Stephan Föger

österreichischer Bildhauer From Wikipedia, the free encyclopedia

Stephan Föger (geb. am 26. Dezember 1702 in Tarrenz, Tirol; gest. am 11. November 1750 in Innsbruck) war ein österreichischer Bildhauer.[1] Vielseitig tätig, schnitt er in Holz, meißelte in Stein und arbeitete in Elfenbein.[2] Eine sich an Beobachtungen der Stilgeschichte orientierende Kunstgeschichte ordnet ihn zwischen Spätbarock und frühem Rokoko ein. In den letzten Jahren seines Schaffens zählte er zu den bedeutendsten Künstlern Tirols, dessen Wirken weit über Innsbruck hinaus strahlte und an internationale Entwicklungen anschloss.[1.1]

Stephan Föger, Innsbruck Johanneskirche, Florianaltar 1733
Stephan Föger, Schwebender Engel, Holz gefasst und vergoldet (1748), Augustiner Museum Rattenberg
Stephan Föger, musizierende Bettlerin mit Laute; geschnitzte Kombinationsfigur aus Elfenbein (Elefant), Holz und Faden; Friedenstein Stiftung Gotha, Mitte 18. Jh.

In älteren Biographien wird Stephan Föger auch als Feger geführt.[3] Weiters finden sich abweichende Angaben zu seinem Geburtsjahr.[4][5] Doris Mühlmann (1989) konsultierte das Taufbuch von Tarrenz, das Trau- und Totenbuch der Pfarre St. Jakob in Innsbruck sowie das Innsbrucker Bürgerbuch und konnte neben anderen Lebensdaten das Jahr 1702 mit einem Taufbucheintrag archivalisch belegen.[1.2][1.3]

Biographie

Stephan Föger wurde als drittes Kind von Stephan Föger und Rosina Reindlin in Tarrenz geboren und stammte mütterlicherseits aus einer namhaften Tiroler Künstlerfamilie. So war er Cousin des Bildhauers und Bildschnitzers Johann Reindl. Auch sein Vater war in der Holzverarbeitung tätig und übte den Beruf eines Fassmachers aus. Daneben betrieb er eine Landwirtschaft.[1.4]

Die um 1714/15 einsetzende Lehrzeit verbrachte Föger in Innsbruck, vermutlich bei Jakob Witwer (1679–1758).[1.5] Zu weiteren Studien begab er sich für einen Zeitraum von ungefähr 10 Jahren auf Reisen, die zwar überliefert, aber weder archivalisch, noch stilistisch eindeutig nachzuvollziehen sind. Angeblich führte ihn der Weg über verschiedene Stationen nach Italien, längere Zeit soll er sich in Rom aufgehalten haben.[1.6][2][6] Eine stilkritische Analyse führt Doris Mühlmann vielmehr zu der Annahme, dass es Künstler aus süddeutschem Kunstkreis, wie aus dem Passauer und Wiener Künstlerkreis waren, die Stephan Fögers Entwicklung prägten.[1.7]

Nach seiner Rückkehr ließ sich der Geselle um 1731 in Innsbruck nieder und arbeitete zunächst in der Werkstatt Ingenuin Lechleiters mit. Als Lechleiter noch im selben Jahr am 1. Juli 1731 verstarb, übernahm der 29-Jährige dessen Werkstatt.

Am 11. Juli 1732 gelang es ihm, in das Innsbrucker Bürgerbuch eingetragen zu werden. Mit dem Erwerb des Innsbrucker Bürgerrechts sowie der Meistergerechtigkeit erfüllte er nun eine entscheidende Voraussetzung, um als fremder Geselle eine eigene Werkstatt zu gründen.[1.8] Die zweite entscheidende Voraussetzung war die Heirat einer Meistertochter oder -Witwe. Nur wenige Tage später ehelichte Föger daher Maria Anna Neyer, Tochter eines Schlossermeisters, mit der er bald eine kinderreiche Familie gründete.[1.9]

Zu ihren Trauzeugen aus den Reihen des gehobenen Bürgertums zählten ein reitender Hofkammerbote und ein Lederhandelsinspektor. Die Paten und Patinnen seiner neun Kinder, wie etwa Maria Agnes von Klebelsberg, verwitwete Delama von Büchsenhausen bestätigen seinen höheren sozialen Stand, denn letztere war Mitglied einer der reichsten Familien der Stadt.[1.9] Unter seinen adligen Gönnern und finanzkräftigen Auftraggebern sind darüber hinaus Freiherr Franz Andreas von Sternbach,[1.10] Baron von Elsasser, die Grafen von Tannenberg, die Grafen von Wicka, die Grafen von Kuen und der Brixner Fürstbischof Franz Xaver von Künigl zu nennen. Auch Bruderschaften und andere Körperschaften finden sich unter seinen Auftraggebern.[1.11][1.12] Für sein Ansehen in der Innsbrucker Bürgerschaft spricht auch, dass er 1746 zum Mitglied des Stadtgerichts gewählt wurde.[6] Diese Verbindungen spielten insofern eine wichtige Rolle, als Karl III. Philipp (Pfalz) Innsbruck 1717 als fürstlicher Gubernator und potenter Auftraggeber verlassen hatte.[1.13]

Zunächst schlug Föger seine Werkstatt im Hause seines Schwiegervaters auf, musste dieses Domizil jedoch nach dessen Tod verlassen. 1750 konnte er ein Haus am Innrain, wenig später ein weiteres Grundstück erwerben.[1.14] Aufgrund der Homogeneität der mit Föger in Verbindung zu bringenden Werke ist nicht auf einen größeren Werkstattbetrieb zu schließen.[1.15] Er beschäftigte vermutlich nur einen Gesellen und einen Lehrling.[1.16]

Kurz nach dem Umzug an seine neue Wirkungsstätte am Innrain, verstarb Föger frühzeitig im Alter von 48 Jahren an einer Infektionskrankheit. Er vermachte seiner Frau und den überlebenden fünf von neun Kindern eine beachtliche Summe.[1.17] Maria Anna Neyer führte in der ersten Zeit die Werkstatt weiter und überwachte die Finalisierung des Hl. Kreuzaltares im Innsbrucker Dom.[1.18] Später übernahm der Schwazer Bildschnitzer Georg Stadler den Betrieb und ging als Fremder aus ähnlichen Gründen wie schon Stephan Föger mit der einheimischen, doch früh verwitweten Maria Anna Neyer eine Ehe ein.[6]

Werk

Gemessen an seinen Schaffensjahren, die sich auf die Jahre von 1732 bis 1750 erstrecken, hinterließ Stephan Föger ein überraschend breites Werk. Nach dem Tode Ingenuin Lechleiters und der Gründung einer eigenen Werkstatt konnte er alle bedeutenden Aufträge in Innsbruck und Umgebung für sich gewinnen.[1.19] In erster Linie umfasst sein Oeuvre daher großformatige Skulpturen für Altar- und Gartengestaltungen. Auf Gefallen stießen auch seine sog. Kombinationsfiguren. Als exotische Sammelstücke fanden diese beweglichen Kleinkunst-Objekte den Weg in verschiedene Kunst- und Wunderkammern.[6][7] Nach dem Vorbild seines Tiroler Landsmannes Simon Troger experimentierte Föger dabei mit diversen Materialien und umkleidete etwa Statuetten aus Elfenbein mit gebeiztem dunklen Holz. Entsprechend unterschiedlicher, auch verschieden konfessionalisierter Adressatenkreise reicht das thematische Spektrum seiner Werke von christlicher bis zu profaner Ikonographie.[6]

Werke (Auswahl)

Die folgende Liste beruht auf der von Doris Mühlmann 1989 erstellten chronologischen Tabelle aller erhaltenen Werke Fögers.[1.20] Nur noch literarisch überliefert sind die Gartenskulpturen, die Föger im Auftrag seiner adligen Gönner aus Sandstein für das Palais Khuen, wie den Sternbachgarten in Innsbruck geschaffen hat.[1.21]

Großplastik

Kleinkunst (sog. Kombinationsfiguren aus unterschiedlichen Materialien)

  • Musizierende Bettlerin, Friedenstein Stiftung Gotha, Bestand der aus Coburg 1827 an Gotha überführt wurde. Inv. - Nr. K112 (zugeschrieben)[7]

Galerie

Sammlungen

Literatur

  • Constantin von Wurzbach: Feger (Föger), Stephan. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 4. Theil. Verlag der typogr.-literar.-artist. Anstalt (L. C. Zamarski, C. Dittmarsch & Comp.), Wien 1858, S. 158 (Digitalisat).
  • Josef Ringler: Zum Werk des Innsbrucker Bildhauers Stephan Föger. In: Tiroler Heimatblätter. Band 27.1952, Nr. 4/6, 1952, S. 55–58.
  • Eugen von Philippovich: Simon Troger und andere Elfenbeinkünstler aus Tirol (= Schlern-Schriften. Band 216). Wagner, Innsbruck 1961.
  • Erich Egg: Kunst in Tirol. 1 (Baukunst und Plastik). Tyrolia-Verlag, Innsbruck / Wien 1970.
  • Doris Mühlmann: Leben und Werk des Innsbrucker Bildhauers Stephan Föger. Diss. Innsbruck 1989.
  • Marcus Pilz: Die Coburger Sammlungen im frühen 19. Jahrhundert. In: Coburger Landesstiftung (Hrsg.): Coburg | Gotha | 1826 Ein Herzog – Zwei Residenzen. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2026, ISBN 978-3-7319-1632-1, S. 238–241.

Einzelnachweise

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