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Stephanie Krisper

österreichische Juristin und Politikerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Stephanie Krisper (geboren am 24. Mai 1980 in Wien)[1] ist eine österreichische Juristin und ehemalige Politikerin (NEOS). Krisper war als Menschenrechtsexpertin am Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte in Wien tätig.[2] Von November 2017 bis Oktober 2025 war sie Abgeordnete zum Nationalrat (Österreich).[3][4]

Stephanie Krisper (2025)

In mehreren parlamentarischen Untersuchungsausschüssen, die politische Skandale untersuchten, darunter die Hausdurchsuchung beim Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung, die „Ibiza-Affäre“ sowie Korruptionsaffären, fungierte Krisper als Fraktionsführerin ihrer Partei.[5]

Ausbildung und Beruf

Stephanie Krisper besuchte das St. Ursula Gymnasium in Wien, wo sie 1998 mit Auszeichnung maturierte.[6] Anschließend begann sie im September 1998 das Studium der Rechtswissenschaften an der Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien. Dieses schloss sie im März 2003 mit dem akademischen Grad Magistra iuris (Mag. iur.) ab. Zwischenzeitlich absolvierte sie von September 2001 bis Juni 2002 ein Erasmus-Jahr an der Université Panthéon-Assas in Paris. Von 2003 bis 2004 absolvierte Stephanie Krisper zudem ein postgraduales Masterstudium am European Inter-University Centre for Human Rights and Democratisation in Venedig und Maastricht und erwarb dabei den Abschluss European Master in Human Rights and Democratisation (E.MA).[6][7]

Von September 2007 bis Juni 2012 absolvierte Krisper zudem das Doktoratsstudium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien, wo sie schließlich mit einer Dissertation zum Thema „The European Union’s Safe Country Concepts versus the Principle of Non-Refoulement“ zur Doktorin der Rechtswissenschaften (Dr. iur.) promoviert wurde.[6]

Neben einer Reihe von juristischen Praktika in einer Anwaltskanzlei sowie bei Menschenrechts-NGOs (mit Schwerpunkt auf Interessenvertretung, Rechtsberatung für Asylsuchende usw.)[3] war Krisper für das Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten in dessen Menschenrechtsabteilung tätig, unter anderem bei der Ständige Vertretung Österreichs bei den Vereinten Nationen in Genf, beim Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen sowie bei der Delegation der Europäischen Kommission bei den Vereinten Nationen in Genf und New York City.[8] Im Jahr 2007 war sie für den Danish Refugee Council in Sri Lanka als Emergency Protection Officer tätig.[6]

Von Jänner 2009 bis zu ihrer Angelobung als Abgeordnete zum Nationalrat (Österreich) im November 2017 arbeitete Stephanie Krisper als Menschenrechtsexpertin mit Schwerpunkt Folterprävention am Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte in Wien. Dabei war sie insbesondere für Kommissionen des Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen sowie der Volksanwaltschaft (Österreich) tätig, die als Nationaler Präventionsmechanismus zur Verhütung von Folter fungieren.[9]

Schließlich war sie maßgeblich an der Vorbereitung der Neuauflage des Kommentars von Manfred Nowak zur Übereinkommen der Vereinten Nationen gegen Folter (Oxford University Press) beteiligt.[10]

Politischer Werdegang

Kandidaturen und Mandate

Stephanie Krisper ist seit 2012 Mitglied der Partei NEOS.[8] Nach ihrer Teilnahme an parteiinternen Vorwahlen für einen Listenplatz bei der Nationalratswahl in Österreich 2017 wurde sie auf den 13. Platz der NEOS-Bundesliste sowie auf den dritten Platz der Wiener Landesliste gewählt.[11] Da die Partei im Landeswahlkreis Wien schließlich zwei Grundmandate errang und die erstgereihte Kandidatin Beate Meinl-Reisinger auf ihr Mandat verzichtete, um weiterhin im Wiener Landtag und Gemeinderat tätig zu sein, rückte Krisper auf das zweite Grundmandat nach.[12] Am 9. November 2017 wurde sie erstmals als Abgeordnete zum Nationalrat (Österreich) angelobt.

Nach der Nationalratswahl in Österreich 2019 blieb Krisper weiterhin im Nationalrat und zog erneut über ein Grundmandat im Landeswahlkreis Wien ein. Auch nach der Nationalratswahl in Österreich 2024 gehörte sie dem Nationalrat an, nunmehr auf dem zweiten Platz der NEOS-Bundesliste.[13]

Am 10. Oktober 2025 gab sie bekannt, dass sie ihr Mandat als Abgeordnete zum Nationalrat mit Ende Oktober 2025 zurücklegen werde. Lisa Aldali rückte für sie nach.[4]

Arbeit in Untersuchungsausschüssen

Im parlamentarischen „Untersuchungsausschuss zur politischen Einflussnahme auf das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT-Untersuchungsausschuss)“ zur sogenannten BVT-Affäre, der im April 2018 eingesetzt wurde und seine Beweisaufnahme im September 2019 abschloss, war sie Fraktionsführerin ihrer Partei.[14][15]

Im November 2019 wurde bekannt, dass im Zuge der BVT-Affäre das Bundesamt zur Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung am 10. Mai 2019 versuchte, Krispers Mobiltelefon sicherzustellen, um ihre Informanten auszuforschen.[16] Auch das Gerät der Die-Presse-Journalistin Anna Thalhammer sollte beschlagnahmt werden. Die Staatsanwaltschaft Wien lehnte diese Ansuchen Anfang Juli ab.[17][18]

Krisper war zudem Fraktionsführerin ihrer Partei im „Untersuchungsausschuss betreffend mutmaßliche Käuflichkeit der türkis-blauen Bundesregierung (Ibiza-Untersuchungsausschuss)“, der im Jänner 2020 eingesetzt wurde und seine Beweisaufnahme im Juli 2021 abschloss.[19] Gleiches gilt für den parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu Korruptionsvorwürfen gegen Mitglieder der ÖVP-geführten Bundesregierung („ÖVP-Korruptions-Untersuchungsausschuss“), der am 9. Dezember 2021 eingesetzt wurde und am 23. Oktober 2024 endete.[20]

Für ihre parlamentarische Arbeit wurde Krisper in den Medien als „Whistleblowerin“ gewürdigt.[21]

In dem österreichischen Dokumentarfilm Projekt Ballhausplatz (Untertitel: „Der Aufstieg und Fall von Sebastian Kurz“) aus dem Jahr 2023 von Regisseur Kurt Langbein analysiert Krisper die Machtstrukturen der türkis geführten Österreichische Volkspartei sowie die Mechanismen politischer Korruption in Österreich. Der Film behandelt die politische Karriere des ehemaligen Bundeskanzlers Sebastian Kurz – von seinem raschen Aufstieg bis zu seinem Rücktritt infolge der Ibiza-Affäre und des ÖVP-Korruptionsskandals.[22][23]

Neben der Aufarbeitung verschiedener Formen von Korruption in der österreichischen Politik (Medienkorruption, politische Korruption usw.) bezeichnete Krisper es als Erfolg des letzten Untersuchungsausschusses, aufgezeigt zu haben, dass die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft aufgrund mangelnder personeller und finanzieller Ressourcen sowie zusätzlichen politischen Drucks nicht effektiv arbeiten könne.[24][25] Reformen zur Korruptionsbekämpfung seien jedoch weitgehend ausgeblieben. Dennoch habe der Ausschuss ihrer Ansicht nach dazu beigetragen, „den Druck von der WKStA etwas zu nehmen, sodass sie effizient ermitteln konnte; infolgedessen musste Sebastian Kurz zunächst zurücktreten und schließlich ganz ausscheiden“.[26]

Weitere Positionen

Österreichisches Glücksspielrecht

Bereits vor der „Ibiza-Affäre“ setzte sich Stephanie Krisper im Nationalrat (Österreich) für eine Reform des Glücksspielgesetz (Österreich) ein.[27] Als Initiatorin mehrerer parlamentarischer Anträge forderte sie unter anderem die Schaffung einer unabhängigen Glücksspielaufsichtsbehörde ohne externe Einflussnahme, um die bestehenden Interessenkonflikte im Bundesministerium für Finanzen zu beseitigen, das zugleich als Eigentümer von Casinos, Regulierungsbehörde und Konzessionsgeber fungiert.

Im Zentrum ihrer Arbeit standen eine österreichweite Sperrdatei für Spielerinnen und Spieler, der Schutz von Glücksspielsüchtigen sowie die konsequente Bekämpfung illegaler Online-Anbieter durch strengere gesetzliche Maßnahmen und IP-Sperren.[28][29]

Asyl- und Migrationspolitik

Als Sprecherin für Asyl und Migration kritisierte sie falsche oder irreführende Zahlen in der öffentlichen Debatte und betonte die Bedeutung verlässlicher Daten für Politik und Medien.[30]

Sie forderte faire und rasche Asylverfahren, die Rechtssicherheit gewährleisten und zugleich menschenwürdige Lebensbedingungen sicherstellen. Zudem sprach sich Krisper für europäische Lösungen aus, um Missstände an den Außengrenzen der Europäischen Union zu beheben, etwa die unmenschlichen Bedingungen in griechischen Flüchtlingslagern, und die Solidarität innerhalb der EU zu stärken.[31] Dabei plädierte sie für eine Politik, die sowohl humanitäre Verpflichtungen erfüllt als auch die notwendigen Instrumente für ein wirksames Migrationsmanagement bereitstellt.[32]

Russische Spionage

In enger Abstimmung mit dem Investigativjournalisten Erich Möchel führte Krisper Hintergrundgespräche mit Medien, um die technischen Methoden russischer Nachrichtendienste, insbesondere digitale und satellitengestützte Spionage durch diplomatische Vertretungen in Wien, öffentlich bekannt zu machen.[33] Sie richtete parlamentarische Anfragen an die Bundesregierung zur Anzahl russischer Diplomaten und mutmaßlicher Agenten sowie zu Maßnahmen gegen hybride Bedrohungen durch die Russische Föderation. Krisper kritisierte wiederholt Österreichs Zurückhaltung bei Ausweisungen, Sanktionen und Sicherheitsmaßnahmen.[34][35]

Wirecard-Affäre

Stephanie Krisper unterstützte nationale und internationale Ermittlungen, was unter anderem im Zusammenhang mit der Wirecard-Affäre rund um Jan Marsalek und deren österreichische Verbindungen bekannt wurde.[36] Durch parlamentarische Anfragen versuchte sie aufzuklären, wie weit Marsaleks Netzwerk in österreichische Sicherheitsbehörden hineinreichte und welche Rolle Politiker der Freiheitliche Partei Österreichs bei der Weitergabe von Geheimdienstinformationen spielten.

Sie kritisierte wiederholt die mangelnde Effizienz der Ermittlungen sowie die intransparenten Verbindungen zwischen ehemaligen Regierungsmitarbeitern, Wirecard und russischen Nachrichtendiensten.[37][38]

In der internationalen Dokumentation Skandal! Der Sturz von Wirecard („Scandal! Bringing Down Wirecard“, 2022), die den Bilanzskandal rund um Jan Marsalek und CEO Markus Braun sowie den Aufstieg und Fall des Zahlungsdienstleisters Wirecard beleuchtet und auf Netflix veröffentlicht wurde, ist Krisper als Vermittlerin relevanter Informationsquellen an die Financial Times zu sehen.[39]

Ausübung des freien Mandats

In zwei Fällen machte sie von ihrem freien Mandat Gebrauch und stimmte nicht mit ihrer Parlamentsfraktion.

Impfpflicht

Am 20. Januar 2022 stimmte Stephanie Krisper gemeinsam mit 32 weiteren Abgeordneten des Nationalrat gegen den Gesetzentwurf zur Einführung einer COVID-19-Impfpflicht in Österreich. Sie argumentierte, dass sie in einer Impfpflicht nur einen begrenzten Beitrag zur Erhöhung der Impfquote sehe, der den damit verbundenen unverhältnismäßigen Eingriff in individuelle Rechte nicht rechtfertige. Auch Johannes Margreiter, Fiona Fiedler und Gerald Loacker aus dem Klub der NEOS stimmten gegen den Entwurf. Dennoch wurde dieser mit Mehrheit im Nationalrat beschlossen.[40][41]

Überwachung von Gefährdern und Messenger-Diensten

Am 9. Juli 2025 beschloss der Nationalrat mit den Stimmen von ÖVP, SPÖ und Teilen der NEOS die Einführung der sogenannten Messenger- beziehungsweise Gefährderüberwachung, die das Mitlesen verschlüsselter Kommunikation ermöglicht. Stephanie Krisper stimmte gemeinsam mit ihrem Kollegen Nikolaus Scherak gegen diesen Gesetzentwurf. In der Debatte warf Krisper dem Vorhaben vor, „uns keinen Deut sicherer“ zu machen, sondern in seiner konkreten Umsetzung weiterhin hochproblematisch zu sein, insbesondere im Hinblick auf Verhältnismäßigkeit und Verfassungsmäßigkeit.[42]

Rücktritt aus dem Nationalrat

Am 9. Oktober 2025 gab Krisper bekannt, dass sie ihr Mandat als Abgeordnete zum Nationalrat mit Ende Oktober 2025 niederlegen werde. Sie erklärte, ihr Einflussbereich sei durch ihre Beteiligung an der Regierung „so stark eingeschränkt“ worden, dass sie „keinen Sinn mehr in der parlamentarischen Tätigkeit“ sehe. Als Beispiele nannte sie die Haltung der NEOS zur Beendigung des Familiennachzugs für Asylwerber sowie zur Messenger-Überwachung. Zudem sprach sie von einem „Loyalitätskonflikt“ zwischen ihren Überzeugungen und der Parteilinie der NEOS seit deren Eintritt in die Regierung.[43][4]

Krisper betonte, dass Kompromisse in einer Koalition notwendig seien, die Zugeständnisse bei den ihr besonders wichtigen Themen jedoch zu weit gingen. Sie vermisse den „Mut, eine klare Alternative zur FPÖ aufzuzeigen“.[44] Nach fast acht Jahren im Parlament wolle sie künftig „aus einer unabhängigen Position für Menschenrechte und gegen Korruption arbeiten“. Sie bleibt Mitglied der NEOS sowie deren erweitertem Vorstand.[45]

In ihrer Abschiedsrede im Nationalrat am 14. Oktober 2025 dankte Krisper allen, die sie in ihrer Tätigkeit als Abgeordnete unterstützt hatten, darunter Mitarbeitenden des Parlamentsklubs, des Parlaments sowie Vertreterinnen und Vertretern der eigenen und anderer Parteien mit Ausnahme der ÖVP.[46] Außerdem würdigte sie die Dritte Präsidentin des Nationalrats, Doris Bures. Nach ihrer Rede erhielt sie stehende Ovationen.[47]

Privatleben

Stephanie Krisper ist Mutter von drei Kindern und lebt in Wien.

Publikationen

Commons: Stephanie Krisper – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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