Stockachtal
Tal in den Lechtaler Alpen in Tirol
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Das Stockachtal ist ein hochgelegenes Kerbtal in der Region Zwischentoren im Nordosten der Lechtaler Alpen. Verwaltungstechnisch gehört es zur Tiroler Gemeinde Berwang im Bezirk Reutte. Das Tal wird vom Stockachbach und seinem Nebenbach Weittalbach durchflossen und reicht vom Roten Stein bzw. der Bleispitze bis zur Mündung des Stockachbachs in den Mühlbach (Talbach) im Berwanger Tal. Es gibt im Tal zwei Orte, beide sind nur spärlich besiedelt.
| Stockachtal | ||
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Blick in das Quellgebiets des Stockachbachs zum Roten Stein und Schafsköpfle von Bichlbächle aus | ||
| Lage | Tirol, Österreich | |
| Gewässer | Stockachbach | |
| Gebirge | Lechtaler Alpen | |
| Geographische Lage | 47° 23′ 59″ N, 10° 47′ 25″ O | |
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| Höhe | 1140 bis 1400 m ü. A. | |
Geographie
Lage
Das Stockachtal ist ein Nord-Süd verlaufendes, etwa 5 km langes Hochtal in den Lechtaler Alpen, das sich nach Norden zum Berwanger Tal öffnet. Über das Berwanger Tal und Bichlbach ist es an die Fernpassstraße angebunden. Es gibt im Tal nur eine ausgebaute Straße, diese endet im Ort Bichlbächle. Das Tal wird vom Stockachbach entwässert. Das Tal gehört zur Gemeinde Berwang im Bezirk Reutte.
Beschreibung
Das Tal ist ein Kerbtal, das sich bis zum Hauptkamm der Lechtaler Alpen ausdehnt. Die beiden kleinen auf den Abhängen des Mühlwaldköpfl liegenden Bergbauerndörfer Kleinstockach und Bichlbächle sind die einzigen bewohnten Ansiedlungen des Stockachtals. Die Anzahl der Einwohner ist gering, Kleinstockach hat 8 Einwohner und Bichlbächle 5 Einwohner (Stand 1. Jänner 2025)[1]. Im Gegensatz zu der Entwicklung im Land Tirol ist die Bevölkerung in der Gemeinde Berwang bis etwa 1930 gesunken und stagniert seitdem auf niedrigen Niveau.[2]
Geschichte und Sehenswürdigkeiten
Kleinstockach (1205 m)

Der aus Gasthof, der Kirche und 8 weiteren Wohnbauten bestehende Ort wurde im Jahr 1427 als Stockach erstmals erwähnt. Kirchlich gehörte das Tal ursprünglich zur Urpfarre Imst, als im Jahre 1441 die Kuratie Berwang entstand, wurde der Ort mit Bichlbächle ihr einverleibt. Seit 1680 bestand in Kleinstockach eine Marienkapelle. Ab 1734 bemühten sich die Bewohner der beiden Orte, dass für sie eine eigene Seelsorgestelle geschaffen wird, ihre Ansuchen wurden immer wieder von den Fürstbischöfen von Brixen abgelehnt. Im Jahre 1819 wurde für die Bewohner des Stockachtals eine eigene Schule eingerichtet. Nach einer 1839 genehmigten und begonnenen Sammelaktion konnte von 1842 bis 1844 die Kirche errichtet werden. Ein Jahr später bezog der erste Expositus seine Seelsorgestelle. Im Jahr 1949 wurde die Kleinstockacher Volksschule geschlossen. Zwei der alten Gebäude wurden wegen vorherigen Leerstands zu Ferienhäuser umgewidmet. Mit Stand 1. Jänner 2025[1] hat der Ort 8 Einwohner.
Expositurkirche Mariä Heimsuchung
Die von 1842 bis 1844 erbaute und am 27. Juli 1844 vom Brixner Weihbischof Georg von Prünster eingeweihte Expositurkirche ist im neoromanischen Stil innen und außen gestaltet worden. Im zweigeschoßigen Vorbau, auf dem der Kirchturm aufsitzt, ist die Vorhalle und die Aufgänge zur Empore untergebracht. Das Langhaus ist ein breitgelagerter dreijochiger Saalraum, an dem ein breiter einjochiger Chor angeschlossen ist. Das Innere ist mit reicher Schablonen- und Teppichmalerei versehen, im Gewölbe dazwischen befinden sich die Fresken Krönung Mariä (im Chor) und Anbetung des Christkinds (im Langhaus), der Künstler ist unbekannt. Das Gemälde des Hochaltars zeigt eine Darstellung der Mariä Heimsuchung, die der Seitenaltäre Hl. Anna mit Maria (links) und Johannes der Täufer (rechts). An der rechten Chorwand hängt ein Kreuzigungs-Gemälde vom Ende des 17. Jahrhunderts. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz (Listeneintrag).
- Kleinstockach
- Gasthof in Kleinstockach
- Expositurkirche Maria Heimsuchung
- Maria Heimsuchung, Innenraum
- Hochaltar
Bichlbächle (1275 m)

Bichlbächle liegt erhöht am Hang an der Einmündung des Weittals in das Stockachtal. Der Ort wurde im ersten Viertel des 14. Jahrhunderts erstmals erwähnt, als die Herren von Starkenberg die hier gelegenen Schwaigen an das Stift Stams verkauften.[3] Mindestens seit dem 18. Jahrhundert ist das Dorf dauerhaft besiedelt. Das Kernensemble bilden sechs dicht beieinander gelegene Einhöfe aus dem 18. Jahrhundert. Durch die Anordnung der Gebäude ergibt sich eine kleine platzartige Erweiterung, auf der heute ein Brunnen steht. Östlich davon steht die um 1735 erbaute barocke Ortskapelle hl. Antonius. Das Dorf liegt in einem nach Süden zum Weittalbach abfallenden, ausgedehnten Wiesengelände mit weitgehend traditionell bewirtschafteter Kulturlandschaft. Es ist ein typisches Beispiel für eine historisch gewachsene bäuerliche Dauersiedlung am Übergang zur Almregion.[4] Am östlichen Ortsrand befindet sich eine Jausenstation (Bichlbächle 1).
Neun der elf Gebäude des Ortes zusätzlich zum Kirchlein sind im Tiroler Kunstkataster verzeichnet:
- Bichlbächle 2, Einhof im Kern 18. Jahrhundert, Umbauten des 19. Jahrhunderts
- Bichlbächle 3, Feuerwehrgerätehaus, 1. Hälfte 20. Jahrhundert
- Bichlbächle 4, Einhof im Kern 18. Jahrhundert, Umbauten des 19. und 20. Jahrhunderts
- Bichlbächle 5, Einhof im Kern 18. Jahrhundert, Umbauten des 20. Jahrhunderts, Fenster mit Putzrahmung
- Bichlbächle 6, Einhof im Kern 18. Jahrhundert, Umbauten des 19. und 20. Jahrhunderts
- Bichlbächle 7, Einhof im Kern 18. Jahrhundert, Umbauten des 19. und 20. Jahrhunderts
- Bichlbächle 8, Einhof im Kern 18. Jahrhundert, Umbauten des 19. Jahrhunderts
- Bichlbächle 10, Einhof im Kern 18. Jahrhundert, Umbauten des 20. Jahrhunderts
- Bichlbächle 11, Einhof im Kern 18. Jahrhundert, Umbauten des 20. Jahrhunderts
Mit Stand 1. Jänner 2025[1] hat der Ort 5 Einwohner.
Antoniuskirchlein
Der etwa 11 Meter lange Sakralbau, der rechtlich als Kapelle und als Filialkirche von Kleinstockach geführt wird, wurde 1735/36 zu Ehren des Hl. Antonius von Padua erbaut. Sie besitzt einen rechteckigen Betraum mit Holzfelderdecke und Dreiachtelchor. Das Gemälde des hochbarocken Altars schuf Paul Zeiller, das Chorbogenkreuz stammt aus dem 17. Jahrhundert. Seitlich im Chor befindet sich ein neoromanisches Altarretabel mit Anna mit Maria als Darstellung von Theres Strigl, von 1865. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz (Listeneintrag).
- Bichlbächle
- Bichlbächle 5
- Bichlbächle 10
- Antoniuskirchlein Bichlbächle
- Antoniuskirchlein, Innenraum
- Hochaltar
Literatur
- Philipp Sprenger: Pfarrkirche St. Jakob Berwang/Tirol – Die Kirchen und Kapellen im Berwanger-, Rotlech- und Namlosertal. Verlag Schnell & Steiner (Kleine Kunstführer Nr. 1793), München 1990. S. 12–14.
- Sarah Falger, Christine Zotz: Der Bezirk Reutte – Das Ausserfern (Kapitel Berwang). Katholischer Tiroler Lehrerverein, Bezirksschulrat Reutte (Hg.), Koch Buchverlage, Höfen 2010 (3. Auflage). S. 210–213.

