Strandbad Plötzensee
Strandbad am Westufer des Plötzensees im Berliner Ortsteil Wedding
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Das Strandbad Plötzensee in Berlin-Wedding, ab 1922 erbaut als Wassersportplatz Plötzensee, ist ein denkmalgeschütztes Freibad am Südweststrand des Plötzensees. Es steht in der Tradition mehrerer Plötzenseer Bäder seit den 1820er Jahren. Im späteren 20. Jahrhundert war für die Anlage der Name Freibad Plötzensee verbreitet.
Eigentümer ist das Land Berlin, Träger die kommunalen Berliner Bäder-Betriebe, die das Bad in regelmäßigen Ausschreibungen an private Betreiber verpachten. An heißen Sommertagen kommen bis zu zehntausend Menschen in das Bad.[1]
Lage
Das Strandbad liegt gut drei Kilometer nordwestlich des Berliner Hauptbahnhofs zwischen dem Plötzensee und dem Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal innerhalb einer ausgedehnten Grünfläche, zu der der Volkspark Rehberge, der Goethepark sowie mehrere Friedhöfe gehören. Vierhundert Meter südlich des Bades verlaufen die Seestraße und die Autobahn A100. Südwestlich, jenseits des Schifffahrtskanals, liegen die Gedenkstätte Plötzensee und die Justizvollzugsanstalt Plötzensee.
Das Strandbad liegt an einem der ältesten Landschaftsschutzgebiete Berlins. Seit 1953 ist der See Teil des LSG-06: Volkspark Rehberge einschließlich des Plötzensees.[2] Das Baden im See ist ausschließlich im Strandbad innerhalb eines mit einer Bojenkette markierten Schwimmbereichs erlaubt. Der sonstige See mitsamt Ufern ist gesperrt.[3]
Geschichte

Der Plötzensee ist der älteste bewirtschaftete Berliner Badesee.[4] Bislang gab es vier Badeanstalten.
- 1824–1918 lag eine Militärische Badeanstalt nahe der Seestraße, nördlich des heutigen Bootsverleihs.
- ca. 1839–1851 gab es eine bewachte Badestelle gefolgt von einem kleinen städtischen Freibad mit Sandstrand und Bademeister, südöstlich des heutigen Strandbades[5]
- 1877–1918 folgten am gleichen Ort zunächst das Auerbach’sche Wellenbad, ab 1906 das ausgebaute Pantzier’sche Wellenbad
- 1922 begann der Ausbau des großen, heutigen Strandbades
Militärbad 1824–1918
Nachdem der Militärsport-Reformer Ernst von Pfuel seine erste Schwimm-Anstalt 1817 in der Spree eröffnet hatte, richtete das 2. Garde-Regiment zu Fuß 1824 am südlichen Ostufer des Plötzensees nahe der Seestraße eine erste Badestelle im See ein. Das Gelände der nahen Rehberge diente der Armee bereits damals als Übungsgelände. Als nach 1850 das Eigentum am Plötzensee von der Stadt Berlin an den Preußischen Staat überging, baute das Militär das etwa ein Hektar große Freigelände 1860 zu einer größeren Militair-Schwimm-Anstalt aus.[6][7] Zur Ausstattung gehörten ein Floß, eine Trennung von Schwimmer- und Nichtschwimmerbereich sowie verschiedene Sprungbretter, die Becken waren auf zwölf Meter Tiefe ausgeschachtet.[5] Von 1864 bis 1915 war der See Teil des preußischen Gutsbezirks Plötzensee, und lag außerhalb von Berlin im damaligen Kreis Niederbarnim.
1906 begann am Militärbad die als Köpenickiade bekannte Hochstapelei des verkleideten Hauptmanns von Köpenick. Dieser stellte dort rund ein Dutzend Soldaten unter sein Kommando und zog mit ihnen durch die Stadt nach Köpenick, um dort spektakulär das Rathaus zu besetzen.
Städtische Badeanstalt 1845–1851
Im Zuge der Preußischen Reformen hatte die Stadt Berlin 1817 das Vorwerk Wedding erworben, zu dessen ausgedehnten Flächen auch große Teile des Waldgebiets Jungfernheide sowie die darin liegenden Plötzenseen gehörten. Für den großen und kleinen Plötzensee zahlte die Stadt damals 100 Taler. 1839 wurden erste Mittel freigegeben und am Südufer eine „oeffentliche, polizeilich beaufsichtigte“ Badestelle eingerichtet,[4][8] Der Arzt Hermann Wollheim lobte das dortige „Wasser von angenehmer Lauheit und Klarheit“.[9] 1849 wurde die Badestelle beim Bau des Schifffahrtskanals zugeschüttet,[10] an neuem Ort wieder angelegt und zu einer kleineren Badeanstalt ausgebaut:
„Für einen hier stationierten Bademeister [waren 1850] 200 Mark durch die städtischen Behörden bewilligt worden. Die Benutzung […] auch durch Nichtschwimmer war dadurch ermöglicht, daß auf eine Strecke hin große Sandmassen in den See geschafft und dadurch am Ufer des sonst außerordentlich tiefen See’s eine seichte Stelle geschaffen war. Im Jahre 1851 ging die Anstalt ein, […] Die alte Badestelle lockte indessen […] auch in der Folgezeit noch Jahr für Jahr zahlreiche Badende an.“
Ein Grund für das nur kurze Bestehen der ersten Badeanstalt war, dass der Plötzensee damals noch kilometerweit außerhalb der Stadtgrenzen lag:
„Der unbemittelte Bürger-Arbeiterstand [ist] genöthigt, nach Plötzensee zu wandern. [Der See ist] aber so weit entlegen, daß viel Muth dazu gehört, [ihn] bei heißer, staubiger und trockener Witterung zu besuchen. Eine wirkliche Stärkung und Reinigung wird durch den Besuch nicht erlangt. Man kommt eben so bestaubt und erhitzt nach Hause, als man hingegangen ist.“
Ab 1873: Eisfabrik und Moabiter Schützenhaus

Zwischen See und Eingangsbereich des heutigen Strandbades stand von 1873 bis 1913 das Moabiter Eiswerk. Die gut drei Hektar große Eisfabrik von Moritz und Robert Ahrens verarbeitete gefrorenes Wasser aus dem Plötzensee und wurde 1890 an die Norddeutschen Eiswerke verkauft. Die mit Holzwolle gedämmten Gebäude wurden 1913 bei einem Großbrand zerstört.[13]
Westlich der Eisfabrik, Adresse Nordufer 28 (heute: Jugendgästehaus Nordufer), baute die Moabiter Schützengilde 1874 ihr Schützenhaus und erweiterte es bis zum See um einen Tanzsaal, Kegelbahnen und um mehrere Schaubuden. Ende des 19. Jahrhunderts galt das Schützenhaus als eine „beliebte Volkserhohlungsstätte.“ Die Anlage wurde
„Sonntags, wo hier ein echter Schützenmarkttrubel herrscht, von großen Volksmengen […] besucht. Vom Garten des Schützenhauses aus bietet sich besonders hinter dem Konzertpavillon ein hübscher lohnender Anblick über den See hin, dessen Ufer durch die wellenförmige Gestaltung des Bodens einigermaßen hoch ansteigen.“
1877–1918: Wellenbäder

Aucherbach’sches Wellenbad 1877–1906
Eine erste größere private Schwimmanstalt errichtete der Turn- und Fechtlehrer Wilhelm Auerbach – nach dem der Auerbachsalto benannt ist. Das 1877 eröffnete Auerbachsche Wellenbad verfügte über ein Schaufelrad, mit dem im Wasser Wellen erzeugt wurden, ferner über getrennte Bereiche für Männer und Frauen und – natürlich – über einen Sprungturm. Das Bad lag nahe der Südspitze des Sees, am Ufer des heutigen Hauses des Unionhilfswerks.
Pantzier’sches Wellenbad 1906–1918
1906 wurde das Bad um fünfhundert Quadratmeter vergrößert, wechselte seinen Besitzer und hieß nun Pantzier’sches Wellenbad. Der Zimmermann Heinrich Schwien entwarf große, auf den See hinaus gebaute, zweistöckige Umkleidekabinen, in denen sich bis zu eintausend Badegäste gleichzeitig umziehen konnten. Publikumsattraktion war ein „durch Gasmotor betriebenes Schaufelrad zur Erzeugung kräftigen Wellenschlags.“ Außerdem verfügte das Bad über ein wettkampffähiges 50-Meter-Becken, das auf 100 Meter erweitert werden konnte. Einige Stunden des Tages war „Damenbadezeit“, zusätzlich gab es kleine Einzelbäder.[14][5]
Bau des heutigen Bades 1922–1928
Anfang 1922 gründete das Bezirksamt Wedding unter Beteiligung mehrerer Schwimmvereine die Wassersportplatz Plötzensee G.m.b.H.[15] Finanziert von der Stiftung Park, Spiel und Sport des Oberbürgermeisters Gustav Böß wurde ein langer Sandstrand angelegt, bereits am 1. Juni 1922 begann der Freibadeverkehr, Böß weihte die Anlage zwei Wochen später ein.[16][17] Anschließend entstanden in mehreren Jahren Gesamtbauzeit eine Schwimmsport- und Sprungturmanlage (1925), die Gebäude des Strandbads (1926–1928) sowie rings um den See eine Uferpromenade mit Anschluss an den neuangelegten, nördlich gelegen Volkspark Rehberge.[18][19] Das weitläufige Gelände sollte ein Freizeitort für Arbeiterfamilien aus Wedding und Moabit werden. Die Pläne für das Badgelände stammten von Bezirksgartendirektor Rudolf Germer, die Gebäude im Stil der Neuen Sachlichkeit entwarfen die Architekten Johannes Krüger und Walter Krüger.
„Durch Abgraben des unter 30 Grad geneigten Ufergeländes und Abfangen der oberen Parkanlage durch eine Stützmauer wurde ein Strand von 50 m Breite geschaffen. In der Mitte dieser Stützmauer führt eine 12 m breite Treppe zum Park. Rechts und links sind Wirtschafts- und Verwaltungsräume angeordnet. Die Materalien sind Ullersdorfer Verblendsteine, Edelputz und Muschelkalk-Kunststein. Die Bauten […] erhalten ihren lebhaften und doch streng gefaßten Charakter durch die Verwendung von zwei Farbschattierungen bei den Klinkern, nämlich rotbraun bis blauschwarz und hellbraun bis hellrot.“
Die geschwungene Stützmauer öffnet sich u-förmig zum See, ist etwa 250 Meter lang und wird eingefasst von zwei Pavillons, deren Kegeldächer – den Hauptgebäuden gleich – mit Schiefer eingedeckt sind.[21] 1929 lobte die Fachpresse den „Wassersportplatz am Plötzensee“ als „eine in schönster landschaftlicher Umgebung liegende, geschmackvolle Anlage.“[22]
Schon bald nach der Eröffnung – bereits auf der Baustelle – kamen im Sommer bis zu zehntausend Menschen am Tag.[5] Mit der hohen Arbeitslosigkeit Ende der 1920er Jahre stiegen die täglichen Besucherzahlen sogar auf bis zu vierzigtausend.[23] Im Jahr 1926 zählte das Bezirksamt Wedding insgesamt 860 Tausend Besucher.[24]
Ehemalige Anlagen
Am Ort des 1964 neu errichteten Steges,[25] der ein 50-Meter-Becken umläuft, befand sich zuvor ein größeres 100-Meter-Becken sowie an dessen Nordwestseite ein 10-Meter-Sprungturm mit imposantem Blick über den Strand.[26] Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde bis 1951 das 100-Meter-Becken renoviert und ein 50-Meter- und zwei 25-Meter-Becken integriert. Der große Sprungturm wurde durch einen kleineren 5-Meter-Turm ersetzt und bis 1955 mit einer Wasserrutsche ergänzt.[5] Von den Installationen im Wasser erhalten waren 2023 lediglich zwei kleinere Stege sowie das 50-Meter-Becken am nördlichen Ende des Strandbades. Ein größeres Funktionsgebäude, das etwas südlich der Hauptgebäude stand, wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört[27] und Anfang der 1950er Jahre durch einen Flachbau ersetzt.[5]
Der Eingang des Freibades lag anfangs an einer Allee, die auf der Symmetrieachse der Anlagen auf geradem Weg vom Hauptgebäude zur Erschließungsstraße Nordufer verlief. In der Nachkriegszeit legte der Bezirk Wedding hier den Sportplatz Nordufer an. Der Eingang des Bades wurde nach Südosten versetzt auf das Gelände der ehemaligen Eisfabrik am Nordufer 26, wo auch eine neue, große Liegewiese angelegt wurde. 2024 hatte das Bad eine Gesamtfläche von 62.111 Quadratmetern.[28]
Wasserqualität

Der Plötzensee hat keine oberirdischen Zu- oder Abflüsse, er reagiert auf die Belastung durch Schwimmende relativ empfindlich. In den 1990er Jahren drohte der See umzukippen. Ab 1997 reicherte die Stadtverwaltung den See mit Sauerstoff an und pumpte mehrere tausend Tonnen Faulschlamm ab.[5] Auch, wenn das Wasser mittlerweile als unbedenklich gilt (EU-Einstufung: Ausgezeichnet)[29], kam es wiederholt zum Auftreten von Blaualgen, wie etwa im August 2014.[30]
Betreiber und Pächter
- 1922–1935: Wassersportplatz Plötzensee GmbH, ab 1924 gemeinnützig, Geschäftsführer Robert Hensel[31][32]
- 1935–1996: Städtisches Bad mit dem Bezirksamt Wedding als Träger
- seit 1996: unter der Verwaltung der Berliner Bäder-Betriebe
- 2002 erstmals verpachtet an den Gastronom Richard Grunke
- 2009–2019 verpachtet an die Immobilienfirma Erik Müller & Rudolf Singer GbR
- seit 2019: verpachtet an die Nordufer Event GmbH von Michel Verhoeven und Katharina Zahn
Wissenswertes
- Bei 13 Grad Wassertemperatur wurde im September 1924 das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft im Wasserball im Plötzensee ausgetragen. Der SC Hellas Magdeburg besiegte die Wasserfreunde Hannover mit 2:1.[33]
- Anfang September 1984 fand im Freibad das Open Water Festival statt. Zu den auftretenden Bands gehörten Dave Edmunds, das Electropop-Duo Yello und die damaligen Newcomer Die Ärzte.[34]
- Der Schriftsteller Wolfgang Herrndorf beschreibt in seinem autobiographischen Werk Arbeit und Struktur (2013) seine vielfachen Besuche im Strandbad Plötzensee und Umgebung.[35]
- Der Leipziger Rapper Morlockko Plus veröffentlichte 2022 ein Album namens Der Schatz im Plötzensee.
Literatur
- Uta Maria Bräuer u. a.: Bäderbau in Berlin. Architektonische Wasserwelten von 1800 bis heute. Lukas Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-86732-129-7, S. 34–36.
- Friedrich Huth: Freibad am Plötzensee. In: Deutsche Bauhütte, 33. Jahrgang, Heft 1, Hannover 1. Januar 1929, S. 16–17. (Mit mehreren Abbildungen)
- Wilhelm Oehlert: Moabiter Badeanstalten Ehedem Und Jetzt. Bibliothek des Magistrats zu Berlin, September 1893, S. 19–21 und 69 ff.; zlb.de (Geschichte der Badeanstalten am Plötzensee im 19. Jahrhundert).
Weblinks
- Strandbad Plötzensee. Berliner Bäder-Betriebe.
- ploetzensee.de Website der Betreiberin Nordufer Event GmbH.
- Freibad Plötzensee Eintrag in der Berliner Denkmaldatenbank.