Steinbrüche an der Belvederer Allee
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Die ehemaligen Steinbrüche an der Belvederer Allee in Weimar dienten der Travertingewinnung.
Seit dem Mittelalter wurde nahe von Belvederer Allee, Geschwister-Scholl-Straße und der Falkenburg Travertin gebrochen. Zur Goethezeit lag zwischen der Einmündung der Berkaer Straße in die Belvederer Allee und dem südlich nahe der Falkenburg gelegenen Panzerwäldchen der Tuffbruch vor den Thoren der Stadt.
Weimarer und Ehringsdorfer Travertin wurde in nahezu jedem historischen Gebäude der Stadt verwendet, zumeist zur Herstellung von Keller und Sockelbereich der Gebäude. Die Villen im nördlichen Teil der Belvederer Allee (z. B. das Haus Hohe Pappeln) wurden ebenso unter Verwendung des Travertins erbaut, wie das am südlichen Ende der Allee gelegene Schloß Belvedere.
Die Baukonjunktur der Gründerzeit führte vorübergehend zu einem verstärkten Travertinabbau. Aufgrund von Lärm und Staubbelästigung wurde 1899 mit dem Hirsch der letzte größere Steinbruch geschlossen, der unmittelbar ans Stadtgebiet grenzte. Bescheidener Abbau wurde in der Umgebung wohl bis 1910 getrieben.[1]
Mit Ausnahme des Ehringsdorfer Steinbruchs wurden alle anderen Abbaustätten im 20. Jahrhundert verfüllt und im westlichen Teil der Belvederer Allee mit Stadtvillen überbaut. Die östlich der Allee gelegenen Weimarer Brüche sind heute Teil des Ilmparks.[2] Der hier gewonnene Kalktuff und Travertin wurde auch zum Bau der Parkhöhle genutzt, die ursprünglich als Lager- und Eiskeller der lokalen Brauereien diente.[3] Später wurden die Steine auch zur Parkgestaltung genutzt, u. a. am Sockel einiger Denkmäler sowie an der Quellfassung der Leutraquelle.
Der hallesche Jurist und Geologe Christian Keferstein bat Goethe um Profilzeichnungen des Tuffbruch vor den Thoren der Stadt. Keferstein wandte sich dann auch an Goethes Sohn August von Goethe, der die Zeichnungen zwischen dem 8. und 11. August 1823 anfertigte und sie von seinem Vater überarbeiten ließ. Die Skizzen haben laut dem Geologen Walter Steiner noch heute wissenschaftlichen Wert.[4] Das Schreiben Kefersteins an August von Goethe vom 7. August 1823 ist erhalten.[5]
Max Merker hat den Steinbruch in einem Ölgemälde festgehalten.[6] Es ist im Besitz der Klassik Stiftung Weimar mit der Inventarnummer G 1088.
Der Ehringsdorfer Travertinsteinbruch
Auf dem einige hundert Meter östlich der Belvederer Allee im Weimarer Stadtteil Ehringsdorf gelegenen Steinbruch wurden ab 1908 Knochen des Ehringsdorfer Urmenschen gefunden.
Auch dieser Steinbruch ist überwiegend verfüllt und wird als Weideland genutzt. Der Travertinabbau auf dem verbliebenen Teil durch die Traco Deutsche Travertin Werke GmbH wurde nach der Jahrtausendwende schrittweise zurückgefahren und ruht seit etwa 2020. Ein Teil des Steinbruchs bleibt als Bodendenkmal Archäologisches Freigelände Weimar-Ehringsdorf erhalten.