Stadtschloss Jena
abgegangenes Gebäude in Jena, Thüringen
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Das Stadtschloss Jena war ein Residenzschloss in Jena. Es wurde ab dem 13. Jahrhundert mehrmals umgebaut und befand sich in der Nordostecke innerhalb der Jenaer Stadtmauer. Anfangs als Residenzschloss genutzt, wandelte man das Schloss und seine Nebengebäude nach Aussterben der Linie Sachsen-Jena zur Bibliothek und als Museum um, auch wissenschaftliche Sammlungen waren dort untergebracht. 1905 musste das Jenaer Schloss mit seinen Nebengebäuden dem Neubau des Universitätshauptgebäudes weichen.

Lage und Gebäude

Der Schlosskomplex befand sich in der nordöstlichen Ecke innerhalb der alten Stadtbefestigung Jenas, erstreckte sich ca. 90 Meter in westliche Richtung am Fürstengraben und ca. 70 Meter in südliche Richtung am Löbdergraben. Er bestand vor dem Abriss aus einem Hauptgebäude und mehreren Nebengebäuden.
Das dreigeschossige Hauptgebäude von 1660 bildete den Nordtrakt des Komplexes und war massiv aus Stein mit fünf Fensterachsen in den Flügeln gebaut. Der Mittelrisalit war zweiachsig. Fenster und Portal des Risalits waren mit Rocaillekartuschen gerahmt. Den Walmdachstumpf mit 10 Dachgauben bekrönte ein kreuzförmiger, begehbarer Altan. Eine zehnstufige Treppe (oben mit linker und rechter Säule mit Kugel) führte zum Eingangsportal, über dem zwei Wappen (links mit den Initialen EA für Ernst August II. von Sachsen-Weimar-Eisenach, unter dem die letzten Umbauten erfolgten, rechts mit dem sächsischen Wappen) thronten. Im Erdgeschoß befand sich links ein ca. 10 mal 12 Meter großer Saal, während die übrigen Zimmer im Schloss relativ kleinteilig gehalten waren.[1]
Der zweigeschossige Johann-Wilhelm-Bau, der rechtwinklig nach Westen zum Hauptgebäude stand, hatte links und rechts vier Fensterachsen und in der Mitte befand sich aus dem Gebäude hervorstehend ein runder Treppenturm mit Rautenfenstern. Am Treppenturm befand sich eine Platte mit der Inschrift IM IAR 1570 DEN 24 TAG MAII IST DIS HAUS IM GRUNDE ANGEFANGN, die beim Abriss des Gebäudes gesichert wurde und heute im Innenhof des Universitätshauptgebäudes angebracht ist. Links neben dem Treppenturm befand sich der Eingang mit einem Rundbogenportal aus der Renaissance. Das Erdgeschoss wurde zuletzt als Steueramt, die Obergeschosse für die herzogliche Familie bei ihrem Aufenthalt in Jena bzw. für die fürstlichen Prinzen während ihres Studiums in Jena genutzt. In dem Gebäude befand sich auch die Wohnung des Kastellans.

Ein kleines Gebäude, das Hauptgebäude und Johann-Wilhelm-Bau verband, ließ Herzog Bernhard auch 1660 errichten, damit er aus dem neuen Wilhelminer Schloss einen freien Gang in das Johann Wilhelmer Schloss habe. Das Untergeschoss dieses Gebäudes wurde später als Spritzenhaus genutzt.
Das rechts vom Hauptgebäude gelegene, zuletzt als Hauptwache genutzte Gebäude von 1660 beherbergte früher die Hofküche und wurde später auch als Gefängnis genutzt. Rechts daneben befanden sich noch ein Eingangstorbogen, durch den man von Nordosten in den Hof des Schlosses gelangen konnte, und der Torturm. Dieser stammte vom Grunde her noch aus der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Im Turm befand sich im Erdgeschoss das Archiv des Justizamtes, das Obergeschoss wurde von 1795 bis 1820 für katholische Gottesdienste genutzt. Später befand sich dann dort das Germanische Museum.
Das Reithaus wurde 1668 anstelle einer Reitbahn und der ehemaligen Hofschmiede erbaut. In der oberen Etage wurden Sitzungen des Konsistoriums der Universität abgehalten und es befand sich hier ein Hörsaal für den Bereich Anatomie der Universität. Zuletzt waren dort die Sammlungen für vergleichende Osteologie und Präparate des anatomischen Kabinetts aufgestellt. Hinter dem Reithaus außerhalb des Schlosskomplexes am Löbdergraben befand sich das vier Jahre vorher vom Landesbaumeister Johann Moritz Richter als Privathaus erbaute sogenannte Griesbachsche Wohnhaus.
Das Kornhaus ist 1585 erbaut worden und wurde später als Marstall genutzt, dahinter befanden sich Stallungen für Pferde.
Das 1620 erbaute Amtshaus beherbergte das Amtsgericht bzw. das Justizamt. Die südwestliche Ecke zwischen Amtshaus/Marstall und dem Johann-Wilhelm-Bau war mit einer Mauer mit einem verzierten Rundbogentor aus dem 16. Jh. verbunden.[2.1][3.1]
Vorgeschichte
Schon im 13. Jahrhundert bestand auf dem Gelände des Stadtschlosses eine Wasserburg. Hier feierte Herzog Wilhelm der Tapfere Montag nach St. Viti 1446 mit Anna, der Tochter des Kaisers Albrecht II., die eine Mitgift von 300.000 ungerische Gulden oder Ducaten mitbrachte, das sogenannte Beilager mit großer Pracht und ungeheuerm Aufwande.
Da dieses Schloss alt und baufällig war, wurde es 1471 abgerissen und neu aufgebaut, wie eine Inschrift im Grundstein belegte. Im Jahr 1547 besuchte Kaiser Karl V. diese Residenz. Am 2. Februar 1558 speiste hier das übrige Gefolge anlässlich der Gründung des Collegium Jenense, aus dem sich später die Universität Jena entwickelte, während die Herzöge, der Stadtrat und die Professoren im Rathaus ihr Mahl zu sich nahmen.[4]
Um 1570 wurde anstelle des mittelalterlichen Westtrakts unter Herzog Johann Wilhelm von Sachsen-Weimar der sogenannten Johann-Wilhelm-Bau errichtet. Den Nordtrakt ließ wiederum Herzog Johann Ernst I. von Sachsen-Weimar 1620 teilweise neu errichten.[5.1]
Geschichte
Umbau zum Residenzschloss für das Herzogtum Sachsen-Jena

Vor seinem Tod teilte Herzog Wilhelm von Sachsen-Weimar sein Herzogtum unter seinen vier Söhnen auf. Sein jüngster Sohn Bernhard sollte Herzog im neu gebildeten Herzogtum Sachsen-Jena werden. Deshalb wurden in den Jahren 1659–1661 umfangreiche Umbauten und Erweiterungen im Schloss (Nordbau) unter Nutzung der nördlichen Stadtmauer durchgeführt, um für ihn dieses als seine neue Residenz auszubauen. Bei der vorherigen Bauausführung im Nordtrakt 1620 hatte man aber schwache Träger und Balken verwendet, weshalb Herzog Wilhelm den Bau durch ein massives neues Schlossgebäude ersetzen ließ, das nach sehr kurzer Bauzeit schon am 1. Januar 1661 dem Auftraggeber übergeben werden konnte. Mit dem Bau beauftragte Herzog Wilhelm den sächsisch-weimarischen Landesbaumeister Johann Moritz Richter. Der Johann-Wilhelm-Bau blieb dabei erhalten.[5.1]
Einem Neujahrswunsch des Herzogs entsprechend ließ der Professor für Mathematik an der Alma Mater Jenensis, Erhard Weigel, auf dem Altan des Schlosses unter freiem Himmel ein großes astronomisches Objekt nach seinen Angaben errichten, von dem gesichert nur bekannt ist, dass es aus Eisen gefertigt war und den kugelförmigen Umriss von etwa 5,6 m Durchmesser aufwies. Wahrscheinlich handelte es sich dabei um eine kleine geschlossene Kugel, die von einer Armillarsphäre umgeben war. Im Jahr 1692 wurde sie aus statischen Gründen wieder, „unter dem Vorwand, daß es das Gebäude zu sehr belästige“, abgenommen.[6]
Am 8. Dezember 1662 bezog Herzog Bernhard mit seiner Gattin Marie-Charlotte de La Trémoille (1632–1682) das neue Schloss. Bernhard war bereits als Prinz 1654 anlässlich seiner Ernennung zum Rektor der Universität Jena in den Johann-Wilhelm-Bau gezogen.[7.1] Mit dem erneuten Einzug Bernhards kamen auch Musiker der gerade aufgelösten Weimarer Hofkapelle unter Kapellmeister Adam Drese ins Schloss. Der nördlich vom Hauptgebäude gelegene, im April 1640 von Paul Marquard Schlegel angelegte botanische Garten wurde 1663 erneuert und als Schlosspark genutzt.[7.2] 1667 verringerte Bernhard seinen Hofstaat, und Drese wurde wieder entlassen und die Hofkapelle 1682 ganz aufgelöst. Erst 1684 bis 1690 gab es wieder eine Hofkapelle unter der Leitung von Johann Christoph Wentzel.[8] Das von Richter errichtete Wohnhaus kaufte 1667 Herzog Bernhard und machte es zur Kanzlei und Wohnung des Präsidenten der Universität. Darin wohnte auch später Friedrich Schiller. Auch wurde durch Bernhard 1670 ein Ballhaus (damit die Studenten Jeu de Paume spielen konnten) am Fürstengraben errichtet, das 1671 ausgebaut,[7.3] aber Ende des 19. Jahrhunderts wieder abgerissen wurde.[9]

Bernhard starb am 3. Mai 1678, als sein Sohn und Nachfolger Johann Wilhelm von Sachsen-Jena erst drei Jahre alt war. Die Erziehung übernahm die Mutter, die allerdings auch schon am 24. August 1682 verstarb. Die Vormundschaft für Johann Wilhelm, der weiterhin im Schloss wohnte, übernahm Herzog Johann Ernst II. von Sachsen-Weimar, der wiederum am 15. Mai 1683 verschied. Die Vormundschaft ging nunmehr an Herzog Johann Georg I. von Sachsen-Eisenach über, der einen Jagdunfall am 19. September 1686 nicht überlebte. Johann Wilhelm hielt sich ab 1683 am Hof in Eisenach auf, wo er auch unterrichtet wurde. Vormund wurde danach Herzog Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar. Am 12. Juli 1687 kehrte der 13-jährige Johann Wilhelm in seine Jenaer Residenz zurück und begann sein Studium an der Universität Jena. Er selbst verstarb dann 15-jährig am 4. November 1690, wurde einbalsamiert acht Tage im großen Saal des Jenaer Schlosses aufgebahrt und am 19. Februar 1691 begraben.[7.4]
Johann Wilhelm hatte noch eine ältere Schwester Charlotte Marie von Sachsen-Jena, die mit ihm im Jenaer Schloss aufwuchs und 14-jährig am 2. November 1683 seinen Vormund Herzog Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar heiratete und damit nach Weimar verzog. Da sie während dieser Ehe eine unerlaubte Reise unternahm, wurde die Ehe am 29. August 1690 geschieden. Sie kehrte zu ihrem Bruder ins Jenaer Schloss zurück, das sie aber nach seinem Tod schon sie am 16. November 1690 verlassen musste; sie zog danach an den Hof nach Gotha zu Herzog Friedrich I. von Sachsen-Gotha-Altenburg.[7.5]
Umbau nach Aussterben der Linie Sachsen-Jena
Nach Aussterben der Linie Sachsen-Jena durch den Tod des kinderlosen Johann Wilhelm kam „das Amt und die Stadt nebst Schloss, Schlossgarten, Regierungshause, Fürstenkeller und Jägerhaus nebst Burgau und Lobeda, so wie das Amt Allstedt, die Zillbach, die Herrschaft Remda, das Vorwerk Schwabsdorf, Döbritschen und andre Einkünfte“ am 12. Juli 1691[2.2] an die ernestinische Linie Sachsen-Eisenach und 1741 an Sachsen-Weimar-Eisenach.
1718 wurde das Dach des Hauptgebäudes repariert und 1720 der Altan mit zwölf Figuren aus Holz geschmückt, die aufgrund von Verwitterung im Jahre 1755 wieder abgenommen wurden. In den Innenräumen wurden 1730 Stuckdecken mit Bandelwerkschmuck angebracht, und 1757 wurde das Gebäude unter Herzog Ernst August II. von Sachsen-Weimar-Eisenach nochmals restauriert. Dabei wurde der Mittelrisalit mit Rokoko-Rankenwerk verziert und mit einem neuen, filigranen Portal und einer weiten Freitreppe versehen.[3.1]
Goethe, napoleonische Zeit und Umwandlung zur Bibliothek und Museum

Johann Wolfgang von Goethe, der etwa fünf Jahre seines Lebens in Jena verbrachte, hat unzählige Male privat und dienstlich im wenig benutztem Schloss gewohnt und gearbeitet. Erstmals hat Goethe am 28. Februar 1779 im Schloss Quartier bezogen. Er hatte dort im ersten Stock zwei Zimmer zur Verfügung.[10] Hier schrieb er auch einige seiner bedeutenden Werke (Hermann und Dorothea, Farbenlehre, Dichtung und Wahrheit, Vollendung von Wilhelm Meisters Lehrjahre und zahlreiche Balladen). Als Weimarer Minister war er bestrebt, die sich schnell erweiternden Sammlungen (beispielsweise Mineralogie und Archäologie) auch juristisch an die Universität zu binden und sie im Schloss zu lokalisieren.[11] Im Jahr 1779 verlegte man das herzogliche Musäum und Naturalien Kabinett von Weimar in das Schloss. Den Grundstock dafür bildeten Stücke aus der herzoglichen Kunstkammer und die eigens angekaufte Sammlung des verstorbenen Universalgelehrten Johann Ernst Immanuel Walch.[12] Mit der Aufsicht über das botanisch-mineralogisch-anatomische Naturalienkabinett wurde der herzogliche Leibarzt Justus Christian Loder betraut. Teile des Kabinetts wurden allerdings Anfang des 19. Jahrhunderts wieder in die Weimarer Bibliothek überführt. Der anatomische Teil der Sammlung bezog 1858 seinen neuen Standort am Teichgraben.[13]
Goethe, der ab 1776 Minister in Weimar war, stellte zu Ostern 1780 den studierten Theologen Johann Georg Lenz als ersten wissenschaftlichen Betreuer der Sammlung ein.[14] 1783 erwarb Herzog Carl August die umfangreiche Bibliothek des Göttinger Professors Christian Wilhelm Büttner, die danach auch im Jenaer Schloss neben der Schlossbibliothek und der Bibliothek von Walch mit Büttner als Betreuer untergebracht wurde. Der Kaufvertrag sah für die Sammlung eine Zahlung von 40.000 Talern, eine Pension und freie Wohnung im Schloss für Büttner vor. Die Bibliothek wurde nach Büttners Tod 1801 durch Goethes späteren Schwager Christian August Vulpius verwaltet und durch die Bibliothek von Friedrich August von Braunschweig-Lüneburg-Oels nach dessen Tod 1805 und durch die sogenannten Heidenreichschen Supplemente des weimarischen Archivars Gottlieb Adolf Heinrich Heydenreich (1713–1772) erweitert und umfasste danach ca. 20.000 Bände.[15] Die Schlossbibliothek wurde dann am 2. Juni 1808 der Öffentlichkeit zugängig gemacht. Danach wurden sie schrittweise unter Mitwirkung von Vulpius in den Jahren 1817 bis 1824 in die Bibliothek der Universität Jena überführt.
Im Johann-Wilhelm-Bau stellte man zu Goethes Zeit einige Zimmer der landwirtschaftlichen Versuchsstation zur Verfügung, andere Zimmer wurden als Dienerwohnungen sowie als Absteigequartiere für Hofadjutanten und den Stadtkommandanten eingerichtet.[16]
Im Zuge der bevorstehenden Schlacht bei Jena und Auerstedt zog am 1. Oktober 1806 der Oberbefehlshaber des preußisch-sächsisches Korps, General Friedrich Ludwig von Hohenlohe-Ingelfingen, in die bis dahin bewohnten Schlossräume von Goethe. Goethe bemerkte dazu in seinem Tagebuch: Quartier verändert.[17] Danach nahm am 14. Oktober 1806 Napoleon Bonaparte Quartier im Schloss. Die spätere Malerin Louise Seidler, welche zu dieser Zeit in einem Nebengebäude des Schlosses wohnte (ihr Vater August Gottfried Ludwig Seidler (1759–1825) war zu der Zeit Universitätsoberstallmeisters und ein Freund Goethes), sah ihn am Fenster stehen, diktieren und nachdenken. Nach Napoleons Weggang am 15. Oktober wurde das Gebäude als Lazarett für französische Soldaten genutzt.[18]
Einrichtung von wissenschaftlichen Sammlungen und Hörsälen der Universität im Schloss

Da es in den ernestinischen Gebieten an Geld für neue Universitätsgebäude mangelte, wurde das Hauptgebäude des Schlosses danach zu großen Teilen Zwecken der Universität zugeführt. Die Räume wurden dafür auf einfache Weise hergerichtet und wissenschaftlichen Sammlungen und Instituten der Universität zur Verfügung gestellt. Im Keller lagerten die Kohlevorräte der einzelnen Institute.
Archäologische Sammlung
Im Erdgeschoss fand die Gipsabgusssammlung des archäologischen Museums und im zweiten Obergeschoss die restlichen Sammlungen Archäologischen Museums ihren Platz. Dieses wurden am 2. Oktober 1846 auf Initiative des Altphilologen Karl Wilhelm Göttling eröffnet.[21] Im gleichen Jahr übereignete der päpstlicher Bank- und Leihhausdirektor Marchese Giovanni Pietro Campana etwa 200 antike Vasen, Terrakotten, Gipsabgüsse, graphische Werke und Bücher aus seiner umfangreichen Sammlung an Herzog Joseph von Sachsen-Altenburg, der diese Schenkung dem neu gegründeten Archäologischen Museum in Jena stiftete.[22] Die Sammlung wurde als Antikensammlungen der Universität Jena nach Abriss des Schlosses im Universitätshauptgebäude im Jahr 1908 wiedereröffnet.[23]
Mineralogische Sammlung
Im Mittelgeschoss wurden auch die seit 1779 im Schloss befindlichen Sammlungen des Mineralogischen Museums (inklusive der Zoologischen Sammlung) untergebracht. Dafür wurden die Räumlichkeiten ausgebaut und neu möbliert. Goethe schrieb an den Weimarischen Staatsminister Christian Gottlob von Voigt am 8. Mai 1814: Der Ausbau des rechten Flügels des obern Stocks ist von Zeit zu Zeit in Augenschein zu nehmen, daß alles nach Vorschrift und Anschlag verfertigt werde.[24] In den Räumen der Mineralogischen Sammlung befand sich auch ein um 1810 gefertigtes Relief der Schlacht von Jena 1806, welches der Großherzog in Dresden hatte anfertigen lassen.[25]
Am 19./20. Juni 1830 besuchte Goethe letztmalig die Museen im Schloss und schrieb in sein Tagebuch: Fand alles in bester Ordnung […] Überall gute Ordnung und Zucht […] Reinlichkeit auf's Neue empfohlen.[26]
Die Sammlung blieb bis 1904 im Jenaer Stadtschloss, dann erfolgte ein Umzug in einen mit Carl-Zeiss-Stiftungsmitteln erbauten Neubau in der damaligen Schillerstraße, heute Leutragraben.[27]
Ebenfalls im Mittelgeschoss befand sich der Hörsaal des archäologischen und kunstgeschichtlichen Instituts, auch waren dort die Arbeitsräume und der Hörsaal des mineralogischen Instituts untergebracht.
Zoologisches Kabinett
Bereits seit 1808 bestand ein Osteologisch-Zoologisches Kabinett im Herzoglichen Schloss. Zusammen mit dem 1816 gegründeten Zootomischen Kabinett bei der Thierarzneyschule wurde es 1843/44 mit dem Anatomischen Kabinett im Jenaer Schloss unter der Direktion des Zoologen und Anatomen Emil Huschke zusammengelegt und befand sich im dritten Obergeschoß. Im Jahr 1858 erfolgte der Umzug der Sammlungen aus dem Jenaer Schloss in das Anatomiegebäude am Teichgraben 7.[28] Großteile der Sammlungen gingen dann ab 1907 in das Phyletische Museum in Jena über.[29]
Orientalisches Münzkabinett

Der Dachboden beherbergte seit 1859 die Sammlung des Orientalischen Münzkabinetts.[30] Gegründet wurde das Kabinett 1840 durch den Theologen und Orientalisten Johann Gustav Stickel. Den Grundstock bildete eine Sammlung von über 1.500 Exemplaren des Herrnhuter Missionars Heinrich August Zwick. Sie war in Russland an der Wolga zusammengetragen worden und enthielt vor allem kaukasische Münzen sowie Stücke aus islamisch geprägten Regionen.[31] 1852 kam die islamische Münzsammlung von Justin Sabatier mit 728 Münzen und die von Heinrich Philipp Cappe mit 870 Stück hinzu. 156 Münzen der Goldenen Horde kamen 1856 in die Sammlung. 1866 wurde die Sammlung des schweizerischen Naturforschers und Numismatikers Frédéric Soret angekauft. Er hinterließ mit über 5.500 Münzen die größte Privatsammlung islamischer Münzen seiner Zeit. Im Jahr 1906 umfasste die Sammlung dann ca. 14.000 Exemplare und war nach der Orientalischen Münzsammlung des Zaren in St. Petersburg die zweitgrößte in Europa.[32][33] Die Sammlung fand später im Südosttrakt des neuen Hauptgebäudes der Universität ihren Platz.[34]
Optisches Versuchslabor
Ebenfalls auf dem Dachboden des Hauptgebäudes wurde ein optisches Versuchslabor mit einer Camera obscura eingerichtet. Goethe schrieb im März 1812 in einem Brief an Johann Wolfgang Döbereiner: Die dunkle Kammer im Schloßgiebel will ich gleich bey meiner Ankunft, welche Montag Morgens seyn wird, dazu einrichten lassen.[35]
Landwirtschaftliches Institut
Das landwirtschaftliche Institut bezog das Obergeschoss des Reithauses. Dort war auch eine Ausstellung landwirtschaftlicher Gerätschaften zu finden und es wurde ein tierärztlich-zootomisches Kabinett eingerichtet.[36]
Über dem Marstall wurden Lagerböden für ein Pfandleihhaus und für Privatpersonen geschaffen.
Germanisches Museum
1863 schenkte der Prä- und Kunsthistoriker Friedrich Klopfleisch seine Sammlung vorgeschichtlicher, volkskundlicher und kunstgeschichtlicher Objekte der Universität und gründete das Germanische Museum, welches dann im Schlossturm neben dem Schlosstor seinen Platz fand.[37] Klopfleisch war bis zu seinem Tod 1898 Leiter des Museums. 1904 wurde die Sammlung in mehrere Räume im ehemaligen Collegium Jenense überführt und ist in der Ur- und frühgeschichtlichen Sammlung der Universität Jena aufgegangen.
Am Fürstengraben vor dem Toreingang zum Schlosshof wurde links um 1867 eine Büste von Friedrich Gottlob Schulze und rechts 1888 eine Büste von Fritz Reuter aufgestellt.
Abriss und Nachwirkung

Zum hundertsten Todestag Schillers 1905 präsentierte der Verleger Eugen Diederichs in dem zum Abriss bestimmten Stadtschloss eine Friedrich-Schiller-Gedächtnis-Ausstellung. Einige aus der Zeit um 1800 überlieferte Einrichtungsgegenstände wurden dabei mit einer Vielzahl kunstgewerblicher Objekte der zeitgenössischen Gegenwart verknüpft. In einem der 14 Ausstellungsräume wurde für die Zeit der Ausstellung ein Goethe-Zimmer eingerichtet.[38] Danach wurden das Stadtschloss und alle seine Nebengebäude abgebrochen und an seiner Stelle in den Jahren 1905 bis 1908 das heutige Universitätshauptgebäude nach Plänen des Architekten Theodor Fischer errichtet.
Am 27. Februar 1905 begannen die Abbrucharbeiten und wurden am 8. Juni 1906 beendet. Einige Baumaterialien wurden danach für den Universitätsneubau wiederverwendet. Eingangstor und Pforte des Schlosshofes ließ der Jenaer Kaufmann Karl Oberreich abtragen und an seinem Anwesen außerhalb des Jenaer Zentrums wieder errichten.[39] Die beiden Büsten von Schulze und Reuter wurden weiter nach Westen an den Fürstengraben versetzt und bilden heute mit zwölf anderen Denkmälern die sogenannte „Via Triumphalis“.[40]
Vor dem Abriss dokumentierte der Kunsthistoriker Paul Weber den Altbestand. Er ließ zwei Fotoserien, Aufrisse und Aquarelle mit Innen- und Außenansichten des Schlosses fertigen. Er rettete auch zahlreiche architektonische Einzelteile des Schlosses, die u. a. in den Fundus des Stadtmuseums Jena eingelagert wurden.[41]
Nur der Turmstumpf der alten Stadtbefestigung neben dem Universitätshauptgebäude und die Inschrift von 1570 im Innenhof erinnern heute noch dort an das Schloss. Eine ehemalige Wandverkleidung von 1623, die ursprünglich in den Räumen der ernestinischen Prinzen, die in Jena studierten, im Johann-Wilhelm-Bau des Schlosses angebracht war, konnte die Universität Jena jüngst wieder übernehmen. Diese Verkleidung wurde 2024 in der Ausstellung Akademisches Leben in der Frühen Neuzeit im Collegium Jenense im Stadtmuseum Jena gezeigt. Sie war in den 1960er Jahren im Dornburger Renaissanceschloss eingebaut und nun mit dessen Sanierung wieder herausgenommen worden. Mit weiteren Teilen, die im Besitz der Klassik Stiftung Weimar sind, soll perspektivisch ein Schlosszimmer im Stadtmuseum eingerichtet werden.[42]
Literatur
- Adrian Beier: Architectus Jenensis, Abbildung der Jenischen Gebäuden, das ist / Die F. S. Residentzstadt Jena, nach ihren Umbfange / Mauren / Graben / Fischteichen / Zwingern ... etc. Samuel Adolph Müller, Jena 1681.
- Johann Ernst Basilius Wiedeburg: Beschreibung der Stadt Jena nach ihrer Topographisch- Politisch- und Akademischen Verfassung. Eigenverlag, Jena 1785, S. 191ff.
- Johann August Christian von Hellfeld: Geschichte der erloschenen herzoglich Jenaischen Linie Herzog Bernhards II. zu Sachsen-Jena, und dessen Sohn Johann Wilhelm : sammt einer kurzen Biographie der einzigen Prinzessin Herzog Bernhards, Charlotte Maria. Eigenverlag, Jena 1828.
- Jonathan Karl Zenker: Historisch-topographisches Taschenbuch von Jena und seiner Umgebung besonders in naturwissenschaftlicher u. medicinischer Beziehung. Frommann, Jena 1836 S. 29ff.
- Alexander Färber: Jena von seinen Ursprunge bis zur neuesten Zeit. Schreiber, Jena 1850, S. 66ff.
- Hermann Ortloff: Jena und Umgegend, nebst einem Führer durch das Saalthal. Doebereiner, Jena 1876, S. 10ff.
- Heinrich Düntzer: Goethe und die Bibliotheken zu Weimar und Jena. in Centralblatt für Bibliothekswesen. 1. Jahrgang 3. Heft, Harrassowitz, Leipzig 1884, S. 94.
- Paul Lehfeldt: Bau- und Kunst-Denkmäler Thüringens. Heft 1, Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, Amtsgerichtsbezirk Jena, Fischer, Jena 1888 S. 133ff.
- Paul Weber: Das Jenaer Schloß. in: Jenaer Jahrbuch. 1. Jahrgang, Frommann, Jena 1901, S. 22ff.
- Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler - Band 1: Mitteldeutschland. Wasmuth, Berlin 1905, S. 151.
- Karl Vollers: Das orientalische Münzkabinett der Universität Jena im Jahre 1906. In: Blätter für Münzfreunde No. 6/7, Thieme, Dresden 1906.
- Josef Ehrlich: Goethe im Schloß zu Jena. Fink, Weimar 1929.
- Werner Ronneberger: Die Schlossbibliothek zu Jena. in Otto Glauning zum 60. Geburtstag. Festgabe aus Wissenschaft und Bibliothek. (2 Bände) Hadl, Leipzig 1936.
- Karl Bulling: Zur Jenaer Tätigkeit des Weimarer Bibliothekar Christian August Vulpius während der Jahre 1802 bis 1817. in: Hermann Blumenthal: Aus der Geschichte der Landesbibliothek zu Weimar und ihrer Sammlungen – Festschrift zur Feier ihres 250 jährigen Bestehens und zur 175 jährigen Wiederkehr ihres Einzuges ins Grüne Schloss. Fischer 1941, S. 102–116.
- Günter Schmidt (Hrsg.): Reichtümer + Raritäten – Denkmale, Sammlungen, Akten und Handschriften. Band 3, Friedrich-Schiller-Universität, Jena 1990, S. 32ff, ISBN 978-3-86007-011-6.
- Dirk Endler und Birgitt Hellmann: Das Jenaer Schloss. Die Residenz des Herzogtums Sachsen-Jena. Mit einem Katalog der Ansichten des Jenaer Schlosses in den Beständen der Städtischen Museen Jena. Reihe "Dokumentation" Band 6, Hain Verlag & Stadtmuseum, Jena 1999, ISBN 978-3-930215-80-5.
- Heike Richter: Geschichte des Archäologischen Museums der Universität Jena 1846-1962. (Jenaer Archäologische Schriften 2), Reichert, Wiesbaden 2017, S. 63ff, ISBN 978-3-95490-155-5.