Thomas Geist (Übersetzer)
deutscher Pionier des Buddhismus
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Thomas Geist (geborener Thomas Krabbe; * 24. April 1953 in Münster; † 4. Mai 2003 in Eggenfelden) war ein deutscher Pionier des Buddhismus und Übersetzer bekannter buddhistischer Lehrer sowie Übersetzer zahlreicher englischer buddhistischer Bücher.

Leben und Wirken
Thomas Geist wurde in Münster geboren und besuchte dort ein Gymnasium. Nach der Schule zog er nach München, arbeitete dort zunächst in der Filmbranche und machte dann eine Ausbildung zum Diätassistenten. In München lernte er 1976 seine spätere Ehefrau Valerie Geist kennen. Mit der Heirat 1986 nahm er den Nachnamen Geist an.
Im Jahr 1982 hatte er bei einem Vortrag von Tenga Rinpoche[1] aus der Karma-Kagyu-Tradition in München seine erste Begegnung mit dem tibetischen Buddhismus – und dies war ein Wendepunkt in seinem Leben. Seither besuchte er regelmäßig das von Sylvia Wetzel und Freunden gegründete Meditationszentrum Aryatara-Institut[2] in Jägerndorf in Niederbayern. Er studierte dort bei Geshe Tegchok[3] aus der Gelug-Tradition des tibetischen Buddhismus und übersetzte für diesen und englischsprachige Gastlehrer des Zentrums.
1987 wurde Thomas Geist erster Angestellter der Deutschen Buddhistischen Union (DBU) in München. Im selben Jahr starteten er, Sylvia Wetzel und der Zen-Praktizierende Dieter Bünker (heute Lama Öser Bünker)[4] mit finanzieller Unterstützung durch Karl Schmied die Nullnummer der Lotusblätter[5] (heute Buddhismus aktuell[6]). Bis Mitte 1996 blieb Thomas Geist in Personalunion Sekretär der DBU-Geschäftsstelle und Chefredakteur der Lotusblätter.
Bereits im Jahr 1986 lernte Thomas Geist im Aryatara-Institut den tibetischen Lama Sogyal Rinpoche aus der Nyingma-Tradition des tibetischen Buddhismus kennen und wurde später dessen Schüler und deutscher Übersetzer.
Im Jahr 1991 wurde Thomas Geist Vereinsvorsitzender von Rigpa-Deutschland e. V.[7][8] des Vereins der deutschen Schüler und Schülerinnen von Sogyal Rinpoche. Einige Jahre später orientierte er sich vorwiegend in Richtung des vietnamesischen Zenlehrers, Dichters und Friedensaktivisten Thich Nhat Hanh, für den er regelmäßig bei dessen Auftritten im deutschsprachigen Raum dolmetschte.
Im Jahr 1996 erhielt Thomas Geist den Preis der Paul Haupt-AG[9] (ab 2003 Paul Haupt Verlag AG[10]), Bern, für seine Übersetzung Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben von Sogyal Rinpoche, Die fünf Pfeiler der Weisheit von Thich Nhat Hanh und seine zahlreichen anderen Übersetzungen aus der asiatischen buddhistischen Kultur, u. a. Klassische tibetische Medizin. Die Deutsche Nationalbibliothek zählt insgesamt 24 von Thomas Geist aus dem Englischen übersetzte buddhistische Bücher auf.
In seinen letzten Lebensjahren engagierte sich Thomas Geist auch vermehrt als Meditationslehrer. Am 4. Mai 2003 verstarb er mitten während eines Meditationskurses im Seminarhaus Engl[11] nach einer schon länger bestehenden schweren Krankheit im Krankenhaus von Eggenfelden in Niederbayern.
Nachrufe
- Sylvia Wetzel in: Lotusblätter. 03-2003, S. 47–48.
- Amoghavajra Karl Schmied in: Intersein. Nr. 21, Mai/2003, S. 34.
- Bernhard Schiekel: Erinnerungen an Tom Geist.
Werke
Deutsche Übersetzungen
- Sogyal Rinpoche: Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben. Barth, Bern 1993.
- Sogyal Rinpoche: Im Spiegel des Todes. DBU, München 1991.
- Das tibetische Totenbuch oder das große Buch der natürlichen Befreiung durch Verstehen im Zwischenzustand. Krüger, Frankfurt am Main 1996.
- Sogyal Rinpoche: Funken der Erleuchtung. Barth, Bern 1995.
- Sogyal Rinpoche: Die Zukunft des Buddhismus. Barth, Bern 2001.
- Christine Longaker: Dem Tod begegnen und Hoffnung finden. Piper, München 1997.
- Pema Chödrön: Wenn alles zusammenbricht. Hoffmann und Campe, Hamburg 1998.
- Klassische tibetische Medizin. 2 Bde. Haupt, Bern 1996.
- Orientalische Medizin. Haupt, Bern 1997.
- Yeshe Tsogyal: Der Lotosgeborene im Land des Schnees. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1996.
- Kalu Rinpoche: Geflüsterte Weisheit – Die Lehren des Eremiten vom Berge. Krüger, Frankfurt am Main 1997.
- Miranda Eberle Shaw: Erleuchtung durch Ekstase. Krüger, Frankfurt (Main), 1997.
- Miranda Eberle Shaw: Frauen, Tantra und Buddhismus. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2000.
- Lama Thubten Yeshe: Vajrasattva. Diamant-Verl., München 2000.
- Khenchen Könchog Gyaltsen Rinpoche: Ursachen von Glück und Leid. Drikung-Kagyü-Dharma-Text-Verlag, Aachen 2004.
- Einheit in der Vielfalt – Buddhismus in Europa. DBU, München 1992.
- Alexander Berzin: Den Alltag meistern wie ein Buddha. Diamant-Verlag, München 2000.
- Alexander Berzin: Zwischen Freiheit und Unterwerfung. Theseus-Verlag, Berlin 2002.
- Philip Kapleau: Der vierte Pfeiler des Zen. Barth, Bern 1997.
- Arnold Kottler: Mitgefühl leben. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1999.
- Thich Nhat Hanh: Die fünf Pfeiler der Weisheit. O. W. Barth, Bern 1995.
- Thich Nhat Hanh: Und ich blühe wie die Blume …. Aurum-Verlag, Braunschweig 1995.
- Thich Nhat Hanh: Die Kunst des glücklichen Lebens. Theseus-Verlag, Berlin 2001.
- Thich Nhat Hanh: Aus Angst wird Mut. Theseus-Verlag, Berlin 2003.
Weblinks
- Literatur von und über Thomas Geist im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek