Teodor Currentzis

griechisch-russischer Dirigent From Wikipedia, the free encyclopedia

Teodor Currentzis (griechisch Θεόδωρος Κουρεντζής Theódōros Kourentzís [θɛˈɔðɔrɔs kurɛnˈʣis]; * 24. Februar 1972 in Athen) ist ein griechischer Dirigent, Musiker und Schauspieler, der zusätzlich auch die russische Staatsbürgerschaft besitzt. Er ist künstlerischer Leiter der Ensembles MusicAeterna und Utopia und war von 2018 bis 2024 Chefdirigent des SWR Symphonieorchesters.

Teodor Currentzis (2016)

Leben

Teodor Currentzis wuchs als Sohn einer Pianistin auf; sein Bruder ist Komponist. Er begann im Alter von fünf Jahren mit Klavierunterricht und erhielt ab sieben Jahren Violinunterricht, den er mit zwölf Jahren am Nationalen Konservatorium in Athen fortsetzte.

Von 1987 bis 1989 studierte er unter anderem bei George Hadjinikos Komposition[1] und begann parallel ein Dirigierstudium in Athen, das er von 1994 bis 1999 am Sankt Petersburger Konservatorium bei Ilja Musin fortsetzte.

In den Jahren von 2004 bis 2010 war Currentzis Chefdirigent am Staatlichen Akademischen Opern- und Balletttheater in Nowosibirsk, dem größten Opernhaus in Sibirien. Dort gründete er das Orchester MusicAeterna und wurde für seine Arbeit mehrfach ausgezeichnet.

Weiter entwickelte sich eine enge Beziehung zum Freiburger Balthasar-Neumann-Ensemble, mit dem er im Festspielhaus Baden-Baden die Opern Carmen und Così fan tutte produzierte. Durchschlagenden Erfolg hatte sein Dirigat von Weinbergs Oper Die Passagierin bei den Bregenzer Festspielen 2010.[2]

Von 2011 bis 2019 leitete er als Musikdirektor das Opern- und Ballett-Theater in Perm, dessen Residenzorchester und -Chor sein Ensemble MusicAeterna wurde.[3][4] Zugleich hatte Currentzis den Posten als Erster Gastdirigent beim SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg.[2]

Im Filmprojekt DAU des Regisseurs Ilja Chrschanowski verkörperte Currentzis 2011 die Hauptrolle des Physik-Nobelpreisträgers Lew Landau.[5] 2014 erhielt Currentzis die russische Staatsbürgerschaft.[6] 2016 sendete Arte die Dokumentation Currentzis – Der Klassikrebell.

Im Jahr 2017 solidarisierte sich Currentzis mit dem russischen Regisseur Kirill Serebrennikow, der in Moskau unter Hausarrest gestellt worden war. In einer öffentlichen Erklärung kritisierte er das Vorgehen der russischen Behörden als „inakzeptabel“ und warnte, dass eine solche „harsche und vorverurteilende Behandlung“ die Meinungsfreiheit sowie die Zukunft der zeitgenössischen Kunst gefährde.[7][8]

Currentzis dirigiert MusicAeterna

2017 debütierte Currentzis und MusicAeterna bei den Salzburger Festspielen mit Mozarts La clemenza di Tito in einer Inszenierung von Peter Sellars.

Ab der Spielzeit 2018/19 bis Juni 2024 war Currentzis der erste Chefdirigent des SWR Symphonieorchesters.[9][10]

Im Herbst 2022 gründete Currentzis das internationale Festivalorchester Utopia, das seine Residenz im Funkhaus Berlin hat. Seitdem gastiert das Orchester jährlich bei den Salzburger Festspielen sowie in großen Konzerthäusern in mehreren europäischen Ländern.

In Zusammenarbeit mit dem Klassiklabel Outhere Music gründete Currentzis 2024 sein eigenes Label Theta, um die Musik seiner Ensembles zu veröffentlichen. Für 2025 sind zwei Alben mit Einspielungen von Bruckners 9. Sinfonie und Mahlers 3. Sinfonie angekündigt, die mit Utopia in Berlin aufgenommen wurden.[11]

Rezeption seit dem Ukrainekrieg

Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 berichteten verschiedene Medien über Forderungen an Currentzis, sich öffentlich von dem Krieg zu distanzieren. Das Ausbleiben einer öffentlichen Stellungnahme wurde in Feuilletons und Fachmedien kontrovers kommentiert.[12] Der Musikjournalist Axel Brüggemann warf Currentzis eine zu große „Nähe zum russischen Staat“ vor und verwies dabei auf die finanzielle Abhängigkeit seines Ensembles MusicAeterna von der russischen VTB-Bank, die überwiegend in staatlichem Besitz ist.[13] In der Folge sagten einzelne Veranstalter geplante Auftritte ab,[14] unter anderem ein von Currentzis geplantes Benefizkonzert für ukrainische Flüchtlinge.[15]

Auszeichnungen

Currentzis mit seiner Schallplatte Le sacre du printemps (2016)

Goldene Maske des Russischen Theaterverbands

  • 2004: Auszeichnung als Bester Operndirigent für Verdis Aida an der Staatsoper Nowosibirsk
  • 2007: Ehrung für eine brillante Aufführung von Prokofjews Musik für Prokofjews Cinderella
  • 2008: Ehrung für herausragende Leistungen im Bereich der historischen Aufführung für Mozarts Le nozze di Figaro
  • 2011: Auszeichnung als Bester Operndirigent für Alban Bergs Wozzeck am Bolschoi-Theater in Moskau
  • 2013: Auszeichnung als Bester Operndirigent für Mozarts Così fan tutte an der Staatsoper Perm
  • 2015: Auszeichnung als Bester Operndirigent für Purcells The Indian Queen an der Staatsoper Perm
  • 2017: Auszeichnung als Bester Operndirigent für Verdis La traviata an der Staatsoper Perm

Echo Klassik

  • 2014: Auszeichnung in der Kategorie Operneinspielung des Jahres für die Aufnahme von Mozarts Le nozze di Figaro[16]
  • 2016: Auszeichnung in der Kategorie Sinfonische Einspielung (Musik 20./21. Jh.) für die Aufnahme von Strawinskys Le sacre du printemps

Sonstige Auszeichnungen

Diskografie

Schnelle Fakten
Chart­plat­zie­rungen
Erklärung der Daten
Alben[21]
Beethoven: Symphony No. 5 in C Minor, Op. 67 (mit MusicAeterna)
 DE5519.06.2020(1 Wo.)
 AT2926.06.2020(1 Wo.)
Beethoven: Symphony No. 7 in A Major, Op. 92 (mit MusicAeterna)
 DE5816.04.2021(2 Wo.)
 AT6523.04.2021(1 Wo.)
 CH7618.04.2021(1 Wo.)
Schließen

Filme

  • 2016: Currentzis – Der Klassikrebell, Dokumentarfilm von Christian Berger
  • 2018: Conduction, Dokumentarfilm von Alexey Loginov
  • 2018: Die Sprache unserer Träume – Der Dirigent Teodor Currentzis, Dokumentarfilm von Andreas Ammer
Commons: Teodor Currentzis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI