Trafigura
Rohstoff-Handelsunternehmen
From Wikipedia, the free encyclopedia
Trafigura ist ein international tätiges niederländisches Rohstoffhandelsunternehmen. Verwaltungssitz der Trafigura Group Pte. Ltd. ist Singapur. Sie wird von der Trafigura Beheer B.V. und der Farringford N.V. gehalten. Das Unternehmen ist hauptsächlich im Handel mit Erdöl- und Erdölprodukten, erneuerbaren Energien, Nichteisenmetallen, Erzen und Konzentraten für die Industrie aktiv. Im globalen Handel mit Nichteisenmetallen positioniert sich Trafigura als zweitgrößtes und im Handel mit Erdöl als drittgrößtes unabhängiges Unternehmen.
| Trafigura Beheer B.V. | |
|---|---|
| Rechtsform | Privatunternehmen |
| Gründung | 1993 |
| Sitz | |
| Leitung | Jeremy Weir (Chairman) Richard Holtum (CEO)[1] |
| Mitarbeiterzahl | 14.500[2] |
| Umsatz | USD 240,3 Mrd. (2025)[2] |
| Branche | Rohstoffhandel |
| Website | trafigura.com |
Trafigura beschäftigte 2024 rund 12.000 Mitarbeiter und verfügte über 50 Büros. Das Unternehmen ist in knapp 150 Ländern tätig. Die Hauptstandorte befinden sich in Singapur sowie in London, Amsterdam, Houston und Genf. Trafigura ist gemeinsam mit der angolanischen Sonangol Holdings Eigentümer der Puma Energy mit Sitz in Genf.[3][4]
Geschichte
Trafigura wurde 1993 von Claude Dauphin – einem früheren leitenden Mitarbeiter von Marc Rich – zusammen mit weiteren ehemaligen Rich-Spitzenkräften gegründet.[5][6]
Im Jahr 2003 gründete der Konzern seine Fondsverwaltungs-Tochtergesellschaft Galena Asset Management.[7] Im Jahr 2010 erwarb Trafigura 8 % an Norilsk Nickel.[8]
Im Februar 2013 investierte Trafigura 800 Millionen US-Dollar in den australischen Energiemarkt und erwarb im Rahmen von drei separaten Transaktionen über ihre Tochtergesellschaft Puma Energy mehr als 250 Tankstellen, zwei Ölimportterminals und fünf Kraftstofflager.[9][10] Im selben Monat ging das Trafigura-Joint-Venture DT Group eine Partnerschaft mit Angolas staatlichem Ölkonzern Sonangol ein, um ein neues Unternehmen namens Sonaci DT Pte Ltd zu gründen, das Angolas neue Flüssigerdgas-Exporte (LNG) vermarkten soll.[11]
Im März 2013 gab Trafigura eine Vereinbarung mit dem Südsudan über den Export von Rohöl über Port Sudan bekannt. Die Vereinbarung mit dem Südsudan war eine Fortsetzung der langjährigen Präsenz von Trafigura auf dem sudanesischen Ölmarkt und folgte auf die Beilegung eines Rechtsstreits zwischen dem Sudan und dem Südsudan über Transitgebühren und Öleinnahmen.[12]
Einen Monat später unterzeichnete Trafigura eine Vereinbarung mit dem in Dallas ansässigen Pipelinebetreiber Energy Transfer Partners über den Transport von Rohöl und Kondensat über eine teilweise umgerüstete, 82 Meilen lange Pipeline vom Eagle-Ford-Ölfeld im McMullen County, Texas, zum Tiefwasserterminal von Trafigura in der Corpus-Christi-Bucht nahe dem Golf von Mexiko.[13]
Im Juni 2015 gab Trafigura die Gründung eines 50:50-Joint-Ventures mit der Investmentgesellschaft Mubadala Development Company aus Abu Dhabi bekannt, um in den Abbau von unedlen Metallen zu investieren. Im Rahmen der Vereinbarung erwarb Mubadala zudem 50 % des Bergbaubetriebs „Minas de Aguas Teñidas“ (Matsa) von Trafigura, der drei Minen in Südspanien besitzt, in denen Kupfer-, Zink- und Bleikonzentraterz gefördert werden.[14]
Im Oktober 2016 wurde bekannt gegeben, dass Trafigura und die russische Investmentgruppe United Capital Partners jeweils einen Anteil von 24 Prozent an Essar Oil übernehmen würden, dem Unternehmen, das Indiens zweitgrößte private Raffinerie im westlichen Bundesstaat Gujarat sowie ein Netz von 2.700 Tankstellen besitzt.[15]
Im Juli 2019 erwarb Trafigura den Mehrheitsanteil an dem operativen Geschäft von Nyrstar.[16]
Im Jahr 2022 erhielt die Lobito Atlantic Railway (LAR), ein Joint Venture zwischen Trafigura, dem portugiesischen Unternehmen Mota-Engil und dem unabhängigen belgischen Bahnbetreiber Vecturis, eine 30-jährige Konzession für den Betrieb des Lobito-Eisenbahnkorridors, der durch Angola bis in die Demokratische Republik Kongo (DRK) verläuft. Das neue Unternehmen hat sich verpflichtet, die Infrastruktur und die Dienstleistungen zu modernisieren, und investiert dafür 455 Millionen US-Dollar in Angola sowie bis zu 100 Millionen US-Dollar in der Demokratischen Republik Kongo. Geplant ist außerdem der Bau einer Verlängerung der Strecke nach Sambia.[17][18]
Von der durch die russische Invasion der Ukraine ausgelöste Energiekrise profitierte das Unternehmen und verzeichnete einen Rekordgewinn in Höhe von 7 Milliarden US-Dollar, was ermöglichte 1,7 Mrd. US-Dollar an Dividenden auszuschütten.[19]
Am 11. Januar 2023 verkaufte das Unternehmen seinen Anteil von 24,5 % an dem indischen Unternehmen Nayara Energy, einem Joint-Venture mit Rosneft. Der Anteil wurde von Hara Capital Sarl, einer Tochtergesellschaft der Mareterra Group Holding, erworben.[20]
Der Vorstandsvorsitzende Claude Dauphin, der letzte noch in einer Führungsposition tätige Gründer, hielt bei seinem Tod im September 2015 weniger als 20 Prozent des Konzernkapitals, während mehr als 700 Führungskräfte den Rest kontrollierten.[21] Dauphins Nachfolger wurde Jeremy Weir, der im Jahr 2025 das Amt des Konzernvorsitzenden übernehmen wird, während Richard Holtum neuer CEO wurde.[22]
Im Januar 2026 sicherte sich Trafigura eine der ersten beiden von den Vereinigten Staaten erteilten Sonderlizenzen für die Verhandlung von Verkäufen und den Export von venezolanischem Öl. Bei einem Treffen im Weißen Haus mit Präsident Donald Trump erklärte Unternehmenschef Richard Holtum, Trafigura rechne damit, noch in derselben Woche die erste Ladung zu verladen.[23]
Geschäft
Trafigura ist nach Vitol und Glencore der drittgrößte Rohstoffhandelskonzern der Welt. Trafigura beschafft, lagert, mischt und transportiert Rohstoffe wie Öl, raffinierte Erdölprodukte, Nichteisenmetalle, Eisenerz und Kohle. In jüngerer Zeit wurde auch der Handel mit Erdgas aufgenommen und 2019 eine Sparte für erneuerbare Energie gegründet.[24] Zur Unterstützung seines auf Arbitrage basierenden Geschäftsmodells sichert sich Trafigura über industrielle Tochtergesellschaften ein gewisses Maß an Kontrolle über Versorgung, Lagerung und Logistik: z. B. über das Öl-Lager- und Vertriebsunternehmen Puma Energy, an dem Trafigura einen Anteil von 49 % hält.[25] Trafigura ist über ihre Tochtergesellschaft Galena Asset Management, die 2003 gegründet wurde, um in Rohstofffonds zu investieren, im Handel mit Wertpapieren tätig.
Kontroversen
Skandal um Verklappung hochgiftigen Schlamms
2006 charterte Trafigura den Frachter Probo Koala, um mehr als 500 Tonnen hochgiftigen Schlamms einer ordnungsgemäßen Entsorgung in Amsterdam zuzuführen. Es handelte sich um Reste, die bei der Erdölverarbeitung zurückbleiben, d. h. eine Mischung aus Benzin- und Rohölresten sowie Reinigungschemikalien. Nach Angaben der Auftraggeber scheiterte die Entsorgung, da eines der Unternehmen einen höheren Preis forderte als abgemacht.[26] Daraufhin suchte der Frachter wochenlang erfolglos in Europa nach einem Hafen, der ihm seine giftige Fracht abgenommen hätte; im westafrikanischen Abidjan wurde der Giftmüll schließlich in Tankfahrzeuge umgepumpt. Diese verteilten ihn in der Nacht auf den 18. August 2006 in Bäche rund um den als Müllhalde bekannten Stadtteil Akuedo.[27]
Die Abfälle setzten sofort große Mengen des hochgiftigen Gases Schwefelwasserstoff frei. In der Folge starben mindestens 15 Menschen sofort. Über 30.000 Menschen erlitten akute Vergiftungen. Viele leiden bis heute an chronischen Atemwegserkrankungen, Hautausschlägen und Sehbehinderungen. Seit 2006 wird in Akuedo zudem ein starker Anstieg an Fehlgeburten und Krebserkrankungen beobachtet.[28]
Ein Teil des Giftschlamms ist nach einem Monat wieder abtransportiert worden, um in Frankreich in einer Sondermüllanlage behandelt zu werden.[29] Dennoch ist der Stadtteil bis heute so schwer kontaminiert, dass er 2021 in die UN-Liste der 50 schlimmsten Opferzonen aufgenommen wurde.[30]
Ein niederländisches Gericht hatte das Unternehmen im Juli 2010 bereits für schuldig befunden, den giftigen Müll illegal aus Amsterdam exportiert, sowie den wahren Inhalt der Fracht verborgen zu haben.[31] Trafigura erklärte sich bereit, eine Entschädigung von 150 Millionen Euro zu zahlen.[32] Es wird berichtet, dass große Teile dieser Entschädigung nicht bei den Betroffenen angekommen sind.[33]
In dem am 25. September 2012 veröffentlichten Bericht The Toxic Truth hatten Greenpeace und Amnesty International das Vereinigte Königreich aufgefordert, Ermittlungen gegen den Konzern aufzunehmen.[34][35]
Öl-für-Lebensmittel-Programm im Irak
Das Unternehmen wurde im Zusammenhang mit dem irakischen „Öl-für-Lebensmittel“-Skandal genannt, wo Trafigura 500.000 Fass Öl am Uno-Hilfsprogramm für den Irak vorbeigeschmuggelt und an Ölunternehmen in Houston, Texas, verkauft hatte. 2006 wurde das Unternehmen zu einer Geldstrafe von 20 Millionen US-Dollar verurteilt.[36]
Verbindungen nach Russland
Trafigura hatte enge Geschäftsverbindungen nach Russland und besonders zum russischen Staatskonzern Rosneft.[37] Im Mai 2015 berichtete die Financial Times, dass Trafigura trotz der Sanktionen zu einem bedeutenden Exporteur von Rosneft-Rohöl aus Russland geworden sei. Das Unternehmen verzeichnete einen sprunghaften Anstieg dieser Exporte auf fast neun Millionen Barrel Rohöl im April 2015, die größtenteils für asiatische Märkte bestimmt waren und durch Vorauszahlungsgeschäfte in Form von kurzfristigen Krediten finanziert wurden, die nicht unter die Sanktionen fallen.[38] Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 war Trafigura weiterhin in Geschäfte mit Russland verwickelt, die Insider im Kreml begünstigten.[39]
Verurteilungen wegen Korruption
Laut Anklage der Schweizer Justiz soll Trafigura zwischen April 2009 und Oktober 2011 in Korruptionszahlungen an einen angolanischen Amtsträger verwickelt gewesen sein.[40][41] Am 31. Januar 2025 wurden im Urteil des Bundesstrafgerichts hochrangige Mitarbeiter und Mittelsmänner des Konzerns verurteilt. Auch Trafigura selbst wurde verurteilt, da man zu wenig getan habe, um die Korruption zu verhindern. Es sei das erste Mal gewesen, dass ein Schweizer Rohstoffkonzern wegen Korruption verurteilt wurde. Da der Weg zur Berufung offen steht, ist das Urteil noch nicht rechtskräftig.[42]
Im März 2024 erklärte sich Trafigura bereit, sich schuldig zu bekennen und eine Geldstrafe in Höhe von rund 127 Millionen US-Dollar zu zahlen, um Vorwürfe der Bestechung von Regierungsbeamten in Brasilien durch ehemalige Mitarbeiter oder Vertreter in den vergangenen Jahrzehnten beizulegen, nachdem das US-Justizministerium eine Reihe von Ermittlungen zu Praktiken in der Ölindustrie durchgeführt hatte.[43]
Im Juni 2024 einigte sich Trafigura mit der Commodity Futures Trading Commission auf einen Vergleich und zahlte eine Zivilstrafe in Höhe von 55 Millionen US-Dollar, um Vorwürfe wegen Betrugs, Marktmanipulation und Behinderung von Hinweisgebern im Zusammenhang mit dem Benzinmarkt in Mexiko zwischen 2014 und April 2019 beizulegen.[44]
