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The History of Sound

Film von Oliver Hermanus (2025) From Wikipedia, the free encyclopedia

The History of Sound ist ein romantisches Filmdrama von Oliver Hermanus mit Josh O’Connor und Paul Mescal in den Hauptrollen, das lose auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von Ben Shattuck basiert. Der Historienfilm feierte im Mai 2025 bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes seine Premiere. Anfang April 2026 kam der Film in die deutschen Kinos.

TitelThe History of Sound
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr2025
Schnelle Fakten Titel, Produktionsland ...
Film
Titel The History of Sound
Produktionsland USA, Vereinigtes Königreich
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2025
Länge 127 Minuten
Altersfreigabe
Stab
Regie Oliver Hermanus
Drehbuch Ben Shattuck
Produktion Lisa Ciuffetti, Andrea Roa, Andrew Kortschak
Kamera Alexander Dynan
Schnitt Chris Wyatt
Besetzung
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Handlung

Lionel stammt aus dem ländlichen US-Bundesstaat Kentucky. Dort ist er auf einer Farm mit den Liedern seines Vaters aufgewachsen. Im Jahr 1917 verlässt der talentierte Sänger seine Familie, um das Konservatorium von Boston zu besuchen. Während seiner dortigen Studienzeit macht Lionel die Bekanntschaft mit dem charmanten Komponisten David. Zwischen den beiden entwickelt sich eine tiefe Verbindung, und sie haben auch Sex. Der Kontakt bricht ab, als David Ende des Ersten Weltkriegs in die Armee eingezogen wird.

Nach Ende des Krieges begegnen sich Lionel und David wieder. Beide beschließen, im Winter des Jahres 1920 gemeinsam das ländliche Maine zu bereisen. Dort sammeln sie mit einem Phonographen amerikanische Volkslieder, um sie für zukünftige Generationen zu erhalten. David gibt vor, dass seine Universität diese Reise und die Forschung finanzieren würde.

In seinen Zwanzigern und Dreißigern durchstreift Lionel Europa. Er baut sich ein erfolgreiches und glückliches Leben auf und geht mehrere Liebesbeziehungen ein. Dennoch muss er ständig an die kurze gemeinsame Zeit mit David zurückdenken.[2] Lionel schreibt David oft Briefe, hört jedoch nach einem Jahr damit auf, da er nie eine Antwort erhält. Wegen einer schweren Erkrankung seiner Mutter kommt Lionel zurück in die USA.

Nachdem er die Angelegenheiten seiner Familie geregelt hat, reist Lionel nach Maine, um David zu finden. Dort erfährt er von einem Kollegen, dass David einige Zeit nach ihrer gemeinsamen Reise gestorben ist und dass dessen Fakultät die Reise nie tatsächlich finanziert hatte. Der Aufenthaltsort der Wachszylinder ist unbekannt. Lionel trifft Davids Witwe Belle, die offenbart, dass sie weiß, wer Lionel ist. Sie erzählt, wie sie und David sich kennengelernt haben, und dass Davids Tod ein Suizid infolge eines Kriegstraumas war. Sie gibt Lionel seine Briefe zurück und verspricht, ihm die Zylinder zu schicken, falls sie gefunden werden.

1980 ist Lionel inzwischen Ethnomusikologe und wirbt gerade für sein neuestes Buch, als ein Paket mit den Wachszylindern vor seiner Haustür eintrifft, die er damals mit David auf der Reise aufgenommen hat. Auf einer Aufnahme redet David selbst und entschuldigt sich bei Lionel und dankt ihm für ihre gemeinsame Zeit. Er singt schließlich Silver Dagger, das Lied, dass Lionel beim ersten Treffen gesungen hat.

Literarische Vorlage

Der Film basiert lose auf der Kurzgeschichte The History of Sound von Ben Shattuck aus dem Jahr 2018, die zuerst in der Literaturzeitschrift "The Common"[3][4][5] und 2025 auf Deutsch erschien. Der Erzähler Lionel erklärt darin, dass er nicht nur ein perfektes Gehör besitzt, sondern Geräusche auch sehen und sogar schmecken kann. Als junger Mann war er ein hervorragender Sänger und an einem Elite-Konservatorium in Boston eingeschrieben. Es ist schwer für Lionel zu verstehen, dass nicht jeder Musik wie er hört. Lionels wankelmütige Persönlichkeit ist wahrscheinlich der Grund, warum er noch nie in seinem Leben eine dauerhafte Beziehung hatte. Das einzige Mal, dass er wirklich verliebt war, war in David, den jungen Mann, mit dem er 1919 auf seine Musikkatalogisierungsreise ging, gleich nachdem David aus dem Krieg zurückgekehrt war. Vor dem Krieg hatten sie eine kurze Affäre. David verließ das College, ließ seine Mutter alleine auf der Farm zurück und kümmerte sich nicht um die verrottende Ernte. Lionel glaubte, das Bowdoin College habe diese Studie in Auftrag gegeben, obwohl David in Wahrheit die gemeinsame Reise bezahlte. David starb vom Krieg gezeichnet wenige Monate nach dem Ende der Reise. Als Lionels Stimme Jahrzehnte später nachlässt, beginnt er mit dem Schreiben, und gelangt zudem in den Besitz von alten Wachsaufnahmen von Liedern, die David damals von ihm machte.[6][7]

Shattuck wurde für die Geschichte mit dem Pushcart-Preis ausgezeichnet.[3][8] Der US-Amerikaner ist nicht nur Schriftsteller, sondern auch Maler und lebt an der Küste von Massachusetts. Er ist Absolvent des College of Architecture, Art, and Planning der Cornell University[9] und war Teaching-Writing Fellow des Iowa Writers' Workshops. Im Jahr 2017 wurde er mit dem PEN America Best Debut Short Story Award ausgezeichnet. Seine Texte wurden unter anderem im Harvard Review und in The New Republic veröffentlicht.[6]

Die so genannten Field-Recordings, die David und Lionel im Roman erstellen, um Lieder für die Nachwelt zu katalogisieren, bescherten dem US-amerikanischen Folklore- und Musikforscher Alan Lomax Berühmtheit. Im Film Like a Complete Unknown gehört Lomax zu den Gegnern elektronisch verstärkter Musik, wie sie Bob Dylan vorantreibt.[10]

Produktion

Filmstab

„The History of Sound ist für mich wie eine Verbeugung vor vielen Filmen, die ich selbst sehr mag, deren Form und Stil. Man darf also sehr wohl von einer Hommage sprechen.“

– Regisseur Oliver Hermanus über seinen Film[11]

Regie führt der Südafrikaner Oliver Hermanus.[3] Es handelt sich um seinen sechsten Spielfilm. Bekannt wurde Hermanus vor allem durch seine Filmdramen Moffie von 2019 und Living – Einmal wirklich leben von 2022. Auch bei Moffie handelte es sich um eine Literaturverfilmung mit schwuler Thematik. Zu dem Umstand, dass seine beiden Hauptdarsteller und auch alle anderen Beteiligten während der Dreharbeiten sämtliche Lieder selbst gesungen haben, erklärte der Regisseur: „Durch das Singen am Drehort entstand eine ganz besondere Atmosphäre, etwas Wahrhaftiges, etwas Greifbares. Es war so, wie es ist, wenn Menschen in einem Raum singen. Das bewegt etwas in uns. Wir haben uns auf diese Kultur des Zusammenseins eingelassen, auf diese Weise ist ein Film entstanden, der von diesen besonderen Momenten lebt.“[11] Für The History of Sound schrieb Autor Shattuck auch das auf seiner Kurzgeschichte basierende Drehbuch. Mit Filmeditor Chris Wyatt arbeitete Hermanus bereits für Living – Einmal wirklich leben zusammen.

Besetzung, Synchronisation und Dreharbeiten

Der Ire Paul Mescal und der Brite Josh O’Connor spielen in den Hauptrollen Lionel Worthing und David White.[3] Chris Cooper ist die Erzählstimme von Lionels älterem Ich.[12] Molly Price spielt Lionels Mutter und Raphael Sbarge Lionel Worthing Senior. In weiteren Rollen sind Hadley Robinson als Belle, Alessandro Bedetti als Vincent, Emma Canning als Clarissa Roux, Briana Middleton, Gary Raymond und Michael Schantz zu sehen.[13] Das Casting übernahm Susan Shopmaker.

Die deutsche Synchronisation entstand nach einem Dialogbuch von Alexander Löwe und der Dialogregie von Marius Clarén im Auftrag der Interopa Film GmbH in Berlin.[14]

Josh O’Connor und Paul Mescal spielen David und Lionel
Josh O’Connor und Paul Mescal spielen David und Lionel
Josh O’Connor und Paul Mescal spielen David und Lionel
Weitere Informationen Darsteller, Synchronsprecher ...
DarstellerSynchronsprecherRolle
Paul Mescal Amadeus Strobl Lionel
Josh O’Connor Roman Wolko David
Hadley Robinson Melinda Rachfahl Belle Sinclair
Michael Schantz Florian Clyde Bob Sinclair
Emma Canning Lena Schmidtke Clarissa Roux
Sam Breslin Wright Marius Clarén College Instructor
Chris Cooper Axel Lutter Lionel (älter)
Tom Nelis Rainer Doering Lionels Großvater
Molly Price Elisabeth Günther Lionels Mutter
Peter Mark Kendall Lasse Dreyer Nathan
Dion Graham Jaron Löwenberg Will Swain
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Gedreht wurde von März bis Mai 2024 in New York und im Norden von Hoboken in New Jersey, hier unter anderem im Gebäude von/der Elks Lodge und in der Umgebung der 10th Street und der Willow Avenue.[15][16] Als Kameramann fungierte Alexander Dynan, der zuletzt für die Filme First Reformed, Master Gardener und The Card Counter von Paul Schrader tätig war.

Marketing und Veröffentlichung

Erstes Bildmaterial wurde Anfang Mai 2025 vorgestellt.[17] Die Premiere des Films war am 21. Mai bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes, wo er im Wettbewerb um die Goldene Palme konkurrierte.[18] Ende August 2025 wurde der Film beim Telluride Film Festival gezeigt.[19] Ende September, Anfang Oktober 2025 wird er beim Filmfest Hamburg gezeigt.[20] Im Oktober 2025 sind Vorstellungen beim London Film Festival geplant.[21] Die Rechte sicherte sich der Streamingdienst MUBI und plante, The History of Sound im Laufe des Jahres 2025 zu veröffentlichen.[22] Focus Features / Universal Pictures International sicherten sich die internationalen Rechte.[13] Der Kinostart in Deutschland erfolgte am 9. April 2026.

Rezeption

Kritiken

Von den bei Rotten Tomatoes aufgeführten Kritiken sind 70 Prozent positiv.[23] Bei Metacritic erhielt der Film einen Metascore von 64 von 100 möglichen Punkten.[24]

Regisseur Oliver Hermanus

Thomas Schultze schreibt in seiner Kritik, mit The History of Sound stehe nun fest, dass Oliver Hermanus seinen sorgfältigen Inszenierungsstil mit Charakterentwicklung ohne Hast und mit einem klaren Fokus auf die Darstellerleistungen nunmehr verinnerlicht habe: „Jede Bewegung sitzt, jeder Ausschnitt stimmt, jede Komposition erfüllt ihren Zweck, um eine vergangene Ära mit einem Höchstmaß an Detailverliebtheit zu Leben zu erwecken, in der die Hauptfiguren mit den Konventionen der Zeit konfrontiert werden und im Zweifelsfall daran zerschellen.“ Die Wanderschaft gebe den beiden jungen Männern die Möglichkeit, ihrer gegenseitigen Leidenschaft Ausdruck zu geben. Hermanus gehe es nicht um die Beziehung, es gehe ihm um ihre Auswirkungen für das Leben von Lionel. Die Geschichte dieser großen Leidenschaft werde ganz fein gespielt von Paul Mescal und Josh O’Connor in den Hauptrollen, während sich im Hintergrund die Direktheit amerikanischer Folkmusik und die Opulenz klassischer Kompositionen verbinden zu einem Bildteppich menschlicher Erfahrung.[25]

Arabella Wintermayr schreibt in der taz, die poetischste Phase des Films, in der die beiden Männer mit einem Phonographen durch das ländliche Amerika ziehen, um die von vielen Stimmen überlieferten Songs auf Wachs zu bannen, und deren sanfte Melancholie weckten Assoziationen zu den Arbeiten von Kelly Reichardt, insbesondere ihren Neo-Western First Cow, auch wenn Paul Mescal dieser Vergleich womöglich wenig behagen dürfte, da es in dem Film tatsächlich „nur“ um eine zärtliche Freundschaft, nicht ausdrücklich um die Liebe zwischen zwei Männern gehe. Einiges in The History of Sound vermag nicht über den eklatanten Mangel an erzählerischer Substanz hinwegzutäuschen, über das Versäumnis, die schmale literarische Vorlage für eine über zweistündige Spielzeit anzureichern, und es gelinge Oliver Hermanus nicht, das Verlangen dieser beiden Männer spürbar zu machen. Was bleibt, sei ein musikalisch aufgeladenes Porträt verpasster Chancen, durchaus durchzogen von einer leisen, zutiefst humanistischen Grundstimmung, das bis zum Finale jedoch nie die Kraft entfalte, die es eigentlich verspricht.[12]

Dieter Oßwald lobt auf dem Arthaus-Portal Programmkino.de die auffallend große Liebe fürs Detail bei Ausstattung und Kostümen. Die Kamera feiere diese authentischen Tableaus regelrecht und fange sie in atmosphärisch starken Bildern ein. Auch schauspielerisch könne der Film überzeugen. Der als 007-Nachfolger gehandelte Ire Paul Mescal gebe nach seinem „Gladiator“-Auftritt den sensiblen Helden so glaubhaft wie in seinem oscarnominierten Auftritt in „Aftersun“. Ähnlich überzeugend und leinwandpräsent zeige sich Josh O’Connor, der nicht umsonst als einer der besten britischen Mimen seiner Generation gelte.[26]

Auszeichnungen

Guild of Music Supervisors Awards 2026

  • Nominierung in der Kategorie „Best Music Supervision in Low Budget Films“ (Lucy Bright)[27]

Internationale Filmfestspiele von Cannes 2025

London Critics’ Circle Film Awards 2026

Literatur

Einzelnachweise

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