Tabor (Meteorit)
Meteorit
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| Tábor | |||||
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| Allgemeines | |||||
| Offizieller Name nach MBD |
Tabor | ||||
| Synonym | Strkov Meteorit
Kravín Meteorit | ||||
| Authentizität | sicher | ||||
| Lokalität | |||||
| Land | |||||
| Region | Südböhmische Region | ||||
| Fall und Bergung | |||||
| Datum (Fall) | 3. Juli 1753 | ||||
| beobachtet | ja | ||||
| Datum (Fund) | 1753 | ||||
| Sammlung | Hauptmasse im Naturhistorischen Museum Wien | ||||
| Beschreibung | |||||
| Typ | Steinmeteorit | ||||
| Klasse | Chondrit | ||||
| Gruppe | H | ||||
| Untergruppe | H5 | ||||
| Masse (total) | 7,54 kg | ||||
| Referenzen | |||||
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Tábor ist ein historischer Meteorit aus der Gruppe der gewöhnlichen Chondrite (H5), der am 3. Juli 1753 in der Nähe der böhmischen Stadt Tábor im Gebiet des heutigen Tschechien niedergegangen ist. Der Meteorit gehört zu den frühesten gut dokumentierten Meteoritenfällen der Neuzeit und bildet zusammen mit dem Hraschina-Meteorit den Grundstock der Meteoritensammlung des Naturhistorischen Museums Wien.[1][2] Er ist von zentraler Bedeutung für den Beginn der Meteoritenforschung und die Entstehung institutioneller Meteoritensammlungen.
Klassifikation und Eigenschaften
Tábor ist ein Steinmeteorit und wird als gewöhnlicher Chondrit der chemischen Gruppe H und der petrologischen Klasse 5 (H5) eingestuft. H-Chondrite sind relativ eisenreiche, silikatreiche Meteorite, deren Gefüge von zahlreich eingebetteten Chondren („Kügelchen“ aus Silikatmineralen) geprägt ist. Der Meteorit weist eine dunkle Schmelzkruste auf, wie sie typisch für Steinmeteorite ist, die beim Durchgang durch die Erdatmosphäre oberflächlich aufschmelzen.
Die gesamte bekannte Masse des Meteoriten wird mit 7,54 kg angegeben.[3] Das größte zusammenhängende Stück wiegt knapp 2,8 kg und befindet sich im Naturhistorischen Museum Wien.[1][2]
Fallereignis
Der Fall des Meteoriten ereignete sich am Abend des 3. Juli 1753 in Böhmen. Zeugen berichteten von einem hellen Feuerball (Boliden) und mehreren Knallgeräuschen, denen ein Steinhagel folgte, bei dem zahlreiche Fragmente nahe der Stadt Tábor niedergingen.[4]
Eine zeitgenössische Beschreibung geht auf den Jesuiten und Naturforscher Joseph Stepling zurück, der in seiner Korrespondenz neben meteorologischen Beobachtungen auch das Fallereignis schilderte.[4] Seine Aufzeichnungen zählen zu den frühesten detaillierten naturwissenschaftlichen Berichten über einen beobachteten Meteoritenfall in Mitteleuropa.
Der Fall fand in einer Zeit statt, in der der außerirdische Ursprung von „Feuersteinen“ in der Gelehrtenwelt noch stark umstritten war. Viele Naturforscher deuteten derartige Funde als „Donnersteine“ oder rein atmosphärische Phänomene. Erst einige Jahrzehnte später trugen systematische Untersuchungen und die Arbeiten des deutschen Physikers und Astronomen Ernst Florens Friedrich Chladni und des französischen Physikers und Mathematikers Jean-Baptiste Biot entscheidend zur Anerkennung von Meteoriten als kosmische Körper bei. Chadni listete in seinem im Jahr 1794 publizierten Buch „Über den Ursprung der von Pallas gefundenen und anderer ihr ähnlicher Eisenmassen und über einige damit in Verbindung stehende Naturerscheinungen“ 18 beobachtete Meteoritenfälle auf, darunter auch der Fall des Meteoriten von Tabor.[5]
Sammlungsgeschichte
Von Graf Vinzenz von Wratislaw, dem damals in Tabor residierenden Kreishauptmann, wurde der Fall des Meteoriten untersucht und der Stein wurde mit einem Bericht an das königliche Böhmische Kammer-Präsidium in Prag und von dort an die k. k. Hofkammer in Wien geschickt.[6] Im Jahr 1778 wurden das Hauptstück des Eisenmeteoriten von Hraschina und der Steinmeteorit Tábor gemeinsam aus der kaiserlichen Schatzkammer in das k.k. Hofmineraliencabinett überführt.[7][2] Diese beiden Meteoriten gelten damit als die Gründungsobjekte der späteren Meteoritensammlung des Naturhistorischen Museums Wien.[1] Das größte bekannte Stück des Meteoriten (etwa 2,8 kg) wird heute in der Meteoriten-Schausammlung des Museums (Saal 5) gezeigt.[1]

Neben dem Naturhistorischen Museum Wien besitzen auch zahlreiche andere Institutionen kleinere Fragmente des Meteoriten:
- Nationalmuseum in Prag: 4 Stücke mit 477 Gramm, 164 Gramm, 127 Gramm und 68 Gramm.[8][9]
- Muséum national d’histoire naturelle in Frankreich: 1 Stück mit 143,7 Gramm[10]
- Meteoritensammlung der Smithsonian Institution: 2 Dünnschliffe und 5 Fragmente, das größte davon mit einer Masse von 38,52 Gramm[11]
- American Museum of Natural History in New York: Ein Stück von 43,2 Gramm[12]
- Meteoritensammlung an der vatikanischen Sternwarte in Castel Gandolfo: Ein Stück von 6 Gramm[13]
- Geologische Sammlung in Estland: Ein Stück von 3,5 Gramm[14]
Darüber hinaus gibt es Fragmente in weiteren Privat- und Museumssammlungen in Europa und Nordamerika.
Bedeutung für die Meteoritenforschung
Der Meteorit Tábor gehört zu den historisch frühen, gut dokumentierten Meteoritenfällen, die in der wissenschaftlichen Diskussion über die Natur von „Feuersteinen“ eine Rolle spielten. Zusammen mit anderen klassischen Fällen wie Hraschina, Stannern oder L’Aigle wird er häufig in historischen Übersichten der Meteoritenforschung erwähnt.[15]
Die Aufnahme des Meteoriten in der frühen kaiserlichen Sammlung in Wien trug dazu bei, dass Meteoriten systematisch gesammelt, beschrieben und mit geologischen und mineralogischen Methoden untersucht wurden. Deshalb gilt Tábor als wichtiges Objekt der Wissenschafts- und Sammlungsgeschichte.
