Stadtwerke Braunschweig Nr. 1 bis 12
Großraumwagen der Straßenbahn Braunschweig
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Die Straßenbahnfahrzeuge Nr. 1 bis 12 (ab 1974 Nr. 6251 bis 6262) der Stadtwerke Braunschweig (ab 1972 Braunschweiger Verkehrs-AG, BSVAG) waren die einzigen Großraum-Triebwagen der Straßenbahn Braunschweig. Sie wurden 1957 von Linke-Hofmann-Busch (LHB) gebaut, allerdings bereits 1961 und 1962 von den Deutschen Waggon- und Maschinenfabriken (DWM) und der Waggonfabrik Gebrüder Credé zu Gelenkwagen verlängert. Die zugehörigen Beiwagen Nr. 201 bis 210 (ab 1975 Nr. 5771 bis 5780) wurden 1957 von DWM gebaut. Der Einsatz endete 1983. Ein Beiwagen blieb als historisches Fahrzeug erhalten.
| Triebwagen | Beiwagen | |
|---|---|---|
Triebwagen 6252 im Betriebshof (etwa 1975) | ||
| Nummerierung: | 1–12, ab 1974: 6251–6262 |
201–210, ab 1975: 5771–5780 |
| Anzahl: | 12 | 10 |
| Hersteller (Wagenbau): | LHB | DWM |
| Hersteller (Verlängerung): | DWM/ Credé |
|
| Hersteller (elektrisch): | AEG | |
| Baujahr: | 1957 | |
| Umbaujahr: | 1961–1962 | |
| Ausmusterung: | 1979–1983 | 1976–1983 |
| Radsatzfolge: | Bo’Bo’ Bo’2Bo’* |
2’2’ |
| Spurweite: | 1100 mm | |
| Länge über Blech: | 13 500 mm 19 800 mm* |
13 500 mm |
| Breite: | 2200 mm | |
| Drehzapfenabstand: | 6000 mm 6150 mm* |
6000 mm |
| Drehgestellachsstand: | 1700 mm | 1800 mm |
| Leermasse: | 16 t 21 t* |
10,8 t |
| Antrieb: | Tatzlagerantrieb | |
| Dauerleistung: | 4 × 50 kW | |
| Höchstgeschwindigkeit: | 60 km/h | |
| Sitzplätze: | 27 38* |
31 |
| Türanordnung: | 1-2-2 1-2-1-2* |
1-2-2 |
| Betriebsart: | Einrichtungswagen | |
| * = nach Umbau | ||
| [1][2][3] | ||
Geschichte
1956 bestellten die Stadtwerke Braunschweig zur Modernisierung ihres Fahrzeugbestands und Personaleinsparung Großraumwagen. Aus politischen und finanziellen Gründen beauftragte sie für Trieb- und Beiwagen verschiedene Hersteller: Linke-Hofmann-Busch baute in der Nachbarstadt Salzgitter die zwölf Triebwagen und die Deutschen Waggon- und Maschinenfabriken mit Zuschüssen zur Förderung der West-Berliner Wirtschaft die zehn Beiwagen. Es wurde darauf geachtet, trotz der unterschiedlichen Hersteller zumindest eine einheitliche äußere Form zu erreichen. Die unterschiedliche Anzahl wurde auf Grundlage der Erfahrung gewählt, dass Triebwagen durch erhöhten Wartungsaufwand längere Ausfallzeiten haben. Grundsätzlich war der Einsatz von Zügen aus einem Trieb- und einem Beiwagen vorgesehen, bei Verfügbarkeit aber auch die Verwendung einzelner Triebwagen als E-Wagen in den Hauptverkehrszeiten. Die Kapazität eines Großraumzuges mit zwei Schaffnern übertraf diejenige eines Zweiachser-Dreiwagenzuges mit drei Schaffnern etwas, auch weil die Braunschweiger Zweiachser relativ klein waren.[1.1]
Der Ersteinsatz erfolgte am 24. Mai 1957. Die zehn Großraumzüge reichten aus, um die Linie 1 komplett (sieben Züge) und die Linie 3 teilweise (drei von acht Zügen) zu bedienen. Sie waren die ersten Einrichtungsfahrzeuge des Betriebs. Um sie sinnvoll einsetzen zu können, wurden eine Wendeschleife und (wegen Schwierigkeiten beim Grundstückskauf für Schleifen) zwei Wendedreiecke neu angelegt. Außerdem wurde ein schwach ausgelasteter Abschnitt nicht mehr von der Linie 1, sondern von einer anderen Linie bedient. Unter Berücksichtigung dieser Linienänderung konnten durch die Großraumzüge 25 Schaffner eingespart werden.[3] Der Betrieb plante die Beschaffung weiterer Großraumwagen, um auch Linie 3 komplett damit bestücken zu können, konnte jedoch deren Finanzierung nicht zeitnah sicherstellen.[1.1] In der Zwischenzeit gab es aus anderen Städten jedoch Erfahrungen mit Gelenkwagen, die noch mehr Kapazität bei gleichem Personalbedarf boten, so dass in den Hauptverkehrszeiten weniger Züge eingesetzt werden mussten. So bestellten die Stadtwerke Ende 1960 nicht nur neue sechsachsige Duewag-Gelenkwagen, sondern beauftragten auch die Deutschen Waggon- und Maschinenfabriken damit, zunächst die zwei Großraumtriebwagen 4 und 10 zu Gelenkwagen umzubauen. Nach befriedigendem Ergebnis der 1961 durchgeführten Verlängerung ließen die Stadtwerke 1962 die restlichen zehn Großraumtriebwagen verlängern. Die Fertigungskapazität der DWM reichte dafür jedoch nicht aus, so dass stattdessen die Waggonfabrik Gebrüder Credé in Kassel den Auftrag ausführte.[1.1][1.2] Die elektrischen Montagearbeiten der Verlängerung übernahmen die Siemens-Schuckertwerke.[2]

Nach Umbau der Triebwagen zu Gelenkwagen wurden die Beiwagen nur noch zu den Hauptverkehrszeiten benötigt.[1.2] In den 1970er Jahren vergab die BSVAG neue Wagennummern, deren erste zwei Ziffern sich am Bau- oder Umbaujahr orientierten. Auch wurden sie zunächst türkis-inka und später weiß-orange umlackiert. Die meisten Fahrzeuge wurden ab 1981 ausgemustert, als die Straßenbahn Braunschweig eine Serie neuer Gelenktriebwagen mit Großraumbeiwagen erhielt. 1983 schieden die letzten Fahrzeuge aus dem Plandienst.[1.1] Triebwagen 6261 wurde noch bis 1984 als Arbeitstriebwagen genutzt und dann ausgemustert.[1.3] Beiwagen 5771 bzw. 201 blieb als historisches Fahrzeug erhalten.[1.1]
| Nummer
bis 1974 |
Nummer
ab 1974 |
Umbau
zum Gelenkwagen |
Ausmusterung | Sonstiges |
|---|---|---|---|---|
| 1 | 6251 | 1962, Credé | 1979 | |
| 2 | 6252 | 1981 | ||
| 3 | 6253 | |||
| 4 | 6254 | 1961, DWM | ||
| 5 | 6255 | 1962, Credé | ||
| 6 | 6256 | |||
| 7 | 6257 | 1983 | ||
| 8 | 6258 | 1979 | ||
| 9 | 6259 | |||
| 10 | 6260 | 1961, DWM | 1981 | |
| 11 | 6261 | 1962, Credé | 1984 | ab 1983 Arbeitstriebwagen |
| 12 | 6262 | 1983 |
| Nummer
bis 1975 |
Nummer
ab 1975 |
Ausmusterung | Sonstiges |
|---|---|---|---|
| 201 | 5771 | historischer Beiwagen, seit 1998 wieder mit ursprünglicher Nummer | |
| 202 | 5772 | 1981 | |
| 203 | 5773 | ||
| 204 | 5774 | 1983 | |
| 205 | 5775 | 1981 | |
| 206 | 5776 | ||
| 207 | 5777 | ||
| 208 | 5778 | 1976 | |
| 209 | 5779 | 1983 | |
| 210 | 5780 | 1981 |
Technische Merkmale
Großraumwagen
Die Fahrzeuge sind 2,2 Meter breit und haben einen Drehzapfenabstand von sechs Metern, sind mit 13,5 Metern jedoch etwas kürzer als üblich und an den Enden trotzdem stark verjüngt. Dies liegt daran, dass bei den damals in Braunschweig vorkommenden Bogenradien von unter 15 Metern nur wenige Begegnungsverbote nötig sein sollten.[4] Zur Festlegung des Wagenkasten-Grundrisses wurde auch ein Versuchsträger aus Maximumdrehgestellen ausgemusterter Fahrzeuge und einer Holzplatte verwendet. Berechnungen und Zeichnungen reichten dafür nicht aus, weil im Zweiten Weltkrieg einige Gleispläne verloren gingen und Gleisinstandsetzungen bis in die Nachkriegszeit teils nicht nach exakten Gleisplänen durchgeführt wurden. Unter anderem aus fertigungstechnischen Gründen wurden die Triebwagen optisch und konstruktiv weitgehend dem einige Jahre zuvor von LHB gebauten Bremer Typ T4a angeglichen. Die Wagenkästen der Triebwagen wurden in Stahl-Leichtbauweise gefertigt. Die geschweißten Baugruppen wurden durch Nietung verbunden. Auch die an das Kastengerippe geschweißte Außenbeblechung war Teil der tragenden Konstruktion.[3]
Wie üblich wurden die Fahrzeuge für Fahrgastfluss mit Schaffnersitz an der Hintertür ausgerüstet. Die von Kiekert gelieferten Falttüren waren in der bei Großraumwagen verbreiteten Anordnung vorn einfach und in der Mitte sowie hinten doppelt ausgeführt. Sie wurden vom Personal elektrisch fernbetätigt.[3] Der Fahrer bediente die vordere Tür des Triebwagens, die Schaffner alle anderen Türen.[4] An den Ausstiegstüren gab es Druckknöpfe, mit denen Fahrgäste ihren Ausstiegswunsch über ein optisches Signal am Schaffnerplatz mitteilen konnten. Die Einstiegsplattformen am Heck waren gegenüber dem sonstigen Fußboden um eine Stufe (20 Zentimeter in den Triebwagen, 24 in den Beiwagen) abgesenkt, so dass der Einstieg selbst mit nur zwei Stufen ausgeführt werden konnte.[3] Den Fahrgästen standen im Triebwagen 27 und im Beiwagen 31 Durofolsitze zur Verfügung. Diese waren größtenteils Einzelsitze, vorn rechts gab es jedoch auch einige Doppelsitze.[1.1] Der Verbindung von Trieb- und Beiwagen dienten Scharfenbergkupplungen. An den Enden des Zuges waren hingegen Albertkupplungen zum Abschleppen vorhanden.[3]
Die größte Abweichung zwischen Trieb- und Beiwagen bestand in den Drehgestellen. Bei den Triebdrehgestellen wurde die gesamte Breite zwischen den Rädern für die 50-kW-Halbspannungs-Tatzlagermotoren benötigt. Die Radsätze waren deshalb außengelagert und erhielten Klotzbremsen statt der üblichen Scheibenbremsen. Die Triebdrehgestelle hatten Blattfedern als Primärfederung und eine Kombination aus Blatt- und Schraubenfedern als Sekundärfederung. Um die Fahrgeräusche und -erschütterungen zu dämpfen, wurden alle Blattfedern in Gummi gelagert. Der Drehgestellachsstand betrug 1,7 Meter. Der Steuerung diente ein hebelbetätigter Plattform-Nockenfahrschalter (18 Fahr- und zwölf Bremsstufen). Zum Rangieren wurden im Heck sowohl der Trieb- als auch der Beiwagen Bedieneinrichtungen für die Rückwärtsfahrt eingebaut. Die Laufdrehgestelle der Beiwagen waren zwar auch außengelagert, aber hatten die üblichen Scheibenbremsen. Statt des üblichen Drehzapfens erhielten sie einen Kugel-Lenkkranz. Die Federung bestand vollständig aus Schraubenfedern. Der Achsstand wurde mit 1,8 Metern etwas größer gewählt.[3] Die unterschiedlichen Drehgestellbauarten führten auch dazu, dass in den Beiwagen der Fußboden etwas höher lag als in den Triebwagen.[1.1]
Gelenkwagen
Um die Großraumtriebwagen zu Gelenkwagen zu verlängern, wurden sie hinter der Mitteltür geteilt. An dieser Stelle wurden dann Neubauteile mit einem antriebslosen Jakobs-Drehgestell angeschweißt. Dieses erhielt als einzige Bremseinrichtung Magnetschienenbremsen. Mit der Verlängerung um 6,3 Meter ergaben sich etwas vergrößerte Drehzapfenabstände von 6,15 Metern. Das Maß war so gewählt worden, dass die Fensterbreiten einheitlich blieben und die etwas vergrößerte Ausragung der Wagenkästen in Bögen wurde in Kauf genommen. Im hinteren Wagenteil kam dabei eine einfache Falttür hinzu. Die Gelenkwagen waren 19,8 Meter lang und hatten eine gegenüber den Großraumtriebwagen eine um etwa 70 Prozent höhere Gesamtkapazität, darunter nun 38 Sitzplätze. Der Schaffnerplatz wurde um 1,5 Meter nach vorn verlegt, so dass der Auffangraum im Heck entsprechend mehr Einsteiger aufnehmen konnte. Der Umbau wurde genutzt, um durch vier zusätzliche Dachluken sowie je ein Fallschiebefenster vorn und hinten die Belüftung zu verbessern. Außerdem wurde der zuvor mit Holzrosten belegte Linoleumboden durch einen einfacher zu reinigenden gerieften Pegulan-Belag ersetzt. Die vorhandene Verkabelung wurde vollständig für den vorderen Wagenteil verwendet, während der hintere Wagenteil vollständig neue Kabel erhielt.[1.2][2] Auf im Grundsatz gleiche Weise wurden auch Duewag-Großraumwagen der Straßenbahnen Bochum/Gelsenkirchen und Duisburg umgebaut.[1.5]