baitenhausen sowie die Kapellen St. Martin in Daisendorf und St. Peter und Paul in Stetten als Filialkirchen angegliedert.[1]

Stadtpfarrkirche Mariä Heimsuchung

Geschichte

Schon im 13. Jahrhundert ist in Meersburg ein Kirchengebäude bezeugt. Der Turm der heutigen Kirche wurde jedoch im Jahr 1288 als Eckturm der damaligen Stadtbefestigung erbaut.[2] 1824 wurde die alte Kirche abgebrochen, der Turm blieb stehen. Vermutlich bis dahin war der Friedhof um die Kirche gelegen – einige in die Wand des Parkplatzes eingelassene Grabsteine zeugen hiervon. Das neue Kirchengebäude konnte 1833 fertiggestellt werden.

In den Jahren 2001 bis 2003 wurde eine grundlegende Innenrenovation mit teilweisen Umgestaltungen vorgenommen. Zelebrationsaltar, Ambo und die Sedilien wurden als Einheit neu geschaffen. Auch wurde das gleichfalls neu geschaffene Taufbecken in die Kirchenmitte verlegt. 2011 wurde der Chor und 2023 bis 2025 der Turm saniert.

Bauwerk

Turmschaft der Stadtpfarrkirche
Stadtpfarrkirche im Stadtensemble

Das Kirchengebäude besteht baugeschichtlich aus zwei Teilen: Zum einen dem Glockenturm, der einmal Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung war, und zum anderen dem Kirchenschiff, das im Jahre 1833 fertiggestellt wurde – als Ersatz für einen Vorgängerbau, der im Jahre 1824 abgerissen wurde. Der Turm im Westen ist fast ganz in das Kirchenschiff eingeschnitten. Im Osten des Langhauses schließt sich ein eingezogener Chor mit Fünfachtelschluss an. Langhaus und Turm sind mit einem Satteldach bedeckt, das vom Turm quer zur Firstrichtung des Kirchenschiffs und mit grün lackierten Biberschwanzziegeln eingedeckt.

Innenraum

Innenraum

Der Kirchenraum ist im klassizistischen sogenannten „Weinbrenner-Stil“ erbaut. Die Decken wurden in den Jahren 1939 und 1940 gestaltet – mit einem großen Deckenbild im Stil und nach dem Zeitgeist der späten 30er Jahre.

Ausstattung

Der Hochaltar besteht zum Teil aus einem spätgotischen Schrein aus dem 15. Jahrhundert. Dieser Mittelteil wurde in der Nähe von Weimar geschaffen und kam erst im Jahre 2002 nach Meersburg. Er zeigt die Gottesmutter Maria mit dem Jesuskind, umgeben von verschiedenen Heiligen. Auf den beiden angedeuteten Außenflügeln sind die beiden Patrone des früheren Bistums Konstanz, der hl. (Bischof) Konrad und der hl. Pelagius dargestellt.

Die beiden Seitenaltäre wurden im Jahre 1899 von der Kunstwerkstätte Mezger (Überlingen) geschaffen.

  • Der linke Seitenaltar zeigt eine szenische Darstellung des Kirchenpatroziniums „Mariä Heimsuchung“, die Begegnung der schwangeren Maria mit Elisabeth; dargestellt sind zudem Zacharias, der Mann von Elisabeth, sowie zwei Engel neben der Gottesmutter, auf deren Flügel die Heiligen Aloisius von Gonganza und Agnes gemalt sind.
  • Der rechte Seitenaltar ist dem hl. Sebastian gewidmet, der in der Mitte des Retabels gezeigt ist. Neben ihm sind die Heiligen Gallus und Bonifatius, Benedikt, Franziskus, Otmar und Fridolin dargestellt.

Trotz der vergleichsweise spärlichen Ausstattung sind weitere Kunstwerke von Bedeutung:

Orgel

Die Orgel wurde 2014 durch den Orgelbauer Josef Maier (Hergensweiler) technisch neu erbaut.[4] Das Pfeifenmaterial stammt überwiegend aus der Vorgängerorgel, die 1972 von dem Orgelbauer Eugen Pfaff (Überlingen) mit 29 Registern auf zwei Manualen und Pedal im neobarocken Stil erbaut worden war. 24 Register wurden aus diesem Instrument übernommen, und bilden als Rückpositiv und Hauptwerk den barocken Kern des Instruments. Erweitert wurde die Disposition um 12 Register, die maßgeblich in einem dritten Manualwerk als Schwellwerk untergebracht wurden. Dieses „Récit expressif“ soll die Darbietung romantischer Orgelliteratur ermöglichen. Im Interesse eines besseren Bassfundaments wurden im Hauptwerk und Pedal jeweils ein 16'-Register hinzugefügt, und im Pedal zusätzlich ein 32'-Register. Spieltisch, Gehäuse, Windanlage und die gesamte Trakturanlage wurden neu erbaut; zusätzlich wurde die Orgel mit einer elektronischen Setzeranlage ausgestattet. Das Instrument hat heute 36 Register auf drei Manualwerken und Pedal.[5]

I Rückpositiv C–g3
01.Holzgedeckt8′
02.Salicional8′
03.Praestant4′
04.Flauto dolce 04′
05.Quinte2 2⁄3′
06.Octave2′
07.Terz1 3⁄5′
08.Larigot1 1⁄3′
09.Scharff III1′
10.Cromorne8′
Tremulant
II Hauptwerk C–g3
11.Bordun16′(n)
12.Principal08′
13.Holzflöte08′
14.Gamba08′
15.Voce umana08′(n)
16.Octave04′
17.Spitzflöte04′
18.Quinte02 2⁄3′
19.Superoctave 002′
20.Mixtur IV01 1⁄3′
21.Fagott16′
22.Trompete08′
III Récit expressif C–g3
23.Rohrflöte8′(n)
24.Dolce8′(n)
25.Schwebung8′(n)
26.Cornett V8′(n)
27.Spillflöte4′ 0(n)
28.Schalmey-Oboe 08′(n)
Tremulant(n)
Pedal C–f1
29.Untersatz32′(n)
30.Principal16′(n)
31.Subbass16′
32.Octavbass08′
33.Gemshorn08′
34.Choralbass 004′ 0
35.Posaune16′
36.Trompete08′
  • Koppeln: I/II, III/I, IIII/II, III/III (Suboktavkoppel), I/P, II/P, III/P
  • Anmerkung
(n) = Neues Register (2014)

Glocken

Im Turm der Kirche hängt ein sechsstimmiges Glockengeläut: Vier historische Bronzeglocken werden durch zwei Exemplare aus dem 20. Jahrhundert ergänzt.[6]

Weitere Informationen Glocke, Gussjahr ...
Glocke Gussjahr Gießer, Gussort Durchmesser Gewicht Schlagton
11953Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg1550 mm2700 kgc′+6
21625Leonhard Ernst (I), Lindau1160 mm950 kge′-1
31999Karlsruher Glockengießerei1046 mm848 kgg′+8
41508Niklaus Oberacker, Konstanz0975 mm700 kga′+11
51721Leonhard Rosenlächer, Konstanz0730 mm300 kgc″+8
61600J. Gesus, Konstanz0600 mm150 kgg″+4
Schließen

Denkmalschutz

Die Kirche steht unter Denkmalschutz. Sie wird auch aufgrund ihrer prominenten Lage im Seeufer-Panorama als „regional bedeutsames und raumwirksames Kulturdenkmal“[7] beschrieben. Der in historischer nördlicher Ortsrandlage am höchsten Punkt der Oberstadt liegende Kirchenbau ist laut Landesamt für Denkmalpflege „ein wichtiges Zeugnis der Kirchengeschichte wie der Stadtentwicklung Meersburgs. Der heutige Bau, der dem Abbruch der alten Kirche 1824 folgte, ist mit seiner noch jüngeren Ausstattung ein baugeschichtliches Dokument des 19. Jahrhunderts“[8].

Literatur

  • Jürgen Michler: Kirchen und Kapellen Meersburg am Bodensee (= Kleine Kunstführer. Band 1709). Schnell & Steiner, München/Zürich 1988.
  • Christof Hammer: Die Stadtkirche Mariä Heimsuchung in Meersburg. In: Denkmalstimme. Nr. 2, 2026, S. 1–7.

Einzelnachweise

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