Strafgefangenenlager Oberems

ehemaliges Arbeitslager (1900 - 1945), großteils auf dem Gebiet des heutigen Kreis Gütersloh From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Strafgefangenenlager Oberems war eines der fünf großen Gefangenenarbeitslager im Deutschen Reich. Es war das einzige Strafgefangenenlager auf dem heutigen Gebiet von Nordrhein-Westfalen. Die erste Gefangenenarbeitsstelle wurde im Jahr 1900 in Liemke (heute Schloß Holte-Stukenbrock) eingerichtet. Das Lager bestand bis 1945 und wurde ab 1933 erheblich ausgeweitet.

Das Strafgefangenenlager Oberems ist bisher nur unzureichend erforscht. Es bestand aus über 50 Arbeitsstellen (den sogenannten „Kommandos“ oder auch „Gefangenkommando“) und befand sich großteils auf dem Gebiet des heutigen Kreises Gütersloh. Bei seiner Auflösung wurde es in die Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Senne eingegliedert. Die Verwaltung des Lagers befand sich in Gütersloh und es war dem Oberlandesgerichtsbezirk Hamm unterstellt.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Lagersystem als „Gefangenenlager Oberems in Gütersloh“ geführt und es war das einzige größere Gefangenenlager, in dem auch weibliche Gefangene inhaftiert wurden.[1]

Außenstellen

Es sind 52 Außenstellen belegt.[2] Dazu zählen u. a. auch Außenstellen bei den Firmen August Rabeneick (Bielefeld), August Storck (Werther), Marten (Gütersloh) sowie Westag und Westfalia (beide Wiedenbrück).

Die folgende Tabelle listet die Außenstellen mit soweit bekannten Informationen und Koordinaten auf.

Weitere Informationen Nr., Bezeichnung ...
Nr. Bezeichnung Jahr Standort-Informationen Heutiges Gebiet Koordinaten
1 Liemke 1900 Schloß Holte-Stukenbrock 51° 52′ 32,2″ N,  36′ 54″ O 2)
2 Lintel 1907 Rheda-Wiedenbrück 51° 51′ 20,3″ N,  22′ 3″ O[3]
3 Röckinghausen 1907 Rheda-Wiedenbrück 51° 48′ 59,4″ N,  18′ 56,9″ O 2)
4 Batenhorst 1907 Rheda-Wiedenbrück 51° 48′ 19,2″ N,  17′ 51″ O 2)
5 Rietberg Schloss 1907 Bei Tenge Rietberg 51° 47′ 57,4″ N,  26′ 7,6″ O
6 Spexard 1907 Gütersloh 51° 52′ 56,7″ N,  24′ 35,5″ O 2)
7 Avenwedde 1907 Gütersloh 51° 56′ 16″ N,  26′ 41″ O 2)
8 Isselhorst 1907 (vermutlich) Gütersloh 51° 56′ 45″ N,  24′ 40″ O 2)
9 Herzebrock-Pixel 1907 Pixeler Straße 3, heute JVA Bielefeld-Senne (Herzebrock) Herzebrock-Clarholz 51° 53′ 57,6″ N,  17′ 58,1″ O
10 Rheda vor 1933 bei der Firma Hagedorn Rheda-Wiedenbrück 51° 51′ 0″ N,  17′ 32″ O 2)
11 Kattenstroth vor 1933 Gütersloh 51° 53′ 25″ N,  22′ 30″ O 2)
12 Rietberg vor 1933 Rietberg 51° 48′ 29,2″ N,  25′ 39,6″ O 2)
13 Verl 1908 Verl 291, heute Dalkeweg 27, heute JVA Bielefeld-Senne (Verl) Verl 51° 54′ 29,9″ N,  30′ 16,7″ O
14 Lette 1911 / 1912 (vermutlich) Oelde 51° 52′ 55″ N,  9′ 45″ O 2)
15 Bornholte 1922 (vermutlich) Bornholte 81, später Paderborner Straße 185 Verl 51° 52′ 34″ N,  32′ 15″ O 2)
16 Clarholz 1925 Herzebrock-Clarholz 51° 54′ 7,9″ N,  11′ 35,2″ O 2)
17 St. Vit (später umbenannt, siehe Nr. 40) 1928 St. Viter Straße Rheda-Wiedenbrück 51° 49′ 31,8″ N,  16′ 39″ O 2)
18 Windelsbleiche 1929 Bielefeld 51° 57′ 30,8″ N,  31′ 27,4″ O 2)
19 Langenberg 1930 Langenberg 51° 46′ 59″ N,  19′ 0″ O 2)
20 Eggeberg Halle 1931 Halle (Westf.) 52° 5′ 10,6″ N,  21′ 35,2″ O 2)
21 Espeln 1932 Weststraße, heute JVA Bielefeld-Senne (Espeln) Delbrück 51° 49′ 26,6″ N,  34′ 7″ O
22 Pavenstädt 1933 Pavenstädter Weg, heute JVA Bielefeld-Senne (Pavenstädt) Gütersloh 51° 54′ 26,9″ N,  19′ 23,7″ O
23 Steinhagen 1936 (bezogen) Steinhagen 52° 0′ 18″ N,  24′ 53″ O 2)
24 Ostenfelde 1936 Ennigerloh 51° 51′ 53,9″ N,  4′ 46,6″ O[4]
25 Lippentrupp 1936 Langenberg 51° 46′ 58,4″ N,  16′ 47,1″ O[5]
26 Harsewinkel 1936 Prozessionsweg 10[6] (2015 abgerissen)[7] Harsewinkel 51° 58′ 1,9″ N,  13′ 13,2″ O 1)
27 Blankenhagen 1937 Blankenhagener Weg Gütersloh 51° 55′ 53,6″ N,  22′ 3,4″ O 2)
28 Dedinghausen 1937 Lippstadt 51° 40′ 11,2″ N,  24′ 24,4″ O 2)
29 Schröttinghausen 1937 Schröttinghauser Straße 12a Bielefeld 52° 4′ 44,1″ N,  28′ 24,9″ O 2)
30 Ober-Jöllenbeck 1937 Bielefeld 52° 6′ 0″ N,  31′ 0″ O 2)
31 Altenhagen 1937 Bielefeld 52° 2′ 50,4″ N,  38′ 43,8″ O 2)
32 Quelle 1937 Bielefeld 52° 0′ 23″ N,  28′ 36″ O 2)
33 Isingdorf 1937 (vermutlich) Werther (Westf.) 52° 3′ 23,5″ N,  25′ 48,4″ O 2)
34 Senne I 1938 Bielefeld 51° 56′ 0″ N,  30′ 0″ O 2)
35 Sende-Süd 1938 Sende 28, heute Am Ölbach 283, Bethel.regional Mühlgrund Verl 51° 53′ 19,4″ N,  33′ 49,5″ O
36 Mastholte 1938 (bezogen) Gemeinde Moese Rietberg 51° 45′ 22″ N,  23′ 21″ O 2)
37 Sende 1938 Sende 246, heute Im Bruch 31, verfallene „Gefängnisvilla“ Verl 51° 53′ 50,7″ N,  32′ 48,8″ O
38 Baringhof 1938 (bezogen) Enger 52° 8′ 20,4″ N,  33′ 31,9″ O 1)[8]
39 Harsewinkel-Beller / Beller 248 1939 im Haus Beller 87, heute Brockhäger Straße 117 Harsewinkel 51° 58′ 19,1″ N,  17′ 46,3″ O[9]
40 Wiedenbrück (umbenannt, früher siehe Nr. 17) 1942 Rheda-Wiedenbrück 51° 49′ 31,8″ N,  16′ 39″ O 2)
41 Wiedenbrück II 1942 bei der Firma Westfalia / Franz Knöbel & Söhne, heute Am Sandberg Rheda-Wiedenbrück 51° 50′ 50,3″ N,  18′ 33,7″ O
42 Wiedenbrück III 1942 bei der Firma Bresser & Co, heute Westag & Getalit AG, Hellweg Rheda-Wiedenbrück 51° 49′ 42,5″ N,  18′ 33,6″ O
43 Werther 1942 bei der Firma Süßwarenfabrik Storck Werther (Westf.) 52° 4′ 35″ N,  24′ 49″ O
44 Rheda 1942 auf dem Firmengelände Rawe & Co, heute Nonenstraße 11[10] Rheda-Wiedenbrück 51° 51′ 20,5″ N,  16′ 37,7″ O
45 Hövelhof 1942 bei den Geha Möbelwerken, heute Gehastraße 2–4 Hövelhof 51° 49′ 39,5″ N,  39′ 4,7″ O
46 Langenberg I 1942 bei der Firma Bartels, heute Lippstädter Straße 4 Langenberg 51° 46′ 33,7″ N,  19′ 22,5″ O 1)
47 Langenberg II 1943 Stromberger Straße Langenberg 51° 46′ 59″ N,  19′ 0″ O 2)
48 Amshausen 1944 bei der Firma Schlichte Steinhagen 52° 1′ 19,3″ N,  25′ 15,4″ O
49 Gütersloh I 1944 bei der Firma Sewerin Gütersloh 51° 54′ 21,9″ N,  22′ 42,8″ O 2)
50 Gütersloh II 1944 bei der Firma Vogt und Wolf (heute Marten) Gütersloh 51° 54′ 13,5″ N,  21′ 46,6″ O
51 Gütersloh III 1944 bei der Firma I.F. Marten Gütersloh 51° 54′ 40,3″ N,  22′ 35,7″ O
52 Brackwede 1944 bei der Firma Rabeneick Bielefeld 51° 58′ 43″ N,  31′ 4,1″ O
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1) 
Standort-Informationen ungenau, daher ungefähre Koordinaten
2) 
Standort-Informationen ungenau, daher Koordinaten der heutigen Gemeinde / des heutigen Ortsteils

Siehe auch

Quellen

Literatur

  • Karina Isernhinke: Das Strafgefangenenlager Oberems. In: Veröffentlichungen aus dem Kreisarchiv Gütersloh. Band, Nr. 13. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-89534-893-8 (140 S.).
  • Jörg van Norden: Das Strafgefangenenlager Oberems bei Gütersloh. In: Jahresbericht des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg. Band, Nr. 96. Bielefeld 2011, S. 99–128 (stadtarchiv-bielefeld.de [PDF; 31,2 MB]).
  • Karina Isernhinke: Der Häftlingsalltag im Nationalsozialismus. Innenansichten des Frauen-Strafgefangenenlagers Rheda. In: Heimat-Jahrbuch Kreis Gütersloh. 2016.

Einzelnachweise

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