Tina Leisch

deutsche Regisseurin und Journalistin From Wikipedia, the free encyclopedia

Augustine „Tina“ Leisch (* 1964 in München) ist eine österreichisch-deutsche Regisseurin, Journalistin und politische Aktivistin, die in Wien lebt. Sie selbst beschreibt sich als „Text-, Film- und Theaterarbeiterin“.[1]

Leben und Wirken

Tina Leisch lebt und arbeitet seit Anfang der 1990er Jahre hauptsächlich in Österreich. Über ihr früheres Leben ist wenig bekannt. In den 1980er Jahren lebte sie nach eigenen Angaben in El Salvador, wo sie während des Bürgerkriegs für die Befreiungsbewegung (Movimiento Popular) arbeitete.[2]

Sie gehörte zu den politisch linken Aktivisten, die 1994 in Wien-Favoriten das Volxtheater Favoriten gründeten. Zusammen mit dem Volxtheater beteiligte sie sich im Jahr 2000 an der „Kulturkarawane gegen rechts“ durch Kärnten. Zwischenzeitlich war sie Kustodin im Museum Peršmanhof (Museum des antifaschistischen Widerstandes in Kärnten), das im ehemaligen Peršmanhof in Bad Eisenkappel (slow. Železna Kapla-Bela) eingerichtet wurde und die Geschichte der Kärntner Slowenen während des Nationalsozialismus thematisiert. Von 2001 bis 2004 war sie Obfrau des von ihr mitgegründeten Društvo/Verein Peršman, des Trägervereins des Museums, und der Gedenkstätte Peršmanhof.[1]

Im Jahr 2002 inszenierte Leisch zusammen mit Hubsi Kramar das Theaterstück Mein Kampf von George Tabori. Die Inszenierung, die im Männerwohnheim Meldemannstraße in Wien zur Aufführung kam, wurde mit dem Nestroy-Theaterpreis ausgezeichnet. 2003 schrieb und inszenierte sie für das oberösterreichische Festival der Regionen das Dokumentartheaterstück Elf Seelen für einen Ochsen – Enajst duš za enega vola, das die juristische Aufarbeitung des in den letzten Kriegstagen des Zweiten Weltkriegs von den Nationalsozialisten verübte Massaker am Peršmanhof unter die Lupe nimmt.[1]

Im Jahr 2004 erarbeitete sie gemeinsam mit Patienten des Otto-Wagner-Spitals in Wien das Stück Irrgelichter im Spiegelgrund. Eine Desinfektion. Thema des Stückes war die nationalsozialistische Vergangenheit des Krankenhauses, in dem unter dem damaligen Namen Spiegelgrund behinderte Kinder ermordet wurden.

Von 2004 bis 2006 leitete sie in der Justizanstalt für männliche Jugendliche Gerasdorf eine Theatergruppe. Angeleitet von Leisch, Alma Hadžibeganović (Text), Sandra Selimović (Schauspiel) und Zoran Bogdanović (Choreographie) erarbeiteten die Insassen das Theaterstück Date your destiny, das dann auf Tournee durch Gefängnisse in Niederösterreich und Wien gehen durfte.

2007 entwickelten Leisch, Hadžibeganović und Selimović in der Justizanstalt für Frauen Schwarzau das Drama Medea bloß zum Trotz. Die Theaterarbeit mit den Insassinnen diente als Ausgangspunkt für den Dokumentarfilm Gangster Girls, der 2008 bei der Viennale Premiere hatte.

2013 stellt Leisch den Dokumentarfilm über den wichtigsten Dichter El Salvadors Roque Dalton, erschießen wir die Nacht! fertig, 2016 folgte Tanz und gib ihm!, der sehr unterschiedliche Männlichkeitsideale verschiedener Wiener junger Burschen untersucht.

Als Journalistin schrieb Tina Leisch regelmäßig für die österreichischen Zeitschriften Augustin, Volksstimme, Kulturrisse und Malmoe sowie für die in Berlin erscheinende Jungle World.

Unter dem Titel Die schweigende Mehrheit sagt JA initiierte Leisch mit den Schauspielern Bernhard Dechant und Natalie Assmann und weiteren Aktivisten und Künstlern – darunter die Sängerin Gustav, die Schauspieler Claudia Kottal, Pippa Galli und Nikolaus Habjan, die Regisseure Nina C. Gabriel und Markus Kupferblum, sowie die Autoren Eva Schörkhuber und Alma Hadžibeganović – im Juli 2015 eine Dauermahnwache „für eine humanere Flüchtlingspolitik“ vor der Wiener Staatsoper.[3][4]

Unter der Leitung von Dechant und Leisch thematisierten interkulturelle Ensembles in den Stücken Schutzbefohlene performen Jelinek Schutzbefohlene (2025/16) und Traiskirchen.Das Musical (2017/18) die Herausforderungen der großen Fluchtbewegungen für die österreichische Gesellschaft.[5][6]

Tina Leisch lebte Anfang der 2000er Jahre zeitweilig in Bad Eisenkappel in Kärnten.[7] Inzwischen lebt und arbeitet sie wieder in Wien.

2020 gehörte Tina Leisch zu den Erstunterzeichnern der Kampagne Zero Covid.[8]

Auszeichnungen

Filme

  • 1999: Vergiß Europa! Ein Weiß-Schwarzfilm
  • 2003: riefenstahlremix
  • 2008: Gangster Girls
  • 2010: Dagegen muss ich etwas tun. Portrait der Widerstandskämpferin Hilde Zimmermann[9]
  • 2013: Roque Dalton. ¡Fusilemos la noche! Let's shoot the night! Erschießen wir die Nacht! – Dokumentarfilm über den bedeutendsten Dichter El Salvadors, Roque Dalton
  • 2015: Nur die Toten kehren heim. Einblicke in den kurdischen Widerstand in der Türkei (zusammen mit Ali Can)
  • 2015: Tanz und gib ihm!

Einzelnachweise

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