Theodor Liebknecht
deutscher Rechtsanwalt und sozialistischer Politiker
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Theodor Karl Ernst Adolf Liebknecht (geboren am 19. April 1870 in Leipzig; gestorben am 6. Januar 1948 in Altendorf) war ein deutscher Rechtsanwalt und sozialistischer Politiker. Während der Weimarer Republik war er zunächst Mitglied und von 1924 bis 1931 letzter Vorsitzender der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD), danach Mitglied der SAPD. Von 1921 bis 1924 war er Mitglied des Preußischen Landtages.

Frühes Leben
Theodor Liebknecht war der älteste Sohn von Natalie und Wilhelm Liebknecht, der Mitbegründer der deutschen Sozialdemokratie und von 1874 bis 1900 Reichstagsabgeordneter war. Zu seinen vier jüngeren Brüdern zählen der USPD- und spätere KPD-Mitgründer Karl Liebknecht sowie der Chemiker Otto Liebknecht.
Er studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten Leipzig, Freiburg und Berlin. Seit dem Wintersemester 1890/91 war er Mitglied der paritätischen Studentenverbindung Freie Wissenschaftliche Vereinigung Berlin.[1] 1898 legte die Assessorprüfung ab und im Jahr darauf eröffnete er zusammen mit Oskar Cohn und seinem ein Jahr jüngeren Bruder Karl ein Rechtsanwaltsbüro in Berlin. Mit dieser Anwaltspraxis sicherte er die wirtschaftliche Grundlage der politisch engagierten Familie. Mit Rücksicht auf seinen Beruf verzichtete er 1901 auf das Angebot, selbst als Wahlkreiskandidat der SPD anzutreten.[2] Während des Ersten Weltkrieges war er ab 1915 Soldat, später bis zu seiner Demobilisierung Anfang 1919 Unteroffizier.
Liebknecht heiratete 1904 Lucie Bouvelle (1876–1943), mit der er fünf Kinder bekam.[2]
Politische Tätigkeit in der Weimarer Republik
Theodor Liebknecht war Mitglied der USPD, die sich unter maßgeblicher Beteiligung seines Bruders Karl während des Ersten Weltkrieges aus Protest gegen die kriegsbilligende Haltung der Mehrheits-SPD von der Mutterpartei abgespalten hatte. Anders als Karl beteiligte sich Theodor Liebknecht aber nicht an der Gründung der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) zum Jahreswechsel 1918/19, sondern blieb in der USPD. Öffentlich politisch aktiv wurde er erst nach dem von rechtsextremen Freikorps begangenen Mord an seinem Bruder und an Rosa Luxemburg im Januar 1919. Zugleich nahm er die drei Kinder seines ermordeten Bruders bei sich auf. Als Anwalt vertrat er u. a. den USPD-Vorsitzenden Georg Ledebour, der 1919 wegen seiner Beteiligung am Spartakusaufstand angeklagt war. Im Februar 1921 wurde Liebknecht in den Preußischen Landtag gewählt, dem er bis 1924 angehörte.
Nach der Novemberrevolution 1918 zunächst bedeutsam, wurde die USPD bis 1922 zusehends zerrieben. Die Mehrheit ihres linken Flügels schloss sich im Dezember 1920 der Kommunistischen Internationale und damit der KPD an (vgl. auch Vereinigte Kommunistische Partei Deutschlands). Ein großer Teil der reformorientierten USPD-Mitglieder ging bis 1922 zurück in die (Mehrheits-)SPD.
Theodor Liebknecht lehnte eine Zusammenlegung der USPD mit der KPD ab, unter anderem, weil er deren Beitritt zur von der jungen UdSSR dominierten, 1919 in Moskau unter Federführung Lenins gegründeten Kommunistischen Internationale (Komintern) kritisierte. Er sah darin eine Spaltung der internationalen sozialistischen Bewegung. Andererseits stand er auch der SPD unter Friedrich Ebert und seinen Nachfolgern ablehnend gegenüber. Sie hatte sich in Liebknechts Augen zu stark mit den alten konservativen Kräften aus dem Kaiserreich arrangiert und demokratische Chancen während der Novemberrevolution verspielt. So lehnte er auch eine Wiedervereinigung mit der SPD ab. Zusammen mit Georg Ledebour setzte er das linkssozialdemokratische Projekt USPD fort. Mit ihrer Haltung befanden sich Ledebour und Liebknecht jedoch in einer Minderheitenposition zwischen den in der breiten Bevölkerung als links betrachteten gegeneinander stehenden Polen SPD und KPD.
1921 unterstützte Liebknecht die Gründung einer neuen sozialistischen Internationale, nachdem die 1889 unter wesentlicher Mitwirkung seines Vaters gegründete zweite Internationale mit der Auslösung des Ersten Weltkrieges 1914 auseinandergefallen war. Theodor Liebknecht war beteiligt an der Gründung der Internationalen Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Parteien (IASP), der sogenannten „zweieinhalbten Internationalen“ (vgl. Internationale). Für diese beobachtete er 1922 gemeinsam mit Kurt Rosenfeld und dem Vertreter der belgischen Sozialdemokratie, Émile Vandervelde, den Prozess gegen 47 Mitglieder der Partei der Sozialrevolutionäre in Moskau.
Die USPD entwickelte sich nach 1922 zu einer marginalisierten Splitterpartei mit einer vornehmlich aus dem linksintellektuellen und pazifistischen Milieu stammenden Anhängerschaft. Liebknecht löste Ledebour 1924 von der Parteiführung der USPD ab, nachdem es zu Konflikten innerhalb der Partei über die Haltung zur Ruhrbesetzung gekommen war. Liebknecht lehnte, im Gegensatz zu Ledebour, die von der KPD stammende Parole „Schlagt Poincaré an der Ruhr und Cuno an der Spree!“ als nationalistisch ab. Ledebour verließ mit einer Minderheit die USPD und gründete den Sozialistischen Bund. Bei der Reichstagswahl im Mai 1924 fiel die von Liebknecht geführte „Rest-USPD“ auf 0,8 Prozent der Stimmen und verlor sämtliche ihrer Mandate.
1931 ging die USPD in der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD) auf. Damit vereinigte sie sich mit einer erneuten linken Abspaltung der SPD und auch einiger KPD-Abtrünniger, deren Ziel eine linke Einheitsfront gegen den erstarkenden Nationalsozialismus in Deutschland und den Faschismus in Europa war. Damit wandte sich die Partei auch gegen den von Moskau unter Stalin vorgegebenen Kurs der Komintern, der mit der Sozialfaschismusthese eine Zusammenarbeit zwischen sozialdemokratischen und kommunistischen Parteien gegen den Faschismus weitgehend verhinderte.
Aber auch die SAPD blieb von heftigen Flügelkämpfen nicht verschont. Parlamentarische Erfolge waren dieser Partei in den noch verbleibenden zwei Jahren der faktisch im Grunde schon gescheiterten Weimarer Republik ebenfalls nicht beschieden.
Der überzeugte Pazifist Theodor Liebknecht gehörte zusammen mit den linken Sozialdemokraten um Anna Siemsen und der Rote-Kämpfer-Gruppe um Bernhard Reichenbach zum nichtleninistischen Flügel der SAPD und wandte sich gegen den verstärkten Einfluss des leninistischen Flügels in der Partei.
Exil und Lebensende
Nach der Machtübernahme der NSDAP und der Umwandlung Deutschlands in eine nationalsozialistische Diktatur ging Liebknecht 1933 nach Basel ins schweizerische Exil. Von 1936 bis 1939 war er Beschäftigter des Internationalen Instituts für Sozialgeschichte (IISG) in Amsterdam/Niederlande.
Theodor Liebknecht überlebte Nationalsozialismus und Krieg. Er behielt nach dem Zweiten Weltkrieg seinen Wohnsitz in Basel, besuchte jedoch auch Freunde im von den Alliierten besetzten Deutschland. Bei einem solchen Besuch starb er 1948 im Alter von 77 Jahren im niedersächsischen Dorf Altendorf/Landkreis Gifhorn, das zu der Zeit im Grenzgebiet der britischen zur sowjetischen Besatzungszone lag.

Das Grabmal von Theodor Liebknecht findet sich auf dem Stadtfriedhof Engesohde in Hannover, Abteilung 17M, Grabnummer 3-4.[3]
Literatur
- Annelies Laschitza: Theodor Liebknecht: „… dass mein Kopf und mein Herz zu ihrem Recht kommen, das ist für mich das Wesentliche …“. In: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung. 37. Jahrgang, 4/95, S. 22–46.
- Liebknecht, Theodor, in: Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Band 1: Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben. München: Saur 1980, S. 445.
Weblinks
- Ilse Fischer: Liebknecht, Theodor. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 14. Duncker & Humblot, Berlin 1985, ISBN 3-428-00195-8, S. 504–505 (deutsche-biographie.de).
- Biografie von Theodor Liebknecht. In: Wilhelm H. Schröder: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs- und Landtagen 1876–1933 (BIOSOP)
- Theodor Liebknecht Papers im IISG (englisch)