Terroranschlag am Bondi Beach
Terroranschlag in Australien am 14. Dezember 2025
From Wikipedia, the free encyclopedia
Der Terroranschlag am Bondi Beach im australischen Sydney war ein antisemitischer islamistischer Terrorangriff. Er fand am 14. Dezember 2025 in den frühen Abendstunden während einer Feier zum Auftakt des achttägigen jüdischen Festes Chanukka statt, zu der sich über 1000 Teilnehmer am Bondi Beach eingefunden hatten. Die zwei Attentäter ermordeten 15 Personen, darunter ein Kind, 43 weitere wurden zum Teil schwer verletzt, darunter zwei Polizisten. Einer der beiden Angreifer wurde von Sicherheitskräften erschossen; der zweite wurde niedergeschossen und verhaftet.[1] Bei den Angreifern handelte es sich um einen 50-jährigen Mann und seinen 24-jährigen Sohn.[2] Insgesamt wurden in sechs Minuten 103 Schüsse von den Attentätern und der Polizei abgegeben.[3]

Kurz nach dem Angriff meldete die Polizei, die Bombenentschärfungseinheit von New South Wales habe improvisierte Sprengsätze in einem Auto auf der Campbell Parade, der Hauptstraße parallel zum Strand, entfernt.[4]
Es handelt sich um Australiens schwerstes Ereignis dieser Art seit dem Massaker von Port Arthur in Tasmanien im Jahr 1996 mit 35 Toten.[5]
Hintergrund
Zum Auftakt des jüdischen Festes Chanukka hatte die Chabad-Lubawitsch-Bewegung zur Veranstaltung Chanukah by the Sea („Chanukka am Meer“) zum Entzünden der ersten Kerze um 17 Uhr eingeladen, woran mehr als 1000 Menschen teilnahmen.[6][7] Chanukka ist primär ein häusliches, familiäres Freudenfest. Am Beginn und Ende finden jedoch häufig auch öffentliche Veranstaltungen statt. Bondi Beach ist ein bekannter Sandstrand und beliebter Surfspot von Sydney.
Tathergang

Kurz vor dem Anschlag versuchte ein jüdisches Ehepaar, einen Täter zu entwaffnen, nachdem sie an dessen Fahrzeug eine selbstgemachte Flagge des Islamischen Staates bemerkt hatten. Beide kamen dabei ums Leben.[8][9][10] Kurz darauf eröffneten zwei Männer von einer Fußgängerüberführung sowie einem Parkplatz mit Langwaffen das Feuer auf die Menschenmenge.[11] Videoaufnahmen zeigen, wie einer der Attentäter dann von einem unbewaffneten Passanten entwaffnet wurde; der 43-jährige Ladenbesitzer syrischer Herkunft wurde dabei verletzt. Der Attentäter lief zurück zur Überführung und bewaffnete sich dort erneut.[9] Ein Mann warf einen Ziegelstein auf den zur Überführung zurückweichenden Täter, der andere Attentäter erschoss ihn.[12] Laut Polizeiangaben warfen die Attentäter in Richtung der Menschenmenge insgesamt vier improvisierte Sprengsätze, die zwar nicht detonierten, jedoch als funktionsfähig eingestuft worden seien.
Der ältere Angreifer wurde auf der Fußgängerüberführung von Sicherheitskräften erschossen.[13][14][15] Sein Sohn wurde wenig später von der Polizei angeschossen[1] und festgenommen; er lag zunächst im Koma, aus dem er am 17. Dezember erwachte. Er wurde wegen 15-fachen Mordes angeklagt; insgesamt werden ihm 59 Tatbestände, darunter auch der Vorwurf einer terroristischen Tat, zur Last gelegt.[16]
Getötet wurden unter anderem ein zehnjähriges Mädchen, ein Franzose und ein Israeli,[17] Rabbiner Eli Schlanger – Emissär der Chabad-Lubawitsch-Bewegung in Bondi Beach[18] –, ein weiterer Rabbiner sowie der Holocaust-Überlebende Alex Kleytman.[19]
Täter
Die Täter waren der 50-jährige Sajid Akram sowie dessen 24-jähriger Sohn Naveed Akram. Beide waren laut dem australischen Premierminister Anthony Albanese von den Zielen und der Ideologie des Islamischen Staates inspiriert.[20]
Sajid Akram war indischer Staatsbürger[21] und kam 1998 legal nach Australien, sein Sohn Naveed wurde in Australien geboren und ist australischer Staatsbürger. Er lebte nach Polizeiangaben im Südwesten Sydneys. Im Alter von 17 Jahren begann er, sich als islamischer Straßenprediger zu engagieren.[22]
Der australische Inlandsgeheimdienst ASIO nahm bereits 2019 Ermittlungen zu dem damals 18-jährigen Naveed Akram auf, nachdem dieser Verbindungen zu einer in Sydney ansässigen IS-Zelle hatte.[23] Die Ermittlungen wurden jedoch nach sechs Monaten eingestellt, da es keine Hinweise darauf gegeben habe, dass eine Gefahr von ihm ausgehe.[24]
Sajid Akram besaß legal sechs Langwaffen, mit denen der Anschlag verübt wurde, und war als Jäger registriert.
Die beiden Attentäter reisten im November 2025 für vier Wochen auf die Philippinen, wobei sie Davao City auf der Insel Mindanao als ihr Ziel angaben. Hier lebt eine bedeutende muslimische Minderheit auf den ansonsten mehrheitlich römisch-katholischen Philippinen.[23] Medien vermuten, dass die beiden dort eine militärische Ausbildung absolviert haben. Sajid nutzte einen indischen Pass, sein Sohn seinen australischen.[25][26] Sie kehrten am 28. November nach Australien zurück.
Der spätere Anschlag wird vom Guardian als nicht komplex eingestuft. Die Attentäter planten offenbar nicht, Geiseln zu nehmen oder eine Stellung gegen Sicherheitskräfte zu verteidigen. „Ihre vorhandenen Fähigkeiten waren für ihren entsetzlichen Zweck wahrscheinlich ausreichend“, resümierte die Zeitung.[27][28]
Naveed Akram erwachte am Mittwoch, 17. Dezember 2025, aus dem Koma. Er befand sich unter Polizeibewachung im Krankenhaus.[22] Mittlerweile ist er im Hochsicherheitsgefängnis von Goulburn untergebracht.
Verfahren
Reaktionen
Australien

Chris Minns, Premierminister des australischen Bundesstaates New South Wales, erklärte, der Angriff habe sich gegen die jüdische Gemeinschaft von Sydney gerichtet.[31]
Der australische Nationale Imam-Rat verurteilte den Anschlag und erklärte: „Dies ist ein Moment, in dem alle Australier, einschließlich der australischen muslimischen Gemeinschaft, in Einheit, Mitgefühl und Solidarität zusammenstehen, Gewalt in all ihren Formen ablehnen und unser gemeinsames Engagement für sozialen Frieden und die Sicherheit aller Australier bekräftigen müssen.“[32]
Der australische Geheimdienstchef Mike Burgess erklärte Antisemitismus zur größten Bedrohung für das Leben im Lande.[33]
Eine beliebte jüdische Bäckerei im Stadtteil Surry Hills in Sydney wurde wenige Tage nach dem Anschlag geschlossen. Der Eigentümer begründete die Schließung: „Nach zwei Jahren fast ununterbrochener antisemitischer Belästigungen, Vandalismus und Einschüchterungen gegen unsere kleine Bäckerei müssen wir realistisch einschätzen, welche Bedrohungen auch in Zukunft bestehen werden. Diese Bedenken sind nun deutlich dringlicher und ernster. Selbst nach diesem Terroranschlag dauern die Bedrohungen an.“[34]
Wenige Tage nach dem Attentat leitete die Regierung ein Programm zum Rückkauf von Schusswaffen ein. Zudem einigte sie sich darauf, die Zahl der Waffen pro Person gesetzlich zu begrenzen, bestimmte Waffentypen zu verbieten und Waffenscheine nur noch zeitlich begrenzt sowie unter der Voraussetzung der australischen Staatsbürgerschaft auszustellen.[35]
Der Bondi Beach wurde zunächst auf unbestimmte Zeit gesperrt. Am 18. Dezember wurde das Areal wieder für die Öffentlichkeit freigegeben.[29]
Nach dem Terroranschlag am Bondi Beach hat Australiens Premierminister Anthony Albanese einen nationalen Trauertag angekündigt. Die offizielle Bestätigung solle zu Beginn des neuen Jahres erfolgen, teilte der Regierungschef mit.[36]
Am 21. Dezember 2025 um 18:47 Uhr Ortszeit (8:47 MEZ) fand genau eine Woche nach dem Anschlag eine australienweite Schweigeminute zum Gedenken an die Opfer statt.[37]
David Ossip, Vorsitzender des Jüdischen Rates von New South Wales, sprach auf einer Gedenkveranstaltung: „Letzte Woche ist uns unsere Unschuld genommen worden (…) Wir sind an einem dunklen Ort gelandet. Aber Freunde, Chanukka lehrt uns, dass Licht selbst die trostlosesten Orte erhellen kann. Eine einzige mutige Tat, eine einzige Flamme der Hoffnung kann uns Orientierung geben und den Weg nach vorn weisen.“[38] Er drückte Ahmed Al Ahmed und Gefen Bitton, die sich den Angreifern entgegengestellt hatten, seinen Dank aus. Er besuchte Ahmed Al Ahmed im Krankenhaus, um ihm die grenzenlose Dankbarkeit der Jüdischen Gemeinschaft auszudrücken für seinen mutigen Einsatz und Tapferkeit, mit der er viele Leben gerettet habe.[39]
Sydney führte am Silvesterabend (um 14.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit) eine gigantische Lichtshow vor der Kulisse der Sydney Harbour Bridge und des Opernhauses durch. Eine Stunde vor dem Jahreswechsel hat Sydney in einer Schweigeminute der Opfer des Anschlags gedacht. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Brücke ganz in weißes Licht gehüllt, mit dem Wort »Peace« (Frieden) beleuchtet, und eines der markanten Segel des Opernhauses wurde mit einer Menora versehen. Die Stadt bereitete sich zum Jahreswechsel mit einem außergewöhnlich großen Polizeiaufgebot auf die Silvesterfeiern vor.[40]
International
Jitzchak Herzog, Präsident von Israel, sprach von einem grausamen Angriff auf Juden.[41]
Der israelische Außenminister Gideon Sa’ar reagierte mit scharfer Kritik an der australischen Regierung auf die Tat. Sie sei eine Folge der antisemitischen Randale auf den Straßen Australiens in den vergangenen zwei Jahren, die durch die antisemitischen und aufrührerischen Aufrufe Globalize Intifada (deutsch „Globalisiert die Intifada“) vorangetrieben wurde, die man nun umgesetzt habe. Die australische Regierung, die unzählige Warnsignale erhalten habe, müsse endlich zur Vernunft kommen.[42]
Die Palästinensische Autonomiebehörde verurteilte den Anschlag, ohne jedoch zu erwähnen, dass der Anschlag einem jüdischen Festakt galt. Sie verurteile alle Formen von „Gewalt, Terrorismus und Extremismus“, nannte jedoch insbesondere und ausschließlich die „andauernde Tötung von Zivilisten durch Israel im Gazastreifen und im Westjordanland“.[43]
Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete den Anschlag als „Angriff auf unsere gemeinsamen Werte“. Bildungsministerin Karin Prien und Außenminister Johann Wadephul (beide CDU) reagierten bestürzt auf den Angriff. Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, rief dazu auf, sich von solchen Taten nicht abschrecken zu lassen.
In einer Pressemitteilung wurde der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, mit den Worten zitiert: „Wir müssen uns klarmachen, dass dieser Angriff auf ein Chanukka-Fest nicht zufällig stattgefunden hat. Es ist das Muster antisemitischen Terrors, Feiertage auszuwählen, um arg- und wehrlose Menschen zu ermorden.“
Der Ältestenrat der Muslime in Osttimor unter Führung des Groß-Imams Ahmed Al-Tayeb verurteilte den Anschlag aufs Schärfste. Er lehne jede Form von Gewalt und Angriffe auf Zivilisten entschieden ab und rief dazu auf, die internationalen Bemühungen zur Bekämpfung von Hassrede, Extremismus und Rassismus zu verstärken und gleichzeitig die Ursachen dieser verwerflichen Gewalt durch die Förderung von Dialog und gegenseitigem Respekt anzugehen.[44] Staatspräsident José Ramos-Horta erklärte, Osttimor verurteile entschieden alle Formen von Terrorismus, Extremismus und Hass, einschließlich Antisemitismus, und bekräftige sein unerschütterliches Engagement für Frieden, Toleranz und gegenseitigen Respekt zwischen den Völkern.[45]
Weitere Pressemitteilungen mit Beileidsbekundungen ergingen von der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen: „Wir sind vereint gegen Gewalt, Antisemitismus und Hass“. Ähnlich äußerten sich die EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola und die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas, der neuseeländische Premierminister Christopher Luxon, der britische Premierminister Keir Starmer sowie der Außenminister der Vereinigten Staaten, Marco Rubio.[46] Zudem bekundeten Argentiniens Präsident Javier Milei, Kanadas Premierminister Mark Carney, Finnlands Präsident Alexander Stubb, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Indiens Premierminister Narendra Modi, Irlands Außenministerin Helen McEntee, Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif, Singapurs Premierminister Lawrence Wong, Schwedens Premierminister Ulf Kristersson, die Bundespräsidentin der Schweizerischen Eidgenossenschaft Karin Keller-Sutter, der Außenminister der Türkei Hakan Fidan und das Außenministerium der Vereinigten Arabischen Emirate ihr Beileid.
Weitere Folgen
Seit dem Massaker an den Teilnehmern der Chanukka-Feier gehen die Behörden verstärkt gegen Antisemitismus vor. Die australische Polizei hat einen Mann festgenommen und angeklagt. Bei zwei Hausdurchsuchungen habe die Polizei bei ihm sechs Gewehre und etwa 4000 Schuss Munition sowie Flaggen der in Australien als Terrororganisationen eingestuften Hamas und Hisbollah gefunden. Auch Notizbücher mit antisemitischen Äußerungen und Bezugnahmen auf Adolf Hitler und den Holocaust sowie Informationen und Einkaufslisten für den Bau einer Bombe seien sichergestellt worden. Zudem soll ein Mann aus Großbritannien aus Australien abgeschoben werden. Die Bundespolizei annullierte sein Visum, weil er Medienberichten zufolge verbotene Nazi-Symbole verwendet haben soll.[47] Kurz nach dem Terroranschlag am Bondi Beach ging in Melbourne ein Fahrzeug eines Rabbiners mit »Happy Chanukah!«-Schriftzug in Flammen auf.[48]