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Steinar Schjøtt

norwegischer Pädagoge, Philologe, Redakteur, Übersetzer, Lehrbuchautor und Lexikograf From Wikipedia, the free encyclopedia

Steinar Schjøtt, getauft als Stener Johannes Stenersen Schjøtt, (* 13. November 1844 in Porsgrunn;[1]10. Januar 1920 in Kristiania (Oslo)[2][A 1]) war ein norwegischer Pädagoge, Philologe, Redakteur, Übersetzer, Lehrbuchautor und Lexikograf. Neben seiner Berufstätigkeit als Gymnasiallehrer schrieb er Artikel für eine Reihe kurzlebiger Zeitschriften, die sich für die Verbreitung des (damals Landsmål genannten) Nynorsk einsetzten. Die von ihm auf der Grundlage des Dialekts von Telemark entwickelte Sprachnorm verbesserte den von Ivar Aasen aufgestellten Standard in Richtung besserer Verständlichkeit. Sie war unter den Landsmål-Anhängern (den „Maalmannen“) zunächst umstritten, wurde jedoch später allgemein anerkannt und zur Dichtersprache Arne Garborgs, der mit Schjøtt seit ihrer gemeinsamen Arbeit als Redakteure der Zeitschrift Fedraheimen eng befreundet war.

Steinar Schjøtt (1844–1920), Foto von Ludwik Szaciński († 1894)

Ab den 1870er Jahren bereicherte Steinar Schjøtt die in Landsmål vorhandene Literatur durch die Übersetzung der Heimskringla Snorri Sturlusons und durch selbstverfasste Lehrbücher der Geschichte Norwegens bzw. der Weltgeschichte seit 1789. Danach schuf er mit dem Dansk-norsk ordbog (1909) das erste umfassende Wörterbuch zur Übersetzung dänischer Wörter in ihre Landsmål-Entsprechungen und danach ein Norsk ordbog (1914) für die Übertragung in die Gegenrichtung.

Leben

Familie

Steinar Schjøtts Vorfahren auf der Vaterseite stammen aus dem dänischen Jütland. Der Urgroßvater war 1722 Augenzeuge der öffentlichen Hinrichtung von Graf Struensee vor den Toren Kopenhagens. Der Großvater, Kapitän Niels Madsen Schjøtt, wanderte 1808 mit seiner Familie nach Norig bei Kristiansand aus. Der Vater wurde nach dem Theologiestudium Pfarrer in Hægebostad, in Dypvåg (heute Tvedestrand), Porsgrunn und zuletzt in Skien.[3.1]

Von den vier Kindern des Pfarrers Ole Herstad Schjøtt (1805–1848) und der Anne Jacobine Olrog (1801–1882)[4] wurden drei in Dypvåg geboren: Peter Olrog Schjøtt (1833–1926) wurde Professor für Klassische Philologie und Minister in der Regierung Sverdrup. (Er heiratete die Schriftstellerin Mathilde Schjøtt und wurde Vater zweier Töchter, die Norwegens erste Richterin bzw. erste Beamtin wurden.) Josefine Schjøtt (1837–1914) heiratete den Theologen und Philosophen Erik Frederik Barth Horn. (Ihre Tochter Marie Moestue wurde als Komponistin und Musikkritikerin bekannt.) Zu Claudine Schjøtt (* 1840)[5] hatte der vier Jahre jüngere Steinar während seiner Kindheit einen besonders engen Kontakt.[6.1]

Der jüngste Sohn wurde in Porsgrunn geboren und am 25. Dezember 1844 auf den Namen Stener Johannes Stenersen getauft,[1] nach dem Professor für Theologie an der Universität Kristiania, bei dem Vater Ole studiert hatte und den er sehr verehrte. Als sich Stener als junger Mann für die norwegische Sprache und Kultur zu begeistern begann, änderte er seinen dänischen Vornamen in die norwegische Form Steinar.[7] In seinen späteren Jahren schrieb er sich zudem nur noch S. Schjøtt.[3.1]

Kindheit und Jugend

Steinar Schjøtt, in jüngeren Jahren

Stener war ein Jahr alt, als sein Vater 1845 versetzt wurde und mit der Familie nach Skien umzog.[7] Hier verbrachte Stener Kindheit und Jugend als Halbwaise; Vater Ole starb bereits 1848. Noch 1865, als Steinar bereits als Student in Vestre Aker wohnte, war er in Skien amtlich gemeldet.[8][5]

Steinar Schjøtt schloss 1862 die Lateinschule in Skien mit dem Examen artium und der Note med Laud (mit Lob) ab.[9][10] Im folgenden Jahr wurde er vom Kommandanten F. D. Werenskiold in Kongsvinger als Hauslehrer angestellt.[11.1][3.1] Anschließend begann er ein Philologiestudium an der Universität Kristiana. Im Juni 1870 beendete er das Studium durch die Ablegung der sprachlich-historischen Staatsprüfung (Embetseksamen) med Laud und erhielt den akademischen Titel Cand. philol. (Kandidat der Philologie; entspricht dem Master).[11.1][9][12]

Berufsleben

Steinar Schjøtt war als Gymnasiallehrer an verschiedenen Schulen tätig, ab 1870 an Heltbergs studentfabrikk in Kristiania,[13.1] ab 1871 an einer Privatschule in Levanger,[11.1] ab 1873 als Klasselærer an der Kristiansand katedralskole. Am 19. August 1874 wurde er Adjunkt an der offentlige højere Skole in Fredrikshald (heute Halden) und am 12. September 1893 zum Overlærer an Skiens højere Skole ernannt.[9]

Oberlehrer mit Zuordnung zum Gymnasium in Skien blieb er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1909.[14][15] Allerdings war er ab 1899 vom Unterricht freigestellt, um in Kristiania an seinem Wörterbuchprojekt arbeiten zu können. Die staatliche Unterstützung erfolgte also nicht durch die direkte Auszahlung eines Staatsstipendiums an Schjøtt, sondern durch die Bezahlung eines Vikars, der an seiner Stelle den Unterricht erteilte.[4][16]

Steinar Schjøtt war gerne Lehrer. Er unterrichtete Griechisch, Latein, Englisch, Dänisch-Norwegisch (Riksmål) und Geschichte. „Streng und konsequent in seinen Anforderungen an die Schüler, hatte er zugleich ein besonderes Gespür dafür, sie für sich zu gewinnen.“[3.2] „Er war ein wahrer Meister darin, die alten Sprachen zum Leben zu erwecken, sodass die Schüler sowohl für den Lehrer als auch für das Fach Begeisterung entwickelten. Er war voller Witz und hatte die Gabe, Worten mehr Saft und Kraft zu verleihen.“[17]

Eine lebhafte Ausdrucksweise zeichnet auch Schjøtts Lehrbücher aus. Er selbst berichtete gelegentlich, dass er Lehrer in sieben Sprachen gewesen sei und Bücher in der achten geschrieben habe. Die achte Sprache war natürlich Landsmål; zu den sieben anderen Sprachen zählten neben den vier schon genannten noch Altnorwegisch, Deutsch und Französisch.[7]

Ehemann und Vater

Steinar Schjøtt, Foto vor 1894

Als Lehrer in Levanger lernte Steinar Schjøtt seine Lebensgefährtin kennen, die er am 2. August 1873 in der Kirche von Byen heiratete.[18][A 2] Olivia Christiane Sophie Nissen (* 4. November 1849 in Ullensaker; † 13. Februar 1948 in Drøbak)[19][11.1] war die Tochter des Oberarztes Michael Carl Christian Nissen (* 1811) und der Sophie Margrethe Knoff (* 1821).[4]

Das Ehepaar hatte vier Kinder, die Söhne Arne (* 1875) und Finn (* 1886) und die Töchter Helga (* 1878) und Anne Jakobine (* 1888), die alle während seiner Zeit als Lehrer in Fredrikshald (1874–1893) geboren wurden.[20] Sohn Arne wurde nach einer Offiziersausbildung Zollbeamter; Helga arbeitete als „Stenograf“ bei einer Versicherungsgesellschaft; Finn studierte Forstwirtschaft und wurde Förster in Kongsvinger.[16][21][3.3]

Fredrikshald, Skien, Kristiania

Während dieser 19 Jahre in Fredrikshald mit „magerem Lehrersalär“ (Garborg)[3.4] erwarb sich Schjøtt einen nachhaltigen Ruf als Pädagoge und er engagierte sich auch öffentlich.[11.2] Der Storting wählte ihn 1881 zum Stellvertretenden Leiter der örtlichen Zweigstelle von Norges Bank. 1884 wurde er Leiter, als solcher 1890 wiedergewählt und er blieb es bis 1893.[9][10] 1881 kandidierte er als Wahlmann für die Venstre. Über dies und über seine Wahl in die Norges Bank geriet er in eine heftige Polemik mit dem Herausgeber der lokalen Zeitung Smaalenenes Amtstidende, O. A. Dietz.[11.2]

In der nahegelegenen Gemeinde Berg (1967 nach Fredrikshald eingemeindet) kaufte Schjøtt den Bauernhof Haldi[3.4] in Nordli (Grønnerød) und beschäftigte zwei schwedische Dienstmädchen (vermutlich Schwestern).[20] Als er 1893 auf die Stelle eines Oberlehrers nach Skien wechselte, der Stadt seiner Kindheit, erwarb er erneut ein Haus, mit einem Garten, in dem er sich gerne betätigte. Er hatte „offenbar ernsthaft vor, sich zur Ruhe zu setzen.“[3.4]

Aber die Arbeit am Wörterbuch, die seine Anwesenheit in den gelehrten Kreisen der Hauptstadt erforderlich machte, hatte Vorrang. Nach seiner Freistellung 1899 mietete Schjøtt für die Familie ein kleines Haus in Kristiania kjøpstad, gelegen in einem Wäldchen („Fuglehaugen“) an der Professor Dahls gade 48.[3.5][16] Später (spätestens 1910) zogen die Schjøtts um in die Eilert Sundts gate 11.[21]

Unruhige Altersjahre

Hulda und Arne Garborg, mit Steinar Schjøtt über vier Jahrzehnte befreundet (Foto um 1890.)

1914 zog das Ehepaar in die „ruhige und gemütliche kleine Stadt“ Kongsvinger um, in der Steinar fünfzig Jahre zuvor als Hauslehrer gearbeitet hatte. Sie bezogen den alten Gutshof Tråstad, direkt am Tråstad-Sund gelegen, „mit einem baumreichen Garten vor dem Fenster“.[3.3] Der siebzigjährige Steinar hatte bereits gesundheitliche Probleme, und litt u. a. an Grünem Star.[11.3]

1915 zog das Ehepaar erneut um und mietete ein kleines, preiswertes Haus in Hvalstad in Asker. Sie wurden damit unmittelbare Nachbarn von Arne und Hulda Garborg, mit denen sie bereits seit Jahrzehnten eng befreundet waren.[3.3] Arne Garborg widmete sein Werk „Knudaheibrev“ (1902) dem „Oberlehrer S. Schjøtt“ und die darin enthaltenen Briefe sind an „Du, Steinar“ adressiert.[4] Garborg erklärte oft, dass Schjøtt großen Einfluss auf die Sprachform und den Stil in seinen Werken gehabt habe.[11.3]

Er beschrieb auch seinen Freund Steinar als einen Gesprächspartner, der niveauvollen Humor besaß: „Er erzählte klar und klug und hatte wie üblich jede Menge Anekdoten und Aphorismen auf Lager, die besonders witzig wirkten, so wie er sie vortrug, mit einem verschmitzten Lächeln und einem verschmitzten Augenzwinkern, wenn es witzig wurde.“[3.6]

In Asker half Schjøtt Garborg bei der Übersetzung der altgriechischen Odyssee ins Landsmål. Schjøtts profunde Kenntnis beider Sprachen war sehr hilfreich, und obwohl die Arbeit anstrengend und zeitraubend war,[3.7] konnte die Übersetzung bereits 1918 erscheinen. Während Garborg im Vorwort behauptet, dass Schjøtt ihn zu dieser Arbeit ermutigt habe,[11.3] meinte Schjøtt, es nur Garborg zuliebe getan zu haben: „Hätte nie gedacht, dass das ganze Werk fertiggestellt werden würde. Ich dachte vielleicht an ein paar Gesänge.“[6.1]

Als der frisch verheiratete Sohn der Schjøtts in Asker ein Haus suchte, überließen ihm die Eltern das ihrige. 1917 kaufte Steinar Schjøtt (zum dritten Mal) ein Haus, „Granholt“, in Stabekk (Gemeinde Bærum). Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich und er musste sich ein paar Mal operieren lassen.[3.7] An seinem 75. Geburtstag im November 1919 wurde er durch Besucher und Glückwünsche gefeiert; die der Studentenvereinigung nahm er mit besonderer Freude entgegen.[3.8]

Im folgenden Januar musste er wieder einmal zu einer Operation ins Krankenhaus. Aus der Narkose sollte er nicht mehr erwachen.[3.9] Am 16. Januar 1920 wurde er am Friedhof von Østre Bærum beigesetzt.[2]

Werk

Målmann

Ivaar Aasen, von dessen Landsmål-Norm Schjøtt ausging und sich entfernte

Die von Ivar Aasen ab den 1830er Jahren angestoßene Bewegung für eine Erneuerung der norwegischen Schriftsprache war – wie die Kämpfe um Autonomie im Verhältnis zur Schwedischen Krone und um Kompetenzen für die parlamentarische Volksvertretung – ein Ausdruck des nationalen Patriotismus. Für Aasen und seine engen Gefolgsleute ging es darum, „eine Verbindung zwischen dem neuen und dem alten Norwegen herzustellen“.[3.10] Die neue Sprache, das Landsmål, sollte sich an den norwegischen Dialekten orientieren, und zwar an jenen, die dem Altnordischen am ähnlichsten waren. Das waren die Dialekte von Hardanger, Voss und Sogn.

Für die jüngere Generation, deren Ansichten sich in der Folge durchsetzen sollten, stand dagegen die sprachliche Einheit des Landes im Mittelpunkt, „und für diese Vereinigungsarbeit war vor allem eine leichte, klare, natürliche, moderne norwegische Sprache erforderlich.“[3.10] Dies schloss die Verwendung archaischer Formen aus, die in den meisten Landesteilen nicht mehr verständlich waren. Vorbilder waren jetzt jene Regionen, deren Dialekte im ganzen Land am besten verstanden wurden, weil sie – geografisch zentral gelegen – auch sprachlich zwischen den randständigen Landesteilen vermittelten. Das wichtigste Midlandsmål (Mittellandsprache) war Telemål, der Dialekt von Telemark.

Steinar Schjøtt „war ein Stadtjunge“[22], der (wie er selbst mehrfach berichtete) als 10-Jähriger verächtlich auf die Sprache des ländlichen Umlands herabblickte. Zum Målmann (Sprachmann) bekehrte ihn Jacob Aall, dessen Übersetzungen isländischer Sagas und von Snorris Heimskringla in den 1840er Jahren ein großes Publikum erreichten.[6.1]

Während seines Studiums in den 1860er Jahren wurde Schjøtt mit Werner Werenskiold (1831–1908) bekannt,[13.1] den ersten Målmann, den er persönlich kennenlernte und den er sehr bewunderte (Er beschrieb ihn als: „Ein hervorragender Mann, viel zu wenig beachtet.“)[6.1] Werenskiold war ebenfalls ein Verfechter des Telemark-Dialekts und bevorzugte die Sprache von West-Telemark, die seiner Meinung nach die „reinste Aussprache“ aufwies.[3.11] Schjøtt stimmte ihm „mit gewissen praktischen Vorbehalten“ zu.[4]

Landsmål-Zeitschriften

Telemark, Ausgangsort des Midlandsmål

Schjøtt nannte den Herbst 1865 als den Zeitpunkt, zu dem er ernsthaft zum Verfechter des Landsmål wurde. Als Henrik Krohn in Bergen die Wochenzeitung Ferdamannen herauszugeben begann, unterstützte Schjøtt ihn durch das Verfassen kleinerer Artikel:[11.1][3.10] „Ich hatte damals gerade erst gelernt, das Landsmål zu schreiben, und schrieb das Wenige, das ich konnte, und schickte es ihm.“[22] (Die Zeitschrift erschien von Oktober 1865 bis Januar 1868.)

Etwa zur selben Zeit verfasste Schjøtt einige Beiträge für Dølen,[11.1][22] die erste Zeitschrift in Landsmål überhaupt, die von Aasmund Olavsson Vinje seit 1858 herausgegeben und fast allein geschrieben wurde. Er war von Vinje und seinem Werk stark beeindruckt, aber der wesentlich ältere Vinje scheint ihn auch bedrückt zu haben. Schjøtt stellte die Zusammenarbeit nach kurzer Zeit ein,[3.10] „weil Vinje so brillant schrieb, dass er dem jungen Schjøtt Minderwertigkeitskomplexe bereitete“. (Vikør)[13.2]

Ab Herbst 1868 gehörte Steinar Schjøtt zu einem Kreis junger Autoren, der vom 9. Dezember 1868 bis zum 22. Dezember 1870 die Zeitschrift Svein Urædd herausgab. Er verfasste Artikel und war zeitweise auch verantwortlicher Redakteur. Die Zeitschrift erschien – als Geste der Einigkeit der Landsmål-Befürworter – in der von Ivar Aasen geprägten Norm.[11.1] Sie brachte Nachrichten aus dem In- und Ausland, historische und kulturgeschichtliche Artikel, Buchbesprechungen und Gedichte. Die Sprachreform war nur ein Thema unter vielen.

Die Zeitung machte im ersten Jahr 150 Daler Verlust, und im zweiten Jahr genauso viel.[22] Schjøtt war überzeugt, dass dies an der archaischen Sprachform lag, und in der letzten Ausgabe der Zeitschrift kündigte er an, zukünftig das von Werenskiold vorgeschlagene Midlandsmål verwenden zu wollen. In dieser Sprache war im gleichen Heft bereits ein von ihm übersetzter Auszug aus Snorris Heimskringla erschienen und würde einige Jahre später Schjøtts Gesamtübersetzung erscheinen.[11.4]

Von Januar bis Juni 1871 erschien die Zeitschrift unter dem neuen Namen Andvake und in der neuen Sprache und wurde von Schjøtt und Werenskiold redigiert. Im Vorjahr hatte Schjøtt an seiner Arbeitsstelle, Heltbergs studentfabrikk, den jungen Olaus Fjørtoft kennen- und schätzen gelernt, der dort Schüler war und zugleich Mathematik unterrichtete. Fjørtoft wirkte an der neuen Zeitschrift mit und brachte seine radikale politische Gesinnung ein. Nach einem halben Jahr (und dem üblichen Defizit) trat Schjøtt seine neue Stelle in Levanger an und übergab die Redaktion der Zeitschrift an Fjørtoft.[3.12][11.5]

Fjørtoft änderte den Namen der Zeitschrift auf Fram (deutsch: Vorwärts), „damit niemand an der Ausrichtung zweifeln konnte; machte sie zu einer Tribüne für seine republikanischen und arbeiterfreundlichen Ansichten; schrieb darin zudem in einer Sprache, die größtenteils seiner eigenen Mundart entsprach; es ging ihm darum, wahrhaftig und natürlich zu schreiben.“[3.12] Mit Fram, die vom 1. Juli 1871 bis zum 24. Februar 1874 erschien, hatte sich die Landsmål-Bewegung endgültig von Aasen und seiner Norm abgewandt. Auch Schjøtt übernahm die von Fjørtoft geprägte Sprache.[11.5]

Heimskringla

Steinar Schjøtt: Norigs soga. Lærebok aat amts- og folkehøgskular. (Geschichte Norwegens. Lehrbuch für öffentliche und Volkshochschulen.) 5. Ausgabe: Alb. Cammermeyer, Kristiania 1906.

Obwohl Schjøtt weiterhin Artikel für Fram verfasste, beschäftigte er sich nun hauptsächlich mit seiner Übersetzung der Heimskringla ins Landsmål, von der ja schon eine Probe in Svein Urædd erschienen war. Im Herbst 1871 bat er Det Norske Samlaget um die Veröffentlichung, wurde aber vom Vorsitzenden Hagbard Berner und dem gesamten Vorstand abgewiesen. Schjøtts Sprachform fand (noch) keine Zustimmung unter den Målmannen. Im Folgejahr veröffentlichte Fjørtoft die Heimskringla elder Norigs Kongesoger (Weltkreis oder Die Geschichte der Könige Norwegens) in Form von vier Heften als Beilage zu Fram.[11.5]

Erst im Februar 1874 erklärte sich Det Norske Samlaget dazu bereit, Schjøtts Übersetzung im vereinseigenen Verlag zu veröffentlichen. Zunächst erschienen die bereits erschienenen vier Hefte und ein zusätzliches fünftes; in den Jahren 1877–1879 die restlichen Teile.[11.2] Im Jahr 1900 erschien eine Gesamtausgabe unter dem Titel Kongesogur. Diese sogenannte Nasjonalutgåve med bilæte (Nationalausgabe mit Anhang) mit Illustrationen namhafter Künstler wurde vom Storting mit 20.000 Kronen unterstützt.[4][11.2] Etwa gleichzeitig erschien auch Gustav Storms Übersetzung der Heimskringla ins Dänisch-Norwegische (Snorre Sturlasons Norges Kongesagaer, 1896–1899).[7]

„In der Übersetzung hat Schjøtt eine Form gefunden, die zugleich würdig und volkstümlich ist.“ (Seip)[11.2] „Der Text selbst ist […] ein Meisterwerk.“ (Garborg)[3.2] Die Syntax ist klar und gut verständlich; das Werk diente während des 20. Jahrhunderts als Grundlage für spätere Übersetzungen.[13.2][4] Seine Sprache ist das auf dem Telemål aufbauende Midlandsmål.[3.2] Ein zeitgenössischer Kritiker fand sie allerdings gerade für altnordische Sagas unpassend, sondern „oft viel zu alltäglich, sodass ihr etwas von der erhabenen Größe der männlichen Figur fehlt, wie sie im Originaltext vorhanden ist.“ (Hannas)[22] Moderne Leser, die gelernt haben, der Größe zu misstrauen, werden das Pathos eher nicht vermissen.

Garborg und Fedraheimen

Nach der Einstellung von Fram im Februar 1874 gab es fast vier Jahre lang kein landsmålsblad mehr. (Vinje hatte seinen Dølen schon 1870 aufgeben müssen.) Damals „war es furchtbar schwer, målmann zu sein“, erinnerte sich Schjøtt später. (zitiert bei[22]) Aber dann, im Oktober 1877, erschien die neue Wochenzeitung Fedraheimen, herausgegeben von Arne Garborg. Thematischer Mittelpunkt des neuen Blattes war die Sprachfrage, aber die Ausgaben enthielten auch literarische Texte und Gedichte. In den 1880er Jahren wurde die Zeitung politisch radikaler und unterstützte die Anliegen der Venstre-Partei.

Als die ersten Ausgaben von Fedraheimen erschienen, hielt Schjøtt sich gerade in England auf, aber nach seiner Rückkehr schloss er sich der Zeitschrift an.[11.2] Damals traf er Garborg zum ersten Mal, und die beiden verstanden sich auf Anhieb gut.[6.1][3.6] Während Garborgs Zeit als Redakteur schrieb Schjøtt zahlreiche Artikel für Fedraheimen, wobei er anonym blieb und nur mit einem Kürzel (S3, S oder SS) signierte.[11.2] Das von der Zeitschrift gepflegte Landsmål gefiel ihm und auch die Toleranz der Redaktion, die jedem Mitarbeiter seinen persönlichen Schreibstil erlaubte.[3.2]

Nach dem Ausscheiden Garborgs aus der Redaktion 1883 veröffentlichte Schjøtt weniger in Fedraheimen, das 1891 eingestellt wurde.[11.6]

Geschichtsbücher

Eine Doppelseite aus Steinar Schjøtts Norigs soga. (Geschichte Norwegens), 1906.

Steinar Schjøtt wollte die Eignung der neuen Sprache für die Darstellung populärwissenschaftlicher Themen beweisen. Dazu wählte er zunächst jene Bereiche aus der Geschichte aus, die für das allgemeine Publikum als die interessantesten gelten müssen: die eigene Geschichte und die aktuelle.

1879 erschien im Samlaget-Verlag (ohne Angabe eines Verfassers) Norigs Soga. Til Heimelesning og Bruk fyr Lærarar. (Geschichte Norwegens. Für den Heimgebrauch und für Lehrer.) Für die 2. Auflage 1882 wurde ein staatlicher Zuschuss gewährt. Das Buch wurde regelmäßig neu aufgelegt, in anderen Verlagen (z. B. Cammermeyer) und teilweise mit geändertem Untertitel. 1920 erschien bereits die 8. Auflage. Für den Gebrauch als Schulbuch an Volksschulen erstellte Schjøtt eine gekürzte Version, die getrennt für beide Sprachen erschien. Die Ausgabe in Bokmål hieß Norges historie for almuskolen (1883), jene in Landsmål Norigs soga aat folkeskulen (1893).

Für die Zeit ab 1789 legte Schjøtt eine Weltgeschichte in vier Heften vor, je eines für den Zeitraum 1789–1815, 1815–1830, 1830–1852 bzw. 1852–1888. Die Hefte erschienen zwischen 1882 und 1888 im Samlaget-Verlag. 1892 wurden sie zu einer Gesamtausgabe vereinigt und in drei Bänden im Verlag Mons Litleré in Bergen veröffentlicht, unter dem Namen Fraa 1789 til vaar Tid. Eit Stykke av Heimssoga. (Von 1789 bis in unsere Zeit. Ein Stück Weltgeschichte.)

Der große Erfolg seiner Geschichtsbücher ermutigte Schjøtt zu einer umfassenden, bei den alten Ägyptern beginnenden, Weltgeschichte, die 1899–1900 unter dem Titel Lærebok i Heimssoga in zwei Bänden erschien und 1909 in einer Neuauflage als Lærebok i verdshistoria. Diese Ausgaben waren für die Oberstufe bzw. auch für das Lehrerseminar konzipiert.[11.7]

Schjøtt Geschichtsbücher beweisen nicht nur die Eignung des Landsmål für Sachliteratur; ihr Stil ist kühn und an der mündlichen Sprache orientiert, also im guten Sinne „volkstümlich“. Persönlichkeiten der Geschichte werden zugespitzt, aber treffend charakterisiert. So schreibt Schjøtt über den „wilden Mann“ Peter den Großen: „Er trank maßlos, schlug seine Minister mit seinem Stock und hatte Freude daran, den Menschen, die bestraft werden sollten, den Kopf abzuschlagen.“ (aus Lærebok i Heimssoga I, zitiert bei[7])

Fraa 1789 til vaar Tid sei „bemerkenswert inhaltsreich“, urteilte Garborg: Außer Krieg und Frieden werden auch demokratische und geistige Bewegungen geschildert, z. B. der Getreidezollstreit in England, der Grundtvigianismus in Dänemark, Wergelands Konflikt mit Welhaven in Norwegen, die Brahmo-Samaj-Bewegung in Indien. Alle einflussreichen Ideen werden dargestellt: Materialismus, Evolutionismus, Darwinismus, Positivismus, Naturalismus, Sozialismus usw. „Der Autor hat sich vorgenommen, ganz ehrlich zu sein, sowohl gegenüber dem Leser als auch gegenüber den Zeitgenossen. Doch trotz all dieser inhaltlichen Fülle ist das Buch insgesamt so gut geschrieben, dass man es lesen kann, ohne müde zu werden.“[3.13]

Sprach-Allrounder

Den 17de Mai, erste Tageszeitung in Landsmål, in der Schjøtt unter dem Pseudonym X „nicht gerade wenig“ schrieb.

1894 ließen Rasmus Steinsvik und Arne Garborg Fedraheimen wieder aufleben, diesmal unter dem Namen Den 17de Mai[A 3] als Tageszeitung, die erfolgreich war und als erste Landsmålzeitung überhaupt eine landesweite Reichweite erzielte. (Sie erschien bis 1935.) Steinar Schjøtt schrieb dort unter dem Pseudonym X, „nicht gerade wenig“, wie sich Garborg später erinnerte.[3.4] In diesen Jahren, als sich die Auseinandersetzung mit Schweden zuspitzte, argumentierte Schjøtt für eine Stärkung der norwegischen Landesverteidigung.[11.6] Wie viele der damaligen Målmannen war er „recht militaristisch […], obwohl er als Person angeblich recht sanftmütig gewesen sein soll.“ (Vikør)[13.3]

In mehreren Artikeln sprach er sich für die Feier des Olavstages (29. Juli) aus und beschrieb dessen historische Bedeutung sowie seine Relevanz für die aktuelle Unabhängigkeitsbewegung. Er trat für humanen Strafvollzug ein, wandte sich gegen die Prügelstrafe und forderte eine freundliche Behandlung der „Zigeuner“. Er schrieb über praktische Themen wie die Gewinnung von Neuland für den Gartenbau.[11.6][13.3]

Er übersetzte auch wieder ins Landsmål, nämlich ein Lehrbuch über Landwirtschaft und den Gesetzestext der (Formannskapslovene) von 1837. Letzteren nannte er Lov um det kommunale Sjølvstyre (Gesetz über die kommunale Selbstverwaltung), was den Inhalt viel besser beschreibt als die originale Bezeichnung (Vorsteherschaftsgesetz).[13.3][11.8]

Am 29. Oktober 1908 wurden Steinar Schjøtt, Hans Eitrem und Amund Bredesen Larsen vom Kirchenministerium beauftragt, Vorschläge zur Angleichung der Rechtschreibung zwischen Landsmål und Riksmål auszuarbeiten. Im Folgejahr erschienen die Ergebnisse als gedruckter Bericht. Die Vorschläge wurden durch die Rechtschreibreform 1917 verwirklicht, die für beide Landessprachen galt und diese gegenseitig annäherte und orthographisch vereinfachte.[11.3]

Schjøtt war an der Gründung des Norske Spellaget beteiligt, des von Hulda Garborg betriebenen Tourneetheaters für landsmålsdramatikk (Theater auf Landsmål). Er beriet die Direktion in Sprachfragen, unterrichtete die Schauspieler in Landsmål, und nahm sogar als Souffleur an Aufführungen teil. Nachdem das Theater 1913 unter dem Namen Det Norske Teatret eine feste Spielstätte in Kristiania erhalten hatte, setzte er seine Mitwirkung dort fort. „Er war also ein Allrounder, der für fast alles eingesetzt werden konnte, was mit Sprache und Sprachgebrauch zu tun hatte.“ (Vikør)[13.3]

Dänisch-Norwegisches Wörterbuch

Steinar Schjøtt: Dansk-norsk ordbog. (Dänisch-norwegisches Wörterbuch.) Aschehoug, Kristiania 1909

Die Jahre 1899–1914 widmete Schjøtt ganz der Wörterbucharbeit. Ein dänisch-norwegisches Wörterbuch hatte er bereits 1870 geplant, gab das Vorhaben jedoch auf, da er hoffte, Ivar Aasen oder Hans Ross würden es verwirklichen. Um 1880 hatte er erneut begonnen, an diesem Projekt zu arbeiten. 1899 wurde er vom Samlaget aufgefordert, seinen alten Plan umzusetzen, und nachdem er durch das Storting von seiner Lehrtätigkeit freigestellt worden war, zog er nach Kristiania. Hier konnte er sich frei mit anderen Sprachkennern austauschen, vor allem mit Hans Ross oder Marius Hægstad. Mehrere Sommer verbrachte Schjøtt in Vågå in Gudbrandsdalen, wo er von Ivar Kleiven beraten wurde. Und er besuchte einmal in der Woche Arne Garborg in Hvalstad.[11.8]

Das Wörterbuch erschien 1909 unter dem Titel Dansk-norsk ordbog (DNO); es umfasste ein Wörterverzeichnis von 996 Seiten und eine „lange und gründliche“ Einleitung.[13.3] Es war in Antiqua gesetzt; die dänischen Substantive waren groß, die norwegischen jedoch klein geschrieben. (Beides entsprach der damaligen skandinavischen Praxis.)[13.4] Norwegische Ausdrücke, die in der Vergangenheit ins Dänische eingewandert waren, waren mit einem Sternchen markiert.[11.8]

Das Wörterbuch war – trotz der Vorleistungen seiner Vorgänger und der Mitarbeit seiner Helfer – „in erster Linie das Ergebnis von Schjøtts Pionierarbeit“.[7] Es befriedigte das dringende Bedürfnis der Målmannen, die Wörter einer Sprache zu lernen, die sie liebten und fördern wollten, aber schriftlich nur ungenügend beherrschten. „Zu dieser Zeit hatten alle erwachsenen Mål-Sprecher Dänisch als ihre erste Schriftsprache. […] Die Mål-Anhänger konnten […] kein gutes Nynorsk schreiben, allein aufgrund ihres Sprachgefühls, da viele von ihnen in allen Lebenslagen – außer den lokalsten oder intimsten – Norwegisch-Dänisch sprachen.“[13.3]

Für das DNO zog Schjøtt die bestehenden Wörterbücher von Aasen, Ross und Knud Knudsen heran, erfasste Wörter und Redewendungen aus der vorhandenen Landsmål-Literatur, und ergänzte diese – mit Hilfe Kleivens – um Ausdrücke aus den Dialekten. Er übersetzte seine Wortliste ins Dänische und erweiterte sie um Einträge aus dänischen Wörterbüchern. Dänische Wörter, die in Norwegen ungebräuchlich waren, ließ er weg. Mitten in der Arbeit wurde durch die Rechtschreibreform 1907 das dänischstämmige Riksmål kräftig in Richtung des gesprochenen Norwegischen verändert. Schjøtt passte sein Wörterbuch jedoch nicht an; es blieb ein Wörterbuch aus dem Dänischen, nicht eines aus dem veränderten Riksmål.[13.5]

Wenn für das dänische Wort kein eigener Landsmål-Ausdruck vorhanden war, gab Schjøtt stattdessen eine Umschreibung an. Er vermied Lehnwörter, sowohl aus dem Dänischen als auch aus dem Deutschen, auch dort, wo es pragmatisch nahegelegen wäre. So verzichtete er darauf, abstrakte Subjektive aus Adjektiven durch Anhängen der aus dem Deutschen stammenden Endung -heit zu bilden. Dies wurde schon bei Erscheinen des Werks kritisiert, z. B. durch Alf Torp: „Die Maalmænd, die behaupten, […] dass die Sprache des Bauern die Norm sein soll und dass nichts hinzugefügt oder weggenommen werden darf, können genauso gut gleich die Hoffnung aufgeben, dass das Landsmaal eine Kultursprache wird.“ (zitiert bei[13.6])

Schjøtts Ziel war die Unabhängigkeit des Landsmåls von den kulturell dominierenden Sprachen der Nachbarnationen. Es konnte von seinen Nachfolgern nur unter erheblichen Kompromissen und Anpassungen erreicht werden. Dies schmälert nicht die historische Bedeutung des DNO als Werkzeug der norwegischen Sprachentwicklung.[13.7]

Norwegisches Wörterbuch

Steinar Schjøtt: Norsk ordbok. Med ordtyding paa norsk-dansk. Til skule- og literært bruk. (Norwegisches Wörterbuch. Mit Wortbedeutungen auf Norwegisch-Dänisch. Für den schulischen und literarischen Gebrauch.) Samlaget, Oslo 1914

Nach dem Erscheinen des DNO 1909 begann Steinar Schjøtt mit der Arbeit an einem Norwegischen Wörterbuch (NO), das er (nachdem einzelne Teile vorab erschienen waren) im Jahr 1914 fertigstellte: Norsk ordbok. Med ordtyding paa norsk-dansk. Til skule- og literært bruk. (Norwegisches Wörterbuch. Mit Wortbedeutungen auf Norwegisch-Dänisch. Für den schulischen und literarischen Gebrauch.) Es umfasste 617 Seiten und besaß anstatt einer Einleitung nur ein kurzes Nachwort.[11.3][13.3]

Schjøtt benutzte für sein Wörterbuch die bereits erschienenen von Aasen und Ross und ergänzte sie durch Material aus seinem eigenen DNO, das aus der Landsmål-Literatur und den Dialekten stammte. Im gewissen Sinne wiederholte Schjøtts NO das Norsk Ordbog med dansk Forklaring (1873) von Aasen. Aber während Aasen das Ziel verfolgte, möglichst alle Dialekte vergleichend zu dokumentieren und Vollständigkeit anstrebte, wollte Schjøtt nur ein Wörterbuch der Landsmål-Schriftsprache zusammenstellen und verzichtete daher auf alle dialektalen und lokalen Ausdrücke. Dialektwörter durften nur eintreten, wenn Schjøtt sie für die Verwendung im Landsmål vorgesehen hatte.[13.8]

Trotzdem war das Norsk ordbok mit circa 46.000 Stichwörtern siebzig Jahre lang das größte allgemeinsprachliche Nynorsk-Handwörterbuch. Erst im Jahre 1986 wurde es vom Nynorskordboka mit etwa 90.000 Stichwörtern abgelöst.[7][23] (Nynorsk ist seit 1929 die offizielle Bezeichnung für Landsmål). Es bildete eine der Grundlagen für das Norsk Ordbok. Ordbok over det norske folkemålet og det nynorske skriftmålet, das zwischen 1950 und 2016 in zwölf Bänden erschien.

Von 1914 bis 1918, in Kongsvinger, Hvalstad bzw. Stabekk, arbeitete Steinar Schjøtt an einer neuen Ausgabe des DNO, das er auf die seit 1907 geltende Rechtschreibung umstellen wollte. Er schloss das Manuskript kurz vor Weihnachten 1918 ab. Es wird in der Universitätsbibliothek Oslo aufbewahrt, aber es wurde nie veröffentlicht. Dagegen wurde die erste Auflage des DNO von 1909 im Jahr 1926 unverändert als Faksimile nachgedruckt, „wohl vor allem aus praktischen und wirtschaftlichen Gründen“.[13.8]

Auszeichnungen

Im Hvem er hvem? von 1912 wird Steinar Schjøtt als Träger (Ritter) des norwegischen Sankt-Olav-Ordens bezeichnet.[10] Alle anderen Quellen haben diese Information nicht. Vermutlich liegt eine Verwechslung mit dem Bruder Peter Olrog Schjøtt vor, der diesen Orden sogar zweimal erhalten hat.

Veröffentlichungen (Auswahl)

Als Verfasser

  • Norigs Soga. Til Heimelesning og Bruk fyr Lærarar. (Geschichte Norwegens. Für den Heimgebrauch und für Lehrer.) Det norske Samlaget, Kristiania 1879. 2. Ausgabe 1882 (Digitale Version).
    • spätere Ausgaben unter dem Titel Norigs soga. Lærebok aat amts- og folkehøgskular. (Geschichte Norwegens. Lehrbuch für öffentliche und Volkshochschulen.), z. B.:
      • 3. Ausgabe: Bergen, 1890.
      • 5. Ausgabe: Alb. Cammermeyer, Kristiania 1906.
  • Norges historie for almuskolen. (Die Geschichte Norwegens für die Volksschule.) (Bokmål) Alb. Cammermeyer, Kristiania 1883 (Digitale Version).
    • 2. Ausgabe als Norges historie for folkeskolen. Kristiania 1887.
  • Norigs soga aat folkeskulen. (Die Geschichte Norwegens für die Volksschule.) (Landsmål) Mons Litleré, Bergen 1893.
  • Fraa 1789 til vaar Tid. Eit Stykke av Heimssoga. (Von 1789 bis in unsere Zeit. Ein Stück Weltgeschichte.) Mons Litleré, Bergen, 1892.
  • Lærebok i Heimssoga. Til Bruk fyr Seminar. (Lehrbuch der Weltgeschichte. Für den Gebrauch im Seminar.) Cammermeyer, Kristiania.
    • Band 1: Gamletidi og millomalderen. (Alte Zeit und Mittelalter.) 1899.
    • Band 2: Den nyare tid. (Die neuere Zeit.) 1900.
    • Neuauflage als: Lærebok i verdshistoria. Til bruk for lærar- og ungdomsskular. (Lehrbuch der Weltgeschichte. Für Lehrerausbildung und Oberstufe.) 1909 (Digitale Version).
  • (mit Hans Eitrem, Amund Bredesen Larsen:) Utredning av spørsmaalet om et mulig samarbeide mellem landsmaal og riksmaal i retskrivningen. (Untersuchung der Frage einer möglichen Zusammenarbeit zwischen Landsmål und Riksmål in der Rechtschreibung.) A. W. Brøgger, Kristiania 1909 (Digitale Version).
  • Dansk-norsk ordbog. (Dänisch-norwegisches Wörterbuch.) Aschehoug, Kristiania 1909 (Digitale Version).
  • Norsk ordbok. Med ordtyding paa norsk-dansk. Til skule- og literært bruk. (Norwegisches Wörterbuch. Mit Wortbedeutungen auf Norwegisch-Dänisch. Für den schulischen und literarischen Gebrauch.) Det norske Samlaget, Oslo 1914 (Digitale Version).

Als Übersetzer

  • Snorri Sturluson: Heimskringla elder Norigs Kongesoger. (Weltkreis oder Die Geschichte der Könige Norwegens.) Kristiania 1874–1879 (Digitale Version).
    • „Nationalausgabe“ als Kongesogur. Mit Illustrationen von Halvdan Egedius. Kristiania, Stenersen 1900.

Literatur

  • † Steinar Schjøtt. In: Den 17de mai. 27. Jahrgang, Nr. 9, 1920, 12. Januar 1920, S. 3 (Digitale Version).
  • Olav Hoprekstad: Steinar Schjøtt. In: Bergsns Tidende. 53. Jahrgang, Nr. 12, 1920, 15. Januar 1920, S. 8 (Digitale Version).
  • Dei tvo som sette um Odyssevs-kvædet. In: For Bygd og By. 9. Jahrgang, Nr. 1, 1920, S. 3–6 (Digitale Version).
  • Arne Garborg: Steinar Schjøtt. In: Syn og Segn. 26. Jahrgang, 1920, S. 49–63 (Digitale Version).
  • Johns. A. Dale: Studiar i Arne Garborgs språk og stil. Aschehoug, Oslo 1950.
  • Olav Midttun: Steinar Schjøtt. In: Mål og menn. Utgreidingar og livsskildringar. Samlaget, Oslo 1953, S. 168–177.
  • Didrik Arup Seip: Schjøtt, Stener (Steinar) Johannes Stenersen. In: Edvard Bull, Anders Krogvig, Gerhard Gran (Hrsg.): Norsk biografisk leksikon. 1. Ausgabe, Band XII: Rosseland – Schult. Aschehoug, Oslo 1954, S. 438–446. (Digitale Version).
  • Magne Myhren: Steinar Schjøtt – måldyrkar, bladmann og omsetjar, lærar og lærebokskrivar, ordboksmann og folkeopplysar. In: Mål og Makt. 25. Jahrgang, Nr. 1, 1995, Seite 3–26.
  • Ottar Grepstad: Det nynorske blikket. Samlaget, Oslo 2002, ISBN 82-52160-36-0.
  • Lars S. Vikør: Steinar Schjøtt – ein pioner i nynorsk leksikografi. In: Tor Erik Jenstad, Lars S. Vikør (Hrsg.): Leksikalsk forsking i norske målføre og nynorsk skriftspråk (= Det kongelige Norske Videnskabvers Selskab Skrifter. Band 2011 Nr. 1, ISSN 0368-6310), ISBN 978-82-519-2687-4, S. 23–38 (Digitale Version: PDF 1,96 MB Nasjonalbiblioteket).

Anmerkungen

  1. Alle im Artikel zitierten Sekundärquellen geben übereinstimmend den 11. Januar 1920 als Todesdatum an. Das Digitalisat der primären Quelle Ministerialbok for Østre Bærum prestegjeld 1905–1924 (0219Q2) nennt als Todesdatum jedoch unmissverständlich und durch den Scan belegt den 10. Januar 1920.
  2. Das Heiratsdatum wurde (in Anschluss an Arne Garborg) von Didrik Arup Seip und Kjell Venås als 2. August 1872 angegeben. Das Digitalisat der primären Quelle Ministerialbok for Levanger prestegjeld, Byen sokn 1864–1874 (1701B) gibt als Tag jedoch den 2. August 1873 an, was durch den verlinkten Scan evident belegt wird.
  3. Der 17. Mai ist ein norwegischer Nationalfeiertag, an dem an die Verabschiedung der Verfassung am 17. Mai 1814 in Eidsvoll erinnert wird.

Einzelnachweise

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