Kloster Neuzelle

Kloster in Neuzelle, Landkreis Oder-Spree, Brandenburg From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Kloster Neuzelle (lateinisch Monasterium Nova Cella) ist ein ehemaliges Zisterzienserkloster im Landkreis Oder-Spree im Osten Brandenburgs. Die frühere Abtei in der Gemeinde Neuzelle wurde im 13. Jahrhundert vom Haus Wettin gegründet, bestand bis 1817 und wurde dann von der Regierung Preußens in ein nicht-religiöses Stift umgewandelt. Die Klostergüter gingen an das staatlich verwaltete Stift Neuzelle, das bis zu dessen Verstaatlichung im Jahr 1955 bestand. Im Jahr 1996 wurde die Stiftung Stift Neuzelle als Stiftung öffentlichen Rechts des Landes Brandenburg neu errichtet.[1] Die Klosterkirche St. Mariä Himmelfahrt ist Wallfahrts- und Pfarrkirche.

Schnelle Fakten Zisterzienserabtei Neuzelle ...
Zisterzienserabtei Neuzelle
Klosterkirche St. Mariä Himmelfahrt
Klosterkirche St. Mariä Himmelfahrt
Klosterkirche St. Mariä Himmelfahrt
Lage Deutschland Deutschland
Brandenburg
Neuzelle
Liegt im Bistum Görlitz
Koordinaten: 52° 5′ 26″ N, 14° 39′ 8″ O
Ordnungsnummer
nach Janauschek
682
Patrozinium Mariä Aufnahme in den Himmel
Gründungsjahr 1268
Jahr der Auflösung/
Aufhebung
1817
Jahr der Wiederbesiedlung 2018 (als Priorat von Heiligenkreuz)
Mutterkloster 1268 Kloster Altzella
2018 Stift Heiligenkreuz
Primarabtei Kloster Morimond
Kongregation Österreichische Zisterzienserkongregation

Tochterklöster

keine

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Im September 2018 wollten Mönche des Stifts Heiligenkreuz das Kloster ursprünglich wieder besiedeln, entschieden sich jedoch stattdessen dafür, das Kloster Maria Friedenshort neu zu gründen.

Geschichte

Mittelalter (1268–1550)

Entstehung des Klosters

Das Kloster Neuzelle wurde am 12. Oktober 1268 von Markgraf Heinrich dem Erlauchten aus dem Haus Wettin im Gedenken an seine zwei Tage zuvor verstorbene Ehefrau Agnes gestiftet, um die von den Piasten erworbene Grundherrschaft zwischen Oder und Schlaube im Siedlungsgebiet der Sorben dem Christentum zu erschließen, wirtschaftlich zu entwickeln und zu nutzen. Das Kloster Neuzelle war eine Ausgründung des Mutterklosters Altzella (Cella) in Sachsen; ein Konvent bestand erst seit 1281. In diesem Jahr forderte das Generalkapitel des Zisterzienserordens den Abt von Altzella auf, das Kloster Neuzelle endlich einzurichten.[2.1]

Der Ursprung des heutigen Klosterkomplexes wurde zwischen 1300 und 1330 auf einem in die Oderniederung ragenden Bergsporn errichtet, auf dem vorher ein Plateau geschaffen worden war.[2.2] Die dreischiffige Hallenkirche der Abtei wurde im Stil der Backsteingotik in der für die Gegend typischen Backsteinbauweise ausgeführt. Die Baumeister waren meist die Mönche selber. So gab es einige Erwähnungen von klosterinternen Baumeistern mit unterschiedlichen Titeln in Urkunden. 1370 wurde ein Johannes als „baumeyster“, 1409 ein Michael als „magister novi operis“ und 1414 ein Tylemmanus als „steynmeystre“ genannt.[2.3]

Im Jahr 1309 erteilten die Bischöfe von Meißen und Breslau jedem Ablass, der die Brüder in Neuzelle zur Beichte oder Predigt besuchte. Dies weist, nach neuerer Literatur, darauf hin, dass zu diesem Zeitpunkt die Kirche bereits geweiht und zur Nutzung verfügbar war.[2.4]

Im Mittelalter errichtete die Verwaltung des Klosters eine umfangreiche Grundherrschaft. Zum Beginn der Gründung erhielt das Kloster acht Dörfer, welche sich bis 1372 auf 27 Dörfer in der Niederlausitz und einige in der Mark Brandenburg mit ihren Einnahmen und Frondiensten erweiterten. Auch das Städtchen Fürstenberg (Oder) (heute Teil von Eisenhüttenstadt) sowie die Burg Schiedlo an der Neißemündung waren im Besitz der Zisterzienser.[2.5]

Überfall während der Hussitenkriege, Neuzeller Märtyrer

Das Kloster hatte sich nach der Verurteilung der Lehre von Jan Hus im Konzil von Konstanz für die Bekämpfung der hussitischen Lehre eingesetzt.[3] Im Jahr 1429 drang während der Hussitenkriege eine Heeresgruppe aus Böhmen ein und zerstörte neben der Stadt Guben auch das Kloster Neuzelle.[4] Neuzelle hatte im Vorfeld des Überfalls Schutzbündnisse sowohl mit dem Erzbischof Günther von Magdeburg und mit Landvogt Hans von Polenz geschlossen.[5] Da sich die Mönche weigerten, die Lehren des Reformators Jan Hus anzunehmen, wurden sie gemartert, ermordet oder verschleppt. Seither werden sie als Märtyrer verehrt, insbesondere Abt Petrus I. (1408–1429). Bei dem Überfall kamen 20 Mönche ums Leben.[4] Nach Schätzung von Heinrich Theissing bestand der Neuzeller Konvent zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich aus nicht mehr als 30 Mönchen.[6.1] Namentlich bekannte, abwesende beziehungsweise überlebende Mönche sind der Baumeister Tylemann und der spätere Abt Nicolaus II. von Bomsdorf.[6.2] Die gesamte Klosteranlage wurde verwüstet und die Kirche in Brand gesteckt, das Feuer konnte aber gelöscht werden.[5]

Die Datierung des Überfalls ist unklar. Eine Urkunde des Markgrafen Johann von Brandenburg an den Dekan des Domstifts zu Stendal Dietrich Becker vom 28. Oktober 1429 bestätigt den Überfall auf das Kloster im September oder Oktober 1429. Andere Beachtung fand der Hussitenüberfall bei zeitgenössischen Historikern und Chronisten größtenteils nicht. Der Dominikaner Herrmann Korner aus Lübeck erwähnte ihn in seiner Chronik aus dem Jahr 1435 und in einer Übersetzung der Chronica novella aus dem Jahr 1431.[6.3] Spätere Chronisten aus den darauffolgenden Jahrhunderten datierten den Überfall auf 1430, jedoch ist nach späterer Forschung kein Hussitenüberfall für 1430 nachweisbar.[6.4] Chrysostomus Henriquez schrieb in einem 1631 erschienenen Buch einmal von dem Überfall am 10. September und am 9. Februar. Bei letzterem Datum erwähnte er allerdings ein „Closter Marien-Zell“, welches teilweise auch als Name für das Neuzeller Kloster genutzt wurde.[6.5] Das Martyrologium des Zisterzienserordens von 1689 erwähnt nur den 10. September.[6.6] Der Neuzeller Pater Franz Laurenz Mauermann OCist (* 1780), auf den sich die Klostertradition beruft, bestätigt den Gedenktag auf den 10. September.[6.7]

Unter Abt Nicolaus II. von Bomsdorf (1432–1469) wurde das Kloster wiederaufgebaut, wozu einige erbuntertänige Dörfer verkauft wurden. Die Ausbildung der Kleriker erfolgte am Zisterzienserkolleg in Leipzig.

Der Zisterzienser und Kirchenhistoriker Augustinus Sartorius schrieb in seinem Werk Cistercium Bis-Tertium unter Nova-Cella den Zusatz „illustris a sanguine Martyrum“ („durch das Blut seiner Märtyrer ausgezeichnet“).[6.8] Die Neuzeller Märtyrer werden als Selige am 10. September verehrt.[7] Im Jahr 2008 schenkte Joachim Kardinal Meisner dem Bistum Görlitz eine mittelalterliche Darstellung der Neuzeller Märtyrer. Dieses Pergament zeigt acht Mönche, denen Hände und Füße abgetrennt wurden.[8] Die schiefe Kapelle am Klosterteich sowie die beschädigte Christussäule vor dem Haupttor des historischen Klostergeländes sind immer noch bestehende Zeichen der Neuzeller Märtyrerverehrung. Bischof Bernhard Huhn führte den liturgischen Gedenktag in den 1970er Jahren ein. Eine Märtyrerprozession existiert seit den 1980er Jahren.[4] Diese wird immer noch jährlich am 10. September begangen.

Zeitalter der Konfessionalisierung (1550–1700)

Reformation

Als einziges Kloster in der Niederlausitz blieb Neuzelle in der Reformationszeit als eine konfessionelle Insel beim alten Glauben. Die bäuerlichen Untertanen der Grundherrschaft des Klosters schlossen sich um 1550 der Lehre Luthers an. Neue Anwärter kamen nun überwiegend aus Nordböhmen und dem katholischen Teil der Oberlausitz und studierten nach dem Noviziat an der Karls-Universität Prag. Das Kloster wurde in die böhmische Ordensprovinz der Zisterzienser aufgenommen. Während dieser Zeit traten allerdings weniger Novizen eintraten. Gab es 1547 noch 35 Mönche im Kloster, so waren es 1585 nur noch 10.

Mit der Reformation geriet Neuzelle unter massiven Druck seines Landesherren, hohe Geldsummen aufzubringen, was das Kloster finanziell stark bedrohte. Auch eine mögliche Verpfändung an Johann von Küstrin stand im Raum, konnte allerdings abgewendet werden. Dafür, dass das Kloster nicht verpfändet wurde, mussten der Abt und der Konvent 10.000 Gulden aufbringen. Das führte zum Verkauf von mehreren Dörfern der Stiftsherrschaft und einem Schuldenberg von 17.000 Gulden. Auch ließen die Habsburger Landesherren das Kloster als ein Kammergut deklarieren, nahmen diese Entscheidung allerdings später wieder zurück. Das Kloster hatte lange an den wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu arbeiten. So konnten einige Dörfer erst im 18. Jahrhundert zurückgekauft werden.[9.1]

Im Nachlauf der Reformation wurde dem Kloster Neuzelle angeboten, sowohl das Kloster Dobrilugk als auch das Kloster Oybin wiederzubeleben, was in beiden Fällen vom Abt abgelehnt wurde.[9.2]

Die Neuzeller Äbte erhielten erstmals 1557 eine kaiserliche Konfirmation für ihre Wahl.[9.3] 1569 erhielt das Kloster alle seine Privilegien durch Kaiser Maximilian,[9.4] dennoch wurde später das Abtwahlrecht des Konvents beschnitten. Demnach durfte der Konvent nur noch Vorschläge unterbreiten, die Ernennung lag beim Kaiser und die Einsetzung beim Landvogt der Niederlausitz. Der Konvent widersetzte sich mehrfach. Dennoch kam es durch Formfehler bei der Wahl, kurze Regierungszeiten oder Konkubinat häufig zu fremdem Einfluss bei Abtwahlen. Jedoch kam es nie dazu, dass Neuzelle eine Kommendatarabtei wurde.[9.5]

Am 24. Dezember 1615 war der Generalabt des Ordens, Nicolaus II. Bocherat, als Visitator in Neuzelle.[9.6]

Zeit des Dreißigjährigen Krieges

Obwohl sich die Stände der böhmischen Nebenlande nach dem Prager Fenstersturz etwas zurückhaltend verhielten, traten die Niederlausitzer Stände am 22. Februar 1620 der Konföderation der böhmischen Stände bei und wählten Friedrich von der Pfalz zum König von Böhmen. Die Rolle des Neuzeller Abtes ist allerdings unbekannt. Er dürfte sich zurückhaltend verhalten haben. Im August 1620 wurde Kurfürst Johann Georg von Sachsen vom Kaiser mit der Unterwerfung der Lausitz beauftragt. Diese sollte ihm als Lohn verpfändet werden. Nach einem erfolgreichen Feldzug des Sachsen legte die Stände der Lausitz auf einem Landtag im Juli 1621 einen Eid auf ihren neuen Herren ab.[9.7]

Im Sommer 1627 wurde das Kloster von General Johann T’Serclaes von Tilly geplündert. Danach war es allerdings etwas ruhig in der Neuzeller Stiftsherrschaft. So wurden 1630 unter Abt Hugo mehrere Urkunden durch den kaiserlichen Notar Martin Junius bestätigt. Allerdings bekam die Lausitz ab Frühjahr 1631 den Krieg stark zu spüren und so wurde das Kloster am 3. April 1631 von schwedischen Truppen geplündert. Obwohl Abt Hugo zunächst fliehen konnte, wurde er später von Soldaten festgesetzt und starb später an seinen Verletzungen. Zu diesem Zeitpunkt müsste der gesamte Konvent das Kloster verlassen haben. Die in der Mark Brandenburg liegenden Besitzungen wurden vom Kurfürsten eingezogen und an die Universität Frankfurt übertragen. Während dieser Zeit ließ der sächsische Kurfürst auch eine Administration zur Verwaltung des Klosterbesitzes einsetzen. Anschließend gab es Kampfhandlungen um Neuzelle und im Juli 1634 wurde es erneut durch Schweden geplündert.[9.8]

Als die Habsburger 1635 im Prager Frieden die Niederlausitz an das sächsische Haus Wettin abtraten, musste der evangelische Kurfürst von Sachsen im sogenannten Traditionsrezess den Fortbestand der Klöster, darunter Neuzelle, garantieren. Es gehörte zu den Niederlausitzer Landständen und war bis zu seiner Auflösung im Landtag vertreten.[2.6]

Auch in den darauffolgenden Jahren kam es immer wieder zu Kampfhandlungen und Truppenbewegungen in der Lausitz. Im April 1640 beschrieb Abt Bartholomaeus die Lage seines Klosters als so schlecht, „daß man sich dort nicht mehr aufhalten könne“. Durch eine erneute Besatzung der Schweden 1640 floh der Abt erneut und verstarb im Januar 1641 dabei. Trotz der Verwaisung des Klosters ging es nicht unter. Am 14. März 1641 wurde Bernardus von Schrattenbach durch drei Äbte der böhmischen Ordensprovinz zum Abt von Neuzelle gewählt. 1644 konnten große Teile der Lausitz von sächsischen Truppen zurückerobert werden.[9.9]

Wiederaufbau des Klosters, Stabilisierung der Stiftsherrschaft

Von einem Ende des Dreißigjährigen Krieges in der Niederlausitz kann man mit dem Friedensfest vom 22. Juli 1650 sprechen. Abt Bernardus weilte zu diesem Zeitpunkt frühestens seit dem 15. Februar 1646 wieder in Neuzelle. Zu welchem Zeitpunkt der Konvent zusammentrat, ist unklar. 1656 bestand der Konvent aus 20 Personen, von denen aber lediglich drei vor 1650 in den Orden eingetreten waren. Töpler attestiert Abt Bernardus eine große Ausstrahlungskraft, die dazu beigetragen habe, dass so viele neue Personen in den Konvent eintraten. Bis zu seinem Tod 1660 stieg die Zahl der Konventsmitglieder auf 30 und stabilisierte sich danach auf 25 bis 30 Konventuale. Da die Anzahl der Mönche im Kloster davon abhing, wie wirtschaftsstark es war und weniger davon, wie viel Zulauf es hatte, wurden zeitweise einige Mönche in anderen Klöstern untergebracht, bis der Generalvikar 1727 die Vergrößerung des Konvents auf 36 Mitglieder erlaubte.[9.10]

Nach dem Krieg wurde ein Aufbauprogramm der Klostergebäude begonnen, die zwar nicht unbedingt groß zerstört wurden, aber dennoch stark vernachlässigt waren und wüst lagen. Auch wenn die Veränderungen in der Klausur nicht fassbar sind, sind sie es doch in der Kirche. So wurden die gotischen Spitzbogenfenster herausgebrochen und verändert, eine Zwischendecke wurde unter das gotische Netzrippengewölbe gezogen und an den Wänden und Decken wurden große Fresken und weiße Stuckaturen angebracht. Aufgrund einer Inschrift lassen sich die Arbeiten auf den Zeitraum 1655 bis 1658 datieren. Die Künstler waren drei Italiener, nämlich Giovanni Bartolomeo Cometa und die Brüder Giovanni und Julio Vanetti. Allerdings fanden auch Untertanen der Stiftsherrschaft Arbeit bei den Erneuerungsarbeiten am Kloster.[9.11]

Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage und dem enormen Finanzbedarf beim Wiederaufbau mussten erneut einige Dörfer verkauft oder verpfändet werden. Auch nach dem Krieg forderte der Landesherr, nun die sächsischen Wettiner, hohe Kontributionen. Der Abt suchte das Geld dazu bei seinen Untertanen, was aufgrund der Art und Weise dazu führte, dass sich diese beim Landvogt über das Vorgehen des Abtes bei der Steuereintreibung beschwerten und dieser eine Kommission zur Untersuchung einsetzte. Der Streit eskalierte allerdings so weit, dass zeitweise einige Dörfer der Stiftsherrschaft militärisch besetzt wurden. Der Konflikt konnte 1661 beigelegt werden und der Abt verpflichtete sich zu pünktlicher Zahlung der Abgaben. Bernardus' Nachfolger Albericus schaffte es durch verschiedenste Verträge mit den Untertanen wieder Ruhe in die Verwaltung der Klosterherrschaft zu bringen.[9.12]

Im oberen Teil Darstellung des Klosters um 1775

Barock, Aufklärung und Krieg (1700–1817)

Wirtschaftliche Blüte und Ausbau der Klosteranlage

Am 4. April 1717 stellte das Augustiner-Chorherrenstift Sagan einen Verbrüderungsbrief zum Kloster Neuzelle aus, was ebenfalls durch den Beitritt einiger Chorherren in die Neuzeller Josefsbruderschaft bezeugt ist.[9.13]

Mit der Zeit verpfändete das Kloster nur noch die Vorwerke in Dörfern, was zur Integrität der Stiftsherrschaft beitrug. Zudem konnte das Kloster einige Dörfer wieder zurückerlangen. Dadurch konnte sich ein geschlossener Herrschaftsbezirk ausbilden. 1755 lebten unter dem Kloster 8035 Menschen, was einen Anteil von 14,8 % der Niederlausitzer Bevölkerung ausmachte. Bezogen auf die Wirtschaftskraft des Klosters ließe sich festhalten, dass es über den Durchschnitt der Niederlausitz Waren produzierte. So machte beispielsweise die Produktion von Kartoffeln in der Stiftsherrschaft 63 % der gesamten Produktion der Niederlausitz aus. Das jährliche Bruttoeinkommen des Klosters belief sich, nach einer Berechnung von 1821, auf 58.940 Taler.[9.14]

Unter Abt Eugenius dürften diese Verbesserungen der Wirtschaft stattgefunden haben. Seine Nachfolger bauten dann die Klosteranlage im Stil der Zeit prachtvoll aus, bis der Siebenjährige Krieg zu einer erneuten Zäsur führte. So ließ Abt Petrus die Ägidiuskapelle ausbauen, Abt Konrad Proche ließ die Kanzlei erbauen, erweiterte die Klausur und steuerte viel zum Ausbau der Kirche bei. Unter Abt Martinus Graff wurde dann die gesamte Klosteranlage prachtvoll umgestaltet.[9.15]

Zur Zeit des Großen Nordischen Krieges zogen erneut ausländische Truppen durch die Niederlausitz.[9.16]

Eine eigene Klosterschule für die Dorfbevölkerung wurde 1727 gegründet. Für die Mädchen errichtete Abt Edmundus Pietschmann eine eigene Schule. Neben diesen Dorfschulen errichtete Abt Martinus Graff ein Gymnasium, worüber aber nur wenig überliefert ist. Abt Edmundus ließ auch ein Hausstudium für die Mönche etablieren. Seit 1781 gab es dort Professoren für Geschichte, Dogmatik, Liturgik, Moral, einen Katecheten, einen Seminarpräses und einen „Inspector scolae trvialis“. So waren mit dem Novizenmeister zusammen acht Mönche mit der Ausbildung des Klosternachwuchses betraut. Die Bibliothek von Neuzelle enthielt nach einem Katalog von 1790 rund 4000 Titel in 7000 Bänden, was allerdings im Vergleich zu anderen Klöstern Böhmens eine eher mittlere Größe war.[9.17]

Erneute Schwierigkeiten für das Kloster

Der Siebenjährige Krieg (1756–1763) markierte für die Stiftsherrschaft den Umschwung vom Barock hin zum Klassizismus. Die ersten beiden Schlesischen Kriege berührten die Neuzeller Stiftsherrschaft größtenteils nicht. Im darauffolgenden Dritten schlesischen Krieg (auch bekannt als Siebenjähriger Krieg) wurde die Niederlausitz zwar nicht direkt von Kriegshandlungen getroffen, jedoch kam es immer wieder zu Truppenbewegungen durch das Territorium. Wie im Dreißigjährigen Krieg musste das Territorium für die fremden Truppen aufkommen, was erneut zum wirtschaftlichen Ruin führte. Von den insgesamt 3,5 Millionen Talern, die die Niederlausitz an Friedrich II. zahlen musste, entrichtete Neuzelle 124.701 Taler.[9.18]

Die Napoleonischen Kriege (1792–1815) hatten ebenfalls Auswirkungen auf Neuzelle. Im Zuge der Französischen Revolution kamen im August und September 1796 einige Welt- und Ordensgeistliche auf der Flucht vor dem Krieg nach Neuzelle. Im Zuge des Friedens von Lunéville musste das Heilige Römische Reich viele linksrheinische Gebiete abtreten und die Fürsten wurden meistens mit der Aufhebung von geistlichen Stiften entschädigt. Dem sächsischen Kurfürsten wurde dieses Recht allerdings nicht zugesprochen und er bedurfte der Zustimmung des Kaisers. Dieser wollte allerdings seinen Einfluss auf die Klöster und Stifte der Lausitz behalten und so blieben diese zunächst bestehen.[9.19]

Auflösung des Klosters

Bereits unter Sächsischer Herrschaft wurde eine Auflösung des Klosters befürchtet. So schrieb einer der Mönche, Pater Malachias Krahl, am 27. Dezember 1813 an den Abt von Ossegg, dass eine Auflösung kurz bevorstehe und ob er in sein Kloster eintreten dürfte. Auch die Regierung zu Frankfurt berichtete am 3. September 1816, dass Abt und Konvent eine Auflösung befürchten.[10.1]

Im Zuge des Wiener Kongresses fiel ungefähr die Hälfte des Sächsischen Territoriums an Preußen, darunter auch die Markgrafschaft Niederlausitz und damit das Kloster Neuzelle. Am 22. Mai 1815 übergab der Kurfürst von Sachsen dem König von Preußen, welcher am selben Tag seine neuen Gebiete in Besitz nahm und eine Huldigung durch die neuen Untertanen geschah am 3. August 1815, bei dem der Abt von Neuzelle wahrscheinlich nicht anwesend war. Mit der Wiener Schlussakte trat Kaiser Franz I., in seiner Funktion als König von Böhmen, seine Herrschaftsrechte an der Niederlausitz ab, wodurch er auch die Schutzherrschaft über die katholischen Einrichtungen aufgab. Das Kloster Neuzelle war damit auf sich alleine gestellt.[10.2]

Durch die Preußischen Reformen und Neuordnung in der Verwaltung wurde die Autonomie der Mark Lausitz faktisch aufgelöst und sie wurde vollständig in die Mark Brandenburg integriert. Die Ständeversammlung bestand zwar formal weiter, hatte faktisch aber keinen politischen Einfluss mehr.[10.3]

Am 8. August 1815 schrieb Abt und Konvent an den Politiker Fürst Antoni Henryk Radziwiłł, er möge sich für den Erhalt des Klosters einsetzen. Ein ähnliches Schreiben ging am 2. September 1815 an Innenminister Friedrich von Schuckmann und am selben Tag schrieben sie direkt dem preußischen König. Sie begründeten ihre Schreiben damit, dass das Kloster nicht nur Ordenshaus, sondern auch ein Seelsorgezentrum sei, welches diese unentgeltlich ausführt. Zudem betreibe man mehrere Schulen und ein Hospital. Der König antwortete bereits am 23. September von Paris aus mit einer Order an Staatskanzler Karl August von Hardenberg, er möge sich über den potentiellen Erhalt des Klosters erkundigen. Sowohl Fürst Radziwiłł als auch Innenminister von Schuckmann verwendeten sich nicht für das Kloster und auch Staatskanzler Hardenberg stellte nur wenige Bemühungen an. Im Mai 1816 verlangte die Regierung zu Frankfurt Oder die Auflösung des Klosters. Der mit einer Visitation beauftragte Staatsrat Johann Schmedding äußerte in seinem Bericht, der am 7. Juni 1817 dem Innenminister vorlag, keine Bedenken gegen eine Auflösung. Am 9. August 1817 schrieb der König dennoch seinen Ministerien des Inneren und dem der Finanzen, dass das Kloster vorerst bestehen bleiben soll. Er verbot dennoch die Aufnahme neuer Novizen. Bald änderte der König seine Meinung und im November wurde ein Entwurf für die Auflösung des Klosters und der Etablierung einer Schule vorgestellt.[10.4]

Im Dezember 1817 kam es dann zu einer Inventarisierung von Seiten der Regierung, die Finanzen des Klosters wurden beschlagnahmt und ein Armeekontingent wurde in Fürstenberg stationiert. Am 29. Dezember 1817 wurden den letzten beiden Novizen des Klosters die Profess abgenommen. Darauffolgend bat das Kloster den Generalvikar der Böhmischen Ordensprovinz am 8. Januar 1817 vergeblich um Hilfe und beschwerte sich am 10. Januar beim König. Aus diesem Grund reisten der Subprior Josephus Ullmann, Provisor Norbertus Tempfel und Stiftskanzler Josephus Hochauff nach Berlin um die Beschwerde zu überbringen. Die Beschwerde wurde abgewiesen. Am 17. Februar beauftragte der Innenminister die Regierung zu Frankfurt mit der Auflösung und die Urkunde wurde am 25. Februar ausgestellt.[10.5]

Am 26. Februar 1817 traf eine Regierungskommission in Neuzelle unter der Leitung des Frankfurter Regierungsvizepräsidenten Friedrich Bernhard von Seckendorff ein und gab die Auflösung bekannt.[10.6] Dies wurde offiziell im Amtsblatt der Regierung zu Frankfurt an der Oder vom 5. März 1817 bekanntgegeben. Das Neuzeller Kloster bestand zu diesem Zeitpunkt aus etwa 40 Mönchen und besaß neben Fürstenberg 33 Dörfer. Alle Mönche erhielten lebenslange Pensionen aus dem Klostervermögen, welches auch zur Finanzierung von katholischen und evangelischen Bildungseinrichtungen verwendet wurde. In Neuzelle durfte eine katholische Pfarrei fortbestehen.[11.1]

Der Konvent leistete keinen Widerstand bei der Auflösung. Die Verwaltung des Klostervermögens sowie der Stiftsherrschaft unterstand zunächst einer sogenannten Generaladministration, bis der Kultusminister die Institution ab 1824 als Stift Neuzelle bezeichnen ließ. Diese war der Regierung in Frankfurt unterstellt, bei wichtigen Fragen entschied allerdings das Ministerium für Geistliche, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten. Fast alle Angestellten des Klosters wurden entlassen.[10.7]

Als erster Pfarrer wurde am 27. Februar 1817 der letzte Prior des Klosters, Pater Aegidius Fortpert, ernannt. Dieser starb am 6. Januar 1822 in Neuzelle.[12.1]

Nachwirkungen des Klosters (seit 1817)

Nachnutzung der klösterlichen Anlagen

Der Kirchturm von Westen gesehen

In einer Erklärung der Regierung zu Frankfurt an der Oder wurde im Dezember 1817 die Gründung eines Lehrerseminars zum 4. Januar 1818 bekanntgegeben. Diese Neugründung entstand aus der Zusammenlegung der ehemaligen Seminare aus Züllichau und Luckau.[11.2] Baulich veränderte sich nicht viel mit der Gründung des Lehrerseminars, es wurden einige Mönchszellen zu Klassenzimmern zusammengelegt und ein Wirtschaftsgebäude auf der Ostseite des Stiftsplatzes wurde 1820 abgebrochen. Das Inventar des Klosters wurde entweder an Beamte verschenkt, den Mönchen mitgegeben, in Museen gebracht, dem Lehrerseminar überlassen oder verkauft. Die Bibliothek wurde ebenfalls größtenteils verkauft, nur ein kleiner Bruchteil blieb beim Neuzeller Pfarrer. Die Archivalien wurden aufgeteilt und auf die Generaladministration, das Neuzeller Gericht oder die Pfarrei verteilt. Allerdings wurde der Großteil verkauft.[10.8]

Der letzte Neuzeller Abt Optatus Paul verstarb am 14. November 1819 im Kloster und wurde in der Äbtegruft des Klosters bestattet.[11.2]

1841 wurde die Generaladministration aufgelöst und in ein Rentamt überführt. Damit wurde der eigenständige Charakter aufgelöst und das Stift Neuzelle wurde zu seiner reinen Vermögensverwaltung.[10.9]

Am 2. September 1892 zerstörte ein Großbrand im Kloster weite Teile der Klausur, sodass nur der gotische Kern erhalten blieb.[13] Zunächst stellte man den Sinn eines Wiederaufbaus in Zweifel. Von katholischer Seite erhoffte man daher, erneut ein Kloster errichten zu können. Pläne, dem Staat die Ruine abzukaufen, zerschlugen sich, nachdem Mitte Oktober die Entscheidung fiel, die Klausur wieder aufzubauen und das Lehrerseminar wieder zu errichten. Die neue Klausur war nun dreischussig und ein schlichter Nutzbau.[10.10]

Im 19. Jahrhundert gab es ein Waisenhaus im Klosterbereich. Das evangelische Lehrerseminar bestand bis 1922. Anschließend gab es ein Lehrerinnenseminar und von 1934 bis 1945 war im Stiftsgebäude die Nationalpolitische Erziehungsanstalt (NPEA) Neuzelle als Aufbauschule für Mädchen untergebracht.[10.10]

Kurz vor Kriegsende gab es Überlegungen der SS, beim Anrücken der sowjetischen Truppen die Kirche zu sprengen, dieses Vorhaben konnte allerdings durch Wirken des Pfarrers verhindert werden. Am 24. April 1945 waren sowjetische Truppen in Neuzelle. Das Kloster überstand den Krieg größtenteils ohne Schaden und auch die Sowjets fügten dem Areal keinen Schaden hinzu. Das Stift Neuzelle wurde durch die DDR faktisch am 8. Februar 1955 aufgelöst und der Betrieb in verschiedene Teile unterteilt.[10.11]

Die Klostergebäude und der Grundbesitz wurden vom staatlichen Stift Neuzelle verwaltet. Die ehemalige Konventskirche blieb katholisch und wurde ab 1947 zur Wallfahrtskirche für die Gläubigen im deutschen Restteil des Erzbistums Breslau, die nunmehr von den traditionellen Wallfahrtsorten in Schlesien abgeschnitten waren. Seither finden in jedem Jahr am Dreifaltigkeitssonntag Wallfahrten von Jugendlichen hierher statt.[14] Am ersten Sonntag im September ist die Stiftskirche Ziel der Bistumswallfahrt des Bistums Görlitz. Dabei wird das Neuzeller Wallfahrtslied des Görlitzer Holzbildhauers und Lieddichters Georg Schröter gesungen.[15]

Die ehemals katholische Pfarrkirche zum Heiligen Kreuz wurde 1817, im Zuge der Einrichtung eines Lehrerseminars in den Klausurgebäuden, zu einer evangelischen Pfarrkirche.[16] Sie war zwischen 1730 und 1740 als „Leutekirche“, d. h. für die Gottesdienste der Laien, im Unterschied zu den Mönchen, erbaut und 1741 geweiht worden. Von 2009 bis 2017 wurde die Neuzeller Kreuzkirche von Grund auf restauriert.[17]

Im Kanzleigebäude war von 1947 bis 1993 das Priesterseminar Bernardinum Neuzelle untergebracht, eines von drei katholischen Priesterseminaren in der DDR.[18] Nach der Schließung der Seminare in Huysburg und Neuzelle (1993) konzentriert sich die Ausbildung in Ostdeutschland auf das Priesterseminar Erfurt.[19] 1955 wurde das Stift Neuzelle verstaatlicht und diente bis 1985 als Institut für Lehrerbildung. 1996 wurde es in eine Stiftung überführt und bereits seit 1993 die in großen Teilen erhaltene barocke Klosteranlage saniert. 2004 wurden der barocke Klostergarten und die Orangerie nach aufwendiger Rekonstruktion wiedereröffnet.

Mittlerweile befinden sich auf dem Klostergelände die katholische sowie evangelische Kirchengemeinde von Neuzelle, Privatschulen und Museen.

Neuzeller Wallfahrt

Korpus des Wallfahrtkreuzes von Georg Schröter von 1948 auf dem Kreuzweghügel des Klostergeländes

Die Neuzeller Wallfahrt geht auf Bischof Heinrich Theissing zurück, welcher nach dem Zweiten Weltkrieg Flüchtlingsseelsorger in Cottbus war. Auf seine Initiative hin kam es am Hochfest Peter und Paul am Wochenende des 27. und 28. Juni 1947 zur ersten bistumsweiten Wallfahrt Jugendlicher nach Neuzelle. Ursprünglich wurden 500 Personen bei den zuständigen staatlichen Behörden angemeldet, im Endeffekt kamen 1000.[20.1] Nachdem immer mehr Personen an der Wallfahrt teilnahmen, trennte man später die Jugend- und Familienwallfahrt. Verschiedene Wallfahrtsopfer sind der Neuzeller Kirchengemeinde auch erhalten geblieben. So beispielsweise ein Kreuz auf der Scheibe (1948), der Wallfahrtsmantel für die Madonna (1949) oder eine neue Glocke für die Kirche (1953).[20.2] Grund für den Ort Neuzelle war auch, dass viele Flüchtlinge und andere Angehörige des jetzigen Bistums Görlitz von ihren ehemaligen Wallfahrtsorten in Schlesien, wie etwa dem Kloster Grüssau, aufgrund der Umstände des Kriegsendes abgetrennt waren. Viele der neuen Kirchenlieder konnten sich nicht durchsetzen, dennoch bat Theissing den Görlitzer Holzbildhauer und Dichter Georg Schröter um ein neues Wallfahrtslied. 1947 kam es dann zur Veröffentlichung des Neuzeller Wallfahrtsliedes, welches den Vertriebenen zum Einen Trost schenken sollte. Der Kirchenliedkomponist Adolf Lohmann schuf im Jahr darauf eine dazu passende Dur-Melodie. Seit 1948 wird das Lied nun bei jeder Wallfahrt gesungen.[21]

Bestrebung der Wiederbesiedelung

Im November 2016 beschloss der Konvent der Zisterzienser der Abtei Stift Heiligenkreuz in Österreich, einer Einladung des Bischofs von Görlitz, Wolfgang Ipolt, zu folgen und das Kloster Neuzelle bis zum 750-jährigen Jubiläum des Klosters 2018 wiederzubesiedeln. Dabei sollen dem Gründungskonvent zunächst acht Mönche angehören.[22] Die ersten vier Mönche übersiedelten im August 2017 nach Neuzelle.[23] Am 2. September 2018 wurde das Priorat Neuzelle kanonisch neu errichtet. Seit der Gründung ist Pater Simeon Wester Prior des Klosters. Da das historische Klostergelände im Besitz der staatlichen Stiftung Stift Neuzelle ist, wird derzeit (Stand August 2024) ein provisorisches Kloster im Neuzeller Ortsteil Treppeln im Bernhardshof gebaut. 2026 soll der eigentliche Klosterbau des Klosters Maria Friedenshort beginnen.[24]

Am 1. September 2019 wurden der Neuzeller Pfarrei Beata Maria Virgo zwei in Eisenhüttenstadt gelegene Kirchen angeschlossen, die Herz-Jesu-Kirche in Fürstenberg und die 1994 geweihte Kirche Heilig Kreuz in Schönfließ, die zuvor eine eigene Pfarrei bildeten.[25]

Das Kloster als Institution

Neuzelle in der Familie des Zisterzienserordens

Beziehungen zu anderen Klöstern

Das Kloster Neuzelle war eine Filiale des Klosters Altzella und kann dadurch seine Linie zur Primarabtei Morimond zurückverfolgen. In den Unterlagen der Generalkapitel vor der Reformation wurde Neuzelle 14 Mal erwähnt. Die meisten Male, insgesamt fünf, wird der Neuzeller Abt damit beauftragt, entweder Visitationen durchzuführen oder Streitigkeiten zwischen anderen Zisterzienserklöstern zu schlichten. Daraus schließt Töpler, dass sich Neuzelle für seine periphere Lage „verhältnismäßig aktiv“ in die Ordensverwaltung einband.[9.20] Nach Töpler gab es keine besonders enge Beziehung zum Mutterkloster, da Altzella nur in den Jahren 1437, 1492 und 1494 Käufen zustimmte und 1483 eine Abtwahl bestätigte. Allerdings sind die Kontakte nicht besonders gut belegt.[9.21]

Nach der Reformation verlor Neuzelle sowohl sein Mutterkloster, als auch das ebenfalls in der Niederlausitz liegende Kloster Dobrilugk.[9.22] Deswegen übernahm zunächst das Kloster Leubus die Aufgabe als Visitator für Neuzelle. Der Abt hatte den Wahlvorsitz in den Jahren 1557, 1568 und 1575; über Visitationen ist allerdings nichts belegt.[9.23] 1613 kam es zur Gründung der Böhmischen Ordensprovinz, der Neuzelle als Teil des Königreichs Böhmen untergeordnet wurde.[9.24]

Nach der Reformation entstand ein Streit zwischen dem Bautzner Domdekan als Nachfolger des Bischofs von Meißen, dem Generalvikar und dem Abt von Neuzelle als Nachfolger des Abts von Altzella, um die Frage, welcher von ihnen das Recht der Visitation, Einkleidung und Wahlleitung für die beiden in der Oberlausitz gelegenen Zisterzienserinnenklöster Marienthal und Marienstern innehatte. Neuzelle konnte dieses Recht behaupten, was auch vom König bestätigt wurde. Allerdings fiel es mit der Gründung der Böhmischen Ordensprovinz an den Generalvikar.[9.25] Jedoch stellte Neuzelle seit dem frühen 17. Jahrhundert Seelsorger in den beiden Zisterzienserinnenklöstern der Oberlausitz sowie zeitweise im Kloster Frauenthal und Kloster Halberstadt.[9.26]

Lausitzische Ordensprovinz

Als Teil der Josephinischen Reformen verbot Kaiser Joseph II. per Gesetz vom 24. März 1781 den Klöstern seines Landes ausländische Beziehungen. Damit wurde den Klöstern der Lausitz, als Teil der Böhmischen Ordensprovinz, faktisch die Verbindung zum Orden gebrochen. Auf dem Generalkapitel des Ordens im Mai 1783 stellte der Neuzeller Abt die Probleme der böhmischen und lausitzischen Klöster vor. Daraufhin entzog der Generalabt des Ordens Franciscus Trouvé dem böhmischen Generalvikar die Jurisdiktion in der Lausitz und ernannte den Abt von Neuzelle zum Generalvikar der Klöster. 1785 ernannte Generalabt Franciscus Trouvé den Neuzeller Abt Edmundus Pietschmann zu seinem Generalvikar und Visitator für die lausitzischen Zisterzienserklöster, wodurch eine neue Ordensprovinz geschaffen wurde.[9.27]

Auch die Politik anderer Länder hatte Auswirkungen auf Neuzelle. So ließ die französische Revolutionsregierung bereits 1790 alle Klöster auflösen, wodurch für den Zisterzienserorden die zentrale Ordensleitung wegfiel und lediglich die einzelnen Kongregationen weiterbestanden. Daraufhin versuchte sich Neuzelle von den Klöstern in Böhmen zu trennen und baute dabei auf den Generalabt, was allerdings nun wegfiel.[9.28]

Die dauerhafte Errichtung der Ordensprovinz scheiterte an Konflikten mit den böhmischen Abteien, die Zurückhaltung der beiden Frauenklöster und am politischen Druck. Mit Abt Edmundus' Tod 1801 ging die Provinz wieder unter.[9.29]

Stiftsherrschaft

Das Gebiet der Neuzeller Stiftsherrschaft erstreckte sich im Norden von Brieskow bis nach Seitwann im Süden und von Siehdichum im Westen bis nach Schönfeld im Osten. Dazu kommen einige Exklaven in Rosengarten, Hohenwalde und Reipzig (Markgrafschaft Brandenburg) und in Trebitz, Atterwasch und Datten (Markgrafschaft Lausitz).[9.30]

Bezogen auf die Seelsorgetätigkeit in der Neuzeller Stiftsherrschaft wurde das Kloster Neuzelle vor allem nach dem Untergang der diözesanen Strukturen tätig. Mit dem Untergang des Bistums Meißen übernahm das Domstift Bautzen faktisch die diözesanen Strukturen. Neuzelle war allerdings durch die Privilegien des Zisterzienserordens exemt vom Ortsordinarius, weshalb das Kloster Aufgaben für die Seelsorge in der weiteren Umgebung beanspruchte.[9.31] Weiterhin beanspruchte das Kloster Neuzelle die kirchliche Gerichtsbarkeit über seine Stiftsherrschaft, welche es bis zum Untergang des Klosters gegenüber dem Domstift behaupten konnte.[9.32] Unter die Zuständigkeit des Geistlichen Gerichts in Neuzelle fiel auch die Ernennung von evangelischen Pfarrern auf dem Stiftsgelände.[9.33] Weiterhin wurden vor allem unter Abt Conradus Proche in den Vorwerken des Klosters katholische Kapellen errichtet und ein Brief aus der evangelischen Stadt Guben bezeugt, dass der Neuzeller Abt seine Mönche überall dort hinschicken dürfe, wo sie in der Diaspora gebraucht werden würden. Dies wurde als Selbstverständlichkeit angesehen.[9.34]

Lehnsrechtlich gehörte das Kloster anfangs zur Herrschaft der Markgrafen von Meißen aus dem Haus Wettin. Das Kloster wurde allerdings wenig von der Gründerfamilie beachtet und Markgraf Dietrich IV. verkaufte die Lausitz 1303, wodurch das Band zur Stifterfamilie endgültig zerriss.[26.1] Zwischenzeitlich unterstand die Stiftsherrschaft den Brandenburgern. 1370 fiel die Lausitz an die Böhmische Krone. Abt Dietrich II. war ein Berater Kaiser Karls IV., dessen Sohn Johann von ihm 1377 zum Herzog von Görlitz erhoben wurde. Zu dessen Herrschaft gehörte auch Neuzelle. Johann wurde 1396 wahrscheinlich durch Gift im Kloster Neuzelle ermordet. Durch das Desinteresse der Nachfolger Karls an der Lausitz bildete sich ein starkes Ständewesen heraus. Der Neuzeller Abt vertrat zusammen mit dem Abt von Dobrilugk und der Äbtissin von Guben die Prälatenkurie. Dennoch war Neuzelle ein relativ bescheidenes Prälatenkloster.[26.2] 1620 fiel die Lausitz an Sachsen[9.7], wo sie bis zum Übergang der Lausitz an Preußen 1815 verblieb.[10.2]

Mit der Auflösung der Klöster Dobrilugk und Guben war der Neuzeller Abt der einzige Prälat der Niederlausitz, wodurch die Prälatenkurie faktisch aufgelöst war und der Abt zusammen mit der Herrenkurie abstimmte. Dabei hatte der Abt allerdings Vorrang vor allen anderen Ständen.[9.35] Dabei gab es zwischenzeitlich Streitigkeiten über diesen ersten Platz. Er wurde allerdings 1669 vom Kaiser so festgeschrieben.[9.36]

Neuzeller Josefsbruderschaft

1663 wurde die Josefsbruderschaft durch Abt Alberich Burghoff gegründet. Die Idee dafür übernahm er aus seinem ursprünglichen Kloster Lilienfeld. Sie verlor nach der Auflösung des Klosters an Bedeutung. Der folgenden Liste der Präses der Josefsbruderschaft liegt die Chronik der Mönche von Neuzelle von Winfried Töpler zugrunde. Das P. vor dem Namen steht für Pater. Die Zahlen in Klammern beschreiben den Zeitraum als Präses

  • P. Benedictus Gams (erwähnt 1663; Tod 1671), 1669–1671 Propst zu Frauenthal[12.2]
  • P. Benedictus Buchart (1680–1686), Kaplan in der kaiserlichen Gesandtschaft zu Berlin[12.3]
  • P. Josephus Leiffer (1745–1749), Seelsorger, Kantor, Subprior[12.4]
  • P. Augustus Götzl (1749–1778), Schlosskaplan bei der Grafenfamilie Solms, Seelsorger, Notarius Apostolicus[12.5]
  • P. Thaddaeus Milicke (1778–1789), Kaplan im Kloster Marienstern[12.6]
  • P. Ignatius Metzner (1779–1784), Seelsorger, Hausprofessor für Liturgik[12.7]
  • P. Josephus Ullmann (1784–1794), Seelsorger, Schullehrer, war 1817 mit anderen in Berlin bei Staatskanzler Hardenberg um die Auflösung des Klosters abzuwenden[12.8]
  • P. Michael Schossig (1794–1804), Prior, Beichtvater und Kaplan des letzten Abtes nach der Auflösung[12.9]
  • P. Joannes Schulze (1804–1808), Seelsorger[12.10]
  • P. Norbertus Tempfel (1808–1816), Sakristan, Provisor, war ebenfalls mit P. Josephus 1817 in Berlin[12.11]
  • P. Abundus Rocker (seit 1816), Seelsorger, von 1819 bis 1820 erster Kaplan in Neuzelle[12.12]

Das Kloster Maria Friedenshort gründete 2019 in Anlehnung an die historische Josefsbruderschaft die Gebetsgemeinschaft der Josefsfreunde, die dem neuen Kloster unterstellt ist.[27]

Historische Stiftsgebäude

Klosterkirche

Ansicht der Klosterkirche von Südost

Die Stiftskirche St. Marien ist eine Pfarr- und Wallfahrtskirche des Bistums Görlitz im Dekanat Cottbus-Neuzelle. Das Kirchengebäude ist ein eingetragenes Baudenkmal in der Denkmalliste des Landes Brandenburg. Die Klosterkirche wurde ursprünglich als gotische Hallenkirche gebaut. Baubeginn war um 1281, der Hallenbau wurde 1330 beendet. Während der Plünderung des Hussiten-Heeres wurde unter anderem auch die Klosterkirche beschädigt. Erneut zerstört während des Dreißigjährigen Krieges, wurde die Kirche im 17. und 18. Jahrhundert barockisiert und ausgebaut. Nach der Säkularisierung des Klosters wurde die Klosterkirche zur katholischen Stadtpfarrkirche von Neuzelle.

Sie ist mit mehreren Altären und einer von der Orgelbauwerkstatt Sauer erbauten Orgel ausgestattet.

Leutekirche

Die heutige Pfarrkirche zum Heiligen Kreuz geht auf die Torkapelle St. Ägidius aus dem Jahr 1354 zurück. In der heutigen Form wurde die Kirche zwischen 1728 und 1735 errichtet und diente der Laiengemeinde in Neuzelle, woher sich der Name „Leutekirche“ ableitet. Seit der Säkularisierung 1817 dient sie der evangelischen Gemeinde Neuzelle als Pfarrkirche.[2.7]

Klausur und Kreuzgang

Baugeschichte

Kreuzgang

Die verschiedenen Bauphasen des gesamten Klosters wirkten sich auch auf die Klausur aus.

Die erste Bauphase erstreckt sich von 1290 bis ungefähr 1330. Der nördliche, östliche und östliche Teil des südlichen Kreuzganges wurde zusammen mit der Klosterkirche errichtet. Dabei gibt es zwischen der Kirche und dem Ostflügel keine erkennbare Baufuge. Das ehemalige Mönchsportal, welches sich Kreuzgang und Kirche befindet, weist Gewände typische Formen des späten 13. Jahrhunderts auf. Der Nordflügel wurde ungefähr 1310 beziehungsweise 1320 erbaut, jedoch ist das baugeschichtlich unklar, da es an ihm bereits Veränderungen während der Bauzeit gab. Dabei wurde wahrscheinlich bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts an diesem weitergebaut. Eine genaue Datierung der Erbauung des Westflügels war noch nicht möglich. Es sei anzunehmen, dass der Kreuzgang am Anfang aus Holz bestand. Dieser war zum Teil auch zweistöckig, um einige der Räume der Klausur miteinander zu verbinden. Im südlichen Teil des Kreuzganges gab es den Kollationsgang, der den Laienbrüdern Zugang zur Kirche, sowie zum Treppenhaus bot.[13]

Die zweite Bauphase erstreckte sich von 1380 bis 1420. In dieser sind Einwölbungen belegbar. Seit dem Ende des 14. Jahrhunderts muss der Kreuzgang in Stein gemauert worden und mit Kreuzrippengewölbe versehen worden sein. Die Konsolen im Ostflügel weisen Formen des 14. Jahrhunderts auf. Die Wände der zweiten Bauphase weisen eine Verputzung aus Quarzsand und Kalk mit recht hohem Holzkohleanteil auf. Dieser konnte im Kapitelsaal und im Ostflügel nachgewiesen werden. Zudem waren die Wände der Klausur farblich gestaltet. Während der Zerstörung im Zuge des Hussitenüberfalls wurde weite Teile des Kreuzganges, bis auf den Ostflügel, weitestgehend zerstört.[13]

Der erste Teil der dritten Bauphase erstreckte sich von 1437 bis um 1450. Die Zerstörung durch den Überfall wurde ab 1437 von Abt Nikolaus II. behoben. Der Nord-, West- und Südflügel musste wahrscheinlich komplett wiedererrichtet werden. Der Ostflügel wurde nördlich verlängert. Die Gestaltung des Westflügels ist ebenfalls für das 14. Jahrhundert nicht belegt. Auf diese Zeit sind Konsolen mit den Wappen von Abt Nikolaus, Kursachsen und des Königreichs Böhmen datiert. Aus dieser Bauphase stammen großfigurige Wandmalereien im Südflügel. Kunsthistorisch bemerkenswert ist zudem die Darstellung der Passion Christi und der Mönch, welche zum Teil vermischt wurden.[13]

Der zweite Teil der dritten Bauphase erstreckte sich von 1500 bis 1515. Auf diese Zeit sind Umbauten im nördlichen und nordöstlichen Klausurbereich nachweisbar. Dabei sind deutlich Einflüsse aus Böhmen zu erkennen.[13]

Die vierte Bauphase, welche die erste Barockisierungsphase des Klosters darstellte, erstreckte sich von 1655 bis 1658, bei welchem keine Änderung am Kreuzgang nachweisbar waren.[13]

Die fünfte Bauphase erstreckte sich von 1709 bis 1711. In dieser zweiten Barockisierung wurde der Ostflügel erweitert. Ihm wurde ein komplett neuer Gebäudetrakt vorgebaut. Am Westflügel wurde der Fürstentrag angebaut, wodurch sich die Eingangssituation verändert und dadurch der Eingang im Westflügel um ein Joch in den Süden verschoben werden musste. Die barocken Fenster lassen sich nicht genau datieren, jedoch sind sie auf einer Zeichnung aus dem Jahr 1738 eingezeichnet.[13]

Die sechste (1727 bis 1741) und siebte (1805/06) Bauphase hatten keine Auswirkungen auf den Kreuzgang. Nach der Säkularisierung des Klosters wurde der Kreuzgang und die anliegenden Gebäude für die Nachnutzung umgebaut.[13]

Heutzutage befindet sich das Klostermuseum im Kreuzgang.[28]

Grablage

Mindestens ein Abt des Klosters wurde im Kreuzgang begraben, statt in der Stiftskirche. Dieser war Konrad Proche († 1727).

Museum

Bereits 2004 wurden drei Räume im Westflügel des Kreuzgangs für ein Museum eingerichtet. Seit dem Sommer 2009 wurde es auf den gesamten Kreuzgang erweitert. Es steht unter dem Titel „Auf Leben und Tod“ und erzählt von der Lebensgeschichte der Mönche und Bevölkerung von Neuzelle. Neben alltäglichen Werkzeugen wird auch als besonders Ausstellungsstück eine mittelalterliche Madonna ausgestellt.[2.8]

Stiftsgebäude

Hauptportal des Stiftsbezirks

Der mittelalterliche Klausurbereich wurde im 18. Jahrhundert unter den beiden Barockisierungsphasen erheblich durch den Bau von Repräsentations- und Verwaltungsgebäuden um den südlich und westlich der Klosterkirche angelegten Stiftshof erweitert. Zu erwähnen sind der Fürstenflügel an der Nordseite, das Altangebäude mit Hauptportal und die ehemalige Stiftskanzlei an der Westseite sowie Wirtschaftsgebäude an der Südseite. Die Ostseite blieb unbebaut und ist zu den Stiftsgärten geöffnet.

Der Fürstenflügel wurde als Gästehaus etwa 1745 errichtet und es ist ein zweigeschossiger Putzbau mit Kolonnade. An ihn war auch ein Amtshaus angeschlossen, welcher ursprünglich als eigenständige Bauten dienten, 1897 wurden sie unter einem eigenen Dach zusammengefasst. Heutzutage befinden sich in den Räumlichkeiten die Klosterverwaltung.[2.9]

Südlich schließt sich das Altangebäude von 1727 an. Dabei handelt es sich um einen eingeschossigen Putzbau, der hofseitig mit einer toskanischen Kolonnade versehen ist. Das schmiedeeiserne Dachbrüstungsgitter stammt von 1744. An der Südseite befindet sich das mit einem Emmausrelief und figürlicher Plastik reich gegliederte Hauptportal des Stiftsbezirks, das auf 1736 datiert ist und in einer Achse mit dem westlichen Hauptportal der Kirche liegt.[2.9]

Die ehemalige Stiftskanzlei ist ein zweigeschossiger Putzbau von 13 Achsen, mit einem auf 1723 datierten Sandsteinportal und einem Hauptraum mit Stuckdecke. Die ehemaligen Wirtschaftsgebäude an der Süd- und Westseite des Stiftshofes sind zweiflüglige, zweigeschossige Putzbauten, die im Kern aus dem 18. Jahrhundert stammen.[2.9]

Im südöstlichen Bereich des Stiftshofes befindet sich die ehemalige „Sommerabtei“, ein zweigeschossiger, zwölfachsiger Putzbau.

Sonstige Gebäude

Ehemaliges Hospital des Klosters, heutiges Wohnhaus

Zudem gab es einige weitere Bauten. Auf dem Priorsberg wurde ein Haus errichtet, welches heute als Internat genutzt wird. An der Kreuzung Bahnhofstraße-Brauhausplatz befinden sich gleich mehrere Gebäude. Die Klosterschmiede an der rechten Seite der Straße hoch zum Priorsberg wurde abgerissen, das gegenüberliegende Hospital steht allerdings noch und gehört heute zum St. Florian Stift. Zudem befindet sich dort die schiefe Kapelle. Weiter die Bahnhofstraße runter befindet sich die Klostermühle und der Alte Krug „Prinz Albrecht“, welcher bis heute als Gasthof genutzt wird. Am Brauhausplatz befindet sich sowohl die Brauerei, als auch das Gasthaus „Klosterklause“ und die Christussäule. Die Alte Brauerei, welche sich etwas nördlich der Klosterklause befand, wurde abgerissen. Das ehemalige Schlachthaus, welches später als Waisenhaus und mittlerweile als Schulgebäude genutzt wird, befindet sich nördlich der Klausur. Das Krankenhaus auf dem Klausurhof, sowie die Böttcherei, welche sich nördlich an das Pfarrhaus anschloss, wurden abgerissen. Weiterhin wurde auch das Alte Pfortenhaus gegenüber der Pfarrkirche zum Heiligen Kreuz abgerissen. Das ehemalige Offiziantenhaus gehört heute zur Grundschule Neuzelle und befindet sich in derselben Straße wie das ehemalige Waschhaus.[2.10]

Gärten

Barocker Klostergarten

Klostergarten mit Orangerie

Seit etwa dem 16. Jahrhundert kann ein Garten nachgewiesen werden, erwähnt wurde 1547 ein Hausgarten und 1572 ein Gartenmeister.[29] Der Garten befindet sich östlich der Klosteranlage und wurde unterhalb des Klosters, etwa auf Höhe der Flussniederung angelegt. Die Größe des Gartens ist für Klosteranlagen ungewöhnlich, da dieser üblicherweise zudem meist der Nahrungsversorgung diente. Der barocke Garten war hingegen ein reiner Ziergarten.[2.11]

Der heutige Garten entstand in seiner Form um 1760, der ursprüngliche Lageplan und Ansichten sind im Neuzeller Stiftsatlas überliefert. Dieser war eine wichtige Grundlage für die Wiederherstellung des Gartens, mit der 1997 begonnen wurde. 2008 wurde der Garten von der Deutschen Zentrale für Tourismus in die Liste der 53 bedeutendsten Gartenanlagen Deutschlands aufgenommen.[30] Der barocke Klostergarten wurde nach vollständiger Wiederherstellung im Juni 2022 wiedereröffnet.[31]

Nutzgärten und Weinanbau

Nordöstlich der Klausur befand sich ein Obstgarten, südlich der ehemaligen Stallungen befindet sich ein Weingarten, die sogenannte „Scheibe“.[2.11] Die Scheibe wurde von Abt Martinus im 18. Jahrhundert errichtet, die Weinstöcke ließ er aus Burgund anliefern. So wurde hier bis 1840 Wein angebaut. Danach lag der Berg brach und wurde erst 2002 rekultiviert. Stand 2025 wird auf einer Fläche von 1,2 Hektar Wein angebaut.[32] Der Weinberg gehört wie die gesamte Klosteranlage zur Stiftung Stift Neuzelle und wird vom Neuzeller Klosterwinzer e. V. betrieben. Aus der Auslese können etwa 500 Liter Wein produziert werden.[33]

Die Neuzeller Passionsdarstellungen vom Heiligen Grab

Von 1751 bis 1753 schuf der aus Böhmen stammende Künstler Joseph Felix Seifrit im Auftrag Abt Gabriels ein Ensemble lebensgroßer, bemalter Holzskulpturen, die in fünfzehn Szenen, verteilt auf fünf Bühnenbilder, die Passion und die Auferstehung Jesu Christi darstellen.[34] Vor diesen Andachtsbildern hielten die Gläubigen (die Mönche wie die Wallfahrer) Betrachtung und Anbetung. Bis ins 19. Jahrhundert wurden sie in der Fastenzeit in der Klosterkirche aufgestellt, danach waren sie eingelagert.

1997 wurden auf dem Dachboden der Klosterkirche 229 der ursprünglich 242 eingelagerten Stücke wiedergefunden und von 2011 bis 2014 im Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege in Wünsdorf restauriert.[35] Ein Teil des Ensembles ist im Museum Himmlisches Theater – die Neuzeller Passionsdarstellungen vom Heiligen Grab ausgestellt, das im ehemaligen Kutschstall und einem unterirdischen Erweiterungsbau eingerichtet und im März 2015 eröffnet wurde.[36] Der theatralisch-dramatisch gestaltete Neuzeller Passionszyklus steht in der Tradition der Heiligen Gräber und gilt in Bezug auf die Vielgestalt und künstlerische Qualität als in Europa einzigartig.[37]

Reliquien

Reliquiar mit Reliquie des hl. Florian aus dem Kreuzgangmuseum des Klosters Neuzelle

Einige Reliquien werden in der Neuzeller Stiftskirche und dem historischen Klostergelände aufbewahrt. So befinden sich beispielsweise Haare des heiligen Papstes Johannes Paul II. im Altar der Stiftskirche.[38][39]

Mit dem Kloster verbundene Persönlichkeiten

Äbte von Neuzelle

  • Sel. Petrus I. (* ?; † 1429); starb während des Hussitenüberfalls
  • Nikolaus III. Hoffmann (* ?; † 1557); reagierte während der Reformation
  • Martin Graff (* 1678; † 1741); großer Bauherr; einer der bedeutendsten Äbte von Neuzelle

Mönche in Neuzelle

  • Seliger Hermann (* ?; † 1429); Prior; starb während des Überfalles 1429
  • Tylemannus (* ?; † nach 1429); wurde 1414 als „steynmestre“ genannt und wirkte als Baumeister des Klosters; wirkte wahrscheinlich als Prior nach 1429 beim Wiederaufbau des Klosters mit
  • Procopius Hantschke (* 1731; † 1789); Seelsorger und sorbischer Schriftsteller
  • Andreas Hesse (* 1747; † 1814); Laienmönch; fertigte die Beichtstühle und das Orgelprospekt der Stiftskirche an
  • Franz Laurenz Mauermann (* 1780; † 1845); Apostolischer Vikar und Titularbischof; seit der Auflösung des Klosters 1817 weltlicher Priester
  • Tecelinus Mith (* 1789; † 1835); Seelsorger und sorbischer Schriftsteller
  • Vincentius Stephan Augusten (* 1790; † 1880); letzter Mönch des Klosters

Direktoren des Neuzeller Lehrerseminars

  • Johannes Martin Pielchen, 1817–1820
  • Friedrich Ludwig Gotthard Stritez, 1820–1824
  • August Ferdinand Crüger, 1824–1849
  • Joh. G. S. Lehmann, 1849–1853
  • Joh. Ed. Em. Weymann, 1854–1863
  • Hans Georg Spieker, 1863–1867
  • Karl August Heiber, 1868–1880
  • Herm. Ferd. Just. Ruete, 1880–1893
  • Richard Noack, 1893–1908
  • Ottomar Mosenthin, 1908–1911
  • Peter Er. Ballerstedt, 1911–1917
  • Robert Merten, 1917–1922[40]

Forschungsgeschichte

Das Werk zur Quellenkunde und Besitzungsgeschichte von Neuzelle von Wilhelm Oelmann aus dem Jahr 1937 gilt bis heute als Grundlage der Geschichtsschreibung für Neuzelle.[9.37] Im Vergleich zu anderen Klöstern des Zisterzienserordens ist über Neuzelle nur wenig geschrieben worden. Die erste umfassende Klostergeschichte wurde vom Neuzeller Mönch und späteren Bischof Franz Laurenz Mauermann 1840 veröffentlicht. Zum Jubiläum der Klostergründung 1968 wurde eine Festschrift herausgegeben, die eine Darstellung der Klostergeschichte von Heinrich Theissing enthält. Allerdings gibt es nur sehr wenige umfassende Darstellungen. Winfried Töpler beschreibt den Forschungsstand zum Kloster in der Einleitung seiner Dissertation als unzureichend.[9.38] Seine Dissertation und die von ihm herausgegebenen „Neuzeller Studien“ (erschienen zwischen 2008 und 2020 in 7 Bänden) sind die letzten wissenschaftlichen Beiträge zu Neuzelle.

Literatur

(Auswahl, nach Erscheinen geordnet)

Architektur

  • W. Bollert: Das Cistercienserkloster Neuzelle in der Nieder-Lausitz. In: Zeitschrift für Bauwesen. Nr. 4, 1901, Sp. 205–224 (zlb.de Atlas: Tafel 25–27).
  • Wilhelm Oelmann: Die Entwicklung der Kulturlandschaft im Stift Neuzelle. Landshut 1950.
  • Heinrich Trost, Beate Becker, Horst Büttner, Ilse Schröder, Christa Stepansky: Die Bau- und Kunstdenkmale der DDR. Bezirk Frankfurt/Oder. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1980, S. 170–185.
  • Walter Ederer, Klaus Reinecke (Hrsg.): Sein Grab wird herrlich seijn. Das heilige Grab von Neuzelle und seine Passionsdarstellungen von 1751. Schnell und Steiner, Regensburg 1998, ISBN 3-7954-1173-4 (Ausstellungskatalog).
  • Tilo Schöfbeck: Das Dachwerk der Klosterkirche von Neuzelle. In: Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum (Hrsg.): Das Zisterzienserkloster Neuzelle. Bestandsforschung und Denkmalpflege (= Arbeitshefte des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums. Band 15). Lukas Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-86732-005-4, S. 186–189.

Historische Übersichten

  • Wilhelm Oelmann: Das Stift Neuzelle. Untersuchungen zur Quellenkunde und Besitzgeschichte eines ostdeutschen Zisterzienserklosters. Greifswald 1937.
  • Ernst Badstübner: Kloster Neuzelle. Deutscher Kunstverlag, München 1985, 2002.
  • Winfried Töpler: Das Kloster Neuzelle und die weltlichen und geistlichen Mächte 1268–1817 (= Studien zur Geschichte, Kunst und Kultur der Zisterzienser, Band 14). Berlin 2003, ISBN 3-931836-53-3.
  • Walter Ederer, Dirk Schumann: Kloster Neuzelle (= DKV-Edition). Deutscher Kunstverlag, Berlin / München 2012.
  • Gisela Rieck: Die Mönche sind zurückgekommen. Neuzelle ist nach 200 Jahren wieder ein Zisterzienserkloster. In: Cistercienser Chronik. Band 125, 2018, S. 539–547.
  • Wolfgang de Bruyn: Dem Himmel nahe. 750 Jahre Kloster Neuzelle 1268–2018. Sandstein Verlag, Dresden 2018, ISBN 978-3-95498-389-6, S. 153–180.

Klostergarten

  • Alexander Niemann: Gartenanlage des Klosters Neuzelle. In: Weißbuch der historischen Gärten und Parks in den neuen Bundesländern. Herausgegeben vom Bund Heimat und Umwelt in Deutschland, Bonn 2005, ISBN 3-925374-69-8, S. 57 f.
  • Alexander Niemann: Die barocke Gartenanlage des Klosters Neuzelle – ihre Geschichte und Restaurierung. In: Kreiskalender für den Landkreis Oder-Spree 2005. 12. Jg., Beeskow 2004, S. 12–19.
  • Alexander Niemann: Kloster Neuzelle. Der Klostergarten. Probleme und Möglichkeiten der Wiederherstellung eines Gartendenkmals. In: Brandenburgische Denkmalpflege, Jahrgang 15, 2006, Heft 1, S. 69–81, ISSN 0942-3397.
  • Alexander Niemann: Die Wiederherstellung des Klostergartens Neuzelle. In: Gubener Heimatkalender 2007, 51. Jg., Guben 2006, S. 63–68.
  • Alexander Niemann: Der barocke Garten des Klosters Neuzelle und seine Wiederherstellung. In: Das Zisterzienserkloster Neuzelle. Bestandsforschung und Denkmalpflege (= Arbeitshefte des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums, Heft 15). Lukas Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-86732-005-4, S. 50–116. Zugleich Redaktion der gesamten Publikation.
  • Winfried Töpler: Zisterzienser-Abtei Neuzelle. 3., erweiterte u. aktualisierte Auflage. Königstein im Taunus 2010, ISBN 978-3-7845-1025-5 (= Die Blauen Bücher).
  • Alexander Niemann: Pflanzen und Gartenliteratur. Garten, Orangerie und Bibliothek des Klosters Neuzelle in der Niederlausitz. In: Georg Schrott, Manfred Knedlik (Hrsg.): Klösterliche Sammelpraxis in der frühen Neuzeit. Verlag Traugott Bautz, Nordhausen 2010, ISBN 978-3-88309-564-6, S. 257–323 (= Religionsgeschichte der frühen Neuzeit, Band 9).
  • Eef Overgaauw, Tilman Schladebach (Hrsg.): Zisterzienser auf Papier und Pergament. Handschriften aus dem Zisterzienserkloster Neuzelle in der Staatsbibliothek zu Berlin. Verlag für Berlin-Brandenburg, Berlin 2020, ISBN 978-3-947215-78-2.
  • Alexander Niemann: Klostergärten und Denkmalpflege – die Wiederherstellung der Gärten des Klosters Neuzelle in Brandenburg. In: Volkmar Eidloth, Petra M. Martin (Hrsg.): Barocke Klostergärten. Gartenhistorische Bedeutung und gartendenkmalpflegerische Herausforderung. Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern 2022, ISBN 978-3-7995-1555-9, S. 79–92 (Arbeitsheft 44, Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart).
  • Alexander Niemann: Die Gärten und Freiflächen des barocken Klosters Neuzelle – Entstehung und Wiederherstellung. In: Helga Fabritius, Albert Holenstein (Hrsg.): Klostergärten – Nahrung für Leib und Seele (= Fachtage Klosterkultur Bd. 3, Publikation zur Tagung im Benediktinerstift Melk 13.-16. September 2023), EOS-Verlag Sankt Ottilien 2025, S. 71-81. ISBN 978-3-8306-8259-2

Einzelnachweise

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