Trade Republic

deutscher Online-Broker mit Sitz in Berlin From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Trade Republic Bank GmbH ist eine deutsche Neobank mit Sitz in Berlin-Mitte, die als Online- bzw. Neobroker bekannt geworden ist. Das Unternehmen bietet seinen Kunden als Kreditinstitut mit Vollbanklizenz die Möglichkeit, über eine mobile App und seit 2021 auch über eine Webanwendung börsennotierte Wertpapiere zu handeln.

Schnelle Fakten Staat, Sitz ...
  Trade Republic Bank GmbH
Staat Deutschland Deutschland
Sitz Berlin
Rechtsform GmbH
Bankleitzahl 100 123 45[1]
BIC TRBK DEBB XXX[1]
Gründung 2015
Website traderepublic.com
Geschäftsdaten 2022[3]
Bilanzsumme 7 Mrd. Euro[4]
Mitarbeiter 1100
Leitung
Unternehmensleitung
  • Andreas Torner (Geschäftsführer)
  • Gernot Mittendorfer (Geschäftsführer)
  • Christian Hecker (Geschäftsführer)
  • Thomas Pischke (Geschäftsführer)[5]
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Geschichte

Trade Republic wurde 2015 in München unter dem Namen Neon Trading im Start-up-Inkubator der Comdirect Bank gegründet.[6][7] Die Gründer des Unternehmens sind der Philosoph und Wirtschaftswissenschaftler Christian Hecker, der Physiker Thomas Pischke und der Informatiker Marco Cancellieri.[6][8]

Im Jahr 2017 investierte die Düsseldorfer Sino Beteiligungen GmbH, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Sino AG, in das Start-up-Unternehmen und übernahm die Mehrheit der Unternehmensanteile. Der Vorstandsvorsitzende der Sino AG u. Sino Beteiligungen GmbH, Ingo Hillen, wurde Geschäftsführer von Trade Republic und Anteilseigner mit einer Investition der SINO von drei Millionen Euro.[9] Im Dezember 2018 erhielt das Kreditinstitut die Lizenz als Wertpapierhandelsbank.[10] In den Jahren 2019 und 2020 investierten die Risikokapitalgeber Creandum, Project A Ventures, Accel Partners und Founders Fund über 60 Millionen Euro in Trade Republic; Sino veräußerte gewinnbringend einen Teil der Anteile und war fortan nicht mehr Mehrheitseigentümer. Im April 2020 löste Andreas Willius, ehemaliger Vorstand der Börse Stuttgart, Hillen als Geschäftsführer ab.[11]

Der Wertpapierhandel per App wurde in Deutschland ab 2019 zunächst für einen geschlossenen Nutzerkreis und schließlich ohne Nutzerbeschränkung angeboten.[8] Seit Ende 2020 bietet Trade Republic seine Dienstleistungen auch in Österreich und seit 2021 in Frankreich an.[12][13] 2025 ist Trade Republic in achtzehn europäischen Märkten vertreten.[14]

Im Rahmen des Anstiegs der GameStop-Aktie 2021 verhängte Trade Republic im Januar 2021 einen Kaufstopp für ausgewählte Aktien.[15][16] Nach Beschwerden von Kunden leitete die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ein Untersuchungsverfahren ein. Im März 2021 teilte die BaFin mit, dass sich für Trade Republic „keine Verdachtsmomente auf Marktmanipulation“ ergeben haben.[17]

Im Mai 2021 wurde eine weitere Finanzierungsrunde in Höhe von 900 Millionen US-Dollar mit einer Bewertung von 5 Milliarden US-Dollar bekannt.[18] Im Januar 2022 lösten die Bankmanager Gernot Mittendorfer (vormals Finanz-Vorstand der Erste Group[19]) und Andreas Torner (vormals Sprecher der regionalen Geschäftsleitung Südwest der Deutschen Bank[20]) die bisherigen Geschäftsführer Andreas Willius und Karsten Müller ab.[21]

Im Juni 2022 erhielt Trade Republic 250 Millionen Euro vom kanadischen Lehrerpensionsfonds OTPP und Bestandsinvestoren. Dadurch stieg die Bewertung nochmals leicht auf ca. 5,3 Milliarden Dollar (ca. 5 Milliarden Euro).[22] Kurz darauf teilte das Unternehmen mit, dass es einige Arbeitsplätze umstrukturieren müsse und aufgrund der Entwicklungen am Kapitalmarkt einige Mitarbeiter entlassen werde.[23] Seit 2023 gilt Trade Republic als profitabel.[24]

Seit November 2024 bietet Trade Republic ein Girokonto an damit bringt das Unternehmen auch eine eigene Bezahlkarte mit einem Vergütungssystem von einem Prozent auf den Markt.[25]

Im Mai 2025 erhielt Trade Republic eine Lizenz von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Deutschlands (BaFin), um Krypto-Dienstleistungen an die Einwohner des Landes anzubieten. Der Broker wird nicht direkt am Spot-Handel teilnehmen, sondern sich auf Handelsplattformen und Marktmacher verlassen, um im Auftrag seiner Kunden Transaktionen abzuwickeln. Trade Republic nutzte die Übergangsregelung, in deren Rahmen Unternehmen Kryptodienste anbieten können, während die Regulierungsbehörden ihre Anträge prüfen.[26]

Im Februar 2026 wurde bekannt, dass Trade Republic von der Bafin eine Lizenz erhalten hat, um zukünftig einen eigenen elektronischen Handelsplatz für Wertpapiere betreiben zu können. Mit der neuen Genehmigung bereitet sich der Broker auf das im Juli 2026 in Kraft tretende EU-Verbot für Rückvergütungen vor.[27]

Unternehmen

Sitz der Trade Republic Bank in Berlin (2024)

Der Sitz der Trade Republic Bank ist in Berlin. Das Unternehmen hat eine Vollbanklizenz und wird den Neobrokern zugeordnet. Diese zeichneten sich durch niedrige Gebühren, einfache Bedienung per Smartphone und schnelle Handelsmöglichkeiten aus.[10][28][29][30] Der Redaktion von boerse.ARD.de zufolge bietet Trade Republic seit 2019 provisionsfreien Aktien- und ETF-Handel.[31]

Mitarbeiter

Im Juni 2022 beschäftigte Trade Republic in Berlin und Düsseldorf insgesamt rund 700 Mitarbeiter.[23]

Kunden

Im April 2020 hatte Trade Republic rund 150.000 Nutzer, Ende des Jahres waren es nach offiziellen Angaben 600.000 Kunden mit einem verwalteten Vermögen von vier Milliarden Euro. 2021 wurde von einer Million Kunden berichtet.[2]

Im Februar 2022 veröffentlichte das Wirtschaftsforschungsinstitut DIW Econ eine Studie über die Nutzer. Trade Republic hatte die Untersuchung in Auftrag gegeben und Geschäftsdaten zur Verfügung gestellt. Die Auswertung ergab, dass rund 70 Prozent der Kunden jünger als 35 Jahre waren. 47 Prozent der Befragten zählten zu den Börsenneulingen. Laut der DIW Econ-Studie investierten mehr als 70 Prozent der Anleger, um einen langfristigen Beitrag zur Altersvorsorge zu leisten. Die wichtigsten Produkte waren Aktien (fast 60 Prozent) und ETF (26 Prozent).[32]

Im Januar 2024 hatte Trade Republic nach eigenen Angaben vier Millionen Kunden in 17 Märkten, darunter 2,5 Millionen in Deutschland. Laut Mitgründer Christian Hecker ist Trade Republic der „größte Broker Europas“ und verwaltet ein Vermögen von rund 35 Milliarden Euro.[33]

Im Januar 2025 hatte Trade Republic nach eigenen Angaben acht Millionen Kunden, darunter 5,3 Millionen Kunden in Deutschland. Das verwaltete Vermögen stieg auf 100 Milliarden Euro.[34]

Weitere Informationen Rang, Land ...
Liste der wichtigsten Märkte und Anzahl der Kunden (Stand 01.02.2025)[35][36]
Rang Land Anzahl Kunden
1 Deutschland Deutschland 5.300.000
2 Frankreich Frankreich 1.100.000
3 Italien Italien 600.000
4 Osterreich Österreich 450.000
5 Spanien Spanien 400.000
6 Portugal Portugal 100.000
Gesamt 8.000.000
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Dienstleistungen

Trade Republic bietet den Handel von Aktien, börsengehandelten Fonds (ETF), Derivaten und Kryptowährungen an.[37] Pro Transaktion wird eine Fremdkostenpauschale von einem Euro berechnet. Ein Teil der angebotenen Aktien und ETFs können ohne Kostenaufschlag ab zehn Euro pro Ausführung über Sparpläne gekauft werden.[10][38][39] Depotkosten und eine Mindesteinlage fallen nicht an.[40]

Der Handel von Aktien und börsengehandelten Fonds erfolgt über LS Exchange, das von Lang & Schwarz betriebene elektronische Handelssystem der Börse Hamburg. Diese Kurse sind an die Computerbörse Xetra gebunden.[41] Transaktionen von Derivaten werden außerbörslich von HSBC Trinkaus & Burkhardt, Citibank, Société Générale und UBS durchgeführt.[42][43][44] Es ließen sich im April 2023 54 verschiedene Kryptowährungen handeln. Anders als bei anderen Handelsplattformen für Kryptowährungen kann man sich diese nicht auf ein eigenes Wallet übertragen lassen; stattdessen werden diese bei der Verwahrstelle Bitgo Deutschland gelagert.[45] Die Ein- und Auszahlungen, sowie das Verwahren der Kundengelder, werden von der Crédit Agricole, der Deutschen Bank, HSBC Continental Europe S.A. und JP Morgan Chase SE übernommen.[46] Die Wertpapiere werden bei Clearstream verwahrt.[47] Ehemals war HSBC für die Lagerung verantwortlich.[48] Trade Republic verdient Geld durch die Rückvergütung dieser Partner für jede abgewickelte Transaktion (Payment for Order Flow).[49]

Seit Oktober 2022 bietet Trade Republic den Handel mit Bruchteilen von Wertpapieren an. Kunden können ab einem Euro einzelne Anteile an Aktien und ETF käuflich erwerben.[50]

Seit Mitte September 2023 werden auch Anleihen von Staaten und Unternehmen angeboten, in die Kunden bereits ab einem Euro investieren können.[51]

Ab November 2024 wurde ein Girokonto schrittweise für Bestands- und Neukunden bereitgestellt.[52] Das Guthaben in nun unbegrenzter Höhe wird dynamisch mit dem vollen Leitzins der Europäischen Zentralbank verzinst.

Seit Mai 2025 können Kunden für ihre Kinder eigene Depots eröffnen. Die Gebühren für die Fonds werden von Trade Republic erstattet.[53]

Seit September 2025 kann man auch in Private-Equity-Unternehmen investieren. Die Kunden von Trade Republic können sich so an Firmen beteiligen, die nicht an der Börse notiert sind.[54]

Kritik

2022 mahnte die Verbraucherzentrale Hamburg Trade Republic wegen irreführender Werbung ab, da das Unternehmen eine Gratisaktie im Wert von bis zu 200 Euro als Prämie für einen Vertragsabschluss auslobte, obgleich zum Teil nur Aktienbruchteile zugeteilt wurden. Trade Republic unterzeichnete eine diesbezügliche Unterlassungserklärung.[55]

2024 gab es mehrere Medienberichte mit Kritik an Trade Republic. Laut der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen habe es demnach oftmals Verzögerungen bei der Übertragung von Depots gegeben, ein Vorgang, der gemäß der BaFin maximal drei Wochen dauern dürfe.[56]

Der Kundenservice von Trade Republic war in den Jahren 2024 und 2025 wiederholt Gegenstand öffentlicher Kritik. Nutzer bemängelten vor allem lange Bearbeitungszeiten, fehlende Rückmeldungen und die eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten, da der Support ausschließlich schriftlich erreichbar ist und teilweise automatisiert arbeitet. Medienberichte wiesen darauf hin, dass es insbesondere bei Depotüberträgen zu Verzögerungen gekommen sei, obwohl diese laut BaFin innerhalb von drei Wochen abgeschlossen sein müssten. Auch Verbraucherzentralen registrierten eine steigende Zahl an Beschwerden, die sich häufig auf ausbleibende Antworten oder unklare Bearbeitungsstände bezogen. Zusätzlich wurde kritisiert, dass Trade Republic seinen internen Kundenservice 2024 weitgehend abgebaut und Aufgaben an externe Dienstleister ausgelagert habe, was nach Ansicht von Beobachtern zu weiteren Qualitätsproblemen führte. Im Dezember 2025 kündigte das Unternehmen an, den Kundenservice auszubauen und künftig auch persönliche Kontaktmöglichkeiten zu schaffen. Trade Republic erklärte, man nehme die Kritik ernst und wolle die bisherigen Strukturen überarbeiten, da eine rein automatisierte Betreuung nicht mehr ausreiche.[57][58][59][60][61]

Im Februar 2025 klagte die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg wegen irreführender Werbung gegen Trade Republic, da in deren Werbung den Kunden versprochen wurde, dass ihnen Zinsen von 3,0 Prozent unbegrenzt auf ihr Girokonto gezahlt würden, die von der gesetzlichen Einlagensicherung geschützt seien. Es sei jedoch nicht ausreichend darauf hingewiesen worden, dass ein Teil der Guthaben in Geldmarktfonds investiert wird, welche wiederum nicht durch die Einlagensicherung geschützt sind. Trade Republic wies die Vorwürfe zurück, da die Kunden nachvollziehen könnten, wie ihre Barguthaben verteilt würden.[62]

Im selben Jahr führte ein technischer Fehler bei einem Aktiensplit von Nvidia aus dem Vorjahr zu falschen Steuerberechnungen, da die zusätzlich entstandenen Aktien von Trade Republic wie ein Neukauf bewertet wurden, so dass fälschlicherweise Kapitalertragsteuer abgezogen wurde. Bei einzelnen Kunden führte dies dazu, dass ihr Konto kurzfristig im Minus war.[63]

Siehe auch

Literatur

  • Philipp Frohn, Lukas Zdrzalek: Die Vier-Prozent-Republik. Trade Republic begeisterte Millionen für Aktien. Der Boom ist vorbei. Gründer Christian Hecker will dennoch weiter wachsen – bloß wie? In: Wirtschaftswoche. Nr. 46, 10. November 2023, S. 56–58.

Einzelnachweise

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