Stella Stocker

Komponistin und Musikethnologin From Wikipedia, the free encyclopedia

Stella Prince Stocker (* 3. April 1858 in Jacksonville (Illinois); † 29. März 1925 in Jacksonville (Florida)) war eine US-amerikanische Komponistin, Dirigentin und Chorleiterin. Als eine frühe Vertreterin der Musikethnologie dokumentierte und erforschte sie die Musik der Ojibwa.

Stella Stocker

Leben

Stella Prince stammte aus einer Arztfamilie. Sie war die Tochter von David Prince und Lucy Manning Chandler Prince. Ihr Vater leitete das nach ihm benannte Privat-Sanatorium in Jacksonville.[1] Sie studierte am Konservatorium in Jacksonville und der University of Michigan, die sie 1880 mit einem Bachelor (B.A.) abschloss. Danach studierte sie an der Sorbonne in Paris. Eine Zeitlang war sie auch am Wellesley College, wo sie 1889 eine Rede zum Gedenken an dessen Gründer Henry Fowle Durant hielt.[2][3] Bei Xaver Scharwenka in Berlin studierte sie Klavier; Komposition und Kontrapunkt bei Bruno Oscar Klein in New York City, Gesang bei Gertrud Gliemann in Dresden und Giovanni Sbriglia in Paris.[4] Sie wirkte als Musikerin, Komponistin und Lehrerin in Europa und den Vereinigten Staaten.

1885 heiratete sie Samuel Marston Stocker (1857–1929), einen Arzt, der im Sanatorium ihres Vaters arbeitete.[1] Kurz danach zog das Paar nach Duluth (Minnesota). Hier betrieb Stella die Cecilian Society-Musikschule in ihrem Haus, und gründete die Duluth Cecilian Chorale Society, die 1900 zur Matinee Musicale wurde. Dieser Verein war erfolgreich darin, viele Musiker zu einem Auftritt nach Duluth zu bringen, darunter Augusta Öhrström-Renard und Edward MacDowell.[5]

In Minnesota begann Stocker mit der intensiven Erforschung von Musik und Traditionen der Ojibwa. Sie besuchte deren Reservate im Mille Lacs County, am Leech Lake, Nett Lake (St. Louis County (Minnesota)), bei Fond du Lac, White Earth Indian Reservation, und bei Red Lake (Ort, Minnesota). Ihre Fotografien und Tagebücher sind eine bedeutende Quelle für die kulturelle Überlieferung der Ojibwa. Auf ihren Forschungsreisen tauschte sie sich auch mit anderen ethnographischen Forschern wie Frances Densmore aus.[6] Sie erhielt (oder gab sich selbst) den Ojibwe-Namen O-mes-qua wi-gi shi-go-que (Rot-Himmel-Frau).

Basierend auf diesen frühen musikethnologischen Beobachtungen, wurde Stocker bald als eine Expertin für Musik und Kultur der Indianer angesehen.[7] Sie kuratierte Ausstellungen und hielt Vorträge in Nordamerika und Europa über ihre Erfahrungen und Beobachtungen. Musik, die sie gehört hatte, und die bis dahin nie schriftlich überliefert worden war, transkribierte sie; sie komponierte auch darauf basierende, eigene Werke. Ein bemerkenswertes Werk, das auch aufgeführt wurde, war das Festspiel Sieur du Lhut über Daniel Greysolon, Sieur du Lhut (1636–1710), nach dem Duluth benannt ist. Sie hatte es nach ihrem Besuch der jährlichen White Earth Celebration and Pow Wow 1916 geschrieben.[8]

Ihre Operette Ganymede wurde zwei Mal im Jahr 1902 aufgeführt; zunächst in Duluth als eine Benefizaufführung für die Duluth Home Society, und dann im Carnegie Lyceum, der jetzigen Zankel Hall in der Carnegie Hall, als eine Benefizveranstaltung für die Vassar Students' Aid Society.[9]

Gemeinsam mit ihren Kindern reiste sie häufig nach Europa, um Vorträge zu halten und sich weiterzubilden. 1901 war sie in Hamburg, besuchte Caroline Wichern, und schrieb darüber in der amerikanischen Zeitschift The Musician.[10] Eine Zeitlang lebte sie in New York City. Sie hielt Vorträge und Kurse für das New York City Board of Education, meist über indianische Musik.[11]

Steall Stocker hatte einen Sohn, Arthur (1888–1903), der als Knabensopran bekannt wurde, aber schon im Alter von 14 Jahren an einer Lungenentzündung starb, sowie eine Tochter, Clara (1886–1973). Clara studierte in Frankreich und wurde Lehrerin für Musik, Französisch und Finnisch in Duluth.[12] Stockers Ehemann musste 1918 seinen ärztlichen Beruf aufgeben; er starb elf Jahre später im Staatskrankenhaus für psychisch Kranke in Fergus Falls.[1]

Stocker starb im März 1925 in Jacksonville (Florida). Die von ihr in Duluth gegründeten Organisationen Cecilian Society und Matinee Musicale veranstalteten im Mai ein Gedenkkonzert für sie.

Nachlass

Ein Teilnachlass Stockers wird als Stella Prince Stocker Papers vom Archiv der University of Minnesota Duluth verwahrt.[13]

Ihre Sammlung von Fotografien der Ojibwa befindet sich als Leihgabe der St. Louis County Historical Society heute ebenfalls in der Kathryn A. Martin-Bibliothek der University of Minnesota in Duluth und ist digitalisiert zugänglich.[14]

Werke (Auswahl)

  • Ganymede, Operette in 3 Akten (1893). Teilweise publiziert New York 1902[15]
  • Evelyn, a Musical Fairy Tale (1908)
  • Sieur du Lhut, Historical Play in Four Acts with Indian Pageant Features and Indian Melodies (1916), uraufgeführt 1917 im Duluth Orpheum Theater mit Louis Dworshak in der Hauptrolle.[1] Published in 1917 by the Huntley Printing Co of Duluth.
  • Marvels of Manabush Pantomime
  • Beulah, Queen of Hearts Operette
  • Raoul Operette
  • Almighty Father, Motette für gemischetn Chor[10]
  • One Kiss, Lied, publiziert von der Chicago Music Co[16]
  • While Thou Wert By, Lied, Chicago Music Co[16]
  • Tell me, Daisy, Lied, text von Mary Mapes Dodge, veröffentlicht in Dodges Magazin St. Nicholas[17]
  • Hymn to St. Cecelia[18]
  • Now Softly Close Thine Eyelids, Sweet, Lied, Ditson & Co.

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI