Swetloje (Kaliningrad)

From Wikipedia, the free encyclopedia

Swetloje (russisch Светлое, deutsch Kobbelbude, litauisch Kobelbūdė) ist eine Ortschaft in der Oblast Kaliningrad. Sie gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Gurjewsk im Rajon Gurjewsk.

Schnelle Fakten Geographische Lage ...
Siedlung
Swetloje
Kobbelbude

Светлое
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Gurjewsk
Erste Erwähnung 1326
Frühere Namen Kobulbude,
Kobbelbude (bis 1947)
Bevölkerung 335 Einwohner
(Stand: 1. Okt. 2021)[1]
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 40151
Postleitzahl 238326
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 209 000 121
Geographische Lage
Koordinaten 54° 34′ N, 20° 22′ O
Swetloje (Kaliningrad) (Europäisches Russland)
Swetloje (Kaliningrad) (Europäisches Russland)
Lage im Westteil Russlands
Swetloje (Kaliningrad) (Oblast Kaliningrad)
Swetloje (Kaliningrad) (Oblast Kaliningrad)
Lage in der Oblast Kaliningrad
Schließen

Geographische Lage

Der Ort liegt im ehemaligen Ostpreußen, südsüdwestlich der Stadt Kaliningrad (Königsberg) etwa acht Kilometer vom Frischen Haff entfernt an der Mündung des Flüsschens Stradick (russisch: Kornewka) in den Frisching (Prochladnaja).[2]

Geschichte

Kobbelbude, südsüdwestlich von Königsberg i. Pr. und nordwestlich von Kreuzburg, auf einer Landkarte von 1910

Der Ort wird erstmals 1326 als Kobulbude im Urkundenbuch des Bistums Ermland erwähnt: „curiam nostram equorum, que Kobulbude dicitur“. Die Staatsdomäne war 782 ha groß. Der deutsche Name[3] leitet sich ab von prußisch kobis, kobniks: Züchter, kobele: Stute.[4] Schon zur Zeit des Deutschen Ordens wurde hier Pferdezucht betrieben. In Kobbelbude hatte die Komturei Brandenburg eine Stuterei mit edlen Pferden, aus der wie aus den übrigen zu Balga, Bäslack, Georgenburg, Grünhof, Ragnit, Lochstädt, Insterburg, Tapiau usw. bestehenden Gestüten die Hochmeister schöne und edle Pferde verschenkten. Anfang des 18. Jahrhunderts befand sich zu Kobbelbude ein Staatsgestüt, das mit weiteren in der Provinz vorhandenen Staatsstutereien aufgehoben und im Jahr 1732 in das neu errichtete Stutamt Trakehnen überführt wurde. Seither wurde in Kobbelbude keine namhaftere Pferdezucht mehr betrieben.[5][6]

Am 1. Juli 1885 wurde die Eisenbahnstrecke Kobbelbude – Wormditt, Teilstrecke der Allenstein-Kobbelbuder bzw. Braunsberger Eisenbahn, dem öffentlichen Verkehr übergeben.[7]

Oberamtmann Caspari begründete 1903 die Rinderzucht. Sein Sohn Gerhard Caspari machte sie mit 300 Hochleistungsmilchkühen über Ostpreußen hinaus bekannt.[8] Um 1910 gab es in Kobbelbude eine Bahnmeisterei und eine Schäferei.[2]

Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges war Kobbelbude ein wichtiger Abzweigbahnhof, an dem die Hauptbahnlinie nach Allenstein von der Preußischen Ostbahn abzweigte.

Zwischen 1874 und 1945 war der Gutsbezirk Kobbelbude in den Amtsbezirk Mahnsfeld[9] (heute russisch: Polewoje) eingegliedert und gehörte zum Landkreis Königsberg, ab 1939 Landkreis Samland, im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen. Infolge des Zweiten Weltkrieges kam Kobbelbude mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion. Im Jahr 1947 erhielt der Ort die russische Bezeichnung Swetloje und wurde gleichzeitig dem Dorfsowjet Zwetkowski selski Sowet im Rajon Kaliningrad zugeordnet.[10] Später gelangte der Ort in den Nowomoskowski selski Sowet im Rajon Gurjewsk. Von 2008 bis 2013 gehörte Swetloje zur Landgemeinde Nowomoskowskoje selskoje posselenije und seither zum Stadtkreis Gurjewsk.

Demographie

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1782königliches Domänenamt, Vorwerk und Dorf, mit 13 Feuerstellen (Haushaltungen), eingepfarrt zu Mansfeld[11]
1818203königliches Dorf und Amtssitz, zum Kirchspiel Mahnsfeld gehörig[12]
1831262Domäne und Sitz eines Domänenamts, mit dem verpachteten Domänenvorwerk Johannsberg[13]
1852339Domäne[14]
1858302königliche Domäne, 14 Wohngebäude, Sitz der kgl. Polizei-Verwaltung, davon 298 Evangelische und vier Katholiken[15]
1864290am 3. Dezember, Gemeindebezirk (?), mit einem Gesamtflächeninhalt von 3061,54 Morgen[16]
1867321am 3. Dezember, Gutsbezirk[17]
1871284am 1. Dezember, Gutsbezirk, davon 274 Evangelische und zehn Katholiken[17]
1885357am 1. Dezember, Gutsbezirk, davon 338 Evangelische, elf Katholiken und acht sonstige Christen[18]
1890349am 1. Dezember, Gutsbezirk[19]
1895277am 2. Dezember, Gutsbezirk, davon 256 Evangelische und 21 Katholiken[20]
1910299am 1. Dezember, Domäne[2][21]
1933293[22]
1939429[22]
Schließen
Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Bevölkerungsentwicklung seit 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
2002339davon 179 in der Siedlung Bahnhof Swetloje
2010298
Schließen

Kirche

Die überwiegende Mehrheit der Einwohner Kobbelbudes waren vor 1945 evangelischer Konfession. Der Ort war in das Kirchspiel Mahnsfeld (heute russisch: Polewoje) eingepfarrt und gehörte zum Kirchenkreis Königsberg-Land I in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Heute liegt Swetloje im Einzugsbereich der in den 1990er Jahren neu entstandenen evangelischen Gemeinde in Nowo-Moskowskoje (Poplitten). Sie ist Filialgemeinde der Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg) innerhalb der Propstei Kaliningrad[23] der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER).

Verkehr

Unweit der Ortschaft verläuft die ehemalige Reichsautobahn Berlin–Königsberg. Innerorts begegnen sich die Kommunalstraße 27K-176 von Uschakowo (Brandenburg (Frisches Haff)), die Kommunalstraße 27K-089 von Doroschnoje (Altenberg) und Polewoje (Mahnsfeld) (frühere deutsche Reichsstraße 126) sowie die Regionalstraße 27A-023 von der Berlinka zur Bahnstation Swetloje an der Bahnstrecke Kaliningrad–Mamonowo, einem Abschnitt der ehemaligen Preußischen Ostbahn. Swetloje ist Haltepunkt der mit Kaliningrad verbindenden Elektritschka.

Literatur

  • Kobbelbude, Domäne, rechts des Frischings, Landkreis Königsberg, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Kobbelbude (meyersgaz.org).
  • Grasilda Blažiene: Hydronymia Europaea, Sonderband II, Die baltischen Ortsnamen. Wolfgang Schmid (Hrsg.), Steiner Verlag, Stuttgart 2000.
  • G. Gerullis: Die altpreußischen Ortsnamen. Berlin, Leipzig 1922.

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI