Thomas Braidwood

britischer Pädagoge From Wikipedia, the free encyclopedia

Thomas Braidwood (* 1715; † 1806) war ein britischer Pädagoge, der an der Universität von Edinburgh studierte und dort 1760 die erste Schule für „Taubstumme“ in Großbritannien gründete.

Leben

Braidwood wurde als 4. Kind von Thomas Braidwood und Agnes Meek 1715 in Schottland geboren.

Er heiratete Margaret Pearson im Oktober 1752. Die 3 Töchter des Paares wurden in Edinburgh geboren.

Alle 3 Töchter wurden Gehörlosenpädagogen.

Braidwood starb 1806 in London. Seine Tochter Isabella (* 27. Januar 1758) führte die Schule danach weiter.[1]

Über Margaret (* 4. September 1755) ist nur bekannt, dass sie 1783 an die südliche Grenze Schottlands zog. Elizabeth (* 1757) heiratete früh einen Chirurgen aus Durham und zog dorthin.

Braidwood war ein entfernter Cousin von Thomas Braidwood Wilson nach dem die australische Stadt Braidwood in New South Wales benannt ist.

Karriere

Lehrerkarriere in Schottland

Braidwood etablierte sich ursprünglich als Schreiblehrer und unterrichtete die Kinder wohlhabender Familien in seinem Haus in Edinburgh.

Im Jahr 1760 nahm er seinen ersten gehörlosen Schüler Charles Shirreff auf, der später als Portraitmaler bekannt wurde. Der damals zehnjährige Shirreff war der Sohn des Weinhändlers Alexander Shirreff aus Leith, der ihn überzeugte dem gehörlosen Kind das Schreiben beizubringen.

Braidwood wechselte vom Unterricht hörender Kinder zum Unterricht gehörloser Kinder. Er benannte sein Gebäude in Braidwood Academy for the Deaf and Dumb um, welche die erste Schule dieser Art in Großbritannien war. Er entwickelte ein kombiniertes System zur Ausbildung gehörloser Kinder, dass eine Form von Gebärden sowie das Studium der Artikulation und des Lippenablesens mit Sprechen umfasste.[2] Diese frühe Form der Gebärden war der Vorläufer der British Sign Language, die 2003 als eigenständige Sprache anerkannt wurde.

Im Oktober 1773 besuchte Samuel Johnson die Schule während seiner Reise durch Schottland.[3]

Lehrerkarriere in London

Braidwood zog 1783 nach London ins East End, was damals eher dörflichen Charakter hatte, und richtete dort die Schule neu ein.[2][3] Braidwood akzeptierte im Unterricht „natürliche Gesten“, solange die Lautsprache nicht beherrscht wurde, und benutzte das Zwei-Hand-Fingeralphabet, das bis heute in Großbritannien gebräuchlich ist. Wo früher das Grove House stand, befindet sich heute ein Wohnblock mit einer Gedenktafel zur Schule.[4]

Joseph Watson, Braidwoods Neffe, begann 1784 seine Ausbildung zum Lehrer bei ihm. 1792 wurde Watson der erste Direktor des Asylum for the Deaf and Dumb, welches in der Old Kent Road in Bermondsey gegründet wurde.[2] Zu Watsons Schülern gehörte Englands erster gehörloser Rechtsanwalt John William Lowe.

Bemerkenswerte Schüler

Zu Braidwoods Schülern zählten neben Shirreff auch:

Einfluss auf die amerikanische Gehörlosenbildung

Vor dem 19. Jahrhundert gab es in Amerika kaum Bildungschancen für gehörlose Kinder. Einige wohlhabende Familien schickten ihre Kinder deshalb auf europäische Schulen.[6][7] Braidwoods Academy war die bekannteste Bildungseinrichtung für Gehörlose in Edinburgh. Sie war eine private Schule für mündliche Sprachbildung, die ihre Methoden geheim hielt und nur wenigen ausgewählten Personen zugänglich machte.[8]

Die in Virginia lebende Familie Bolling waren die bedeutendsten Kolonisten, die ihre Kinder an die Braidwood-Schule schickten.[7] Thomas Bolling und Elisabeth Gay hatten 3 gehörlose Kinder (John, Mary, Thomas jr.) und mindestens 2 hörende Kinder.[9][10] John besuchte 1771 als erstes der drei Kinder die Braidwood Academy, Mary und Thomas jr. kamen später nach.[8] Die 3 Bolling-Kinder kehrten 1783 in die USA zurück, erkrankten jedoch kurz nach ihrer Rückkehr. John starb sogar im Oktober 1783 und es lässt sich deshalb nicht sagen, wie effektiv die 10 Jahre mündlicher Unterricht bei ihm waren, die er erhielt.[11] Mary und Thomas jr. lebten noch mindestens 4 weitere Jahrzehnte und in Kommentaren zu Thomas jr. heißt es, er sei ein "Wunder an Leistungen" gewesen.[11]

1812 traf Gallaudet das kleine Mädchen Alice Cogswell, die ihn dazu inspirierte eine Gehörlosenschule in den USA eröffnen zu wollen. Die Braidwood-Schule wurde daraufhin 1815 von Thomas Hopkins Gallaudet aufgesucht in der Absicht, die Methoden zu studieren, um sie für den Aufbau einer Schule in Neuengland zu nutzen.[12] Dort angekommen wurde jedoch weder Gallaudet noch anderen die Methode verraten.[12] Daraufhin besuchte Gallaudet eine Vorlesung von Abbe Sicard und lernte dort auch Laurent Clerc kennen. Nach mehreren Monaten in Paris überzeugte Gallaudet Clerc mit ihm nach Amerika zu gehen und dort eine Schule zu eröffnen. Alice Cogswell war eine der ersten Schüler.[13]

Die nächste Generation hörender Bollings hatte auch gehörlose Kinder. Sie wollten allerdings, dass ihre Kinder in den USA zur Schule gingen.[10] William, das jüngste Kind von Thomas und Mary, heiratete seine Cousine Mary, die 5 Kinder bekam, von denen 2 gehörlos waren.[10] Das älteste gehörlose Kind William Albert weckte den Wunsch seines Vaters, eine Schule für Gehörlose in Amerika gründen zu wollen.[10] William Bolling lernte 1812 einen Enkel von Braidwood, John Braidwood,[14] in Amerika kennen, nachdem dieser dort angekommen war.[10][15] Bolling lud Braidwood ein, bei ihm zu wohnen, während Braidwood eine dauerhafte Wohnung suchte.[15] Braidwood besprach mit Bolling dann seinen Wunsch, in Amerika eine ähnliche Schule wie die Braidwood Academy eröffnen zu wollen.[15] Nach vielen Rückschlägen wurde die Cobbs-School 1815 in Cobb, Virginia, gegründet.[16][17] Sie wurde anderthalb Jahre später im Herbst 1816 wieder geschlossen, als Braidwood die Schule wegen persönlicher Probleme verlassen musste und Bolling sie finanziell nicht mehr unterstützen konnte.[17]

Literatur

Einzelnachweise

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