Strinzer Markt
Kram- und Viehmarkt im hessischen Markt Strinz-Trinitatis
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Der Strinzer Markt ist ursprünglich ein jährlich im hessischen Markt Strinz-Trinitatis stattfindender Kram- und Viehmarkt. Er wurde 1974 in Hünstetter Markt umbenannt und hat mittlerweile Charakterzüge eines Jahrmarkts angenommen.
Geschichte
Strinz-Trinitatis erhielt als erster Ort im Einflussbereich des Klosters Bleidenstadt das Marktrecht. Urkundlich wurde dies zum ersten Mal 1481 erwähnt. Der aus dem 11. Jahrhundert stammende Wehrturm mit Wehrmauer und Graben, die den ursprünglichen Marktplatz umgeben, lassen aber vermuten, dass bereits vor der ersten urkundlichen Erwähnung dort ein reger Handel stattfand.
Im September 1935 wurde der Strinzer Markt nach Festreden von Bürgermeister, Stützpunktleiter und dem Vertreter des Landrates, zum ersten Mal nach 30 Jahren wiedereröffnet. Der Anlass dafür war das Verbot von „Judenmärkten“ durch die Nürnberger Gesetze, welche die Juden u. a. in ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit einschränkten. Das Ereignis würdigte man durch eine Sonntagsruhe im Ort.
Seit 1957 wird von den traditionellen drei Märkten im Jahr lediglich der große mittlere abgehalten.
Unterbrechung der Markttradition
- 1618–1648 = dreißigjähriger Krieg
- 1905–1935 = unbekannter Grund
- 1965–1974 = Landwirtschaftliche Revolution und Wirtschaftswunder machten den Markt überflüssig
- 2020–2022 = Corona-Pandemie
Seit der ersten urkundlichen Erwähnung 1481 hat der Markt insgesamt 71 Mal nicht stattgefunden.
Entwicklung
Der Martiniweinmarkt
Bis weit in die Neuzeit hinein war der, in Strinz-Trinitatis auf Martini gehaltene, Weinmarkt maßgeblich für die nassauischen Lande. Hier wurden nämlich die Preise (der in Geld ablösbaren) Deputatsweine der umliegenden Pfarreien bestimmt.[1] Diese Tradition verlor sich wahrscheinlich während des Dreißigjährigen Krieges, denn danach kam der Weinbau in Strinz weitgehend zum Erliegen.
Der Strinzer Schweinemarkt
1896 genehmigte der zuständige Provinzialrat die dauernde Abhaltung eines Viehmarktes, welcher jeweils am ersten Donnerstag im September stattfinden sollte. Dieser wurde Anfang des 20. Jahrhunderts noch im Mittelrheinischen Verbands-Kalender für Landwirte als Schweinemarkt ausgewiesen, sodass in Strinz dreimal im Jahr ein Markt gehalten wurde.
Der Hünstetter Markt
Nach bald 500 Jahren Markttradition fand der Strinzer Markt 1965 ein jähes Ende. 1974 wurde durch die neue Großgemeinde Hünstetten der Hünstetter Markt ins Leben gerufen, um ein Verfallen des Marktrechtes in Strinz durch dauerhafte Nichtausübung zu verhindern. Bis 2012 war Hünstetten auch Träger und Schirmherr der Veranstaltung, dann wurde aus Kostengründen jedoch die Trägerschaft zurück nach Strinz, an den Förderverein Strinz-Trinitatis e. V., gegeben. Die Gemeinde Hünstetten vergibt nur noch die Standplätze.
Der Marktplatz
Zum Schutze des Strinzer Marktplatzes errichtete man im Frühmittelalter einen Wehrturm, umgeben von einem Graben und zwei Ringmauern, welcher in späteren Jahrhunderten zum Kirchturm umfunktioniert werden sollte.
Der Marktplatz fand auch seinen Weg in die auf Geheiß Napoleons zu fertigende Tranchotkarte.[2] Auf jenem Marktplatz steht auch bis heute ein über 400 Jahre altes Naturdenkmal, die Marktlinde von Strinz-Trinitatis.
Zum Marktplatz gehörte zwangsläufig auch das vorgelagerte Zollhaus mit Zollborn. An das Haus erinnert heute nur noch der Straßenname "Hinter dem Zollhaus", der Zollborn jedoch ist auf dem Gelände der Scheidertalstraße 2 noch erhalten.
Bedeutung
Der Markt in Strinz hatte eine solche Bedeutung, dass dieser nicht nur als erstes im Einflussbereichs des Kloster Bleidenstadts abgehalten wurde, sondern nach Ende des Dreißigjährigen Krieges auf Wunsch von Graf Johannes zu Nassau, zu Saarbrücken und Saarwerder, Herr zu Lahr, Wiesbaden und Idstein explizit wieder durchgeführt werden sollte.
Im selben Zug wurden 1648 der Idsteiner Schultheiß Johannes Zimmer und der Kirberger Johannes Haßenbach zu den neuen "Hänsel Meister" (Marktmeister) für den Strinzer Markt erklärt. Hier sieht man besonders die überregionale Relevanz, da für die Ämter keine Personen aus dem eigenen Kirchspiel oder umliegenden Orten eingesetzt werden.
Auch die Nationalsozialisten erkannten die historische und wirtschaftliche Bedeutung des Marktes und führten diesen, nachdem er aus unbekannten Gründen seit 1905 ruhte, wieder ein.
Ähnlich war es als nach der hessischen Gebietsreform die Hünstetter SPD den Strinzer Markt 1974, nach 9 jähriger Pause, nun als Hünstetter Markt wieder ins Leben rief.
Das Einzugsgebiet des Strinzer Marktes überschneidet sich insbesondere mit denen des Wehener Marktes und Alteburger Marktes in Heftrich, wobei historisch auch terminliche Überschneidungen mit dem Wehener Markt existierten, was zu langjährigen Rechtsstreitigkeiten zwischen den Gemeinden führte.
Trivia
Zur Unterscheidung der Ortschaften Strinz-Margarethä und Strinz-Trinitatis, die umgangssprachlich beide oft nur Strinz genannt werden, entstanden im Laufe der Jahrhunderte viele verschiedene Namen. Neben Vorder- und Hinterstrinz, Klein und Groß Strinz, während des Zweiten Weltkrieges auch Hitler-Strinz,[3] hat sich der Name Markt Strinz für Strinz-Trinitatis etabliert.