Tusiata Avia
neuseeländische Dichterin und Kinderbuchautorin
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Tusiata Donna Avia (* 1966[1] in Christchurch) ist eine neuseeländische Dichterin und Kinderbuchautorin. Sie gehört zu den bekanntesten zeitgenössischen Dichterinnen Neuseelands.[2]

Werdegang
Tusiata Avia wurde in Christchurch geboren, wo sie auch aufwuchs.[3] Sie wurde nach ihrer Großtante benannt; Tusiata bedeutet auf Samoanisch Künstlerin.[4] Ihre Mutter Sylvia hat britische Wurzeln und lebte seit ihrer Jugend in Christchurch. Ihr Vater Namulauulu Mikaio Avia gehörte zur ersten Generation samoanischer Einwanderer, die nach Neuseeland kamen. Als Tusiata 13 Jahre alt war, trennten sich ihre Eltern.[4] Ihr Vater kehrte, nachdem er 50 Jahre in Neuseeland gelebt hatte, mit seiner damaligen Ehefrau nach Samoa zurück, wo er um das Jahr 2015 starb.[5]
Mit etwa zehn Jahren begann Avia, Gedichte und Erzählungen zu verfassen. Als sie in der 8. Klasse war, gewann sie den Literaturpreis ihrer Schule. Fünf Jahre nach ihren ersten Werken hörte sie auf zu schreiben. Mädchen mit dunkler Hautfarbe arbeiteten ihrer Meinung nach nicht als Schriftstellerinnen. Dieser Gedanke wurde von externen Einflüssen geprägt, was die gesellschaftliche Realität dieser Zeit widerspiegelt.[6] Avia benutzte zu dieser Zeit ihren Zweitnamen Donna, da sie mit Rassismus zu kämpfen hatte und ihre samoanischen Wurzeln verleugnen wollte.[4]
Avia studierte an der University of Canterbury und übernahm anschließend eine Lehrtätigkeit am Hillary College (heute Sir Edmund Hillary Collegiate) in Auckland.[6] Um das Jahr 1995 reiste sie einige Zeit durch den Nahen Osten, lebte einen Monat in Damaskus und setzte ihre Reise durch Griechenland und die Türkei fort, bevor sie nach Syrien weiterreiste. 1996 lebte sie für ein Jahr auf der Sinai-Halbinsel in Ägypten, wo sie in der Verwaltung einer Tauchschule arbeitete. Im Anschluss bereiste sie mit einer Freundin Äthiopien, Kenia und Tansania.[7]
Im Jahr 1999 lebte Avia in London. Bei einem Besuch ihres Cousins in Neuseeland, der als Dramatiker tätig war, lernte sie eine Vielzahl von Schriftstellern, Filmemachern, Schauspielern und Künstlern aus dem pazifischen Raum sowie der Māori-Kultur kennen.[4] In den 1990er Jahren erlebte die Kultur der pazifischen und Māori-Kunst eine erste Blütezeit. Avia entschied sich, nach Neuseeland zurückzukehren, um ihrer Leidenschaft fürs Schreiben nachzugehen. Sie ließ sich in Wellington nieder und meldete sich für einen Schreibkurs am Whitireia College an.[6] 2002 schloss sie erfolgreich den Masterstudiengang für Kreatives Schreiben an der Victoria University (Maori Te Herenga Waka) ab.[8]
2007 kehrte Avia nach Christchurch zurück,[4] wo ihre Tochter[9] geboren wurde. Sie verbrachte die nächsten acht Jahre im Kreise ihrer Familie. 2015 zog sie mit ihrer Tochter nach Otara (einem Stadtteil von Auckland) und unterrichtete am Manukau Institute of Technology (MIT) Kreatives Schreiben.[4] Zum 1. Februar 2026 wurde sie Creative New Zealand Writer in Residence am International Institute of Modern Letters.[10]
Schriftstellerische Tätigkeit
Für ihre Bücher untersucht Tusiata Avia totgeschwiegene Aspekte der Samoanischen Kultur, unter anderem die verbreitete Gewalt gegen Kinder, die problematischen Praktiken der Kirche und ähnliches.[4] Ihre Lyrik verwebt Mythologie mit persönlichen Erzählungen und reflektiert ihre samoanische und neuseeländische Herkunft.[11] Sie thematisiert Fragen zu Rassismus und Identität mit einer Mischung aus Humor, Aufrichtigkeit und Mut.[12] Sie hat sich zu einer bedeutenden Stimme für die indigenen Völker von Polynesien entwickelt.[6]
Tusiata Avias erstes veröffentlichtes Werk war das Kinderbuch The Song (2002)[11], in dem es um einen Großvater und seine Enkeltochter Tina geht. Er bringt sie zur Schule, wo die Kinder ein Lied auf tokelauisch singen, das er in seiner Kindheit ebenfalls gesungen hat. Auf Wunsch seiner Enkelin bleibt er und bringt der Klasse ein neues Lied bei.[13] Im Jahr 2004 erschien ein weiteres Kinderbuch mit dem Titel Mele and the Fofo (2004).[11] Rat and octopus: a tale from Sāmoa ist ihr drittes Kinderbuch, das 2017 herauskam. Der Ursprung ist eine Geschichte, die in vielen Pazifikinseln bekannt ist. Avia schildert die Erzählung eines Oktopus, der eine drohende Ratte vor dem Ertrinken bewahrt, indem er sie auf seinem Kopf trägt. Die schelmische Ratte hinterlässt ihre Spuren auf dem Kopf des Oktopus.[14]
Tusiata Avias erster Gedichtband Wild Dogs Under My Skirt wurde 2004 veröffentlicht. Darin erzählt sie vom Leben einer samoanischen Frau und zeichnet ein zutiefst persönliches Bild des Lebens auf den Pazifikinseln und dessen vielfältige Berührungspunkte mit dem Leben in Neuseeland.[3] Am Whitireia College wurde ihr von einer Dozentin geraten öffentlich aufzutreten, da diese ihr darstellerisches Talent erkannte. So begann Avia einige Gedichte vorzutragen und stellte ein Soloprogramm zu Wild Dogs Under My Skirt zusammen, in dem sie alle sechs darin vorkommenden Charaktere selbst spielte.[4] Sie adaptierte das Programm als Theaterstück, das in Neuseeland und weltweit, von Moskau bis Marokko, aufgeführt wurde, darunter auch eine Spielzeit Off-Broadway im Jahr 2020.[3] Das Werk wird als einer der erfolgreichsten Theaterexporte Neuseelands angesehen.[2]
Avia war außerdem Stipendiatin verschiedener Künstlerresidenzen, darunter 2005 das Fulbright Pacific Writer’s Fellowship an der University of Hawai'i und 2010 die Ursula Bethel Writer in Residence an der University of Canterbury.[15] Um 2016 veröffentlichte sie mehrere Gedichte, in denen Nafanua, ursprünglich eine historische Persönlichkeit aus Samoa, Erfahrungen im 21. Jahrhundert macht.[16]
The Savage Coloniser Book erschien 2021. Hier setzt sich Avia mit der Geschichte des Rassismus auseinander, unter anderem beleuchtet sie kritisch die Situation in Australien und die die Kolonialzeit verherrlichenden Statuen von James Cook[2] sowie die Hintergründe der neuseeländischen Terroranschläge auf zwei Moschee in Christchurch im Jahr 2019.[15] Das Buch zieht die Linie weiter bis zur Black-Lives-Matter-Bewegung.[17] Die Bühnenadaption des Buches feierte 2023 Premiere.[3]
Der Gedichtband Big Fat Brown Bitch aus dem Jahr 2023 ist ein schonungsloses Werk. Es „[…] steps off from a bonfire blaze of racism, hatred, ignorance, intolerance, the inability to cross and build bridges, to understand what it is like to be colonised, to be judged by the colour of your skin, the sound of your name.“[18] Avia thematisiert erneut die Problematik des Rassismus sowie die fortwährenden Folgen der Kolonialisierung Aotearoas (Māori für Neuseeländer). Sie berichtet von persönlichen Erlebnissen, wie etwa Beleidigungen in der Schule, und setzt sich mit landesweiten Themen, insbesondere der Politik, auseinander.[19] Es ist teilweise eine Antwort auf die Drohungen, die sie selbst von weißen Rassisten und der extremen Rechten erhalten hat.[2]
Bereits kurz nach dem Tod ihres Vaters um das Jahr 2015 hatte Avia mit dem Schreiben eines Buches begonnen, in dem sie ihr Bedauern über seinen Verlust thematisiert sowie die herausfordernden Umstände, mit denen sie in ihrer Großfamilie in Samoa konfrontiert war. Besonders setzt sie sich mit den Schwierigkeiten und Komplexitäten der samoanischen Bestattungskultur auseinander. Das Buch, das sie als ihr persönlichstes Werk bezeichnet, wurde 2025 unter dem Titel Giving Birth to My Father veröffentlicht.[5] Der erste Abschnitt des Buches trägt den Titel This is how it was supposed to go, während der zweite Abschnitt mit This is how it went überschrieben ist.[20]
Auszeichnungen
- 2006: CNZ Emerging Pacific Artist Award[11]
- 2013: Janet Frame Literary Trust Award[10]
- 2017: Fale Aitu/Spirit House war auf der Shortlist für den Ockham New Zealand Book Awards[15]
- 2020: Arts Foundation Te Tumu Toi Laureate Award[10]
- 2020: Mitglied des New Zealand Order of Merit[10]
- 2021: Peter-and-Mary-Briggs-Award für Lyrik beim Ockham New Zealand Book Awards für ihr Buch The Savage Coloniser Book[3]
- 2023: Te Herenga Waka Distinguished Alumni Award für Big Fat Brown Bitch[15]
- 2024: Prime Minister’s Awards for Literary Achievement[10] (als erste Frau mit pazifischen Wurzeln[2])
- 2024: Big Fat Brown Bitch stand auf der Longlist für den Ockham New Zealand Book Award 2024 in der Kategorie Belletristik[15]
- 2025: Giving Birth to My Father stand auf der Longlist für den Ockham New Zealand Mary-and-Peter-Biggs-Award für Lyrik[15]
- 2025: Te Herenga Waka Distinguished Alumni Award für Giving Birth to My Father[15]
Werke (Auswahl)
- Wild Dogs Under My Skirt, Victoria University Press, 2005, ISBN 978-0864734747.
- Bloodclot, Victoria University Press, 2009, ISBN 978-0864735935.
- Fale Aitu / Spirit House, Victoria University Press, 2017, ISBN 978-1776560646.
- The Savage Coloniser Book, Victoria University Press, 2021, ISBN 978-1776564095.
- Big Fat Brown Bitch, Te Herenga Waka University Press, 2024, ISBN 978-1776921294.
- Giving Birth to My Father, Te Herenga Waka University Press, 2025, ISBN 978-1776922918.
- Kinderbücher
- The Song, Victoria University Press, 2002, ISBN 978-1776690183.
- Mele and the Fofo, Victoria University Press, 2004, ISBN 978-0478265897.
- Rat and octopus: a tale from Sāmoa, Victoria University Press, 2017, ISBN 978-1776694174.
Weblinks
- Offizielle Website
- Tusiata Avia auf der Website der Academy of New Zealand Literature (englisch)