Tagebau Werminghoff II
Braunkohlentagebau im Lausitzer Braunkohlerevier im heutigen Nord-Sachsen
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Der Tagebau Werminghoff II war ein Braunkohlentagebau im Lausitzer Braunkohlerevier in Nord-Sachsen, der von 1933 bis 1960 existierte. Er wurde zuerst von den Eintracht Braunkohlenwerken nach dem Firmengründer Joseph Werminghoff benannt und erhielt 1945 den Namen Tagebau Glückauf II. 1946 fiel der Entscheid zur vollständigen Demontage des Förderbetriebes im Rahmen der Reparationen für die damalige Sowjetunion. Der Tagebau wurde aber unmittelbar nach der Demontage wieder aufgebaut und weiter betrieben. Mit der Auskohlung des Tagebaues 1960 wurde der Tagebaubetrieb im Tagebau Lohsa fortgeführt.
| Tagebau Werminghoff II | |||
|---|---|---|---|
| Allgemeine Informationen zum Bergwerk | |||
| Abbautechnik | Tagebau auf 7,45 km² | ||
| Informationen zum Bergwerksunternehmen | |||
| Betreibende Gesellschaft | Eintracht Braunkohlenwerke n. 1945 BKK Senftenberg | ||
| Betriebsbeginn | 1933 | ||
| Betriebsende | 1960 | ||
| Geförderte Rohstoffe | |||
| Abbau von | Braunkohle | ||
| Geographische Lage | |||
| Koordinaten | 51° 24′ 10″ N, 14° 19′ 10″ O | ||
| |||
| ehemals: Kreis Hoyerswerda, Landkreis Kamenz, Deutschland (NUTS3) | heute: Landkreis Bautzen | ||
| Land | Freistaat Sachsen | ||
| Staat | Deutschland | ||
| Revier | Lausitzer Braunkohlerevier | ||
Geschichte

Weil die Förderung im Tagebau Werminghoff I bei Knappenrode um 1933 zu Ende ging, wurde im gleichen Jahr der wenige Kilometer östlich von diesem zwischen Mortka, Litschen und Lohsa liegende Tagebau Werminghoff II aufgeschlossen. Dem Aufschluss ging eine gründliche Planung voraus, um Fehler der Planung des Abraumförderbetriebes von vornherein zu vermeiden. Es wurden drei Varianten ausgearbeitet und miteinander verglichen.[1.1] Nach ausgiebigem Vergleich und Beratung über die jeweiligen Vor- und Nachteile der einzelnen Varianten einigte man sich auf eine Ausführungsvariante, bei der an der Südseite des Tagebaufeldes zwischen Mortka und Litschen zuerst ein Aufschlussfeld freigelegt wurde und dann mit dem Aufbau der vom Tagebau Werminghoff I überführten Abraumförderbrücke begonnen werden sollte.[1.2]
1933 und 1934 wurde mit der Entwässerung des Gebietes begonnen. 1935 begann man mit der Aufschlussbaggerung im Feld neben Mortka. Nachdem 1938 mit der Kohleförderung begonnen wurde, setzte man die seit 1929 im Tagebau I befindliche Abraumförderbrücke über eine Distanz von 6 Kilometern in den Tagebau II um. Diese wurde im Tagebau II durch das Hinzufügen eines zusätzlichen Baggers für den Hochschnitt für eine verdoppelte Förderung auf 16 Mio. m³ umgebaut.[2] Der Landtransport zwischen den beiden Tagebauen nahm eine Zeit von 23 Tagen in Anspruch.[3.1] Durch Kriegsereignisse kam die Brücke stark verspätet Anfang Juni 1946 erst in Betrieb.[1.3]
Unmittelbar nach Ingangsetzen der Abraumförderbrücke wurde der Befehl zum Abbau der Tagebauausrüstung mitsamt der Demontage der Brikettfabrik Knappenrode durch die Reparationen in die Sowjetunion gegeben und die Abraumförderbrücke trat ihren Gang in die UdSSR an, wo sie bis 1985 in Betrieb war.[3.2] Noch während die Reparationen liefen, wurde um 1947 der Beschluss zum Wiederaufbau vom Tagebau und der Brikettfabrik Knappenrode gefasst, und der Tagebaubetrieb lief langsam wieder an,[3.3] zuerst nur mit Zugbetrieb. Nach der Auskohlung eines früheren Tagebaues bei Welzow sollte die dort sich befindende Abraumförderbrücke nach Knappenrode umgesetzt werden. Bei der Vorbereitung zum Landtransport brach diese entzwei.[3.4] Die verwertbaren Teile wurden nach Knappenrode umgesetzt, und die Brücke lief nach Wiederfaufbau noch bis zum Ende des Tagebaubetriebes im Jahr 1960.
Abraumförderbrücken des Tagebaues
| Im Einsatz befindliche Abraumförderbrücken des Tagebaus Werminghoff II | ||||
|---|---|---|---|---|
| Typ | Einsatzorte | Betrieb | Abraumbewegung | Bemerkungen |
| Abraumförderbrücke Werminghoff | ||||
| AFB Werminghoff | Tagebau Werminghoff I | 1944–1946 | Fördermenge unbekannt | Reparationen in die UdSSR |
| Abraumförderbrücke Clara | ||||
| AFB Clara | Tagebau Welzow | 1950–1960 | Fördermenge unbekannt | Übergabe an Tagebau Burghammer |
Braunkohle

Die geförderte Braunkohle wurde vorrangig an die Brikettfabrik Knappenrode und die umliegenden Kraftwerke der Eintracht über die Kohleverbindungsbahnen geliefert, nach 1945 erfolgte die Lieferung hauptsächlich nach Knappenrode und Zeißholz.
Insgesamt wurden 153 Millionen m³ Abraum bewegt und 53 Millionen Tonnen Rohbraunkohle gefördert.
Kohleverbindungsbahn

Der Tagebau war so geplant, dass von Mortka aus eine Abraumbahn zum ausgekohlten Tagebau I angelegt wurde, die Kohleförderung wurde von diesem Feld aus nördlich ebenfalls auf Grubenbahngleisen durchgeführt. Das ging in nördlicher Richtung bis vor die damals noch nördlich von Lohsa vorbeiführende Bahnstrecke Węgliniec–Roßlau und über die damals noch nicht existierende Bahnstrecke Königswartha–Weißkollm hinweg einerseits zur Brikettfabrik Knappenrode und der Bahnstrecke Knappenrode–Zeißholz, ein weiterer Ast führte nördlich über die Bahnstrecke Bluno–Knappenrode zum Firmensitz der Gesellschaft in Welzow. Somit war der Hauptsitz der Gesellschaft mit den außenstehenden Tagebauen und Brikettfabriken durch Förderbahnen verbunden.
Als Fahrzeugmaterial wurde hauptsächlich gebrauchtes Material verwendet. Für den Abraumzugbetrieb wurden Lokomotiven AEG Bo Bo 44t 368 kW und Abraumwagen mit einem Inhalt von 25 m³ verwendet.[4]
Orts- und Flächeninanspruchnahme
Sanierung und touristische Nutzung

Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) sanierte das Gebiet des ehemaligen Tagebaus. Dabei wurden die gekippten Böschungen abgeflacht, ehemalige Deponien entfernt oder gesichert sowie Infrastruktur geschaffen und ehemalige Tagebauanlagen rückgebaut. Des Weiteren erfolgte eine Hebung und Reinigung des Tagebauwassers.
Als Bergbaufolgelandschaft entstand durch Flutung des Restloches zwei miteinander verbundene Seen, Silbersee und Mortka-See, und es mussten als Folge von dem Tagebau Lohsa die Bahnstrecke Węgliniec–Roßlau sowie die B 156 umgelegt werden.[5] Die ehemaligen den Tagebau versorgenden Förderbahnen Bluno–Knappenrode bzw. Schwarze Pumpe–Knappenrode sind heute als Wanderwege bzw. die Betriebsstraße Knappenrode – Lohsa für den Individualtourismus benutzbar.
Literatur
- Dr.-Ing. Otto Gold: Der Aufschluß von Braunkohletagebauen. Verlag Wilhelm Knapp, Halle, 1952, S. 127–137.
- Siegfried Laumen und Thomas Suhr: Einhundert Jahre Abraumförderbrücken, die Geschichte einer Bergbaumaschine. Hendrik Bäßler Verlag, Berlin 2024, ISBN 978-3-910447-35-6.
