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Stinnes BauMarkt

ehemalige deutsche Baumarktkette mit Sitz in Stuttgart und später Esslingen From Wikipedia, the free encyclopedia

Stinnes BauMarkt war eine deutsche Baumarktkette mit Sitz zunächst in Mülheim an der Ruhr, später in Stuttgart und Esslingen. Die Kette wurde 1969 als Tochtergesellschaft der zur Veba gehörenden Stinnes AG gegründet. 1998/99 wurde sie von der Rewe-Gruppe übernommen und in die Baumarktkette toom integriert.[2][3] Zum Zeitpunkt der Übernahme wurden 138 Stinnes-Baumärkte in Deutschland betrieben.[2][3][4]

Schnelle Fakten
Stinnes BauMarkt AG
Logo
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1969
Auflösung 1999
Auflösungsgrund Übernahme durch Rewe-Gruppe
Sitz Esslingen am Neckar, Deutschland Deutschland
Mitarbeiterzahl 4500 (1998)[1]
Umsatz 2,33 Mrd. DM (1997)[1]
Branche Baumärkte
Stand: Januar 1998
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Geschichte

Gründung und Anfänge (1969–1979)

Der erste Stinnes-Baumarkt wurde am 9. November 1969 in München-Neuaubing unter dem Namen Selbermachen & Co. eröffnet.[5][6] Nach einem rückläufigen Flaschengas-Geschäft entwickelten Manager der Stinnes-Bereiche Gloria-Gas und Baustoffhandel (Trefz) das Konzept für SB-Baumärkte nach US-amerikanischem Vorbild.[6][7] Der Werbeslogan zur Eröffnung lautete: „Vom Nagel bis zum Klo: alles von Selbermachen & Co“.[6] Der erste Markt verfügte über eine Verkaufsfläche von 1200 m² und bot 5000 Artikel an.[8] Spätere Medienberichte beschrieben diesen Markt als ersten Heimwerkermarkt in Deutschland.[5][8]

Als rechtlicher Träger wurde Ende 1969 die Stinnes-Baumarkt GmbH gegründet.[9] Diese war aus der 1925 gegründeten Oberrheinische Kohlenvertriebsgesellschaft mbH hervorgegangen, die im Dezember 1969 umfirmiert und von Mannheim nach Mülheim an der Ruhr verlegt wurde.[10][11] Die GmbH wurde im Rahmen einer Reorganisation der Stinnes AG gegründet, bei der für verschiedene Geschäftsbereiche eigenständige Spartengesellschaften geschaffen wurden.[9]

In den 1970er-Jahren baute das Unternehmen sein Filialnetz kontinuierlich aus. Dabei wurden auch konzerninterne Baumärkte in die Stinnes-Baumarkt GmbH integriert, z. B. der „Midgard“-Baumarkt in Oldenburg, der bis dahin zur Stinnes-Tochter Midgard Deutsche Seeverkehrs-AG gehört hatte.[12][13]

Phase unter Stinnes - Trefz AG & Co (1979–1985)

Im Rahmen einer weiteren Konzernumstrukturierung wurde Anfang 1979 die Stinnes - Trefz AG & Co in Stuttgart gegründet.[14][15] Dieses Unternehmen entstand durch die Fusion der Stinnes-Baumarkt-Aktivitäten mit dem übernommenen Baustoffhändler Jakob Trefz & Söhne und umfasste sowohl den Baustoffgroßhandel für Profis als auch die SB-Heimwerkermärkte für Endkunden.[16] Parallel dazu wurde die Stinnes - Trefz AG als Komplementärin gegründet und am 29. März 1979 ins Handelsregister eingetragen.[17]

Ausgliederung der Stinnes BauMarkt AG (1985/1986)

Am 5. September 1985 wurde die Stinnes BauMarkt AG mit Sitz in Stuttgart im Handelsregister eingetragen.[18] Die neue Aktiengesellschaft wurde speziell für den „Groß- und Einzelhandel mit Baustoffen, Baubedarfsartikeln, Pflanzen und Gartenzubehör sowie allen damit verwandten Waren sowie das Errichten, die Ausstattung und das Betreiben von SB-Baumärkten“ gegründet.[18]

Am 23./27. September 1985 schloss die Stinnes BauMarkt AG mit der Stinnes AG einen Unternehmensvertrag, der am 1. Januar 1986 in Kraft trat und eine Gewinnabführung sowie organisatorische Eingliederung vorsah.[19] Die neue Aktiengesellschaft übernahm das operative Geschäft der SB-Heimwerkermärkte.[18][19]

1989 betrieb das Unternehmen 56 Baumärkte mit einem Jahresumsatz von 535 Millionen DM.[20]

Expansion durch Coop-Übernahme (1990–1994)

Den größten Wachstumsschritt in der Unternehmensgeschichte vollzog Stinnes im Jahr 1990 mit der Übernahme von 80 Baumärkten der insolventen co op AG mit einem Jahresumsatz von rund 550 Millionen DM und etwa 1200 Mitarbeitern.[20][21] Nach Zustimmung des Kartellamts verfügte die Stinnes BauMarkt AG über 140 Baumärkte mit einem Gesamtumsatz von mehr als einer Milliarde DM und avancierte damit zur drittgrößten Baumarktorganisation in Deutschland.[21][22]

Die Integration der übernommenen Plaza-Märkte erwies sich jedoch als langwierig und problematisch, da viele der Standorte zu klein waren oder rote Zahlen schrieben.[23] Die folgenden Jahre waren von Netzbereinigung und qualitativen Verbesserungen geprägt.[24] 1991 überschritt das Unternehmen erstmals die Umsatzschwelle von einer Milliarde DM.[22] Im selben Jahr wurde der Unternehmenssitz von Stuttgart nach Esslingen verlegt.[18][25]

1992 wurde der Baustoffgroßhandel Stinnes - Trefz (ohne die SB-Baumärkte) im Zuge einer Umstrukturierung des Veba-Konzerns an die Schwestergesellschaft Raab Karcher AG übertragen und in deren Geschäftsbereich integriert.[26][27] Die Stinnes BauMarkt AG mit ihren SB-Heimwerkermärkten blieb davon unberührt und verblieb bei der Stinnes AG.[26][27]

Konsolidierung und Neuausrichtung (1994–1998)

Mitte der 1990er Jahre stabilisierte sich das Unternehmen. 1994 beschäftigte die Stinnes Baumarkt AG in fast 150 Bau- und Heimwerkermärkten etwa 3.300 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von 1,8 Milliarden DM.[6] Das Jubiläumsjahr 1994 zum 25-jährigen Bestehen wurde mit einem Umsatzplus von 12,1 Prozent abgeschlossen; das Ergebnis konnte um 30 Prozent gesteigert werden.[28] Die Kapitalrendite wurde von der Muttergesellschaft auf „‚gut‘ 15 Prozent“ beziffert.[28]

1995 führte das Unternehmen eine neue Organisationsstruktur ein und gliederte seine rund 150 Märkte in drei Sparten: Heimwerkermärkte (bis 2000 m²), Baumärkte (2000 bis 5000 m²) und Centermärkte (über 5000 m²).[29] 1996 beschleunigte sich die Expansion: 18 neue Märkte wurden eröffnet, die Mitarbeiterzahl stieg auf 3900, und der Umsatz erreichte 2,0 Milliarden DM.[30]

In den späten 1990er Jahren entwickelte Stinnes mehrere innovative Konzepte zur Verbesserung der Servicequalität. Ab 1997 wurden in größeren Märkten ab 6000 m² Verkaufsfläche Studenten und Schüler auf Inline-Skates als „Kundenhilfe“ eingesetzt, um Kunden schneller zu gewünschten Produkten zu führen.[31][32] Eine Kundenbefragung in drei Testmärkten ergab, dass 89 Prozent der Befragten diesen Service begrüßten.[32] 1998 entwickelte das Unternehmen zudem ein Konzept für „frauenfreundliche Baumärkte“ mit Trennung in ein „Frauensortiment“ (Heimtextilien, Küchenstudio) und ein „Männersortiment“ (Hausbau, Elektroabteilung), um neue Zielgruppen zu erschließen.[33][34] Der erste Markt dieses Typs in Hagen-Haspe verfügte über einen ovalen Rundgang ohne Zwangswegeführung sowie eine um 40 Prozent erhöhte Personalausstattung.[34]

Polen-Expansion (1996–1998)

1996 begann Stinnes mit Vorbereitungen für den Markteintritt in Polen, wo mittelfristig 30 bis 35 Filialen entstehen sollten.[35] Die polnische Tochtergesellschaft Stinnes Market Budowlany Sp. z o.o. wurde gegründet, an der Franchise-Partner Bruno Kirschbaum mit 25 Prozent beteiligt war.[8][36]

Der erste Baumarkt wurde am 20. Dezember 1997 in Warschau eröffnet, gefolgt von zwei weiteren Standorten in Warschau und Krakau Anfang 1998.[36][37] Mit drei Märkten, 400 Beschäftigten und einem Umsatz von 75 Millionen DM im Jahr 1998 schrieb das Polen-Geschäft „richtig dicke schwarze Zahlen“.[38] Im November 1998 wurden die polnischen Märkte jedoch an Obi verkauft, nachdem die geplante Veräußerung der deutschen Muttergesellschaft die weitere Expansion gefährdete.[38][39]

Verkaufsverhandlungen und Übernahme durch Rewe (1997–1999)

Im Dezember 1997 kündigte die Veba AG im Rahmen einer umfassenden Konzernrestrukturierung den Verkauf der Stinnes Baumarkt AG an.[23] Zu diesem Zeitpunkt betrieb das Unternehmen 160 Baumärkte, davon 138 in den alten Bundesländern und 22 in den neuen Bundesländern.[1] Hintergrund war die geplante Börseneinführung der Stinnes AG im Herbst 1998 sowie eine als unzureichend erachtete Eigenkapitalrendite von unter 15 Prozent.[24] Die Baumarktsparte sollte nur als Gesamtpaket verkauft werden.[23]

Die Investmentbank J.P. Morgan wurde im März 1998 mit der Erstellung eines Verkaufsprospekts beauftragt.[40] Bis Mai 1998 meldeten sich mehr als 20 Interessenten, darunter Baumarktunternehmen und Investorengruppen.[41] Die Verkaufsverhandlungen gestalteten sich jedoch schwierig. Viele potenzielle Käufer wie Praktiker, Bauhaus und Obi zeigten kein Interesse an einer Komplettübernahme, da die Standortüberschneidungen zu groß waren und das Filialnetz als heterogen galt.[24][42] Zeitweise wurde spekuliert, dass nur wenige Angebote über 100 Millionen DM vorlagen.[24]

Am 2. Dezember 1998 wurde bekannt, dass die Rewe-Gruppe die 138 Baumärkte zum 1. Januar 1999 übernehmen würde.[2][3] Zu diesem Zeitpunkt betrug der Jahresumsatz 1,8 Milliarden DM bei etwa 3500 Mitarbeitern.[2][3] Der genaue Kaufpreis wurde nicht genannt; Medienberichten zufolge soll er bei etwa 100 Millionen DM gelegen haben.[43] Für Rewe bedeutete die Übernahme einen strategischen Durchbruch: Zusammen mit den im Frühjahr 1998 erworbenen 52 Götzen-Baumärkten verfügte der Konzern nun über 265 Baumärkte mit einem Gesamtumsatz von 3,3 Milliarden DM und avancierte zum drittgrößten Baumarktfilialisten Deutschlands.[3][44]

Integration in toom (1999)

Im Januar 1999 teilte Rewe den rund 350 Mitarbeitern (240 Vollzeitkräfte) der Esslinger Zentrale mit, dass diese zum 30. Juni 1999 geschlossen werde.[45][46] Den Mitarbeitern wurden Arbeitsplätze in der Kölner Toom-Zentrale angeboten.[46] Die Auflösung der Zentrale kostete schätzungsweise 40 Millionen DM.[46]

Die Stinnes-Märkte durften aufgrund der Namensgleichheit mit der Stinnes AG den Namen nur bis zum 31. Dezember 1999 führen und wurden anschließend in toom umbenannt.[44] Das neue toom-Logo setzte sich aus dem alten Toom-Schriftzug und dem Stinnes-Emblem zusammen.[47]

Einzelnachweise

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