Stilübungen (Queneau)

Buch von Raymond Queneau From Wikipedia, the free encyclopedia

Stilübungen. Autobus S ist der Titel der 1961 erschienenen deutschen Übersetzung von Raymond Queneaus Prosawerk Exercices de Style.[A 1] Das 1947 zuerst auf Französisch veröffentlichte Buch gehört zur potentiellen Literatur, und wird heute im Umfeld der Oulipo als wichtiges Werk der „littérature combinatoire“ gewertet.[1]

Buchdeckel der Édition du Club Français du Livre (1964)

Das Magazin Der Spiegel zählt den Roman zu den besten 100 zwischen 1925 und 2025.[2]

Entstehung

Die ersten zwölf „Übungen“ schrieb Queneau im Mai 1942 unter dem Titel Dodécaèdre, benannt nach der gleichnamigen geometrischen Form. Obwohl diese nicht zu Veröffentlichung angenommen wurden,[3] arbeitete Queneau an weiteren Variationen. Zwischen 1943 und 1945 erschienen 46 „Übungen“ in den Zeitschriften Messages, Fontaine und La terre n’est pas une vallée de larmes.[1] Am 28. April 1947 erfolgte die Buchveröffentlichung bei Éditions Gallimard in der Collection Blanche.[4] Dort erklärte Queneau im Vorwort, von Johann Sebastian Bachs Kunst der Fuge inspiriert gewesen zu sein.[5] Darüber hinaus wurden von der Literaturanalyse die Stilübungen im Rhetorikratgeber De Duplici Copia Verborum ac Rerum (1512f) von Erasmus als mögliche Inspiration genannt.[6] 1963 veröffentlichte Gallimard zusammen mit dem Club français du livre eine 2. Auflage, der 99 „Exercices de style typographiques“ von Robert Massin und 45 „Exercices de style parallèles peints, dessinés ou sculptés“ von Jacques Carelman beigefügt sind.[3] Für diese Auflage hat Queneau zudem einige Übungen ausgetauscht.[7] Die Ausgabe von 1973 gilt nach weiteren Änderungen als finale Fassung des Buches.[1]

Inhalt

In der Pariser Autobuslinie S[A 2] beschwert sich ein mittzwanzigjähriger „Zazou“[A 3] mit weinerlicher Stimme bei seinem älteren Nachbarn, dass dieser andere Passagiere anrempele. Zwei Stunden später ist der Mittzwanziger an der Gare Saint-Lazare, wo ihm jemand rät, er solle sich einen weiteren Knopf an seinen Mantel nähen lassen.

Diese banal wirkende, auf einer halben Seite beschriebene Szene wird anschließend 99 mal variiert, also in verschiedenen Genres, Stilen und Varietäten wiedergegeben, u. a. in folgenden Formen:[A 4]

Ausgaben (Auswahl)

Übersetzungen

Das Buch wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Zu den frühesten gehören neben der Deutschen u. a.:

Theater

  • Exercice de style, UA 1949, La Rose rouge (Paris), Regie: Yves Robert.
    • „Stilübungen Autobus S“, übersetzt von Ludwig Harig und Eugen Helmlé, EA 1965, Forum-Theater Berlin, Regie: Paul Vasil.

Deutschsprachige Hörspielbearbeitungen

Nachwirkung von Exercices de Style

Queneaus Exercices de Style inspirierte zahlreiche Repliken – von Pastichen und Hommagen bis Parodien u. a.:

Literatur

Anmerkungen

  1. In der Neuübersetzung aus dem Jahr 2016 entfiel der Titelzusatz Autobus S.
  2. Die Linie S entspricht heute ungefähr der RATP-Buslinie 84. In: Pierre Terraz, La naissance des bus parisiens en images, auf: lefigaro.fr (18. April 2019), abgerufen am 11. Februar 2025 (französisch).
  3. Unter dieser Bezeichnung erscheint der „etwa sechsundzwanzigjährige“ Typ in der Originalausgabe in der Übung Tanka. Im Frankreich der 1940er Jahre bezeichnete „zazou“ einen jungen, sich exzentrisch kleidenden Mann, der eine maßlose Leidenschaft für amerikanischen Jazz hegt. In: Centre national de ressources textuelles et lexicales, ZAZOU, -OUE, subst. et. adj., auf: cnrtl.fr (2012), abgerufen am 12. Februar 2025 (französisch).
  4. Die lexikalisch-alphabetische Sortierung im Artikel entspricht nicht der Kapitelreihenfolge im Buch.
  5. Heibert und Schmidt-Henkel wurden für ihre Neuübersetzung mit dem Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW 2017 ausgezeichnet. In: Rebekka Kricheldorf, Straelener Übersetzerpreis an Frank Heibert und Hinrich Schmidt-Henkel, auf: zsue.de (2017), aufgerufen am 8. Februar 2025.

Einzelnachweise

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